Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürsprung, m.

fürsprung, m.,
s. vorsprung. so noch wetterauisch, oberhessisch u. s. w. einen fürsprung haben, einen fürsprung kriegen. bildlich in dem sinne: ein voraussein in geltung und werth gegen anderes oder andere, ein vorzug. darumb wollen die werckheiligen auch allezeit einen fürsprung haben, sie wollen in der welt die ersten und letzten sein. Luther (Eisleben 1564—1565) 1, 348ᵇ. s. Ph. Dietz 1, 757ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 841, Z. 37.

vorsprung, m.

vorsprung, m.,

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vgl. fürsprung teil 4, 1, 1, sp. 841, nur einmal aus Luther belegt; mhd. vorsprunc Lexer 3, 480; vorsprung, praestantia, vulgo praecedentia rectius anticipatio Stieler 2106; für-, vorsprung, praecursio Steinbach 2, 648; vorsprung Adelung; Campe.
1)
als handlung; von Campe theoretisch aufgestellt: 'die handlung, da man jemandem vorspringet, und vorgesprungen ist, ein sprung, welchen man vor jemanden thut, damit er es sehe und nachthue'. — sprung, schnelle bewegung nach vorn: dasz die reutter einen weiten vorsprung thaten Ziegler d. asiat. Banise (1689) 66. — in freier anwendung von anderer vorwärtsbewegung: einem tüchtigen vorsprunge, den wir im kahn auf das meer hinaus wagen Gutzkow (1872) 11, 128. — übertragen: wir wollen aber einen kleinen vorsprung thun (in der erzählung) Ziegler d. asiat. Banise (1689) 514; sie machen, dasz ich der zeit einen vorsprung thue Iffland theatr. w. (1827) 3, 228. — zuvorkommen: wir wollen ihnen einen blutigen vorsprung machen Schiller Fiesko 3, 4. — in der turnsprache sprung, der dem eigentlichen sprunge vorausgeht: von der stelle (standsprung), 2. mit vorsprung, 3. mit anlauf Fr. L. Jahn 2, 31 E.
2)
das anführen im reigen, s. vorspringen 6 und vorspringer:
wol mir, das ich erlebt den tag,
das ich den vorsprung haben mag
mit der, die mein herz hat erwelt
H. Sachs fab 2, 104 ndr.;
übertragen: da er selber den reien füret im vorsprung mit der vermeinten braut Christi Crocius Daniel (1560) 8ᵃ; hingegen wandte de Thom sein alter vor, dem billig bei diesem blutigen kopffreigen der vorsprung zukäme Er. Francisci traursaal (1681) 4, 1162.
3)
das vorausgekommen sein in der bewegung, zunächst mit beziehung auf einen gewonnenen raum, den ein nachkommender oder verfolgender noch durchmessen musz; einige verbale wendungen sind besonders häufig.
a)
Alexander hett nun ein weyten vorsprung ... und sein pferd was rösch Hartlieb d. hist. von d. groszen Alexander (1473) 56ᵇ; da er einen guten fürsprung für ihnen hinweg gehabt Binhardus thür. chron. (1613) 226; Ajas hat den vorsprung, er strauchelt aber am ende der bahn Göthe 41, 1, 324 W.; er hat schon den vorsprung, seine verfolger keuchen athemlos nach Schiller 4, 84 G.; der andere jünger läuft schneller ..., hat also jetzt einen vorsprung vor diesem (Petrus) D. Fr. Strausz (1876) 4, 361; er hatte einen guten vorsprung und flog eben in ein abgelegenes seitengäszchen Eichendorff (1864) 3, 386; (weil) die verfolgten einen groszen vorsprung haben muszten Hans Grimm volk ohne raum (1928) 2, 446;
Eulenspiegel war jung,
het ein weiten vorsprung
und eilent die flucht gab
H. Sachs 22, 210 K.-G.;
den feinden nach, die kurzen vorsprung haben
Rückert (1867) 1, 23;
