Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürsetzen

fürsetzen,
s. vorsetzen. ahd. furisezan, furisezzan, daneben nur einmal foresezan (unser nhd. vorsetzen), dessen part. praet. foresezit, praelatus, sich nemlich gl. jun. 244 findet. mhd. vürsetzen. nhd. bietet der voc. theuton. von 1482 so wie der vocab. gemma-gemmar. von 1505 t 7ᵈ u. vijᶜ fursetzen und vorsetzen, der voc. incip. teuton. blosz fursetzen, dagegen der niederdeutsche Leipziger vocabularius optimus v. 1501 X 6ᵃ u. Y iij vorsetten. Dasypodius, Serranus dictionar., Alberus dictionar., Frisius, Maaler, Hulsius, Henisch haben nur fürsetzen, während Emmelius J iijᶜ ᵈ und Stieler 2040 sowol für- als vorsetzen anführen. auch Dentzler, Weismann, Kirsch u. Matthiä verzeichnen beide, jedes an seiner stelle in dem alphabete, doch die beiden letztgenannten vorsetzen mit hinweisung auf fürsetzen, welches bei ihnen demnach noch vorzuwiegen scheint. Steinbach 2, 357 dagegen bringt fürsetzen wie vorsetzen mit vorherschen des letzten in den beispielen, und Frisch 2, 270 setzt bei jenem kurz sein s. vorsetzen, hat aber nachher neben diesem oder fürsetzen. Hederich verweist bei fürsetzen ohne weiteres auf vorsetzen, eben so der ihm folgende Nieremberger bei fürsezen auf vorsezen. jenes schon gegen die mitte des 18. jahrh. kaum mehr auftauchende fürsetzen erscheint dann bald nach derselben völlig verdrängt, weshalb es auch Weber in seinem deutschlat. universalwb., Haas, Bauer, Scheller und selbst Adelung gar nicht mehr anführen, sondern blosz vorsetzen, das schriftdeutsch fortan allein gebraucht ist. fürsetzen dauert nunmehr nur noch mundartlich fort, z. b. schweiz., bair., wetterauisch, oberhessisch u. s. w. jene schweiz. form ist försetza, s. unten I 3) und 7). das part. praet. lautet fürgesetzt, aber im 15. und 16. jh. ist rückumlautendes fürgesatzt gleichberechtigte form, die freilich später veraltet und erlischt. der vocab. gemma-gemmarum v. 1505 t 7ᶜ hat vorgesatzt, könnte aber eben so gut fürgesatzt haben. vgl. vorsetzen und setzen. Das wort steht
I.
transitiv und bedeutet
1)
vornhin setzen, vorn vor jemand stellen. mit acc. der bezeichnung dessen, was zum essen oder trinken aufgetragen wird, und mit dat. der person. ahd. ëʒentê inti trinkentê thiu man iwih furisezze. Tat. 44, 7. mhd. alsô gât dër knëht ûʒ unde gewinnet krût ûf dëm vëlde unde gât wider hain unde snîdet daʒ krût in dën haven, unde dô ëʒ gesôt dô sazte ër ëʒ dën wîssagon für unde hieʒ sî ëʒʒen. Grieshaber pred. 2, 51; und solt eine iclîche spîse für guot hân, die man dir fürsetzet. Friederich v. Niuwenburg in Pfeiffers Germania 3, 229ᵃ. nhd. und satzte jm essen fur. 1 Mos. 24, 33; und er trug auff butter und milch, und von dem kalbe das er zubereitet hatte, und satzts jnen fur. 18, 8; da nu die priester hinaus waren, lies der könig dem Bel die speise fürsetzen. Bel zu Babel 13; isz wie ein mensch, was dir furgesetzt ist. Sir. 31, 19; ich wil dir einen bissen brots fursetzen, das du essest, das du zu krefften komest. 1 Sam. 28, 22; setze jnen brot und wasser fur, das sie essen und trincken und las sie zu jrem herrn ziehen. da ward ein gros mal zugericht. 2 kön. 6, 22; und ich satzte den kindern von der Rechabiter hause becher vol weins und schalen fur und sprach zu jnen: trinckt wein. Jer. 35, 5; und wie man den todten opffer fursetzet, also setzet mans jnen auch fur. Baruch 6, 26. auch ohne acc. gesetzt, der dann in gedanken vorschwebt, mit bloszem dat. der person: sie haben die kuchen und keller besser bestellet, denn wir, und können uns vol auff fursetzen und herrlich speisen. Luther von den letzten worten Davids (Wittemberg 1543) R iijᵃ, eine stelle, die Ph. Dietz 1, 756ᵃ beibringt.
2)
vor augen stellen, zum vor sich haben stellen. mit einem bloszen acc. oder einem satz an dessen stelle. zu mercken, das er nu beschreibt und fürsetzet, was ein rechtes leben sey. Luther 1, 21ᵃ. danach auch: vor der seele sein oder sich befinden machen, vor dem geiste sich befinden machen. mit bloszem acc. oder auch zugleich mit dat. der person: mhd. alrêrst sint uns suntâren vur gesezzet siben laster houbethafter sunden, dâ wir uns vone behuoten sculen. Kelle spec. eccles. 178. nhd. denn David spricht von jm: ich habe den herrn allezeit furgesetzt für mein angesichte. apostelgesch. 2, 25, es ist hier ps. 16, 8 gemeint ich hab den herrn allezeit fur augen. aber dann weiter so viel als in aussicht stellen, fest und bestimmt in aussicht stellen. promittere, fursetzen. Eychman q 6ᵇ. mit bloszem acc.: aber ein verdienst ist nicht unbereit auff seinen lohn, sondern wol bedacht und fürgesetzt in das lohn. Luther 1, 488ᵃ.
3)
vorstrecken, dargeben, leihen. commodare, auszleyhen, fürsetzen. Frisius (1556) 262ᵃ und danach fürsetzen, fürstrecken, commodare, leyhen bei Maaler 150ᵃ; einem vertrauwen, leyhen und fürsetzen, ire in creditum. ebenda; gält leyhen und fürsetzen, credere pecuniam. ebenda. fürsetzen, leihen, commodare. Dentzler 119ᵃ. noch appenzellisch försetza, vorschieszen, vorstrecken. Tobler 203ᵇ. bat ein (einen), er solt ihm etlich gelt fürsetzen. Pauli schimpf 139ᵃ; thu so wol und setze mir etlich gelt für. 139ᵇ; ein armer schuler hat niemand, der ihm fürsetzt, das (dasz) er studieren mag. 141ᵇ.
4)
in der ordnung der stelle nach setzen eh ein anderes kommt, der ordnung gemäsz seine stelle vorher geben. mit acc., neben dem zugleich noch ein dat. stehn kann. dieweil das v, einem lautbuͦchstaben fürgesetzt, für ein f gelesen würt, so habens etlich genötigt, dz (dasz) es auch vor andern buͦchstaben ein f muͦsz sein, als vor dem l in dem wörtlin vleis und etwa vorm r als in dem wörtlin vreüntlich. Ickelsamer gramm. C iijᵃ.
