Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürsehung, f.

fürsehung, f.,
s. vorsehung. ahd. begegnet weder ein furisëhunga noch ein forasëhunga, eben so wenig mhd. ein vürsëhunge oder ein vorsëhunge; erst im 15. jh. taucht fursehung auf und zwar in der hernach unter 3) angegebenen bedeutung. im 16. jh. scheint nur fürsehung oder, wie Frisius und Maaler schreiben, auch schon vorher Dasypodius 260ᵇ neben fürsehung 423ᵃ hat, fürsähung gebraucht, und selbst noch im 17. jh. haben Henisch, Schönsleder, Stoer blosz fürsehung. doch setzt bereits Hulsius in seinem 1605 herausgegebenen dictionar. 2, 226ᵇ fürsehung wie vorsehung und führen das von Widerhold in Basel verlegte neue dictionarium von 1669, Matthias Kramer in seinem 1678 gedruckten deutsch-ital. wortbuch, Reyher in seinem 1686 erschienenen lexicon sowol fürsehung als auch vorsehung an, jedes an seiner stelle im alphabete; nur Stieler 2026 nimmt allein das letzte auf, während er doch „für- sive vorsehen“ bietet (s. vorhin sp. 805). im 18. jahrh. haben Wilhelmi, Rädlein, Dentzler, Weismann, Kirsch fürsehung wie vorsehung nach der alphabetischen ordnung, die beiden ersten jedoch das letzte wort mit hinweisung auf fürsehung, das ihnen demnach vorzuwiegen scheint. Matthiä folgt in der ersten ausgabe seines lexicons ganz seinem vorbilde Kirsch, setzt dagegen in der dritten ausgabe (1761) 2, 161ᵃ bei fürsehung gleich vorsehung bei und dann s. 435ᵇ wieder, wie in jener ausgabe, dieses für sich, ein zeichen, dasz jenes als schwindend angesehen wurde, was noch stärker hervortritt, wenn in Webers deutschlat. universalwb. (1770) vorsehung, das ebenfalls an seiner stelle im alphabete steht, s. 319ᵃ bei fürsehung in klammern beigefügt ist. Frisch, Hederich und dessen nachtreter Nieremberger nehmen auch bereits fürsehung gar nicht mehr auf, eben so wenig Haas in seinem deutschen u. franz. wb. (Leipz. 1786), ferner Scheller, während Adelung kurzweg auf vorsehung verweist und hier anmerkt, pro in dem lat. providentia habe vermuthlich die irre geführt, welche fürsehung geschrieben und gesprochen wissen wollten, indem doch der begrif des vorhersehens sehr merklich hervorsteche. er, der die geschichte des wortes nicht kannte, hatte hier offenbar nur die unten unter 6) angegebene bedeutung im auge, aber von dieser gieng das wort nicht zunächst aus, sondern findet sich am frühsten in der unter 3) angegebenen, indem es, wie die bei dieser angeführte stelle aus dem vocabular. theut. von 1482 zeigt, das lat. provisio ausdrückt, für das es auch zuerst gebildet scheint. seine berechtigung kann aber fürsehung nicht abgesprochen werden, wenn es auch heute durch das jüngere vorsehung verdrängt ist. ähnlicher ansicht, wie Adelung, ist Campe, der unter vorsehung, auf welches er ebenfalls bei fürsehung kurz verweist, dieses verwirft, nicht allein weil der begrif des vorhersehens und des anordnens im voraus hier besonders hervorsteche, sondern auch weil das sehen und sorgen für uns oder für unser bestes nur ein damit verbundener nebenbegrif sei. aber gerade diese bezeichnung tritt in der entstehung des wortes eben so stark hervor, wie das vorhersehen. dasz übrigens, wie Heynatz antibarb. 1, 436 angibt, fürsehung gleich fürsehen gegen ende des 18. jh. trotz dem verdrängtwerden durch vorsehung noch seine vertheidiger gefunden, zeigt Bauers deutschlat. lex. (1798), wo sp. 1082 fürsehung und sp. 2824 vorsehung verzeichnet ist und zwar das letzte mit dem beisatz in klammern besser fürsehung. es ist auch hier die unter 6) gegebene bedeutung gemeint, bei der noch der spätere Heyse 2, 1733 unter vorsehung bemerkt: oberd. auch fürsehung u. versehung. eine völlig irrige ansicht Heinrich Brauns wird unten erwähnt werden. Nun zu den bedeutungen, welche sich, da fürsehung von fürsehen abgeleitet ist, nach denen dieses verbums in folgender weise ordnen:
1)
die handlung des vorhersehens oder des voraussehens, die voraussicht. für die fürsehung, dasz er nicht komm, soll mans also salben. Paracelsus 1, 693ᵃ.