er war schon zu weit. er hatte
zuviel vorsprung
O. Ludwig (1891) 3, 191.
b)
gewinnen, abgewinnen: das sie als denn ausreiszen und einen fursprung gewinnen Cyr. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 116ᵃ; dann er hatte ihnen (den verfolgern) einen weiten vorsprung abgewonnen buch d. liebe (1587) 22ᵃ; so dasz er durch diese list und querstreiche (beim wettlauf) den vorsprung zum ziele gewann Bode Montaigne (1793) 5, 119; aber dem Glarner läufer wirds schwer sein, dem Urner den vorsprung wieder abzugewinnen dt. sagen (1891) 1, 193; dadurch gewann der vor ihr gehende soviel vorsprung, dasz ... Holtei erz. schr. (1861) 11, 41; ich wünsche ihr etwas gegenwind, um vorsprung zu gewinnen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 124;
das er mir nit abgewun,
im wuerd dann ain vorsprung:
dannocht wolt ich in erlauffen
altdt. pass.-sp. aus Tirol 148 W.;
wir müssen rückwärts, — müssens diese nacht. —
damit gewinnen wir uns weiten vorsprung
Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 1, 304;
dasz am abend ich dennoch
auf kürzerem weg
zurückgewonnen
den abgewonnenen vorsprung habe
Rückert (1867) 2, 400.
besondere wendung, von wirklichem laufen: durch möglichst rasche beinbewegung dem schicksal den vorsprung abgewinnen Raabe d. hungerpastor (1864) 133.
c)
vorsprung lassen: wann man nun den hasen auftreibet, lässet man ihm einen kleinen vorsprung Hohberg georg. curios. (1682) 2, 631; er liesz ihr einen vorsprung, dann fing er an auszugreifen Melchior Meyr erz. aus d. Ries (1868) 1, 255.
d)
in andern wendungen: mit dem das vich aber ein weiten vorsprung und vorteil zu geen erlangt Wilwolt v. Schaumburg 59 lit. ver.; dahero man, den vorsprung zuerhalten, nicht geschwinde gnug fortkommen können Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 205; herr Wormskiold verlor mehr und mehr den vorsprung, den er mir abgelaufen hatte Chamisso (1836) 6, 32; mein schritt ist langsam, so bedarf ich einen vorsprung A. v. Arnim 18, 22; (sie) setzte (beim wettlauf) ihre letzte kraft ein, den vorsprung der jungfer wettzumachen Watzlik d. pfarrer von Dornloh (1930) 199;
dâ Wigamûr, der snelle   den vorsprunc het ergâhet
j. Titurel 4616.
e)
mit angabe der länge des vorsprungs: und gewan der feind einen guten vorsprung von anderthalb meilen vor ihnen Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 346; er hat aber immer ein zwanzig schritt vorsprung gehabt G. Keller (1889) 1, 56; die Franzosen hatten so einen vorsprung von fünf meilen gewonnen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 18.
4)
vorsprung der zeit nach.
a)
bei wirklicher bewegung: ob zwar die Römer einen vorsprung von sechs oder sieben stunden hatten, würde er sie doch verfolgt haben Lohenstein Armin. (1689) 1045ᵃ; wie sie bei zwölf stunden vorsprung so leicht nicht einzuholen sein würden Göthe 22, 230 W.; (ritt,) zu dem er sich wohl mit gutem bedacht eine volle stunde vorsprung genommen habe Mörike 3, 75 Göschen.in besonderer wendung: (da ich) in Bourdeau einen vorsprung vor der heiszen witterung gewinnen will Thümmel reise (1791) 2, 100.
b)
dann aber in allgemeiner anwendung voraussein, zuvorkommen in der zeit: denn weil er vermerckete, dasz hertzog Heinrich der lewe ihn zu überziehen vorhabens, hat er den vorsprung gewaget Danckwert Schlesw. u. Holstein (1652) 216ᵇ; dieser versäumte keinen augenblick in zurüstung seines heeres, weil im kriege der vorsprung bey nahe ein halber sieg ist Lohenstein Armin. (1689) 2, 169ᵃ; ich habe einen zu groszen vorsprung, als dasz mich die setzer einholen sollten Lessing 18, 305 M.; wenn wir ja nur einige bogen vorwärts kommen, so haben wir soviel vorsprung Göthe IV 28, 25 W.; vorsprung von einigen bogen IV 36, 237; wir haben schon den vorsprung (sind verheiratet, ihr noch nicht) I 17, 258; ich schicke diese zeilen lieber mit etwas vorsprung (vor deinem geburtstage) Rilke br. (1935) 338; die mehrheitssozialisten hatten jedoch einen geringen zeitlichen vorsprung Winnig heimkehr (1935) 118.
c)
voraussein im lebensalter: der mann müsse sich soviele jahre, als seine mutter vorsprung habe, noch recht sicher vorkommen Göthe gespr. 10, 212 B.; voraussein im sterben:
wer weisz; wie lang uns noch mein rest des lebens trennet?
dein vorsprung ist vor mir vielleicht nicht gar zu grosz
bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 213.
