Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

fürspan, n.

fürspan n
eine spange als haft des gewandes wie als schmuck. ahd. noch kein furispan, denn das wort taucht, wie vurspan im Athis s. 105 (C*, 69) zeigt, erst in der zweiten hälfte des 12. jh. auf, worauf dann gleich mit dem beginne des 13. jh. vürspan, fürspan sehr geläufig ist, aber im 15. jahrh. durch das in seiner zusammensetzung mit spange deutlichere fürspange wieder schwindet. jenes vürspan nemlich ist zusammengesetzt aus mhd. vür und span = spannung (Parz. 181, 1), von ahd. spannan, mhd. u. nhd. spannen, und bezeichnet hiernach die spange die vornen vor die brust zum zusammenhalten des gewandesgespanntwird, wie denn auch der Pleier in seinem Meleranz 3621 singt:
daʒ fürspan für den buosem sîn
wart im gespannen alzehant.
beʒʒer fürspan man niendert vant.
aber der gedanke an die abstammung des wortes erlosch nach und nach, und so gieng es, zumal da span und spange in den lauten nahe liegen, um so leichter in dem deutlicher erscheinenden fürspange auf. ein zeichen dieses aufgehens läszt sich auch erblicken, wenn das aus diesem fürspange (s. d.) verkürzte fürspang in dem geschlechte von fürspan erscheint: so wirt dir widergeben das fingerlin des rechten glouben und das fürspang die genaden gottes und dann das tuͦch rechtter minne zuͦ gott. die sieben weiszen meister, hs. des 15. jahrh., in Baracks fürstl. fürstenberg. handschriften zu Donaueschingen s. 148 nr. 145. Neben dem hochd. fürspan findet sich auch, wie nicht anders zu erwarten stand, in niederdeutschen und ins niederdeutsche einschlagenden vocabularen u. s. w. des 15. jh. vorspan. Diefenbach 366ᶜ. 522ᵇ. 530ᵃ. nov. glossar. 337ᵃ. dieses vorspan führt dann selbst noch Haas in seinem 1780 erschienenen deutsch-franz. wb. 2, 1809 bei vorspange, aber mit diesem als alt an. s.vorspan.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 828, Z. 38.

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