2)
die aus voraussicht und vorausbedenken hervorgehende vorkehrung, die aus voraussicht hervorgehende anordnung zu einem zwecke. fürsähung, fürsorg, provisio, cautio. Maaler 149ᵈ, nach Frisius (1556) 1085ᵃ. zeigten jm jren rahtschlag, so sie uber sein handel entschlossen, an, welcher, nach gantz undertheniger beschehener dancksagung unnd zu fürsehung und verrichtung seines geschäffts also bald auff dasselbig urlaub von jnen name. Amadis 56, 108. fürsehung thun, in voraussicht vorkehrung treffen, wie auch das einfache fürsehen steht. s. fürsehen I 4). derhalben und auff dasz er dem unraht unnd nachtheil, so sich zutragen unnd entspringen möcht, fürsehung that, stelt er sein volck in ein schlachtordnung. 372, 795; Polybius sagt, das von künftigen dingen, als wann sie schon geschehen weren, beständige fürsehung nicht zu tuhn, nemlich in den jenigen, welche sich von natur anders zutragen können, sondern es müsten teils derselben dem unvorsehenen ausgange gelassen werden. Butschky kanzlei 499. bei Dentzler 1, 740ᵇ prospicere, vorsehen, vorsehung thun, aber 2, 118ᵇ mit dat. der person einem fürsehung thun, prospectum velle alicui. übrigens fällt der ausdruck hier und unter 3) so wie hier und unter 4) nicht selten zusammen.
3)
die von voraussicht und vorausbedenken ausgehende bestrebung, dasz das erforderliche da oder vorhanden sei. fursehung, provisio. voc. theut. 1482 i 7ᵇ. providentia, prospicientia, provisio, cura, fürsehung, versorgung, sorg. Alberus dictionar. T 4ᵇ. copia, fürsehung und fürsorg, mit speysz. Frisius 332ᵃ und danach Maaler 149ᵃ; annona salaria, fürsehung des saltzes. Frisius 99ᵇ und danach Maaler a. a. o., es ist hier der salzvorrath gemeint und der lat. ausdruck aus Livius 29, 37, 2; conditivus cibus, fursehung der speysz die man hindersich legt oder gehalt, fürsorg, vorradt. Frisius 286ᵇ; penus, vorraat, oder fürsähung, unnd das järlich eynkauffen für das hausgesind. 970ᵃ und danach Maaler a. a. o. auch hier erscheint fürsehung thun, natürlich in der engern bedeutung: aus voraussicht das erforderliche beschaffen, wie das verbum fürsehen gesetzt wird. s. fürsehen I 4) u. II 5). der bey einer gemeine ein amt hat, sol jhme angewönen, güttig zu seyn, damit er, wo ein mangel erscheinet, fürsehung tuh. Butschky kanzlei 295.
4)
die in voraussicht gegründete wahrung oder bewahrung, das in voraussicht gegründete behüten. dann überhaupt so viel als obhut, obsorge: die kinder, die noch in gwalt und fürsehung jrer eltern steen. Nürnberger reformation 171ᵇ. auch hier wird der ausdruck fürsehung thun gleich dem verbum fursehen gebraucht. vgl. fürsehen II 7). provideo, ich fürsihe, vermeyde, verware, thuͦn fürsähung. Dasypodius 260ᵇ und danach bei Serranus cc 3ᵃ, der fürsehung schreibt, die infinitive.
5)
aus voraussicht hervorgehende vorsicht, ein sich vorsehen vor bevorstehendem. auch czewissen thuͦn wie eyn münch von sant Antoni orden mit eyner schnellen fürsehung flohe eyn grosses ungelücke und schand, das im von zweien jungen gesellen bereyt und zuͦgericht was. Boccaccio 2, 196 (Steinhöwel decam., ausg. v. Keller, s. 400, 8), im ital. texte steht con subito riparo. Alle diese bedeutungen erlöschen in der ersten hälfte des 18. jh. schriftdeutsch und es bleibt nur die folgende:
6)
das vorhersehen und die damit verbundene bestimmung und leitung des zukünftigen, providentia. von gott gebraucht. diese bedeutung, welche von der unter 2) angegebenen ausgeht, taucht erst im 16. jh. auf, aus welchem wol ältester beleg die folgende stelle aus dem zu Wittemberg 1523 gedruckten sendbrief Luthers über die frageob auch yemant, on glauben verstorben, selig werden muge“ A iiijᵃ: und ob der spruche mer wurden auffbracht, müssen alle der massen verstanden werden, sonst were dye gotliche fursehung und erwelung von ewickeyt nichts, darauff doch s. Paulus harrte dringt. es ist dies aber auch das einzigemal, dasz, nach der sorgfältigen forschung von Ph. Dietz wb. zu Luthers deutschen schriften (Leipzig 1870) 1, 755ᵇ, Luther das wort gebraucht, denn in seiner bibelübersetzung apostelgesch. 2, 23 und 1 Petr. 1, 2, wo fürsehung stehn konnte, setzt er das in gleichem sinne gebrauchte versehung, das auch in der eben angeführten stelle die Jenaer ausgabe der werke 2, 268ᵃ hat. trotzdem aber und dasz Alberus in seinem dictionar. fürsehung in der bedeutung hier nicht anführt, sondern in der vorhin unter 3) angegebenen, scheint es in jener mehr im gebrauch gewesen zu sein, denn bei Dasypodius 423ᵃ lesen wir „die göttlich fürsehung, oder gott, mens mundi, providentia“. später wurde es in diesem sinne geläufiger:
heist das nicht grob gelestert gott
und sein fürsehung gar verspot.