5)
reich entwickelt ist dann in der neueren sprache die anwendung im freien sinne des vorausseins in einer entwicklung äuszerer oder innerer art, in geltung und wert vor anderen, in bestrebungen, leistungen, in der erwerbung von kenntnissen, fertigkeiten u. s. w.: man hat vor jemanden einen groszen vorsprung, 'wenn man mit seiner arbeit schon viel weiter gekommen ist, als der andere, wenn man dem range nach viel weiter befördert ist' Adelung. dabei kann nun wieder die vorstellung des zeitgewinns mehr betont sein, so dasz die unter 4 behandelte anwendung mit geltung hat; anderseits kann das wort sich der bedeutung von vorzug nähern. die unter 4 a ff. als häufig nachgewiesenen verbalen wendungen begegnen eben so oft natürlich auch hier.
a)
das bild der bewegung im raume wird festgehalten: derer, die auf der rennebahn der ehren gleich rühmlich einlegen, ja auch einen guten vorsprung haben Lohenstein Armin. (1689) 1, 397ᵃ; so bekomme ich damit vor künftigen einwendungen einen den weg sehr kürzenden vorsprung Herder 5, 31 S.;
du hast (weil jünger) viel später als wir selbst den weg begonnen,
und unerwartet uns den vorsprung abgewonnen
Rückert (1867) 2, 66.
b)
von personen in der unter 5 charakterisierten anwendung: dasz er allen andern verliebten der welt den vorsprung abgerennt zu haben vermeinte Lohenstein Armin. (1689) 2, 47ᵃ, vgl. unter a; (indessen) gewann der scheschianische adel einen vorsprung (in der macht vor den priestern) Wieland (1794) 7, 351; der teutsche barde hat folglich einen starken vorsprung vor dem kaledonischen Kretschmann (1784) 1, 16; einen desto gröszern vorsprung hatte er vor ihm ... in der gerechtigkeitsliebe Bode gesch. d. Thomas Jones (1786) 1, 321; was aber sprache und metrik betrift, da werde ich ihm ... keinen vorsprung einräumen Voss im Göthejahrb. 5, 56; so ist mir die ... kenntnisz der steine ein groszer vorsprung in der baukunst Göthe III 1, 265 W., und oft, I 40, 309; III 1, 154; IV 20, 239; 21, 351; 31, 236; 39, 118; seine kenntnis des seelebens gab ihm einen groszen vorsprung vor mir Chamisso (1836) 1, 30; die sicherheit seines benehmens gab ihm den auszerordentlichen vorsprung bei der mutter Gutzkow zauberer von Rom (1858) 4, 177;
ich erstaune,
wie nur ein mann so schwächlicher natur
der stolzen welt den vorsprung abgewann
(get the start of the majestic world)
und nahm die palm allein
Shakespeare Julius Cäsar 1, 2 (vgl. 5 a).
von tieren: indessen haben die frühkälber ... im wachsen einen bessern vorsprung als die gar jungen allg. haushalt.-lex. (1749) 2, 47ᵇ.
c)
ebenso von völkern, staaten, ländern, städten: (heidnische) völker, die selbst in der erkenntnisz gottes vor dem erwählten volke noch bis itzt einen vorsprung zu haben schienen Lessing 13, 419 M.; ein kleiner vorsprung (an vernunft) ..., den ein volk vor dem andern nahm Herder 16, 120 S.; Frankreich ... erhielte dadurch einen gar zu grosen vorsprung Lichtenberg br. (1901) 1, 332; Kuhschnappel hat ... vor hundert städten den vorsprung Jean Paul 11/14, 60 H.; so verloren wir auf dem wege zur vollendung unserer nationalen entwicklung den ganzen 1866 gewonnenen vorsprung Bismarck ged. u. erinn. 2, 110 volksausg.