5)
vorwärts setzen, auf eine stelle voraus bewegen zum feststehn auf derselben. mit bloszem acc.: so setzt sie den rechten fusz für und was jr die recht seyt und brust spitziger als die linck. Fischart Garg. 82ᵃ (1608 K jᵇ).
6)
entgegensetzen, zunächst zum schutze. mit acc. und dat. der person oder sache.
frey, sicher bist du, so du wilt,
wan ichzit (irgend etwas) dich ja wolt verlötzen,
der warheit stehts wehrhafften schilt
des unglücks stosz fürsetzen.
Weckherlin 197.
hieran schlieszt sich, wenn fürsetzen in dem sinne vonwiderstehn, widerstand leisten, sich widersetzen“, mit dat. der person oder sache, aber ohne acc. steht, so dasz es als intransitiv verwendet erscheint: denn es ist nicht genug (wie ich droben gesagt habe) das man sich für dem feinde wol verwaret habe und könne jm fürsetzen, wenn er uns angreiffet, das wir nicht geschlagen werden, welches heisset eine schutzkrafft, sondern gehört auch dazu die wehrkrafft, damit man dem feind nachjage und in die flucht schlahe. Luther 5, 526ᵃ. diese intransitive verwendung tritt noch entschiedener hervor, wenn selbst auch der dat. mangelt. opponere, fürsetzen, entgegen setzen, wider etwas setzen. Frisius (1556) 921ᵇ und danach Maaler 150ᵃ, bei dem aber der letzte ausdruck fehlt, was auch bei dem aus Maaler schöpfenden Dentzler 119ᵃ stattfindet. steiff und starck fürsetzen, obfirmare. Kirsch (1723) 2, 125ᵃ und danach Matthiä (1761) 2, 161ᵃ. besonders aber tritt sie hervor, wenn das wort die bedeutung annimmt: mit der waffe drauf los gehn. das erste dienet dazu, das ich nicht uberwunden werde, das ander, das ich den feind uberwinde und siege. jenes ist eine schützekrafft (nemlich zum schutze der stadt, zur abwehr dasz sie nicht erobert werde), aber dies heisset eine wehrekrafft oder siegekrafft (nemlich zum ausfall aus der stadt, den feind in die flucht zu schlagen), die nicht allein für sich fest stehet und starck ist, sondern kan auch fürsetzen und umb sich hawen unter die feinde. 512ᵇ. es ist dies die stelle, auf die die vorher angeführte hindeutet.
7)
vor eingespanntes zugvieh vorspannen. fürsetzen, ein zugrossz oder rinder (es sind ochsen gemeint) für den anderen setzen. Maaler 150ᵃ. fürspannen, fürsetzen, praejungere, ante jugum collocare. Dentzler 2, 119ᵃ. vorsetzen oder fursetzen, hiesz vor diesem pferde im nothfall vor eines andern pferde spannen, dasz sie ziehen helfen. Frisch 2, 270ᶜ. noch zu Werdenfels in Oberbaiern: vorspannen vor pferden, die schon eingespannt sind. Schmeller 3, 298. appenzellisch försetza, vorspannen. Tobler 203ᵇ.
8)
zum oberen setzen, zum oberen bestimmen, zur behörde bestimmen oder machen. fürgesetzte obrigkeit, magistratus praefectus. Stieler 2040. mit acc. der person und dat. der person oder sache. schon ahd. furisezan, praeficere. gl. mons. 33 (glosse zu praefecisset Jer. 40, 7). Graff 6, 300. nhd.praeficio, ich setz oder stel für“. Alberus dictionar. HH 4ᵃ. fürsetzen, zu einem fürgesetzten und obmann machen, praeficere, praeponere. Maaler 150ᵃ nach Frisius 1043ᵃ und 1039ᵃ. fürsetzen einem land, praeficere, praeponere. Dentzler 119ᵃ. fürsetzen, preponere. voc. theut. 1482 i 7ᵃ. Henisch 1304, 63. dann Ruodbertus und ander lieb vätter, die bey got yetz seinn und vor zeiten dem volck der kirch Saltzburg fürgesetzt gewest, haben dasselb volckh, auch ander christglawbig lieb gehabt. Berthold von Chiemsee cap. 23, 8 (s. 161); darauf ermon jch die ablässigen christen, daʒ jr ewr engel und heyling (heilige), die ew hie und dort seinn von gott gegeben und fürgesetzt, nit dermasz, wie jr biszher ain zeyt gethan, verachtet. ebenda; mer hat er (Jesus) gesagt: seint gehorsam denen die euch fürgesetzt sint. Schade sat. u. pasqu. 2, 86, 36. auch statt des dativs mit einem abhängigen, die bestimmung ausdrückenden satze: ich verwundere mich, dasz die leut in bestellung der schaffhirten und küehirten, auch anderer taglöhner so aberglaubig und scrupulos seyn, aber die jugend zu unterweisen oft die jenigen, welche bälder schaden als dociren können, fürsetzen thun. Schuppius 743. ein fürgesetzter, einer der zum oberen gesetzt ist, einer der zu befehl, anordnung, leitung über einen andern, andere oder etwas gesetzt ist. praefectus, ein fürgesetzter, obmann u. s. w. Frisius (1556) 1039ᵇ und danach Maaler 147ᵈ. praefectus, fürgesetzter, vogt, schaffner. Dentzler 1, 255ᵃ.
9)
vorziehen. mit acc. und gewöhnlich auch dat. der person oder sache. ahd. fure sezzent spiritalia carnalibus (keistlîchiu fleisclîchen). N. ps. 97, 5; tie dës lîchamen froma (nutzen) fure sezzent tien fromôn dëro sêlô. Boeth. 138. s. auch Graff 6, 300. nhd.preferre, furwenden, fursetzen, uberheben“ u. s. w. Eychman q ijᵃ. fursetzen, preferre. voc. inc. teuton. f 4ᵃ. wann on zweiffel dein sitlich geperd und edels gemuͤtt inn meinem hertzen vor allen andern meinen dienern für gesötzt gewesen und noch ist. Wirsung Cal. (1520) C ijᵃ;
das (dasz) Roboam der jungen radt
der alten fürgesetzet hat.
Schwartzenberg 108, 1, statt dem der alten;
in dem du (es ist eine fichte angeredet) aber dir läst meinen grund gefallen,
ey so gefällt mir auch dasz dieser andren allen
von dir bleibt fürgesetzt.
Logau 1, 193.
fürsetzen, vorziehen, praeferre, anteponere. Dentzler 2, 119ᵃ.
10)
fest bestimmen, als bestimmung zur befolgung festsetzen, fest und bestimmt anordnen. mit acc. der sache: mhd.
diu furgesazzitiu nôt   diu wirt iu niht geminnerôt. ...
ich wil alle tage   haben dër ziegil zale.
exodus, Milst. hs., s. 133, 31,
vgl. die vulgata exod. 5, 18, aber auch den exod. in den fundgruben 97, 35. nhd. fürsetzen, fürschreiben. Henisch 1304, 59; der präceptor hat nichts fürgesetzt, praeceptor praetermisit aliquid discendum praescribere. 61.
11)
der bestimmung gemäsz vornehmen, der anordnung gemäsz ausführen. vollnstreckung der urtheil mit gewalt fürsetzen. cammergerichtsordn. von 1521 31 §. 10. vgl. unten II 3).