Fischart v. s. Dominici N 2ᵃ.
göttliche fürsehung. Emmelius Hh 8ᶜ. fürsehung gottes, fatum, providentia dei. Henisch 1305, 54; durch fürsehung gottes, fataliter, necessario. 55. aber im 17. jh. macht sich in dér bedeutung daneben auch vorsehung geltend, wie denn das Genfer deutschfranz.wb. für einen reisendenv. 1683 s. 116ᵃ bei fürsehung auf vorsehung verweist, dann s. 408ᵃ bei diesem worte die vorsehung gottes ansetzt, und Stieler 2026 nur gottes vorsehung hat. im 18. jh. schreibt Wilhelmi 2, 103 wieder fürsehung gottes, während Rädlein wol 313ᵃ das blosze fürsehung, jedoch 1016ᵃ unter vorsehung ausdrücklich die vorsehung gottes und die vorsehung gottes nöthiget niemand anführt. Dentzler 2, 115ᵇ bietet dann nur fürsehung gottes und Kirsch 2, 125ᵃ so wie sein nachtreter Matthiä (1761) 2, 161ᵃ führen an die welt wird nicht durch die klugheit der menschen, sondern durch gottes fürsehung regieret. allein fürsehung wird hier schriftdeutsch durch vorsehung bald fast ganz verdrängt und kommt nur noch vereinzelt vor:
sie (Lenore) fuhr mit gottes fürsehung
vermessen fort zu hadern.
Bürger Lenore, im götting. musenalm. 1774 s. 218. ged. 1778 s. 86;
einer von den guten landesvätern, womit die göttliche fürsehung noch dann und wann ein kleines ländgen beglücket. J. Möser patriot. phant. 3, 169. alterthümlich:
fischer. ists möglich? aber Ihr? wie seid Ihr hier?
seid Euren banden und dem sturm entkommen?
Tell. durch gottes gnädge fürsehung —
Schiller Tell 4, 1 (erster druck s. 160),
ohne entsprechende stelle bei Tschudi. aber das wort wird im 18. jh. auch ohne den beisatz gottes, göttliche und dergleichen gesetzt, blosz für sich, und hat dann die bedeutung: die voraussicht, bestimmung und leitung gottes in ansehung der veränderungen im laufe der dinge. es ist dies so viel als gott selbst in dieser voraussicht, bestimmung und leitung. auch in dieser übergetragenen bedeutung erscheint fürsehung nur vereinzelt: die fürsehung hat dich der welt geschenkt und hat dich mir geschenkt, denn ach! was wäre ich ohne dich! E. v. Kleist neue ged. (1758) s. 82, wo man später ohne berechtigung vorsehung besserte, wahrscheinlich weil der dichter allerdings sonst dieses setzt: die vorsehung wird schon die rechte der tugend behaupten. s. 95; wenn wirst du deine rechte schützen, o vorsehung! 124;
die vorsehung,
die über alles wacht, sah seine treu
und seine groszmuth an, und liesz das meer
ihm nicht zum grabe sein.
29.
die fürsehung, d. i. gott selbst, deus, numen, voluntas dei. Bauer deutsch-lat. lex. (1798) 1082, der, wie oben erwähnt, fürsehung für den besseren ausdruck erklärt, aber auch sp. 2824 wider die vorsehung streiten, deo repugnare, dann ob eine vorsehung sey? u. s. w. hat. Eine unterscheidung, wie die von Heinrich Braun in seinem deutsch-orthographischen wb. s. 105ᵇ fürsehung, wenn gott für jemanden fürsieht und 247ᵃ vorsehung, in gott, wodurch er alles vorhinein sieht, ist sprachkünstelei, weder dem ursprunge noch der geschichte des wortes gemäsz und somit verwerflich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 808, Z. 64.

vorsehung, f.

