Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürständer, m.

fürständer, m.
was vorsteher. insbesondere ein vorsteher in hoher oder doch bedeutsamer stellung: fürstender, demarchus, princeps populi, dux, summas, praeses. Dasypodius 433ᵇ. 50ᶜ. 58ᵇ. 236ᶜ, und danach Serranus dict. g 2ᵇ und aa 3ᵃ. fürstender under den priesteren, antistes. Dasypodius 333ᵈ und 10ᵈ, aber bei Serranus dict. b 3ᵃ vorstender. bei Hederich (1753) nur vorständer mit verweisung auf vorsteher, bei Nieremberger Ssssssᵈ und Weber deutschlat. universalwb. (1770) 790ᵇ zugleich noch mit der bedeutung bürge. s. vorständer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 852, Z. 26.

vorständer, m.

vorständer, m.,
ein früher vielgebrauchtes, jetzt veraltetes wort; vgl. fürständer teil 4, 1, 1, sp. 852 (nur aus wörterbüchern belegt); mhd. vorstender mhd. wb. 2, 2, 590ᵃ; Lexer 3, 480; mnd. vorstender Schiller-Lübben 5, 462ᵇ; mnld. vorestander Verwijs-Verdam 9, 1106. aus dem mnd. stammt schwed. förstaͤndare; princeps vorestender Diefenbach gloss. 459ᶜ; economus vorstender, -stenner 194ᵇ; praefectus vorstender Schöpper synon. 67ᵃ Sch.-K.; vorstender, antistes, dux Maaler 476ᵈ; vorständer Frisch 2, 319ᵇ; als veraltet bei Adelung und Campe; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1676; nd. förstander ten Doornkaat-Koolman 1, 545ᵃ.
1)
in allgemeiner anwendung leiter, führer, verwalter, verweser u. ä. in groszen oder geringeren verhältnissen: Joseph, ein vorstender des landes Egipti quelle bei Schiller-Lübben 5, 462ᵇ; Claudius der Trewer furstender und heerfurer Gallieni Gholtz lebendige bilder (1557) j 1ᵇ; ein theil erwehlet Fridegernum, der ander aber Athalarychum zum hauptmann und vorstender Stumpf Schweizerchron. (1606) 187ᵇ; freier:
Hans Buseman wart vorstender,
dusser twydracht eyn besender
dt. städtechron. 16, 134 (Braunschweig).
2)
ganz besonders in diesen verschiedenen bedeutungen auf kirchlichem gebiete: die vorstender und meister der kirchenbreuchen, antistites ceremoniarum et sacrorum Maaler 476ᵈ; pontifex ... ein priester oder oberister priester, ein vorstender heyliger dingen, ein bischoff Calepinus dict. XI ling. (1598) 1112ᵇ; antistes germ. ein vorständer, ein prelat Megiser (1603) 1, 98ᵃ; vorständer, bistumsverweser Frisch 2, 319ᵇ; vörständer, vorsteher bei kirchengütern Dähnert 532ᵃ; vgl. Scherz-Oberlin 1894; Haltaus 569; Bauer-Collitz 141; dat he (ein bischof) vorstender to Magdeborch was gesat van dem pawese dt. städtechron. 7, 281; (mit) den vohrstendern in derselbigen klosterkirchen 27, 146 (Magdeburg); unsere (der geistlichen) vorständer seind nit allain unnütz, sonder auch schädlich dem land Eberlin v. Günzburg 3, 269 ndr.; (Paulus) spreckt tho den höveden unde vorstenderen der gemeinten Christi tho Ephesen Rotmann restitution 12 ndr.; allda er jetz lobwürdigklich regiert und der münchen vorstender ist Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 52;
ir sollet unser vorstender und bapst wesen
fastn.-sp. 2, 922 K.;
so welk vorstender de kerken ok mit truwen menet,
dem wert wol gelonet
dodes danz 1143.
3)
in besonderer anwendung von personen: ein vorstender der rächten, juris antistes Maaler 476ᵈ, gemeint ist ein rechtskundiger vertreter, vgl.vorstand 2 a; freier dann im sinne von verteidiger, schützer, vgl. nd.: hê hed gên forstanders nödig ten Doornkaat-Koolman 1, 545ᶜ. — ausgehend von der allgemeinen bedeutung eines führers und leiters (1) auf den tanz bezogen: praesultor ... ein vortantzer oder vorstender Calepinus dict. XI ling. (1598) 1142ᵇ.
4)
dinglich in der fachsprache:
a)
baum, den man beim abholzen stehen läszt: 'bei der mittelwaldwirthschaft nennt man diejenigen bäume, die von jetzt an erst beim dritten umtriebe des unterholzes zum hiebe kommen, überständer. die beim zweiten abtriebe des unterholzes zur benutzung kommenden bäume aber werden jetzt vorständer genannt' Hartig forstl. conversationslex. 850; Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 172; v. Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 159; rechtsalt.⁴ 2, 23.
b)
ohne umlaut: 'die davits werden durch vor- und achterstander gedreht' Lueger lex. d. ges. technik (1894) 2, 620; die davits sind die kräne, an welchen die boote zu wasser gelassen oder geheiszt werden; sie können durch taue oder ketten (stander) gedreht werden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1649, Z. 35.

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Zitationshilfe
„fürständer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrst%C3%A4nder>, abgerufen am 16.05.2021.

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