12)
fortsetzen.
13)
mhd. weidmännisch in einen hunt vürsetzen, ihn auf die spur des wildes, auf die fährte schicken.
swër Wâgen (es ist der jagdhund Wâge gemeint) wol kan hetzen
und kan ouch in verhalten
und weidenlich fürsetzen,
so mag dës hundes wol gelücke walten.
Laber 288.
14)
ebenfalls mhd. auch: fest in den sinn fassen, den sinn richten auf —, den sinn gerichtet halten auf —, erwartend den sinn gerichtet halten auf —.
sus sazte ich alleʒ (allezeit, immer) beʒʒerunge für.
Walther 95, 21,
= hoffte ich fest auf besserung. nhd. scheint fürsetzen = „in den sinn fassenhier und da vorzukommen, doch liesze sich auch annehmen, dasz das reflexive pronomen ausgelassen sein könnte. mihi certum est, ich bin eigentlich desz sinns, ich habs gewüszlich fürgesetzt. Frisius (1556) 214ᵃ und danach Maaler 147ᵈ. inn sich fürsetzen, concipere animo. Henisch 1305, 5. vgl. nachher II 2).
II.
reflexiv, sich fürsetzen, in den bedeutungen:
1)
sich vor augen stellen, sich im geiste vorstellen. vgl. oben I 2). mit acc. oder einem satz an dessen stelle. mhd.
in was ûf die reise gâch:
dës (deshalb) sazten sie in wênic vür,
wëder unvuor noch gevüer
in dâ von widervüer.
krone 28313.
die bedeutung kann auch nhd. noch vorkommen, einen beleg aber weisz ich nicht anzuführen.
2)
fest in den sinn fassen, sich fest vornehmen. vgl. vorhin 14). ich hab bey mir selbs beschlossen unnd mir fürgesetzt, deliberatum et constitutum est mihi, sic sententia est. Maaler 147ᵈ; si istuc ita certum est tibi, wenn du dir also hast fürgesetzt. Frisius 214ᵃ und danach Maaler a. a. o. hierbei ist unbestimmt gelassen, ob ein acc. oder ein satz oder an dessen stelle ein inf. mit zu folgt. zuerst mit acc. der sache. mhd. daʒ ist daʒ aller bœste daʒ ir getuon müget, die in bœsiu dinc für setzent, wan dû weist niht ob dich got unz morgen læt lëben. Berthold 513, 22;
sie næmen die maget guote   von dëm swærem muote
dën sie ir habte furgesat.
Wernhers Maria 166, 10 (Otter s. 69).
nhd. wolt gott, alle bergkherrn setzten jn Salomonis weyse regierung und kluges hauszhalten zum exempel für, so würden reich unnd bergkwerck biszweylen auff bessern füssen stehen. Mathesius Sarepta (1562) 31ᵇ;
warumb setzt du dirs so scharff für,
noch wol kommen zusammen wir.
Ayrer 223ᵇ;
der mensch setzt ihm wol ein ding für, aber gott schickts wie er will. Weismann 2, 136ᵇ. häufig aber steht an der stelle des acc. ein satz: mitteld.
nu hân ich mir vur gesât,
daʒ ich tôte dën vater mîn.
Albrecht Ovid nr. 18, 148.
nhd. ich hab mir fur gesetzt, das (dasz) mein mund nicht sol ubertretten. ps. 17, 3; ich habe mir furgesetzt, ich wil mich hüten, das ich nicht sündige mit meiner zungen. 39, 2; aber Daniel setzt jm fur in seinem hertzen, das er sich mit des konigs speise ... nicht verunreinigen wolt. Dan. 1, 8; der mensch setzt jm wol fur im hertzen, aber vom herrn kompt was die zunge reden sol. spr. Sal. 16, 1, wo der letzte satz objectivsatz der beiden vorhergehenden ist. aber der satz kann auch durch einen inf. mit zu vertreten werden: da das ausgerichtet war, satzte jm Paulus fur im geiste, durch Macedonian und Achaian zu reisen. apostelgesch. 19, 21; ich wil euch aber nicht verhalten, lieben brüder, das ich mir offt habe furgesetzt, zu euch zu komen. Röm. 1, 13;
hat jr offt fürgsetzt in den tagen
mit eim flegel jhn zu erschlagen
oder den heimlich zu erstechen.
H. Sachs II (1591). 3, 140ᵃ;
ein weyb die jren selbs fürgesetzt hat ein bösen duck zethuͦn. Maaler 147ᵈ, nach Frisius 214ᵇ. dasz ... er sich nichts entsetzet, sonder mit jhm zustreiten fürgesetzt. Amadis 140, 291; dieweil Balais ... jm fürgesetzt, diesen ritter zusuchen. 296, 624; ich setzte mir etliche mahl für, von meinem herrn urlaub zu nehmen. Ulenhart historien von Lazarillo de Tormes (1624) s. 44. endlich kann auch bei sich fürsetzen nur ein adv. stehn: dasz sich der mensch (offtermal) jhm anderst fürsetzt, denn jhm von oben herab nicht geordnet ist. Amadis 299, 632. An diese bedeutung schlieszt sich aufs engste die folgende an:
3)
als zu erstrebendes ziel fest sich vornehmen, als zu erstrebendes ziel fest in den sinn fassen. mit acc.:
der künig Nabuchodonosor,
do jm zuͦ fyel me glück dann vor
und er Arfaxat uber wandt,
meynt er erst haben alle landt
und setzt eyn götlich gwalt jm für:
wart doch verwandelt jn eyn thyer.
Brant narrenschif nr. 56, 31.
vgl. Zarncke in seiner ausg. s. 392ᵃ zu der stelle.
4)
sich vorziehen, sich über andre setzen, sich über andere erheben. nit sprich, warumb wolt ich es dem tuͦn, man tuͦt es mir nit, ich bedörfft sein auch wol. nitt setz dich selbs ymmertzu für, als ob du yederman in dich richten wöllest, truck dich under got und under alle menschliche creaturen. Keisersberg predigen 111ᵈ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 811, Z. 78.

fürsetzen, n.

fürsetzen, n.
der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums. nach der bedeutung I 3): einen feynd machen und überkommen mit gält fürsätzen, emere talento inimicum. Maaler 150ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 815, Z. 58.

vorsetzen, verb.

vorsetzen, verb.,

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vgl. fürsetzen th. 4, 1, 1, sp. 811, wo auch die allmähliche verdrängung von fürsetzen nachgewiesen wird; ahd. furisezzen Graff 6, 300; mhd. vürsetzen mhd. wb. 2, 2, 351ᵇ; Lexer 3, 587; Jelinek 911; prelatus vorgesetzt, -gesatzt Diefenbach gloss. 454ᵇ; preponere vorsetzen 455ᶜ; proponere 466ᵃ; vorsetzen, anteponere, praeponere Reyher thesaurus (1686) o 3ᵃ; für- sive vorsetzen Stieler 2040; vorsetzen, preponere, preporre, anteponere, anteporre Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 787ᵃ; vorsetzen, praeponere, praeficere Dentzler clavis ling. lat. (1716) 338ᵃ; für- et vorgesatzt, ich setze vor Steinbach 2, 357; vorsetzen Adelung; Campe; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1874; schweiz. idiot. 7, 1686. mnd. vorsetten Schiller-Lübben 5, 444ᵃ; mnld. voresetten Verwijs-Verdam 9, 1071; aus dem nd. entlehnt ist dän. foresætte.
