Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

fürsprecherin, f.

fürsprecherin, f.,
ein, wie bereits bei fürsprecher (s. d.) bemerkt wurde, zuerst im 14. jh. erscheinendes wort, das aber da nur die nächstfolgende bedeutung hat. es bedeutet nemlich:
1)
eine in der eigenschaft eines anwaltes oder sachwalters erscheinende, mitunter auch zugleich fürbittende weibliche person. so von Maria, der mutter Jesu, gebraucht: mhd. seind (= da) si (nemlich Maria) unser fürsprecherin ist vor dëm obristen rihter. Megenberg 60, 20—21; dëm paum (es ist der palmbaum gemeint) geleicht sich diu oberst edel kaiserinn, dër himel fürstin, aller sünder fürsprecherinn. 337, 29. daneben findet sich aber auch im 14. jh. mitteld. vorsprecherîn: biten wir si (die heil. Prisca ist gemeint), daʒ si uns ire heilige marter mite teile und unser vorsprëcherîn sî gên dëm almechtigen gote. myst. 1, 65, 6. s. vorsprecherin. nhd.advocata, ein vogtyn, ein furversprecherin, ut Maria die eim sein wort thut und gutiget und dar legt auff das aller best.“ Eychmann a 7ᵃ, lies fur-, versprecherin, in spätern drucken, z. b. dem unter des eigentlichen sammlers Johannes Melber namen 1486 erschienenen A 8 fürsprecherin.
Maria, du hymelische künigin,
du wöllest unser fürsprechrin sin.
bruder Rausch B (Scheibles kloster 11, 1118);
für eine fürsprecherin wollen wir sie (Maria ist gemeint) nicht haben, für eine fürbitterin wollen wir sie gerne haben, wie die andern heiligen auch. Luther auslegung der evangelien an den fürnemisten festen (1527) CCiiijᵇ, s. PH. Dietz 1, 742ᵇ. vgl. gleich nachher 3).
2)
eine weibliche person die für eine gesammtheit, in deren namen spricht, eine wortführerin, eine worthalterin.
3)
eine weibliche person die für jemand oder etwas ein gutes wort einlegt, die zu gunsten von jemand oder etwas als bittende spricht oder sich für sie verwendet, eine gönnerin. dies die im 18. jh. und heute geläufige bedeutung, die sich aus der unter 1) entwickelte und mit ihr nicht selten eng verbunden ist. patrôna, fürsprecherin und schirmerin. Frisius (1556) 959ᵃ und danach Maaler 150ᶜ, der fürsprächerin schreibt. patrona, beschirmerin, vertretterin, fürsprecherin. Kirsch (1723) 1, 791ᵃ und, diesem folgend, Matthiä (1761) 1, 1016ᵃ. o dasz nur schon die alte zu den füszen ihrer fürsprecherin liegen und mir raum geben möchte, zu den füszen der meinigen zu fallen! Thümmel reise 3, 314; eine bessere fürsprecherinn hätten Sie nicht finden können. Gellert lustsp. (1748) 8; schreib es blosz einem aus dieser vielleicht übermäszigen güte entspringenden zartgefühl zu, dasz er, statt dir seinen willen selbst anzukündigen, mich zur auslegerin und fürsprecherin seiner wünsche bei dir erbeten hat. Wieland 39, 151. s. auch vorsprecherin.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 839, Z. 40.

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Zitationshilfe
„fürsprecherin“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrsprecherin>, abgerufen am 04.12.2020.

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