d)
unpersönliches: dasz die philosophie bei weitem den vorsprung hat (vor andern wissenschaften) Jung-Stilling (1835) 4, 529; so haben sie (schauspiele) doch einen mächtigen vorsprung vor allen den aftergeburten Ayrenhoff (1814) 5, 159; da gewann auch bei mutter und schwester die freude den vorsprung Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 429;
din pris ob allem prise   den vorsprunc hat errungen
j. Titurel 1398.
e)
selten begegnet der plural: was einmal gewonnen einem feldherrn von genie blut- und zeitsparende vorsprünge gegeben hätte Gutzkow (1872) 9, 79.
f)
vorzug, vorteil: der andere jedoch schleuderte statt dessen seinen schild tönend auf den grund. 'ich will keinen vorsprung vor dir!' murmelte er Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 335;
kleine diebe hängt man so weg, es haben die groszen
starken vorsprung, mögen das land und die schlösser verwalten
Göthe 50, 108 W.
6)
in dinglichem sinne, indem die bedeutung der bewegung schwindet, von allem, was aus einem gröszeren ganzen hervorragt, in mannigfaltigster anwendung, vgl. vorspringen 7.
a)
an bauwerken, bauteilen, anlagen aller art u. s. w., vgl. Jacobsson technol. wb. 4, 559ᵇ; 8, 105ᵇ; 'der vorsprung an einem hause ... risalit' Campe; Mothes baulex. (1882) 4, 436; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 822: unter einem vorsprung oder laube Stephanie d. j. (1792) 155; unter dem vorsprunge des daches Stifter (1904) 5, 1, 217. — dieser starke vorsprung gibt dem kapitäl eine mächtig grosze gestalt Winckelmann (1825) 2, 387; das hauptgebäude hat in der mitte einen vorsprung Nicolai reise (1783) 1, 152; wir setzten uns ... auf einen vorsprung der mauer Thümmel reise (1791) 9, 59; in dem vorsprung am fenster G. Forster (1843) 3, 82; die steine waren als rustica gehauen, doch jetzt sind die vorsprünge meistens verwittert Göthe III 2, 96 W.; unter einem vorsprung am thore Fouqué zauberring (1812) 1, 93; den zwecklosen voluten, bauschungen und vorsprüngen schlechter architektur Schopenhauer 2, 478 Gr.; unten gurgelte die flut an den holzpfählen und vorsprüngen der alten häuser Freytag (1886) 4, 129. — lanze, die einen vorsprung des zeltes stützt Brentano 7, 381; hinter dem vorsprunge des zaunes Holtei erz. schr. (1861) 36, 305.
b)
in der natur, besonders an bergen und felsen: auf einem der vordersten (felsen) ist ein vorsprung mit gesträuch bewachsen Schiller 14, 389 G.; die kirche lag neben am berge hinauf, auf einem vorsprung G. Büchner nachgel. schr. (1850) 208; (schlosz,) das einst ... auf dem felsigen vorsprunge prangte Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 65; zum äuszersten vorsprunge der alpweide H. v. Barth Kalkalpen (1874) 206;
wenn auch einstürzen die burgen der väter
auf des gebirgs vorsprüngen
Platen 1, 267 R.;
ich hing im vorsprung einer wand ganz vorne
Rückert (1867) 3, 149.
ungewöhnlicher ist die anwendung in folgenden beispielen: (es) scheinen auch oftmals die umrisse der ... erdtheile in ihren einbuchtungen und vorsprüngen sich wechselseitig zu entsprechen Fr. Schlegel (1846) 8, 212; nordwestlicher vorsprung von Hoch-Afrika Ritter erdkde (1822) 1, xxii; die an vorsprüngen und schlupfwinkeln reiche ... südküste Kleinasiens Mommsen röm. gesch. 3⁴, 41; (ich war) durch einen vorsprung des ufers von ihnen getrennt Spielhagen (1877) 1, 426.
c)
auch sonst in unerschöpflicher anwendung von allem, was hervorragt, heraustritt: vorteilhaft unterscheidet sich diese statue ... durch den vorsprung der oberen augenlieder H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 1, 52. — der vorsprung der gesichtsknochen Sömmerring vom baue d. menschl. körpers (1839) 2, 115. — der vorsprung D (in einer uhr) dient zur befestigung des ... staubdeckels Lueger lex. d. ges. technik (1894) 7, 754; 'vorspringende theile, z. b. kleine zapfen an den stiften in den schlössern heiszen in vielen fällen vorsprünge' Adelung.