1)
vorwärts, nach vorn, weiter vor setzen: den stuhl vorsetzen; ich suchte durch vorgesetzten bergstock eine art geländer zu schaffen H. v. Barth Kalkalpen (1874) 588; sich vorsetzen Adelung.vom fusz, knie oder bein: halt das schwert mit dem hefft neben deinem vorgesetzten knie Sutorius fechtbuch (1612) 4; wann ein weib mit einer tochter schwanger gehet, so pfleget sie den lincken fusz vorzusetzen Harsdörffer t. secretar. (1656) 1, B b b 6ᵇ; trägt es aber ein wildkalb, so setzet es den lincken fusz zuerst vor Göchhausen notab. venatoris (1741) 29; stützt sie (eine fackel) auf das vorgesetzte knie Herder 15, 432 S.; den linken fusz etwas vorgesetzt steht der gott gerade aufgerichtet H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 1, 31. — nd. den besten faut vörsetten, sich von der besten seite zeigen Mi 104ᵃ; dat beste been försetten Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 478. — in freier wendung: wir verreisen ... wie wir einen schritt vorsezzen, sollen sie nachricht haben Göthe IV 4, 58 W.
2)
vor jemanden hinsetzen: Georg mit einem becher; er setzt zugleich den tisch vor Göthe 13, 1, 198 W.; mein mann wird euch jetzt eine ganze mulde voll ducaten vorsetzen br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 42; da es nicht der mühe wert schien, einem von der schnöden gesellschaft ein besseres licht vorzusetzen G. Keller (1889) 2, 254. — jemandem ein bein vorsetzen, wie ein bein stellen: wie er ihm ein bein vorsetzen, und zu fall bringen mögte Grimmelshausen Simpl. 158 ndr.
3)
zum schutz vor etwas halten: darumb lieff er mit ... vorgesetztem schilt daselbst hin hertzog Aymon (1535) p 1ᵃ; frei: die jahre, wo der jüngling ... seinem gemüthe den stal des karakters vorsetzen soll E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 264;
schach denn!
was hilft dir das? ich setze vor: und du
bist, wie du warst
Lessing Nathan 2, 1,
gemeint ist, dasz Sittah eine deckende figur vor ihren bedrohten könig setzt.in feindseliger absicht:
den vridesamen
setzt er (der teufel) vor sinen hamen
Daniel 358 Hübner.
den zugang erschwerend, frei:
das gute selber ist schwer anfangs, leicht zuletzt,
seit götter schwierigkeit der tugend vorgesetzt
(τῆς δ' ἀρετῆς ἱδρῶτα θεοὶ προπάροιθεν ἔθηκαν Hesiod ἔργα καὶ ἡμέραι 289)
Rückert (1867) 8, 218.
ziel: dem menschen ist kein geringeres ziel der freiheit vorgesetzt als die freiheit gottes selbst Herder 16, 500 S.muster: die arche Noe haben ... zimmerleute verfertiget ... und zwar nach dem modell, welches ihnen gott selbsten vorgesetzet Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 571. — bewegung einschränkend: jetzt musz ich mich in den mir vorgesetzten schranken der weltweisheit halten Wolff ged. v. d. menschen thun u. l. (1720) 32. — verschlieszend, zudeckend: eine thür vorsetzen Adelung; einen stein, ein brett vorsetzen (einer öffnung); vorsetzen, das vorlegen der doppelfenster für den winter Sallmann lex. beitr. z. dt. mundart in Estland 86ᵃ; die bewohner pflegen ... dieses (ein loch in der wand) nur für die nachtzeit durch vorgesetzte tonnen und kasten zu versperren Immermann 1, 51 B.
4)
vor etwas setzen in der ordnung und reihenfolge: eine silbe vorsetzen, einer note ein kreuz vorsetzen u. ä.; diesen articul (al) pflegen die Araber allen nahmen vorzusetzen und anzuhefften Schill t. sprach ehrenkranz (1644) 77; (dasz) das zeitwort durch das vorgesetzte es zum impersonale geworden zu seyn scheinet Lessing 8, 49 M.; besonders setzen sie es (das ge-) gern dem infinitive vor Adelung umst. lehrgebäude (1782) 2, 9; das römische sequor, welches dasselbe wort mit vorgesetztem zischlaut ist Creuzer symbolik u. myth. (1810) 1, 53. — nur läszt man das vorgesetzte b weg Mattheson kl. generalbaszschule (1735) 230. — in der folgenden stelle handelt es sich um den vorrang der namen am eingang eines briefes: deshalb billich ... wir, wann wir einem römischen pabst schribend, unsern namen vorsetzend (vor dem des pabstes) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 79; pabst Leo IV. fieng an, seinen namen jederzeit dem namen derjenigen, an die er schrieb, vorzusetzen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 565;
das nichts, die creatur, wenn sichs gott vorgesetzt,
gilt nichts: stehts hinter ihm, dann wirdt es erst geschätzt
Ang. Silesius cherub. wandersmann 112 ndr.
5)
in bezug auf die reihenfolge in einem buche, besonders von titel, widmung, vorrede, dann aber auch von der stellung innerhalb der darstellung; die ältere sprache bewegt sich hier freier, besonders ist der gebrauch des attributiven part. prät. in einer verwendung zu beachten, wo später vorstehend vorgezogen wird.
a)
einen denen leuthen angenehmen titul ihren schrifften vorzusetzen Ettner-Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 4ᵇ; es wäre demselben daher der haupttitel dieses bandes vorzusetzen Göthe IV 28, 171 W.; in einem werke, dem ich gewagt den titel kosmos vorzusetzen A. v. Humboldt kosmos (1845) 2, 14. — das ich ihren namen hiesigen geringfügigen buche ... vorsetzen ... wollen Opitz poeterei 6 ndr.; ihren namen diesem meinem buche vorsetzen zu dürfen Bode Thomas Jones (1786) 1, zueignung. — weil er eine generalpräfation ... seinen gedichten vorgesetzt W. Spangenberg ausgew. dicht. 3 Martin; das wäre so ungefähr, was ich ihren liedern vorzusetzen wünschte Lessing 18, 27 M.; aus dem vorgesetzten inhalte (inhaltsverzeichnisse) 17, 364; so war die einleitung bald so grosz als das buch, dem sie sollte vorgesetzet werden Zimmermann von d. nationalstolze (1758) xiv; jene stelle aus Klopstock, die der autor als motto vorsetzte Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 4, 145; dem buche eine widmung, vielleicht eine kleine vorrede vorsezen Stifter s. w. 18, 272.