vorsehung, f.,

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vgl. fürsehung th. 4, 1, 1, sp. 808, wo über das verhältnis der beiden formen und ihre behandlung durch die älteren lexikographen bereits ausführlich gesprochen ist. anzuführen ist noch vürsehunge Lexer 3, 608; vürsehung Jelinek 911; lexikographisch wird vorsehung a. a. o. erst aus Hulsius (1605) belegt, es findet sich aber schon früher: predestinatio vorsehunge Diefenbach gloss. 453, auch bei schriftstellern des 16. jh. neben dem allerdings weit häufigeren fürsehung: ausz vordachtem rad und vorsehung gotes Luther 34, 1, 490 W.; nach des lands brauch vorsehung thuͦn Münster cosm. (1550) 152; vorsehung gottes Kirchhof wendunm. 4, 145 Ö. dasz Adelung und Campe fürsehung verwerfen, ist th. 4, 1, 1 bereits erwähnt, den verteidigern von fürsehung ist aber noch Gottsched hinzuzufügen: (fürsehung) es bedeutet aber nicht nur ein vorhersehen, sondern eine göttliche sorgfalt für die menschlichen dinge und die ganze welt. man musz es also nicht vorsehung, sondern fürsehung schreiben beob. (1758) 243. fürsehung ist eine nachbildung von providentia, wie schon Adelung bemerkt hat, vgl. zeitschr. f. dt. wortf. 3, 236; diese bedeutung wird von vorsehung übernommen, s. unten 3. vorsehung ist zunächst das voraussehen, in diesem sinne scheint fürsehung kaum vorzukommen. oben ist es nur einmal aus Paracelsus belegt; aber die stelle ist miszverstanden: für die fürsehung, dasz er (der schlaganfall) nicht komm, soll mans (das öl) also warm mitten auff den kopff ... salben op. (1616) 1, 693. fürsehung hat hier den gewöhnlichen sinn von vorsorge, der schlaganfall soll verhindert werden.
1)
das vorhersehen: vorsehung, so viel als vorhersehung Krünitz öcon. encycl. 231, 445; voraus-, vor-, vorhersehung, prevedimento, prognosticamento Kramer teutschital. dict. 2 (1702) 754ᵃ; leicht mit erweiterung des sinnes: es ist besser vorsehung (vorsicht) als nachsehung (nachsicht) 754ᵃ; vgl. vorsehen 3; beide nährten sich von kastanien, welche die mutter nicht ohne vorsehung in der tasche hatte grafen zu Stolberg (1820) 8, 287. — im reinen sinn von praevidere: niemand hat sich der vorsehung der finsternisse nützlicher als Hanno gebraucht Lohenstein Armin. (1689) 1, 783ᵇ.
2)
in der ältesten bedeutung von fürsehung, auf voraus- und vorhergehender überlegung von möglicher weise eintretenden verhältnissen sich gründende vorsorge, ergreifen entsprechender maszregeln, bereitstellung von mitteln u. ä., vgl. vorsehen 5. diese bedeutung, von Adelung schon als veraltet bezeichnet, hält sich noch lange bis ins 19. jh.; im engeren sinne eine vorsorge, um etwas abzuwehren, zu verhüten (vorsehen 5 b).
a)
vorsehung, cautio Stieler 2026; vorsehung, providenza, provedimento, provisione, cautela, guardia Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753ᶜ; die vorsehung wird nicht unnützlich seyn ebda; provision die vorsehung Spannutius (1726) 389; vorsehung, 'umsicht und klugheit, womit man etwas vorher berechnet und die mittel zur erreichung einer absicht nothwendig früher wählt' Krünitz öcon. encycl. 231, 445: aus väterlicher kaiser- und königlicher vorsehung zu stewer der heilsamen justitz verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 22 Palm; zu aller ersprieszlicher vorsehung nichts verabseumen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 77; sie überliesz sich der vorsehung des gesindes Rabener (1777) 1, 211; man erstreckte die vorsehung auf die beschützung seines vorraths hinaus Sonnenfels (1783) 2, 17; sonstige vorsehung wegen des Dresdener kunstvereins Göthe III 12, 342 W.; unübersehbare geneigtheit, günstige vorsehung und hochzuverehrende nachsicht IV 39, 63; (es) wurde erzählt, der feind mache verdächtige bewegungen an der gränze; und kein mensch dachte an eine vorsehung Ayrenhoff (1814) 3, 337. — mit abhängigem genit.: provisio bonorum ecclesiasticorum vorsehung gnugsamer kirchengüter Orsäus nomencl. method. (1623) 111.
b)
besonders häufig, jetzt veraltet, ist vorsehung thun (vgl. schweiz. idiot. 7, 577); Adelung beschränkt die wendung auf die sprache der kanzleien; providere, far provisione vorsehung thun Hulsius (1618) 2, 314ᵃ; vorsehung thun zu etwas Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753ᶜ; zu seiner zeit ò bey zeiten vorsehung thun ebda; vorsehung thun, providere Dentzler clavis ling. lat. (1716) 338ᵃ; man wird dafür vorsehung thun Schwan nouv. dict. (1783) 2, 973ᵃ; soll vorsehung thun, das er gutes zeugs schneidmesser ... habe Sebiz feldbau (1579) 50; vorsehung zu euwer reisz zu thun theatrum amoris (1626) 334; thaten guete vorsehung wider die Teutschen Brandis d. tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 27; musz sie auch vorsehung thun, dasz das vieh ... mit gebührender streu versehen werde Hohberg georg. cur. 3 (1716) 1, 65ᵃ; so glaubte Karl hierinn von des staats wegen vorsehung zu thun M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 298; der gesetzgeber musz desznahen vorsehung thun, dasz ... Pestalozzi 9 (1930) 104.
