Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

fürstenrecht, n.

fürstenrecht, n.
1)
das dem fürsten als solchem zukommende oder zustehende recht. s. fürst 2). mhd. vürstenrëht, der rechtsstand den der fürst hat, der dem fürsten als solchem zukommende rechtsstand (Mai 156, 30). fürstenrecht, jura principum. Stieler 1550. das übergewicht der fürstenrechte über die bürgerrechte. Beckers weltgesch. 13, 511; fürsten- und herrenrecht auf der einen seite, auf der andern gehorsam. Klinger 3, 40;
die ufer geb ich ihr zum ackerland,
schenk ihr groszmüthig alle fürstenrechte,
erröthe nicht, um ihre hand zu freyn —
Schiller 40ᵃ (Dido 40);
dem fürsten, der sein fürstenrecht entweihet,
der — herrscher nur — und nicht des volkes vater ist,
dem droht ein rachegeist ...
Tiedge markt d. l. 1, 118.
2)
im deutschen staatsrechte
a)
das recht über sachen zu urtheilen die eines fürsten leib, ehre und lehenschaft betreffen, welches recht, in so fern es jene ersten beiden, nemlich leib und ehre, angieng, der kaiser mit zuziehung der kur- und reichsfürsten, des fürstenrathes, ausübte, aber so fern es die lehen anbelangte, der reichshofrath besasz.
b)
das recht der ehemaligen reichsfürsten, sich in sachen, die ihre ehre und ihr leben betreffen, von niemand anderem als von dem kaiser und von ihresgleichen richten zu lassen.
3)
gesetz und herkommen die ein fürst in angelegenheiten seines fürstenhauses als dessen haupt zu beobachten und zu wahren hat.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 875, Z. 53.

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Zitationshilfe
„fürstenrecht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrstenrecht>, abgerufen am 28.10.2021.

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