Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürstechen

fürstechen,
s. vorstechen. intransitiv:
1)
vor anderem merkbar sein, mehr, als anderes, merkbar sein, mehr, als anderes, da sein. da bergkleut ein schubwand finden die quartzigt ist, und der quartz weyt fürsticht, haben sie jre rechnung sie sey weit gangen, schlagen dem gang dest weiter für. Mathesius Sarepta (1562) 140ᵃ.
2)
vorausstechen, im voraus stechen, im voraus einen stich machen. noch wetterauisch u. s. w., z. b. man musz fürstechen, wenn man nadel und faden durchbringen will. in dieser bedeutung auch trans., z. b. ein loch fürstechen.
3)
vorn bestechen, vorn benähen. vor- et fürstechen, praesuere. Stieler 2155.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 853, Z. 4.

fürstechen, n.

fürstechen, n.
der inf. fürstechen als subst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 853, Z. 16.

vorstechen, verb.

vorstechen, verb.,
s.fürstechen teil 4, 1, 1, sp. 853.
1)
im eigentlichen sinne von stechen, mit einem spitzen werkzeuge vorbereitend ein loch machen: vor- et fürstechen, praesuere Stieler 2155; löcher im leder vorstechen, vorarbeitend für die nadel oder den faden Adelung; (bei der stickerei:) quer zu den stichen der vorgestochenen unterlage Dillmont encycl. d. weibl. handarb. 42; auch der schusterpfriem ist eine überfeinerung, so lange die schuster nicht so harte spitze klauen haben, um das sohlenleder unmittelbar für den holzstift vorzustechen Kolbenheyer Monsalvatsch (1912) 159. — im prägnanten sinne von stechen, vor- nicht im zeitlichen sinne: eben als wenn der dichter die personen, die er schildert, auch im kupfer müszte (den lesern) vorstechen lassen Herder 3, 165 S.
2)
intrans., mit spitzen, stacheln aus etwas heraustreten, von etwas abstechen: sy (hörner) sind ... nit so ästig als die hirtzhörner, sonder sy haben allein fürstächend zincken Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 39;
und es stachen ihm doch aus dem schnappsack vor die gestohlenen messer und gabeln
Platen 2, 292 R.
überhaupt dann sinnlich herausragen, hervortreten: und lasz gerad linien im obertheyl (der säule) hirauff lauffen ... doch lasz sie ein wenig fürstechen Dürer underweysung d. messung (1525) g 3ᵇ. — vgl. nd. förstek, vorbau, altan, erker: dat hûs hed n förstek ten Doornkaat-Koolman 1, 545ᵇ; vgl. vorstechung.
3)
von dieser unter 2 behandelten bedeutung geht die im entwickelten nhd. häufigste übertragene anwendung aus, vor anderem in besonderer stärke auf die sinne oder den geist wirken, sich bemerkbar machen.
a)
zunächst von sinneseindrücken. Adelung meint, dasz es in diesem sinne hauptsächlich von der empfindung durch das gesicht gebraucht wird: eine farbe sticht vor, 'wenn sie stärker als andere empfunden wird'; (näher der bedeutung 2:) die grundfarbe sticht vor, 'wenn sie durch die obere sichtbar wird';
dann dorte, da und hier
sticht noch die alte dinte für
Weise d. grünend. jugend überfl. gedanken 17;
stach unter lauter frohen gesichtern ein verdrieszliches vor Jean Paul 7/10, 76 H.von der wirkung auf das ohr: in der äuszersten stimme der rechten hand, die am meisten vorsticht (im polyphonen satz) Heinichen generalbasz (1728) 521; damit das final des ganzen stücks (eines singspiels) desto brillanter vorsteche Göthe IV 7, 167 W.in ungewöhnlicher anwendung: keiner stach vor (kein ausgang aus einem zimmer war bemerkbar) Jean Paul 10, 192 akad.-ausg.
b)
dann aber in allgemeinem freien gebrauch: der eigennutz sticht bey jemanden merklich vor Adelung; wenn ... die satirische laune nicht zu sehr vorstäche Lessing 10, 80 M.; der unterrichtende ton musz niemals vorstechen (im spiel mit kindern) Gerstenberg hamb. n. zeitung 275 dt. lit.-denkm.; das unmoralische, das vorsticht Jean Paul 7/10, 36 H.; dasz diese stelle ... durch die schalkhaft-gutmüthige behandlung vortheilhaft vorsticht Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 372.
c)
ebenso von persönlichem: dasz in allen schauspielen ... ein charakter immer vor dem andern vorstechen wird Lessing 12, 374 Petersen; ich gedenke dadurch vielleicht über andere schriftsteller, ... vorzustechen Jean Paul 7/10, 475 H.die person statt der eigenschaft: allein der geck stach doch in dem umstande vor, dasz u. s. w. Kretschmann (1784) 5, 236.
d)
ganz besonders ist in diesem übertragenen sinne das part. präs. in der neueren sprache gebräuchlich: vorstechende farbe, neigung; seine vorstechende eigenschaft ist neid u. ä.; diese so vorstechende, auf alle zuschauer so groszen eindruck machende scene Lessing 9, 262 M.; so wenig wir es (ein kunstblatt) auch für ein vorstechendes kunstwerk preisen können Göthe 38, 378 W.; vorstechende bosheit Jean Paul 4, 299 ak.-ausg.; mann von verhältniszmäszig vorstechender bildung Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 42; eine vorstechende rolle spielen 2, 219; eine der vorstechendsten trachten Tirols Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 247. — in diesem gedichte sind entschiedene dichtertalente vorstechend Schubart br. 2, 57 Strausz; blau sey immer das vorstechende Göthe II 5, 2, 31 W. — seine gedichte haben einen vorstechend sanften charakter W. Scherer litt.-gesch. 346.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1652, Z. 24.

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Zitationshilfe
„fürstechen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrstechen>, abgerufen am 07.05.2021.

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