c)
vorsehung thun in besonderen wendungen: einer stadt vorsehung thun mit lebensmitteln; einer kirchen mit einem pfarrer vorsehung thun Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 754ᵃ; hier berührt sich vorsehung nahe mit versehung (s. versehung thun th. 12, sp. 1265). — mit dem dativ: so gut nun auch Wenzel glaubte der inneren ruhe des reichs vorsehung gethan zu haben M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 21.
d)
andere verbalverbindungen: maszen ... auch in den pragischen landtagen hievon gleichfals meldung und vorsehung beschehen verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 6 Palm; plur.: immer beschehene vorsehungen 2, 273. — woselbst ich weitere vorsehung für euch haben werde Ettner-Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 139. — Karl machte auch wegen Italien die vorsehung, dasz Bernhard dieses reich haben sollte M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 429. — das vermögen, über das sie vorsehung traf Thümmel reise (1791) 7, 399; damit man bey zeiten vorsehung treffen und sich ökonomisch darnach einrichten könne Göthe IV 34, 163 W.; fälle, für welche die bestehende gesetzgebung nicht hinreichende vorsehung getroffen habe Ranke (1867) 16, 322.
3)
in der sprache der neuzeit wird vorsehung fast ausschlieszlich auf gott bezogen oder doch in einer bedeutung gebraucht, die von der religiösen vorstellung abgeleitet ist (s. vorsehen 4); 'im theologischen sinne ist die vorsehung gottes die bestimmung aller nicht nur künftiger, sondern auch gegenwärtiger veränderungen seiner geschöpfe' Adelung; seltener wird in diesem religiösen sinne vorsicht (s. dieses) gebraucht; fatalmente durch gottes vorsehung, nöhtig, unveränderlich Hulsius (1618) 2, 148ᵃ; die vorsehung gottes, la providenza di dio Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753ᶜ; über das erste vorkommen von fürsehung in dieser bedeutung ist th. 4, 1, 1, sp. 810 unter 6 gehandelt, wo als ältester beleg eine stelle aus Luther von 1523 angeführt wird; ältere belege sind: die göttliche fürsehung buch d. beispiele 140 lit. ver.; in aller weysheit und in der fürsechung gottes (durch allerley weisheit und klugheit Ephes. 1, 8) d. erste dt. bibel 2, 159 K.während bei der vermenschlichung gottes das wort im sinne des voraussehens gebraucht werden kann, weist eine tiefere auffassung diese vorstellung zurück:
gott siehet nichts zuvor: drumb leugstu, wenn du ihn
mit der vorsehung miszt nach deinem blöden sinn
Ang. Silesius cherub. wandersmann 119, 92 ndr.
die zeit ist für gott nicht vorhanden, alles zukünftige für ihn gegenwärtig, damit aber auch als notwendig bestimmt. doch auch hier macht sich die unter 2 behandelte bedeutung geltend, gottes vorsehung wird zur fürsorge und verbindet sich unter umständen mit verwandten begriffen: ohn dessen (gottes) vorsehung und sorg er keinen augenblick könte bleiben Hartmann fluchspiegel (1672) 47; die göttliche hülff und vorsehung Grimmelshausen 4, 648 Keller.ein nonnenorden führt den namen schwestern von der göttlichen vorsehung: er errichtete hernach einen vom könig von Pohlen privilegirten orden der göttlichen vorsehung Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 189; vgl. vorsehungsorden, -schwestern.
a)
in älterer sprache in dem eingeschränkten sinne der prädestinationslehre, nach der ein theil zur seligkeit, ein anderer von gott im voraus zur verdammnis bestimmt ist (gnadenwahl), vgl. vorsehen 4: praedestination, vorsehung, gnadenwahl, darvon die Calvinisten irrig lehren Wächtler (1714) 291; man findt vill leut, die geren wolten gewisz seyn oder eyn zeychen haben vom hymell, wie sie mit gott dran weren und yhr vorsehung wissen Luther 2, 694 W.; got hat von ewigkeit geordnet, er wolle etlich durch Christum seligk machen, solliche vorsehung und furgeordnete von ewigkeit berufft er in tzeyt durch die predig des evangeli Eberlin v. Günzburg 2, 46 ndr.; streitiger artikel von der vorsehung, ... ob auch eine jede person zum ewigen leben versehen sei Schweinichen denkw. 4 Ö.; ein alte mutter hat einsmahl ein sehr lehrreiche predig gehört von der praedestination und vorsehung zu der ewigen glory Abr. a s. Clara Judas 2 (1689) 442.