b)
und so in allgemeiner anwendung wie vorausschicken, das jetzt in diesem sinne häufiger gebraucht wird: aber darvon ytzund gnuͦg, dan disse ding haben wöllen vorsetzen Hedio chron. Germ. (1530) a 3ᵇ; ich werde dem folgenden eine definition vorsetzen müssen Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ (1746) 16; der anmerkung allezeit eine gewisse formel vorzusetzen Klopstock gelehrtenrep. (1774) 194; verschiedene sonette sind seiner lebensbeschreibung ... vorgesetzt Göthe 44, 374 W.; der verfasser setzt seiner schrift folgende fabel vor Heinse 4, 6 Sch. — eine phantasie ..., welche der schönen c-dur-fuge vorgesetzt ist O. Jahn Mozart (1856) 4, 15.
c)
das attributive part. prät. wird in älterer sprache wie die jetzt üblicheren vorhergehend, vorstehend gebraucht: als lieb ewer yedem sey, zuͦsampt vorgesetzter peen unser ungnad ... zuͦ vermeiden des fürstenth. Wirtemberg newe landsordnung (1536) j 2ᵇ; wie in dem vorgesetzten und nachfolgenden exempel zusehen ist Wilphlingseder musika (1561) d 1ᵃ; erinnerung auff vorgesetzte historien Sandrub hist. u. poet. kurzweil 51 ndr.; vorgesetzte thurniersordnung Moscherosch ges. (1650) 2, 408;
in summa bhalt vorgesetzte reglen
Scheit Grobian. 1598 ndr.
von bildern und figuren: wie dann solches aus vorgesetzten figuren zu sehen Sebiz feldbau (1579) 407. — freier: die vorgesetzten (supra dictae) vögel Heyden Plinius (1565) 441.
6)
prägnant, zugtiere dem gespann vorsetzen: vorsezen, einem eine vorspann machen, daher vorsaz eine vorspann Westenrieder (1816) 640; Schmeller-Frommann 2, 394; s. fürsetzen 7 th. 4, 1, 1, sp. 813; überhaupt vorspannen:
da waren roz vor gesazt (vor die streitwagen)
Heinrich v. Hesler apokal. 14175.
7)
übertragen, etwas vor ein anderes setzen, es höher schätzen, vorziehen; so natürlich auch von personen: anteporre ... ein ding dem andern vorziehen, vorsetzen Hulsius (1618) 2, 30ᵇ; die juden haben damals den schändlichen mörder Barrabam dem herrn Christo vorgesetzt Kramer teutsch. ital. dict. 2 (1702) 787ᵇ; praeponiren vorsetzen, vorziehen Spannutius (1720) 353; vorsetzen, vorziehen, preferer Frisch nouv. dict. (1730) 648; 'ein im hochdeutschen ungewöhnlicher gebrauch' Adelung; ich vorsetz ... die xii botten für die alle lxx d. erste dt. bibel 3, 42 K.; den frosch dem basiliscken vorsetzten und fürzogen W. Spangenberg ausgew. dicht. 9 Martin; doch wehre sein glückhafftes schiff ... gar wohl der römischen, grichischen, italiänischen und frantzösischen poesy an die seiten wo nicht vorzusetzen Zinkgref auserl. ged. 3 ndr.; das gewisz ist dem ungewissen und das sicher dem gefährlichen vorzusetzen Lehman floril. polit. (1662) 1, 334; er dannoch ihre vergnügung der seinigen vorsezte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 253; dasz sie die todten den lebenden, oder das vergangene dem gegenwärtigen vorsetzen solten Besser (1732) 1, 122; das interesse dieser einzelnen stadt war in meinen augen ein zu kleiner gegenstand, um dem allgemeinen besten der menschheit vorgesetzt zu werden Wieland Agathon (1766) 1, 360;
derhalben will ich dich (die laute) erheben,
dich vorsetzen dem edelgstein
Fischart 1, 372 Hauffen;
ist auch in höchster dignitet,
all andern frauen vorzusetzen
Ayrer 1, 461 K.;
so viel der früling wird dem winter vorgesetzt
Opitz poeterei 34 ndr.;
wie oftmals hast du auch das vorzugsrecht verletzt?
wie oft die schmeicheley der wahrheit vorgesetzt
Gottschedin br. (1771) 2, 340;
ein ruhigs hertz, das in sich selbst vergnügt:
ein edler zug, der voller weisheit ist,
die scheinen mir mit recht den höchsten schätzen
und allem gut auf erden vorzusetzen
Hagedorn versuch einiger ged. 41 ndr.
8)
vor jemandem hinsetzen, damit er davon gebrauch mache; im entwickelten nhd. hauptsächlich darbieten von speise und trank: als ihm uber essens der vorgesetzte wein sehr wol schmackte Zinkgref apophthegmata (1628) 1, 259; dasz der teuffel die hexen oft betriege und für gut fleisch ein stinckend roszaasz ... vorsetze Prätorius Blockesberges verricht. (1668) 322; wer wird mir nu indianische vogelnester zum frühstücke vorsetzen? Stoppe Parnasz (1735) 502; so geruhte sie endlich ihnen etwas von kalter küche vorzusetzen Bode Thomas Jones (1786) 4, 40; ein mäsziges abendessen vorzusetzen Göthe 21, 3 W.; der prinz setzte ihm einmal eine schüssel mit armen rittern (apple-johns) vor Shakespeare Heinrich IV. 2, 2, 4; etwas zur erfrischung ... vorsetzen Mörike 3, 114 Göschen; (die wirte zu Seldwyla,) die alles gute selber fressen und den fremden die knochen vorsetzen G. Keller (1889) 5, 15;
ich geh. es wird mir gleich Tockayer vorgesetzet
Neukirch ged. (1744) 148;
morgen dächt ich euch wohl ein gutes mahl nach der reise
vorzusezen (παραθείμην)
Voss Od. 15, 506 B.;
setzt die ekle, schaudervolle speise
dem vater bei dem ersten mahle vor
Göthe 10, 18 W.
auf die gefäsze allein bezogen: da halt ich viel von, wo man die gläser wacker vorsetzet schausp. engl. com. 207 Cr.; bey seinen gastmalen wurden allen gästen goldene und silberne geschirre vorgesetzt M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 161; ich darf dir auch wieder einmahl eine bouteille vorsetzen maler Müller (1811) 2, 118;
schüsseln, sehr breit und flach, setzt er dem hungrigen vor
Schiller 11, 190 G.
9)
tieren futter geben: man musz ihnen (gänsen) geschnitten brod und wasser vorsetzen viehbüchlein (1667) 104; doch wird es immer als von 8 her übertragen empfunden: man musz nur einer maus nicht vogelbeeren und einem dompfaffen speck vorsetzen Raupach dram. w. kom. gattung (1829) 2, 34.
10)
die unter 8 behandelte bedeutung kann, besonders in neuerer sprache, bildlichen und übertragenen wendungen zu grunde liegen: geitz, argwohn, eyfer, zanck sind die täglichen speisen, welche eine alte frau ihrem jungen manne vorsetzet Ziegler asiat. Banise (1689) 335; unterweges erzählt uns der gute mann ... was er künftigen sonntag ... seiner lieben gemeine vorsetzen würde Hippel lebensl. (1778) 1, 217; das gewürtze von freundlichkeit, das mädchen ihres standes an alle complimente werfen, die sie standespersonen vorsetzen Lichtenberg br. (1901) 1, 26; (es) wird ihm eine kalte philosophie als nahrung vorgesetzt Bettine dies buch gehört d. könig (1843) 1, 62; (wollte ich) auf die jagd nach orthographischen curiosis gehen, so könnte ich so zahlreiches wildpret heimbringen und meinen gästen vorsetzen W. Scherer kl. schr. 1, 407. — es war mir sehr angenehm, deinem hübschen soldaten eine köstliche vorstellung von don Juan vorsetzen zu können Göthe IV 24, 25 W.; alle tage werden sie (opern) vorgesetzt Gutzkow (1872) 11, 115.
