Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

fürstensitz, m.

fürstensitz, m.
1)
eine stelle wo der fürst zu sitzen pflegt. im besondern der thron (vgl. fürstenstuhl):
dies ist des furchtbarn königes pallast
und dies der fürstensitz: nimm, York, ihn ein,
dir kommt er zu, nicht könig Heinrichs erben.
A. W. Schlegel Shaksp. Heinrich VI. dritter theil 1, 1;
du bist bescheiden, wie die stille,
und wie am fürstensitz die wahrheit, taub und stumm.
Tiedge elegieen 3, 159;
doch statt der wahrheit stehn geübte, heitre mienen,
bereit, mit hofgerechtem witz
und schmeicheltrug dem herrn zu dienen,
umher an seinem fürstensitz.
da sieht er dann in schimmerreicher blendung
um seinen thron ein beet von sonnenblumen stehn.
markt d. l. 1, 114.
2)
ein haus, in dem der fürst seinen sitz hat d. h. wohnt, ein fürstlicher palast, ein fürstliches schlosz.
3)
eine stadt in der ein fürst seinen sitz, d. h. bleibenden aufenthalt, genommen hat:
und dieser weiberheld (Aeneas) ...
genieszt nun seines raubs in seinem fürstensitze.
Schiller 40ᵃ (Dido 41).
4)
eine stadt, in der der fürst als herscher seinen sitz hat, eine residenzstadt:
ihr hohen fürstensitze
von Wilhelm und von Franz, ...
du sollst auf Deutschland wirken,
entsündigtes Berlin,
die Welschen wie die Türken
vermeiden künftig Wien.
Schenkendorf ged. 178.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 879, Z. 29.

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Zitationshilfe
„fürstensitz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrstensitz>, abgerufen am 24.11.2020.

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