Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürträglich, adj.

fürträglich, adj.
förderlich, nützlich, nutzbringend, zuträglich. vgl. fürtragen 12). entweder ohne abhängigen casus, oder mit dat. zur bezeichnung dessen, dem etwas angegebenes förderlich u. s. w. sei: liesz sich dunken, es solt yhm nit wenig datzu furtreglich seyn, wo er doctor Luthern ym heerschildt furet. Luther eyn sendbrief an bapst Leo X. (Wittemberg 1520) A iiijᵇ, s. Ph. Dietz 760ᵃ; dasz dieser artikel des friedens dermaszen gestellt, dasz er den evangelischen ständen nichts fürträglich, sondern allein eine verführung sey. Baumgärtner in Melanchthons werken 2, 417; nichts nützlicheres, fürträglicheres und fruchtbareres. abschied Frankf. 1558 in Melanchthons werken 9, 492;
desz ist grosz krieg zu förchten täglich,
solch zwispan ist gut und fürträglich
dem Türcken, der ohn widerstand
wol zwingen mag das teutsche land.
H. Sachs I (1590), 263ᶜ;
hierausz thut uns zu mercken bleiben
dasz in den. krieg weiszheit und list
gegen dem feind fürtreglich ist.
IV. 2, 84ᶜ;
mit fürträglicherm exempel des abbruchs. Frontin v. Tacius 1, 7, 7, bei Fronsperger kriegsb. 3, 236ᵇ, im lat. text utiliore exemplo temperantiae; dieweil nach vergleichung dieses lanngwierigenn stritts, irrungen und zweyspaltungenn, dieselbigenn keinem theil weitters furtreglich sein konten, weil aber darausz in kunfftiger zeitt mehr wiederwillenns, getzenncks unnd unraths enndtstehenn und volgen kan ... urk. v. j. 1557 bei Ledderhose kleine schriften 5, 174; mag dir nicht viel fürträglich seyn. Kirchhof wendunmuth 300ᵃ, = „zuträglich“ (Wilh. Grimm); allezeit fürträglicher und besser. dessen discipl. milit. 9; ist nicht dieser eyner statt oder eyner gemeyn fürträglicher, der kinder zeugt, den der, so eyn eynlitzig leben füret. Fischart ehzuchtb. 505; der zöllner zunfft fürtreffliche und dem gemeinen nutzen fürträgliche leut gewesen. Lehman 591; weil der billigkeit nicht zuwider, sondern vielmehr an ihm selbst nützlich und den parteyen zu ersparung vieler zeit und vergebenen unkostens fürträglich ...: so sollen unsere reichshoffräthe ... reichshofrathsordnung von kaiser Matthias, in Hipp. a Lapide dissertat. de rat. status in imper. rom.-germ. s. 436; diese regel sey recht oder nicht, so ist sie doch fürträglich, und ich habe auch keine andere gelernet. Sigm. v. Birken Margenis 69; das er diejenige parthey, so seinem interesse kan fürträglich seyn, schütze. Butschky Patmos 902; weil ein grosser miszbrauch in dem bücherwesen, indem die buchhändler oft blosz und allein auf ihren vortheil sehen und sich nicht allein an das, so dem gemeinen wesen fürträglich, nicht kehren, sondern auch falsche, schädliche und ärgerliche schriften zu verlegen, einzuführen und zu vertreiben nicht entsehen. Leibnitz 2, 281. am fürträglichsten steht adverbialisch: in diesen hohen und voller schrecklicher grosser fährlichkeit sachen ist am fürträglichsten u. s. w. Kirchhof milit. discipl. 92. s. auch gleich nachher. gern ist das wort mit nütz, nützlich verbunden, in welchem formelhaft erscheinenden verstärkten ausdruck es wol mehr den sinn vonförderlichhat: weil wir es aber dafür halten, das es seer gut, nutz und fürtreglich sein werde, das diese pestilentzische frucht der luterischen ketzerey ausgetilget werde. Luther 1, 555ᵇ; war zu wirt es nütz und fürträglich sein. Spalatinus verdeutschung von Melanchthons anweisung in der heil. schrift. sprichwörtlich: gesatz und ordnung hält man so lang, als sie den leuten nutz und fürträglich seyn. Lehman 1, 293. selbst mit am nützlichsten wird am fürträglichsten wie formelhaft verbunden: welcher meyerhoff am allernützlichsten und fürtraglichsten sey? Schuppius 100. eben so findet sich fürträglich sein zu nutzen gefügt:
sie mochten jhm an dieser stet
nicht nutzen, noch fürträglich sein.
Spreng Il. (1610) 214ᵃ.
Stieler 233 scheint kein fürträglich mehr zu kennen, und nimmt blosz vorträglich auf, dagegen hat Steinbach 2, 835 wieder als adj. „für-, vorträglich“ und Moerbeek selbst im jahr 1768 noch beide wörter, jedes an seiner stelle im alphabete. doch auch Ludwig, Hederich, Nieremberger gönnen nur vorträglich aufnahme, bei dem weiteres nachzusehen ist.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 911, Z. 31.

fürträglich, adv.

fürträglich, adv.,
von dem vorigen adj. (s. d.) abgeleitet, von dem es sich nicht immer scheiden läszt, so dasz manche dort angeführte stellen vielleicht hier stehn sollten. damit nun solche hülf desto fürträglicher und der nothdurfft nach gebraucht und man wissens habe, wie, auch welcher gestalt, masz und zeit, solche hülff beschehen mag, ist beschlossen ... reichsabschied v. j. 1522 §. 1; hab ich ganz fürträglich geachtet. Kirchhof discipl. milit. vorrede, = „zuträglich“ (Wilh. Grimm).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 912, Z. 26.