11)
veraltet in der bedeutung jemandem als leihgabe zur verfügung stellen, prägnant, jemandem geld vorstrecken, vgl. schweiz. idiot. 7, 1687; Vilmar 433: er sey noch der erbietung, ihm ein hundert thaler vorzusetzen Kirchhof wendunm. 2, 187 Ö.; weil ihm auch hierzu niemand nichts vorsetzen wolte Grimmelshausen Simpl. 2, 158 Kurz; niemand wolte ihm ... einen groschen ohne wechselbrieff vorsetzen Riemer d. polit. maulaffe (1679) 189; dasz er mir ... 2000 rthlr. auf 3 jahr vorgesetzet Menantes neue br. (1723) 557;
Maria, wer hat des geldes so viel,
der uns diese summe vorsetzen will?
comedia v. d. geb. Jesu Christi (1693) v. 66 Bolte.
vgl. vorsetzung 2 a.
12)
jemanden personen oder unpersönlichem vorsetzen zur regierung, befehlertheilung, verwaltung, fürsorge bestimmen; die ältere sprache ist hier wieder beweglicher.
a)
mit dem dativ von personen, personenverbänden, herrschaftsgebieten: indem, das er den man dem weibe vorgesetzet hat Barth weiberspiegel (1565) m 4ᵃ; ehret den, ... der euch von gott durch die oberkeit vorgesetzet worden Moscherosch insomnis cura par. 37 ndr.; Vandala setzet den überwundenen Sacken ... ihre base Zerina zur königin vor Lohenstein Armin. (1689) 1, 498; den minderjährigen kindern werden getreue und verständige pfleger und vormünder vorgesetzet Hohberg georg. cur. 3 (1715) 1, 41ᵃ; mehrere gauen machten eine provinz aus, der ein herzog oder patritius vorgesetzt war M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 302; meine schule, der ich vorgesetzt wurde Schubart leben u. ges. (1791) 1, 87; die offiziere forderten jetzt, dasz ihnen dieser mann (Cromwell) ... als general der reiterei vorgesetzt werde Ranke (1867) 16, 214; jeder waffe ihren eigenen divisionär vorzusetzen Wilhelm I. milit. schr. (1897) 1, 19. — statt des dat. mit abhängigem infin.: die, so weltliche ämpter bedienen und völcker zu regieren vorgesetzt werden Olearius pers. reisebeschr. (1696) 2. — von einem hirten:
wehe mir dann um Odysseus, den herrlichen! der mich den
vorgesetzt (ὅς μ' ἐπὶ βουσὶν εἷσ') rindern
Voss Od. 20, 210.
b)
jemand einem amte vorsetzen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 787ᵇ; jedem magazine ist ein officier vorgesetzt Nicolai reise (1783) 2, 559; welch einer haushaltung des kummers bist du vorgesetzt Thümmel reise (1791) 7, 345; als dem der schloszbibliothek vorgesetzten Göthe IV 36, 12 W.; die der wasserleitung vorgesetzten Platen 3, 161 R.; gesindel wurde ... den öffentlichen stellen vorgesetzt Görres (1854) 1, 218.
c)
auszerordentlich häufig ist das attributive part. prät., besonders in verbindungen wie die vorgesetzte behörde: die vorgesetzten behörden Fr. L. Jahn 2, 196 E.; Holtei erz. schr. (1861) 3, 86; Mommsen reden u. aufs. (1905) 155; Bismarck polit. reden 4, 16 K. — die vorgesetzte obrigkeit in ehren halten Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 787ᶜ; Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 125; Lehman floril. polit. (1662) 3, 116; Ziegler asiat. Banise (1689) 428. — mit vorwissen der vorgesetzten amptleute Mathesius Sarepta (1571) vorrede 3ᵃ; als ihrem ordenlichen vorgesetzten haupt Stumpf Schweizerchron. (1606) 132ᵃ; ihrer vorgesetzten ämter und hauptleute verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 27 Palm; respect, den die gemeinen soldaten ihren vorgesetzten herrn officiers schuldig sind v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 426; einen hohen vorgesetzten magistrat Mayr päckchen satiren (1769) 41; beschwerden der provincialen gegen die vorgesetzten römischen beamten Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 71;
unsren vorgesatzten alten
gehorsam zu halten
bei Ph. Wackernagel kirchenlied 3, 249.
13)
das part. prät. wird dann substantiviert, der vorgesetzte: rector et moderator alicujus operis ein vorgesetzter oder vorsteher eines wercks Corvinus fons lat. (1646) 548; vorgesätzter, praefectus Dentzler clavis ling. lat. 337ᵃ; vorgesetzter, 'ein jeder, welcher andern zu befehlen hat, über sie gesetzt ist' Adelung.
a)
es ist zu beachten, dasz im entwickelten nhd. das verhältnis des zum befehlen oder leiten berechtigten zu einem oder mehreren, zum gehorsam oder unterordnung verpflichteten immer deutlich empfunden wird, während in älterer sprache das gewicht auf eine leitende stellung an sich gelegt werden kann, s. besonders schweiz. idiot. 7, 1689. auch fürsetzen 8 th. 4, 1, 1, sp. 814. — jener gegensatz zum untergebenen, untergeordneten tritt natürlich am schärfsten hervor, wenn das wort auf die verhältnisse des heeres oder des beamtentums angewandt wird.
α)
den untergebenen gegenübergestellt: sintemal von vorgesetzten nichts so schlimmes gethan werden konnte, welches sie ihren untergebenen nach zu thun nicht zu gebieten schienen Lohenstein Armin. (1689) 2, 583ᵇ; wenn die vorgesetzten ihren untergebenen selbst mit einem guten exempel vorgehen v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 9; deine mitarbeiter, untergebene oder vorgesetzte Herder 17, 310 S.; untergebene gegen ihre vorgesetzten Göthe 46, 63 W.; den abstand von vorgesetzten und untergebnen O. Ludwig (1891) 1, 200; dasz in der ganzen armee jedermann heute vorgesetzter und morgen untergebener sein kann Moltke schr. u. denkw. 7, 70.