b)
in allgemeiner anwendung von dem vorausschauenden und fürsorgenden walten gottes: auf das wir an deiner vorseung unabweichig klebende ... gesettiget waerden vom überflus der güter Melissus psalm. 136 ndr.; dasz es gott nicht hat wollen haben und also sein will und vorsehung nicht gewesen Schweinichen denkw. 23 Ö.; konte ich mich nicht gnugsam über die göttliche vorsehung verwundern Grimmelshausen Simpl. 355 ndr.; kann die vorsehung gottes zutraulicher, zärtlicher gelehrt werden? Herder 12, 226 S.; (eine seele,) die bisz zu dem grade erleuchtet ist, dasz sie den plan der göttlichen vorsehung im ganzen vor augen hat Schiller 1, 75 G.; dein wille, unendlicher, deine vorsehung Fichte (1845) 2, 307; kampf und streit der nationen als eine ewige nothwendigkeit von der göttlichen vorsehung geboten Freytag (1886) 13, 56; in seinem vertrauen auf die unmittelbare, persönliche vorsehung gottes G. Keller (1889) 6, 386;
wenn gottes vorsehung sich dieses mundes
zu ihrer rettung wunderbar bediente
Schiller Wallensteins tod 5, 5.
c)
charakterisierende epitheta: die wunderbare vorsehung des herren in allen seinen creaturen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 753ᶜ; unvorgreiflich der gütigen vorsehung gottes Sebiz feldbau (1579) 46; der allmächtigen, allweisen vorsehung gottes Moscherosch insomnis cura parentum 64 ndr.; o allerweiseste gottheit, wie werden doch die scharffsichtigsten augen verdüstert, wenn sie in die sonne deiner unerforschlichen vorsehung schauen wollen Lohenstein Armin. (1689) 1, 78ᵇ; von gottes gnädiger vorsehung Reimarus wahrh. d. nat. religion (1766) 606; von gottes heiliger vorsehung Chph. v. Schmid (1858) 2, 4.
d)
auf einen einzelnen fall bezogen, der die vorsehung gottes erkennen läszt: und ist nicht ohne sonderbare vorsehung desz höchsten berührt druckerkunst in den letzten zeiten ... empor gekommen Harsdörffer teutscher secretar. (1656) 1 vorr. 15; er bewundert ... in der aufgehobenen belagerung von Olmütz ... eine besondere göttliche vorsehung Lessing 8, 35 M.
4)
besonders in neuerer sprache wird vorsehung gern alleinstehend gebraucht, wobei unter umständen die vorstellung des einen waltenden gottes abgeschwächt oder umgebildet werden kann; vor allem aber kann von der vorsehung wie von einer person gesprochen werden: 'in höherer schreibweise' wird nach Adelung gott vorsehung genannt. diese einschränkung gilt nicht für die weitere entwicklung der sprache.
a)
im allgemeinen wird die religiöse vorstellung festgehalten, z. b. wenn epitheta mit vorsehung verbunden werden, wie sie unter 3 c angeführt wurden: an der unsterblichkeit der seele und an einer gütigen vorsehung zu zweifeln d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. (1751) 9, 689; Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 21; Göthe 37, 331 W.; IV 32, 31; Fr. Th. Schubert verm. schr. (1823) 3, 4. — himmlische, allzeit weise vorsehung br. von u. an Klopstock (1867) 30; Möser (1842) 1, 243; Bräker (1789) 1, 2; Schubert a. a. o. 1, 6; Freytag (1886) 12, 208. — die gerechte vorsehung Platen 3, 64 R. — die ewige vorsehung Schubart leben u. gesinn. (1791) 2, 60; das geheimnis der ewigen vorsehung W. Weigand d. renaissance (1904) 148. — wie viele oder wenige grosze genies die vorsehung der welt gebe, stellen wir ihr anheim Herder 22, 201 S.; nächst der vorsehung war er seine genesung ... der geschicklichkeit unsers wundarztes ... schuldig G. Forster (1843) 1, 430; der gläubige, von dessen haupt kein haar ohne die vorsehung fällt Klinger (1809) 12, 28; es giebt eine vorsehung in der weltgeschichte Jean Paul 7/10, 344; das verhältnisz des wettlaufs zur vorsehung Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 3; trachtete, vorsehung und freien willen in harmonie zu bringen Laube (1875) 5, 208.
b)
auf einen besonderen fall, ein einzelnes geschehen bezogen: nach solcher ihrer that, welche ich glaub von der vorsehung meiner wegen geschah schausp. engl. comöd. 219 Cr.; (jünglinge,) die gewisz durch ganz besondre vorsehung ... in Göttingen zusammen kamen Miller ged. (1783) 447; es waltet eine besondere vorsehung (special providence) über den fall eines sperlings Shakespeare Hamlet 5, 2;
den zufall giebt die vorsehung — zum zwecke
musz ihn der mensch gestalten
Schiller don Karlos 3, 9.