vorträglich, adj.

vorträglich, adj.,
nützlich, förderlich, s. vortragen 17; vgl. fürträgenlich, fürträglich teil 4, 1, 1, sp. 911; fürträgenlich Lexer 3, 616 (15. jh.); vürtreglich Jelinek 913; für-, vorträglich Schmeller-Fr. 1, 656; Fischer schwäb. wb. 2, 1884; vorträglich autem est: utilis, salutaris, fructuosus, frugifer Stieler 2313; in gleichem sinne bei Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1113ᵃ; accomodable, das sich wohl schickt, füglich, vorträglich, bequemlich Sperander (1727) 8ᵃ (vielleicht ist hier aber verträglich gemeint); für-, vorträglich, commodus, utilis Steinbach 2, 835; vorträglich, nuttig, dienstig, voordeelig Kramer-Moerbeek (1768) 402ᵇ; vorträglich, 'ein oberdeutsches wort für nützlich, heilsam, wofür im hochdeutschen zuträglich üblich ist' Adelung; vorträglich, 'besser zuträglich, nützlich' Braun dt. orthogr. gramm. wb. (1793) 294ᵃ; vgl. Heynatz antibarb. (1796) 2, 604; Campe; das wort im 17. jh. auszerordentlich häufig, begegnet im 18. seltener; aber nicht nur bei oberdt. schriftstellern, und ist dann der schriftsprache völlig entschwunden.
1)
neben sinnverwandten oder gegensätzlichen wörtern: dienstlich und vorträglich Fischart Garg. 333 ndr.; fast nützlich und vorträglich buch d. liebe (1587) titel; vielmehr hinderlich dann vortreglich neuw. jägerbuch (1590) 16ᵃ; erspriesz- oder vorträglicher Spee cautio crimin. (1649) 307ᵃ; viel schöne und vorträgliche liebgen Moscherosch ges. 1 (1650) 72; gut oder böse, vorträglich oder nachtheilig Butschky Pathmos (1677) 1; vorträglich und ausbindig gut Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 238; mehr vorträg- als schädlich Lohenstein Armin. (1689) 2, 91ᵃ.
2)
attributiv: mit gutem verstand und vorträglichen anschlägen Hohberg georg. curios. 3 (1715) 1, 48ᵃ. — das n. substantiviert: zum wenigsten wird aus dergleichen zufällen niemand den traurigen ... gemühtern etwas vorträgliches bey bringen Chr. Weise d. polit. redner (1677) 152; wenn ich aber ja für die schwartzen augen was vorträgliches (zu ihrem vorteil) sagen musz Lohenstein Armin. (1689) 1, 549ᵃ.
3)
am häufigsten mit sein verbunden (belege aus dem 18. jh. etwas gehäuft, s. vor 1): dieweil sie dafür halten, dasz betrug vorträglicher sei Haganäus von unterweisung zum weltl. regiment (1599) 200; wie garnicht vorträglich sey die busze, welche in der höllen anfähet Meyfart himm. Jerusalem (1630) 2, 343; ob der mündliche oder schriftliche unterricht der jugend vorträglicher sey Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 7, a 1ᵃ; weil ihn solches noch nicht zeit und seinem nutzen vorträglich zu seyn bedünckte Grimmelshausen Simpl. 134 Scholte; vgl. A. H. Bucholtz Herkuliskus (1665) 73; Brandis d. tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 165; Lohenstein Armin. 2, 102ᵃ; 1, 280ᵃ u. ö.; welches ihr weit vorträglicher wäre Melissus Salinde (1713) 180; (welches) auch selbst zur gesundheit vorträglich seyn kan Chr. v. Wolff gedancken von d. menschen thun u. l. (1720) 334; wie es seiner hauptabsicht vorträglich seyn kan Breitinger crit. dichtkunst (1740) 23; dergleichen herren sind ... öfters den schauspielern ungemein vorträglich Petrasch lustsp. (1765) 2, 419; es ist für die stadt allemal vorträglicher Rabener satiren 3, 123; so ists für die finanzen doch immer vorträglicher Wieland in: br. an Merck (1835) 240; doch scheint es mir viel vorträglicher zu seyn, wenn du ... Schubart br. 2, 298 Strausz.andere wendungen: wie aber dieser weg nicht vorträglich schiene A. Gryphius (1698) 1, 344; (liebhaber,) die es für vorträglicher halten Rabener (1777) 3, 230; was er dem gemeinen nutzen vorträglich hält Musäus physiogn. reisen (1788) 2, 30.
4)
das adv. gesteigert: immer nutzbarer und vorträglicher zu reguliren Göchhausen notab. venat. (1741) 313; am vorträglichsten für uns Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 41.
5)
in der folgenden stelle ist der sinn etwas verändert, das wort hat etwa die bedeutung von 'zutreffend': darumb dann in solcher überfarung (des gesetzes) niemants mit rechtmeszigen, vortreglichem grundt seine verlassung und hinlessigkeit entschuldigen mag Carolina art. 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1771, Z. 52.

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Zitationshilfe
„fürträglich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrtr%C3%A4glich>, abgerufen am 05.08.2021.

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