7)
in einzelnen technischen anwendungen tritt wieder der ursprüngliche verbale sinn des wortes hervor:
a)
vorsprung 'heiszen diejenigen körner, welche beim worfeln am weitesten fliegen und am vollkommensten sind ... betrügliche drescher ... pflegen den vorsprung allein und so hin zu schaufeln, dasz sie ihren lohn blos vom vorsprunge erhalten, welches nicht geduldet werden musz' Leopold hwb. d. ökonomie (1805) 521ᵃ; 'auch dasjenige getreide, welches bey dem aufbinden, aufladen u. s. f. von selbst aus den garben springt, heiszt in einigen gegenden vorsprung oder vorsprang' Adelung; vgl. Jacobsson technol. wb. 4, 559ᵇ; Frischbier preusz. wb. 2, 449ᵇ; Müller-Fraureuth 2, 629ᵇ.
b)
der stärkste branntwein, der beim destillieren zuerst abläuft Jacobsson technol. wb. 4, 555ᵃ; Martin-Lienhart 2, 560ᵇ. — ebenso von dem zuerst vor dem keltern von selbst ablaufenden weine: so wie der vorsprung des ausgepresseten rebensaftes der edelste wein ist Winckelmann (1825) 3, 91; vgl. oben vorlauf 6 sp. 1258 und vorschusz 2 sp. 1525.
c)
als ausdruck in der botanik: also von der mannshöhe an erstickt der vorsprung, d. i. der stärkere wuchs den schwächeren, oder was zu viel ist Ehrhart pflanzenhistorie (1753) 2, 241.
8)
vereinzelte besondere anwendungen.
a)
das voranstehen in einem buche, vgl. oben unter 3 a: und haben im ersten theil die gaistlichen spiel den vorsprung bei H. Sachs 10, 5 K.
b)
im sinne von ursprung, anfang: der geist sagt mir, ihre (der mystischen kette) strecke sey unendlich, ihr erster vorsprung gliche der feinheit der strahlen Gerstenberg schlesw. lit.-br. 286 lit.-denkm.
c)
prämisse des schlusses: mit einem namen werden sie genennet praemissae, das ist, vorsprünge oder vorgenge Bütner dialectica teutsch (1588) 89ᵇ.
d)
als verdeutschung von anapäst bei S. v. Birken rede-, bind- u. dichtkunst (1679) 14: gleichwie auch der springer ... mit den füszen vorspringet und mit dem sprungstock hernach klappet, also verhält es sich auch ... mit dem vorsprung oder anapaesto.
e)
einem worte vorausgehend: wo einem worte hof oder leib zum vorsprunge anhing — und wars an einem hofpauker oder leibvorreiter Jean Paul (1826) 26, 77.
9)
als erstes glied von zusammensetzungen, fugen-s ist nicht berücksichtigt:
vorsprungsgesetz n.,
ungewöhnliche bildung: man nennt dieses gesetz das gesetz des fortschrittes oder das vorsprunggesetz (lex progressus) Sömmerring vom baue d. menschl. körpers (1839) 4, 59, vgl. unter 1. —
vorsprunghäuschen n.,
vgl. 6 a: in der laube am vorsprunghäuschen Veit Weber holzschnitte (1793) 20. —
vorsprungskante f.:
auf der vorsprungskante (einer felswand) liegend ein totenschädel Rosegger Alpensommer (1908) 20; vgl. 6 b. —
vorsprungriff n.:
ein junger, blonder könig steht am speer
auf rotem vorsprungriff
D. v. Liliencron (1896) 7, 173;
vgl. 6 b. —
vorsprungsturm m.:
(kämmerlein,) das in einen vorsprungsthurm ausging W. Alexis d. falsche Woldemar (1842) 1, 320; vgl. 6 a. —
vorsprungwassernase f.,
am hauptsims eines gebäudes Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 4, 219; vgl. 6 a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1634, Z. 1.

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„fürsprung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrsprung>, abgerufen am 20.10.2021.

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