c)
mannigfaltige wendungen beziehen sich auf das verhältnis der menschen zur vorsehung, das verhalten gegenüber der vorsehung; glauben an die vorsehung: du weist, wie ich denke, und wie fest ich an die vorsehung glaube Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 90; eine trostlose lehre hatte ihm die vorsehung und tugend genommen Tieck (1828) 8, 71. — gefühl der abhängigkeit: Johann Friedrich, der ... alles von der vorsehung erwartete Ranke (1867) 4, 369; (dasz ich) der meinung war, dasz ich einer vorsehung im leben noch sehr benötigt sein würde G. Keller (1889) 1, 317. — bitte und dank: die vorsehung ... um unglück zu bitten Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 65; wir erflehen den segen der vorsehung Fr. L. Jahn 2, 369 E.; wie ich auf knieen der vorsehung zu danken habe Gaudy (1844) 2, 143; wir haben der vorsehung zu danken, dasz der erste deutsche kaiser sein leben auf einundneunzig jahre hat bringen dürfen Mommsen reden u. aufs. (1905) 167. — unterwerfung und auflehnung: das übrige wollen wir der zeit und der vorsehung überlassen Miller Siegwart (1777) 2, 357; (tadelnd:) man brauche nur faul und langsam ... hinter der vorsehung herzuziehen Hans Grimm volk ohne raum (1928) 1, 473. — (ein thor,) welcher frembde kinder in seinem hause will auffziehen und wider die vorsehung streiten Lehman floril. polit. (1662) 3, 316; nach art aller unbesonnenen, die erst der vorsehung trotzen, dann ihren beistand auffordern Gerstenberg Ugolino 234 dt. nat.-lit.; um sich gleichsam als rebell gegen die vorsehung zu beweisen Hans Grimm a. a. o. 1, 419. — vgl. noch folgende besondere wendungen: wie zerreiszend mag die empfindung seyn, mit der wir dann die vorsehung fragen — warum? Caroline 1, 21 Waitz; sie machen der vorsehung kein sonderlich compliment Göthe 22, 90 W.; in der überzeugung, dasz man der vorsehung nicht so in die karten sehn kann Bismarck ged. u. erinn. 1, 114 volksausg.
d)
die vorstellung der persönlichkeit liegt auch meistens beim walten der vorsehung zu grunde: die vorsehung hat ihm nichts recht gemacht d. vern. tadlerinnen (1725) 2, 218; personen, welche die vorsehung ... verwahrloset zu haben scheint Herder 16, 351 S.; wo die vorsehung ihre räzel auflöszt Schiller 3, 514 G.; die vorsehung liesz es zu, dasz verschiedene sprachen entstanden Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 7; der mensch ist einmal so stolz, dasz er durchaus will, die vorsehung lenke jeden seiner schritte Tieck (1828) 14, 212.
e)
mehr noch tritt die vorstellung der persönlichkeit in folgenden, leicht zu mehrenden, z. th. festen wendungen hervor; wille, absichten der vorsehung: also sind alle veränderungen ... den absichten der vorsehung untergeordnet Ramler einl. in d. schön. wissensch. 4, 274; jedermann meinte ... den willen der vorsehung zu erkennen Ranke (1867) 40/41, 52; ob es im willen der vorsehung liege G. Keller (1889) 2, 118. — gunst der vorsehung:
es schenkt dir die gunst
der weisen vorsehung die würdigste brunst
Günther 1, 314 Kr.;
eine besondere gunst der vorsehung Ranke (1867) 3, 300. plan, rat, beschlusz: die groszen plane der vorsehung zu überschauen Lichtenberg verm. schr. (1800) 2, 223. — ist es im rathe der vorsehung beschlossen Iffland theatral. w. (1827) 2, 173; in anderem sinne: ach, der lieutenant ... war auch nicht im rathe der vorsehung angestellt Raabe d. hungerpastor (1864) 205. — nach dem schlusz der vorsehung Gottschedin br. (1771) 1, 66. — buch der vorsehung: keins von uns hat im buche der vorsehung sein schicksal gelesen H. L. Wagner theaterstücke (1779) 76. — mittel, werkzeuge: erlesene werkzeuge der vorsehung Herder 19, 53 S.; die vorsehung hat tausend mittel, die gefallenen zu erheben Göthe 24, 227 W.man spricht von der hand, dem arm, dem finger, dem auge der vorsehung: das heisze der vorsehung in den arm fallen Gaudy (1844) 2, 103. — das heis ich ein würdiges werkzeug in der hand der vorsehung abgeben Schiller räuber 1, 2; ich hätte sinken können, aber die hand der vorsehung hielt mich Caroline 1, 5 Waitz; ihr seht mich ja in den händen der vorsehung Engel (1801) 6, 111. — die natur des dramas duldet den finger des ohngefährs oder der unmittelbaren vorsehung nicht Schiller 3, 5 G.; wer genauer schauen und den finger der vorsehung erkennen will J. Grimm kl. schr. 1, 219. — wo ist hier der finger gottes? wo das aug der vorsehung Klinger (1809) 3, 137. — die vorsehung winkt und ruft: wenn ich ein frommes kind wär, so könt ich sagen — ein wink der vorsehung Caroline 1, 79 Waitz; Immermann 5, 133 B.; als die vorsehung mir noch furchtbarer winkte Meisl theatral. quodlibet (1820) 1, 211. — man sieht, dasz mir die vorsehung auf mehr als einer seite zurief Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 38. — besonders häufig ist die verbindung wege der vorsehung: an den wegen der vorsehung fast verzweifelnd Herder 26, 364 S.; die wege der vorsehung zu bewundern G. Forster (1843) 1, 9; die höhern wege der vorsehung A. v. Arnim 3, 127 Göthe 37, 248 W.; Hegel (1832) 9, 17; Stifter (1904) 1, 281.