β)
in allgemeiner anwendung, wobei das verhältnis zu untergeordneten aus dem zusammenhange ersichtlich ist: mit vorwissen und rath der vorgesetzten Moscherosch insomnis cura par. 73 ndr.; warum lassens dan die vorgesetzte zu? Grimmelshausen Simpl. 152 ndr.; wider die liebe obrigkeit und andere vorgesetzte Hartmann fluchspiegel (1672) 164; wie oft lehrte ein gemeiner soldat seinen vorgesetzten und feldherrn ehre Herder 23, 45 S.; die erste mündliche unterweisung, die ich von meinen vorgesetzten erhielt Wieland Agathon (1766) 1, 258; zur freude der obern vorgesetzten Göthe 24, 132 W.; dieser Selicour, ihr vorgesetzter Schiller 14, 192 G.; durch fromme unredlichkeit sich hohen vorgesetzten empfehlen Schopenhauer 2, 451 Gr.; was gibt es nicht für vorgesetzte Fontane I 6, 11; der letzte musketier wird vorgesetzter, sowie er auf posten steht oder eine patrouille führt Moltke schr. u. denkw. 7, 129;
jetzt wünsch ich euch ein gutes jahr,
erstlich dem herrn pfarrer zwar
und allen vorgesetzten
Schweizer volkslieder 1, 204 Tobler.
als erstes glied in zusammensetzungen:
vorgesetztenstelle
wichtige vorgesetztenstellen (in der armee)
Alten handb. f. heer u. flotte (1909) 3, 488.
eine ganze reihe bei Pestalozzi (1819):
vorgesetztenhäuser
4, 123;
vorgesetztenhochmuth
4, 92;
vorgesetztenrecht
2, 288;
vorgesetztenverein
2, 117;
vorgesetztenvolk
2, 115;
vorgesetztenwahl
3, 54.
b)
seltenere wendungen und veraltetes: dafür aber mach ich dich nun aus einem sclaven zum freien und vorgesetzten meines hauses Bürger 259ᵃ Bohtz; der vornehmste oder vorgesetzte unter den hier versammelten familien G. Forster (1843) 2, 299; der vorgesetzte jenes instituts Göthe IV 41, 239 W.; der vorgesetzte beym brückenbau III 2, 173; der vorgesetzte des ortes Hebel 2, 85 Behaghel; die vorgesetzten der andern heere und heeresabtheilungen Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 452.
14)
zur beachtung, befolgung vorstellen: dasz sie (die seele), so ir zu handlen und zu meditieren vorgsetzt, nicht benüget W. Spangenberg ausgew. dicht. 4 Martin;
hie setzet her uns vor ein zil
Heinrich v. Hesler apokal. 7185 H.
so kann in älterer sprache das wort den sinn von bestimmen, anordnen, befehlen annehmen: dieweil auch in dieser chamergerichtsordnung ... den stenden des reichs vorgesetzt ist, auff wege zu gedencken ... abschiedt d. reichstags zu Augsburg (1555) 35ᵃ. s. fürsetzen 10 th. 4, 1, 1, sp. 814; Schiller-Lübben 5, 444ᵃ.
15)
in älterer sprache wird vorsetzen gebraucht wie sich vorsetzen, sich vor augen stellen, in den sinn fassen, sich zur betrachtung vorstellen, doch auch ganz besonders wie sich vorsetzen auf absicht, beschluszfassung bezogen, vgl. fürsetzen 14 th. 4, 1, 1, sp. 814: vorsetzen, in sinn nehmen, se proposer, proporsi Hulsius - Ravellus (1616) 390ᵃ; item nit vorseczen zu buszen ist widdern glauben Joh. Wolff beichtbüchl. 13 Battenberg.oben im th. 4, 1, 1 wird an die möglichkeit gedacht, dasz hier ein sich einfach weggelassen ist.
16)
wenn in neuerer sprache vorgesetzt im sinne von in aussicht genommen, vorgenommen, geplant, beschlossen u. ä. gebraucht wird, ist das part. natürlich auf sich vorsetzen bezogen, dagegen könnte es in älterer sprache freilich als zu dem unter 14 behandelten vorsetzen gehörend angesehen werden.
a)
feste verbindungen; vorgesetzter zweck: bis man den vorgesetzten zweck ... erlanget Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 13; d. vernünft. tadlerinnen (1725) anh. 21; Gottsched beob. (1758) 79; zu dem vorgesetzten zwecke vollkommen hinreichend Göthe IV 28, 179 W.; E. Th. A. Hoffmann (1900) 4, 39; Wilhelm I. milit. schr. (1897) 1, 386;
drum wenn durch kluge list
mein vorgesetzter zweck nicht zu erreichen ist
J. E. Schlegel (1761) 1, 14.
dagegen ausnahmsweise mit reflex. ihm: damit er (ein junger mann) wisse, wie er nach dem ihm vorgesetzten zweck seine reisen mit avantage anstellen soll v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 41. — vorgesetztes ziel: auf was art hierunter das vorgesetzte ziel am besten erreichet werden könne Möser (1842) 1, 126;
das vorgesetzte ziel ist schon von ihr ereylet
Pietsch geb. schr. (1740) 221;
dasz ich am vorgesetzten zielpunkte angelangt H. v. Barth Kalkalpen (1874) 150. — vorgesetzter maszen: diese alle und jede puncta wollen die herren directores ... ihrer tragenden plenipotenz nach vorgesetztermaszen wohlmeinend verabschiedet haben verh. d. schles. fürsten u. stände 2, 113 Palm; Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 6.
b)
sodann in freiem gebrauch: homicidium consultum ein vorgesetzter todschlag nomencl. lat.-germ. (1634) 348; gott in seinem vorgesetzten willen J. Böhme 4, 574 Schiebler; zu dem vorgesätzten hafen zu gelangen Butschky Pathmos (1677) 618; und liesze sich eines so wenig als das andere in seinem vorgesetzten lauffe aufhalten Lohenstein Armin. (1689) 2, 128ᵇ; um die vorgesetzte zeit Bode Yoricks empfinds. reise (1768) 2, 29; dasz ich ... mit meiner vorgesetzten arbeit fertig werde Göthe IV 21, 13 W.; IV 10, 231; werden unser vorgesetzt nachtlager heut nicht erreichen maler Müller (1811) 3, 27; wie sie es eigentlich mit ihrer jetzt vorgesetzten politischen schriftstellerei meinen briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 213; vorgesetzter gattenmord O. Ludwig (1891) 5, 213; wenn auch nicht ganz im vorgesetzten masz Carossa verwandl. einer jugend (1928) 203;
bis sie (die faust) errungen hab den vorgesetzten schatz
Zinkgref auserl. ged. 63 ndr.;
ich wil sie (schuhe) brauchen nur zum vorgesetzten reysen
Reinicke fuchs (1650) 198;
es wird dir frei gelingen
die vorgesetzte sach
A. v. Arnim 13, 240.
mit verändertem sinne: vorgesetzte meinung wie vorgefasste Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 788ᵃ; darumb, lieber leser, setze deinen vorgesetzten wahn etwas auff seite cautio crimin. (1649) 2ᵃ.
c)
prädicativ: dasz der abschied zwar schneller als vorgesetzt, doch nicht übereilt erschien Göthe 33, 328 W. — das vorgesetzte: alles vorgesetzte und unternommene IV 42, 47; im voraus sieht das vorgesetzte nur so unendlich aus, es beschränkt sich von selbst, sobald es an die ausführung gekommen ist Caroline 2, 49 Waitz.
17)
besonders häufig mit reflexivem dat.
a)
zunächst entsprechend dem unter 14 behandelten gebrauch sich etwas fest vorstellen, in den sinn fassen; mit leichtem übergange sich etwas vorstellen, das eine entschlieszung herbeiführt: sich etwas leicht vorsetzen, sich ein ding schwer vorsetzen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 787ᵇ; das ich setzt sich sonach das vergängliche als vergängliches ... ausdrücklich vor Fichte (1845) 2, 146;
setz dir eins brunnen gleichnusz vor,
ein eimer sinckt zu boden schwer,
so fert hoch in die lufft der ler
Scheit d. frölich heimfart 1546 Str.
