Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

fürstreichen

fürstreichen,
s. vorstreichen. das wort steht
I.
intransitiv und bedeutet
1)
sich mit geschwindigkeit und leichtigkeit vornhin bewegen.
2)
hervorstreichen, sich mit geschwindigkeit und leichtigkeit hervorbewegen.
3)
sich geschwind und leicht vorwärts fortbewegen.
4)
sich geschwind vorausbewegen, vorauseilen. mhd.
die boten für strichen   mit dën mæren.
Nib. 1653, 1.
daraus geht dann die folgende bedeutung hervor
5)
übertreffend zuvorkommen, übertreffend vorauskommen, den vorrang erlangen vor —. mit dat.:
und ob dem unrecht wol und allen denen schanden,
so durch unwissenheit heut dir seyn zugestanden,
die ehre, so du hier erwirbest, sehr wol gleicht,
ja weit derselben noch an wichtigkeit fürstreicht,
so wil ich dennoch dich noch gerne mehr begnügen.
Werder Ar. 18, 58, 4, supera e avanza Orl. fur. 18, 67.
vgl. II 2).
6)
vorbeistreichen, vorüberstreichen, sich mit geschwindigkeit und leichtigkeit vorbei oder vorüber bewegen. vgl. II 4). an diese bedeutung knüpft sich dann die folgende:
7)
schwindend vorübergehn, zu ende gehn, vergehn. praeteritus, fürgangen, fürgstrichen. Frisius (1556) 1049ᵇ.
II.
transitiv, mit beigesetztem acc., in den bedeutungen
1)
mit einem vornhin vor etwas gemachten strich anmerken oder auszeichnen. für- sive vorstreichen, praenotare, praefigere signa, praeponere notas. Stieler 2002, der aber voraus als eigentliche bedeutung praelinire, vorn bestreichen, ansetzt. daher dann die folgende bedeutung:
2)
auszeichnend rühmen, mit auszeichnung rühmen, über anderes lobend erheben. vgl. I 5). aus der bedeutung hier aber geht wieder die folgende hervor:
3)
vor anderm hervorheben, vor anderm vorbringen oder darlegen. auch mit einem ausdruck, der accusativisch steht: und was für ein glück obiges sey, so kan nimand, als am ende seines laufs, sich glückselig nennen. nichts wenigers wil ich weiter fürstreichen und sagen, das, wann gleich u. s. w. Butschky kanzlei s. 642.
4)
vorbeistreichen, vorüberstreichen, zur seite lassend sich geschwind vorüber bewegen. vgl. I 6). praelegere, fürgon, oder fürstreychen. Frisius (1556) 1040ᵇ, es ist hier praelegere, vorübersegeln, in den stellen bei Tac. annal. 6, 1 und 2, 79 gemeint.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 895, Z. 47.

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Zitationshilfe
„fürstreichen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrstreichen>, abgerufen am 25.10.2021.

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