f)
die vorsehung wird daher wie eine person angeredet: geh deinen unmerklichen schritt, ewige vorsehung Lessing 13, 434 M.;
da flehen wir, und unsre kinder,
vorsehung, dich an
Klopstock oden 1, 150 P.-M.;
hör es, grosze vorsehung!
so frevelhaft beschimpft er deine gabe
Schiller dom Karlos 2, 5.
g)
eine abschwächung tritt ein, wenn noch eine andere kraft oder macht der vorsehung an die seite gestellt wird: berge geben uns wohl den begriff von naturgewalt, nicht aber von wohlthätigkeit der vorsehung Göthe in schr. d. Götheges. 21, 159; fügung des schicksals und der vorsehung Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 302; absicht der natur und der vorsehung Ranke (1867) 27, 83. — skeptische auffassung: auszer dem schlechten wetter hat die vorsehung noch erst gestern die wirtschaftsgebäude von Dobblhof angezündet Grillparzer in jahrb. d. Grillpazrerges. 1, 153.
h)
auf menschliches walten übertragen: eine mutter ist die vorsehung ihrer kinder Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 7, 231; (er, Friedrich Wilhelm IV., werde niemals zugeben,) dasz sich zwischen gott im himmel und sein land ein beschriebenes blatt gleichsam als zweite vorsehung eindränge, um mit seinen paragraphen zu regieren H. Prutz preusz. gesch. (1900) 4, 234; sie nannten ihn ... ihre vorsehung M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 371; ich habe mir vorgenommen, ein bischen vorsehung zu spielen W. Weigand d. ewige scholle (1927) 343; in der folgenden stelle wiegt bei dem ersten vorsehung der begriff des vorhersehens vor: wer von uns hätte errathen — d. h. also die vorsehung der vorsehung sein — können, dasz ... Jean Paul (1826) 33, 12.
5)
als erstes glied von zusammensetzungen, meistens im sinne von vorsehung 4:
vorsehungsanstalt f.,
vorkehrung der vorsorge (2, b) euer wirthschaftlicher zustand ist gespannt, ihr bedürftet zehnfach verstärkter vorsehungsanstalten Pestalozzi (1819) 7, 182. —
vorsehungsbegriff m.:
bei dem vorsehungs- und offenbarungsbegriffe Fichte (1845) 5, 167. —
vorsehungsglaube m.,
glaube an eine vorsehung: dem ängstlichen gefühle, in der welt dem rohen zufalle preisgegeben zu sein, öffnet es (das christentum) die bergenden arme des vorsehungsglaubens D. Fr. Strausz (1876) 6, 251. —
vorsehungsgläubig adj.:
sein drangsal machte ihn beinahe vorsehungsgläubig Kolbenheyer Montsalvasch 329. —
vorsehungskopf m.:
das musz ein vorsehungskopf seyn, der aus so vielen disparaten bestandtheilen ein ganzes zusammenzubringen macht und weisheit hat Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 2, 229. —
vorsehungslehre f.,
lehre von der vorsehung, im engeren sinne prädestinationslehre (3 a). —
vorsehungsorden m.;
'töchter der vorsehung gottes gestiftet 1647 von Marie de Lumagne Potaillon, unter aufsicht des heil. Vincenz von Paula' Krünitz öcon. encycl. 231, 447. die nonnen heiszen vorsehungsschwestern.
vorsehungsplan m.,
vgl. unter 4 e. —
vorsehungsspielerei f.:
die natur ... in ihrer schopenhauerischen vorsehungsspielerei Dühring werth d. lebens 215; vgl. vorsehung spielen unter 4 h. —
vorsehungsvermögen n.:
wegen der erfüllten (ahnungen) schreibt sich die eigenliebe ein ... vorsehungsvermögen zu allg. dt. bibl. 69, 417 (vgl. unter 1 und vorsehen 3). —
vorsehungswähler m.,
im sinne von anhänger der prädestinationslehre (oben 3 a): das sollen die vorsehungs- und gnadenwähler verantworten Jac. Böhme 2, 174 Schiebler.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1938), Bd. XII,II (1951), Sp. 1547, Z. 63.

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Zitationshilfe
„fürsehung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrsehung>, abgerufen am 27.10.2021.

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