(dasz er) sich den Tiberius zum beyspiel vorgesetzet Warnecke poet. versuch (1704) 37. — welche ich mir zum muster vorgesetzt habe Rabener (1777) 1, 152;
glücklich, wer das vergangene sich vorsetzet zum lehrbild
Herder 26, 380 S.
(so wie die wochenschrift) sich überdem eine erbauliche zeitkürzung zum zweck vorsetzt 1, 94; (ein maler,) welcher die landschaft sich zu seinem hauptzwecke vorsetzt Göthe 49, 428 W.
b)
sich vorsetzen, 'eine zünftige handlung fest bey sich beschlieszen, durch welches fest es sich von vornehmen unterscheidet' Adelung; es liegt zwar in vorsetzen eine etwas stärkere energie als in vornehmen, aber der sprachgebrauch setzt sich über diesen unterschied hinweg, und so kann auch vorsetzen durch fest verstärkt werden: so hatte ich mir es auch steif und feste vorgesetzt d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 208; er setzte sich fest vor, sich durch keine zweyte Danae mehr irre machen zu lassen Wieland Agathon (1766) 2, 67; (volk,) welches sich fest vorgesezt hat, entweder frey oder nicht mehr zu seyn Schiller 4, 102 G.in gleichem sinne mnd.: setten vor sick, dat se lever dusentich dode wolden sterven, eer se ... quelle bei Schiller-Lübben 5, 444ᵃ.
α)
mit dem acc. eines bestimmten oder unbestimmten objects; das object braucht nicht immer eine handlung zu sein, häufig ist sich einen zweck vorsetzen, ebenso sich einen plan, ein ideal vorsetzen u. ä.: was ich mir einmal vorgesetzet habe, das halte ich unfehlbar Scheibe d. crit. musicus (1745) 298; nach den verschiedenen absichten, die sie sich vorsetzen Ramler einl. in d. schön. wiss. (1758) 1, 10; ohne sich einen zweck vorzusetzen Göthe 21, 227 W.; es giebt menschen, die gar nicht irren, weil sie sich nichts vernünftiges vorsetzen 42, 2, 131; da ich mir schon lange diesen spasz vorgesetzt hatte Tieck (1828) 20, 181; sie hatte sich ... eine offene frage an den bräutigam vorgesetzt W. H. Riehl gesch. aus alter zeit (1863) 1, 186;
geschickter freund! der sich die bahn
berühmter künstler vorgesetzet
Drollinger ged. (1743) 303;
mach sie nicht erröthen!
das hab ich allerdings mir vorgesetzt
Lessing Nathan 5, 7;
wohl magst du dir, wenn du allein bist, grosze dinge
vorsetzen
Schiller Piccolomini 3, 8.
β)
mit abhängigem infin.: nach dem hab ich mir vorgesätzt, alle ... umb zu bringen Hutten 4, 13 B.; wann einer kranck wird, setzt er ihm vor, die gerechtigkeit zuüben, wann er wider gesund würde Lehman floril. polit. (1662) 3, 102; also sätzte er ihm vor, sich an selbigem orte zu verschantzen Lohenstein Armin. (1689) 2, 1067ᵃ; wer sich nicht vorsetzt, das höchste zu erstreben, ... wird mittelmäszig bleiben Göthe 47, 253 W.; dasz man das fest und gewisz seyn kann, was man zu seyn sich einmal vorsetzt Klinger (1809) 9, 138; wer nicht ausdrücken kann, was er auszudrücken sich vorsetzt ..., ist in der kunst ein stümper Grillparzer 18, 129 Cotta;
wir haben uns groszmütig vorgesetzt,
auch dieses armen bettlers glück zu machen
Schiller Turandot 3, 7.
γ)
mit abhängigem satze: das weib hette ... ir vorgesatzt, sie wolte ihn von ihren henden nicht lassen Barth weiberspiegel (1565) e 4ᵇ; ja ich setzte mir schon vor, wie ich solch übersehen büszen und ... mich bessern wolte Grimmelshausen Simpl. 4, 518 Keller; wenn sich eine mutter vorsetzte, sie wolte ihr kind unter 4 bisz 5 jahren nicht entwöhnen J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 89; ich habe mir auch vorgesetzt, dasz ich keiner mannsperson in der kirche ... zu sündigen gelegenheit geben will d. vern. tadlerinnen (1725) 1, 23;
weil ich mir dann vorgesetzt,
dasz er mir zu guter letzt
mein begräbnislied gemachet
Sim. Dach 761 Ö.
δ)
in anderer wendung: wenn ich anders so lange überhaupt in Hamburg bleibe, als ich mir vorgesetzt habe Lessing 18, 351 M.; ich habe die letzte zeit immer etwas anders gethan, als ich mir vorsetzte Göthe IV 28, 358 W.
18)
einzelnes:
a)
vor in zeitlichem sinne, vorgesetzt, vorhergesetzt: nach verstandenem vorgesetzten fundament soltu dise woch dich täglich also üben Spee güldenes tugendb. (1649) 459.
b)
in der folgenden stelle bezeichnet vorgesetzt übertragen von einem jahre auf ein späteres: mit dem vorgesetzten rest von der 1615 jhärigen raitung herrührend verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 37 Palm; vorgesetzte schulden sind aber nach schweiz. idiot. 7, 1687 bevorzugte, privilegierte.
c)
vorgesetzt wie besetzt: der ungrische gesandte hat praesentirt einen schönen, mit orientalischen türkisen vorgesetzten säbel verh. d. schles. fürsten u. stände 3, 145 Palm.
d)
fortsetzen, durchführen: wann dann nun unser benachbarter herr ohem ... sein wütig fürnemmen vorzusetzen nicht ablasset Fischart Garg. 333 ndr.; vgl. fürsetzen 11 th. 4, 1, 1, sp. 814 und Schiller-Lübben 5, 444ᵃ.
e)
über die nd. redensart dor will ik 'n P vörsetten, einen riegel vorschieben, das will ich verhindern (Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 478) vgl. das unter vorschreiben 1 sp. 1501 angeführte.
f)
einem fürsetzen, jemandem widerstand leisten ist th. 4, 1, 1, sp. 813 unter 6 angeführt. vgl. nd. sik vörsetten in gleicher bedeutung: he hett sik dor pall vörsett Mensing a. a. o.
g)
vorhalten beim zielen auf laufendes wild schweiz. idiot. 7, 1686.
h)
beim mähen so weit als möglich nach der seite und nach vorn mit der sense ausholen ebda.
i)
vorsetzen, laufen lassen: 'das geschmolzene metall aus dem schmelzofen durch eine ... rinne zu den gieszformen leiten' Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 140; Prechel technol. encycl. (1830) 22, 614.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1938), Bd. XII,II (1951), Sp. 1557, Z. 16.

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Zitationshilfe
„fürsetzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrsetzen>, abgerufen am 05.08.2021.

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