Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürträgenlich, adj.

fürträgenlich, adj.
was das adj. fürträglich: da denn ewern gnaden dunke, da es uns allernützlichost und fürträgenlichost sye. schreiben vom 18. april 1416 in den chron. d. deutsch. städte 5, 349, 8. mit ausfall des t, wie oft bei zusammensetzung des part. praes. mit -lich, statt fürträgentlich, fürtragentlich, und der umlaut des a ist einwirkung des -lich. was die bedeutung anlangt, s. fürtragen 12).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 911, Z. 19.

vorträglich, adj.

vorträglich, adj.,
nützlich, förderlich, s. vortragen 17; vgl. fürträgenlich, fürträglich teil 4, 1, 1, sp. 911; fürträgenlich Lexer 3, 616 (15. jh.); vürtreglich Jelinek 913; für-, vorträglich Schmeller-Fr. 1, 656; Fischer schwäb. wb. 2, 1884; vorträglich autem est: utilis, salutaris, fructuosus, frugifer Stieler 2313; in gleichem sinne bei Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1113ᵃ; accomodable, das sich wohl schickt, füglich, vorträglich, bequemlich Sperander (1727) 8ᵃ (vielleicht ist hier aber verträglich gemeint); für-, vorträglich, commodus, utilis Steinbach 2, 835; vorträglich, nuttig, dienstig, voordeelig Kramer-Moerbeek (1768) 402ᵇ; vorträglich, 'ein oberdeutsches wort für nützlich, heilsam, wofür im hochdeutschen zuträglich üblich ist' Adelung; vorträglich, 'besser zuträglich, nützlich' Braun dt. orthogr. gramm. wb. (1793) 294ᵃ; vgl. Heynatz antibarb. (1796) 2, 604; Campe; das wort im 17. jh. auszerordentlich häufig, begegnet im 18. seltener; aber nicht nur bei oberdt. schriftstellern, und ist dann der schriftsprache völlig entschwunden.
1)
neben sinnverwandten oder gegensätzlichen wörtern: dienstlich und vorträglich Fischart Garg. 333 ndr.; fast nützlich und vorträglich buch d. liebe (1587) titel; vielmehr hinderlich dann vortreglich neuw. jägerbuch (1590) 16ᵃ; erspriesz- oder vorträglicher Spee cautio crimin. (1649) 307ᵃ; viel schöne und vorträgliche liebgen Moscherosch ges. 1 (1650) 72; gut oder böse, vorträglich oder nachtheilig Butschky Pathmos (1677) 1; vorträglich und ausbindig gut Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 238; mehr vorträg- als schädlich Lohenstein Armin. (1689) 2, 91ᵃ.
2)
attributiv: mit gutem verstand und vorträglichen anschlägen Hohberg georg. curios. 3 (1715) 1, 48ᵃ. — das n. substantiviert: zum wenigsten wird aus dergleichen zufällen niemand den traurigen ... gemühtern etwas vorträgliches bey bringen Chr. Weise d. polit. redner (1677) 152; wenn ich aber ja für die schwartzen augen was vorträgliches (zu ihrem vorteil) sagen musz Lohenstein Armin. (1689) 1, 549ᵃ.
3)
am häufigsten mit sein verbunden (belege aus dem 18. jh. etwas gehäuft, s. vor 1): dieweil sie dafür halten, dasz betrug vorträglicher sei Haganäus von unterweisung zum weltl. regiment (1599) 200; wie garnicht vorträglich sey die busze, welche in der höllen anfähet Meyfart himm. Jerusalem (1630) 2, 343; ob der mündliche oder schriftliche unterricht der jugend vorträglicher sey Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 7, a 1ᵃ; weil ihn solches noch nicht zeit und seinem nutzen vorträglich zu seyn bedünckte Grimmelshausen Simpl. 134 Scholte; vgl. A. H. Bucholtz Herkuliskus (1665) 73; Brandis d. tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 165; Lohenstein Armin. 2, 102ᵃ; 1, 280ᵃ u. ö.; welches ihr weit vorträglicher wäre Melissus Salinde (1713) 180; (welches) auch selbst zur gesundheit vorträglich seyn kan Chr. v. Wolff gedancken von d. menschen thun u. l. (1720) 334; wie es seiner hauptabsicht vorträglich seyn kan Breitinger crit. dichtkunst (1740) 23; dergleichen herren sind ... öfters den schauspielern ungemein vorträglich Petrasch lustsp. (1765) 2, 419; es ist für die stadt allemal vorträglicher Rabener satiren 3, 123; so ists für die finanzen doch immer vorträglicher Wieland in: br. an Merck (1835) 240; doch scheint es mir viel vorträglicher zu seyn, wenn du ... Schubart br. 2, 298 Strausz.andere wendungen: wie aber dieser weg nicht vorträglich schiene A. Gryphius (1698) 1, 344; (liebhaber,) die es für vorträglicher halten Rabener (1777) 3, 230; was er dem gemeinen nutzen vorträglich hält Musäus physiogn. reisen (1788) 2, 30.
4)
das adv. gesteigert: immer nutzbarer und vorträglicher zu reguliren Göchhausen notab. venat. (1741) 313; am vorträglichsten für uns Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 41.
5)
in der folgenden stelle ist der sinn etwas verändert, das wort hat etwa die bedeutung von 'zutreffend': darumb dann in solcher überfarung (des gesetzes) niemants mit rechtmeszigen, vortreglichem grundt seine verlassung und hinlessigkeit entschuldigen mag Carolina art. 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1771, Z. 52.

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Zitationshilfe
„fürträgenlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrtr%C3%A4genlich>, abgerufen am 06.12.2021.

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