Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürsprache, m.

fürsprache, m.,
s. das vorhergehende fürsprach.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 832, Z. 16.

fürsprache, f.

fürsprache, f.,
ein, worauf auch das nd. fem. vorsprake (brem. wb. 5, 459) in seiner bedeutung weisen dürfte, auf älterem, wenn gleich in anderem sinne gebrauchten vorsprache (s. d.), ahd. forasprâhha, beruhendes, aber unter der starken einwirkung von fürsprechen (s. d.) entstandenes wort, das am frühesten in Matthias Kramers 1719 erschienenem nd. - hochd. u. hochd. - nd. wb. auftaucht, und zwar findet sich da thl. 2, 77ᵇ fürsprach nebst fürspruch als synonym mit fürbitte, doch 1, 487ᵃ vorsprach. dabei an beiden stellen steht nnl. voorspraak, an der letzten hauptsächlich nnl. voorspreeking. dagegen hat er in dem von ihm 1678 herausgegebenen deutsch-ital. wb., vor welchem er sich Krämer nennt, weder fürsprache noch vorsprache, woraus sich schlieszen läszt, dasz keins von beiden wörtern damals im gebrauche gewesen ist. in den wörterbüchern des 18. jh. nimmt, nach Kramer, zunächst Frisch 2, 307ᵇ vorsprach auf, aber nur in der ersten bedeutung, dann Ludwig 2348 vorsprache oder fürsprache in der ersten und der zweiten bedeutung. wenn nun auch Hederich keins der wörter verzeichnet, so bringt doch der ihm sonst nachtretende Nieremberger Ddd 1ᵇ fürsprache und Ssssss 1ᵈ vorsprache, doch als synonym von fürbitte mit dem erklärenden lat. deprecatio, und fügt bei vorsprache die bemerkung hinzu beszer fürsprache. Matthiä in der 1761 erschienenen dritten ausgabe seines lexicons erhebt sich aber nicht bis zur anführung der wörter seinem vorgänger Kirsch gegenüber, der gleich Hederich beide unbeachtet läszt. auch Steinbach scheinen sie unbekannt oder der aufnahme nicht werth gewesen zu sein. dagegen hat Weber deutschlat. universalwb. 790ᵇ vorsprache (fürsprache) nöthig haben und für einen, und Moerbeek führt beide wörter in seinem nieuw woordenboek, einer späteren ausg. von Kramers nd. u. hochd. wb. u. s. w., fort. auch Haas im deutsch-franz. wb. bringt beide und noch vor ihm Adelung, der fürsprache in das eigentlich deutsche wb. einführt und zu seinen gunsten spricht, indem er namentlich bei vorsprache bemerkt, dasz fürsprache in seinen beiden bedeutungen richtiger, auch bereits gewöhnlicher sei. dieselbe ansicht blickt bei Bauer und Scheller durch, wenn sie bei vorsprache kurz auf fürsprache verweisen; Campe aber, offenbar Adelung folgend, erklärt bei jenem worte ausdrücklich, dasz dieses, weil hier der begrif vorsteche, das sprechen geschehe für einen andern, für das beste eines andern, besser sei. damit stimmt dann auch Heinsius, aber der weit jüngere Heyse 2, 1736 läszt vorsprache in dem sinne von fürsprache nur als landschaftlich gelten, ohne zu bedenken, dasz jenes von den mustergültigsten schriftstellern, wie Lessing, Göthe u. s. w., gebraucht ist. vgl. vorsprache und auch vorwort. die geschichtliche begründung von vorsprache wie fürsprache ergibt sich aus dem oben angegebenen, im ganzen gleichzeitigen erscheinen beider im nhd.
Bedeutungen:
1)
das sprechen für jemanden in vertretung desselben vor gericht, besonders wenn diese vertretung durch einen rechtskundigen geschieht, advocati sive patroni oratio, patrocinium. diese bedeutung, im gedanken an fürsprach m. und fürsprech entstanden, scheint die älteste, ist aber gegen die folgende mehr und mehr zurückgetreten und wird mit ablauf des 18. jh. von ihr verdrängt, weshalb sie z. b. Scheller auch gar nicht mehr anführt.
2)
das sprechen zu gunsten jemandes oder zu seinem vortheile, seinem besten, das sprechen zu jemandes empfehlung. dies die geläufige bedeutung, in der älterer ausdruck fürspruch (s. d.) ist. fürsprache thun. Adelung. eine fürsprache oder auch ohne artikel blosz fürsprache für jemand einlegen. auf deine fürsprache will ichs thun. Scheller (1804) 1034ᵃ. damit wir aber nicht über oder gar für dén zu reden scheinen, der unsrer fürsprache gar nicht bedarf, so wollen wir lieber die materie rein erfassen. Herder z. sch. lit. u. k. 12, 339 = Adrastea 5, 297;
aufschub sollt ich ihr verschaffen,
rath schaffen sollt ich — bei der majestät
fürsprach einlegen.
Schiller 606ᵃ (Tur. 5, 1);
muth gefaszt, la Roche! wenn meine fürsprache etwas gilt, so ist Ihre sache noch nicht verloren. 639ᵃ (parasit 3, 10); sollte sie so hinten um nach dem mädchen sich erkundigen oder geradezu die frau um rath und fürsprache ersuchen. Gotthelf Käthi cap. 21 (schrift. 1861 4, 322).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 832, Z. 17.

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Zitationshilfe
„fürsprache“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrsprache>, abgerufen am 05.08.2021.

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