Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürtrag, m.

fürtrag, m.,
s. vortrag.
1)
die handlung, vor jemand oder überhaupt andern etwas in worten darzulegen:
in dem ersicht er ohn gefehr
in dem creutzgang dort stehn den abbt,
zu dem gieng er, demütig gnapt,
und bot jm einen guten tag
und thet mit schalckheit sein fürtrag,
sprach: ....
H. Sachs II (1591). 4, 92ᵇ.
fürtrag thun, fürtragen, aliquid proponere, referre, deferre. Aler (1727) 822ᵃ.
2)
das was vor jemand oder andern in worten dargelegt wird. des procesz fürtrags halben. cammergerichtsordnung von 1527 am anfange; item nach beyder theyl und allem fürtrag, auch entlichem beschlusz der sachen, sollen der richter, schöffen und urtheyler alle gerichtliche fürtrag und handlung für sich nemen, mit fleisz besichtigen und erwegen. carolina art. 92, fehlt aber in dem entsprechenden art. der bambergensis, also 1507; herr richter, ich sprich, es geschicht billich auf alles gerichtlich einbringen und handlung, was nach des gerichts ordnung recht und auff gnugsame alles fürtrags besichtigung in schrifften zu urtheyl verfasset ist. art. 93;
wenn diser, der da sitzt hiebey,
wil reden nach sim gschwornen eyd,
wirt er sins fürtrags gen (geben) guot bscheyd.
trag. Joh. E 5.
was als willensmeinung oder befehl ausgesprochen wird: darnach keiner unsern angelangten fürtrag und erfordern verhindern, sondern denselbigen gehorsam seyn sol. Amadis 326, 694. In den bedeutungen 1) und 2) bei Frisius, Maaler, Wilhelmi, Aler; dagegen fehlt das wort bei Stieler und Rädlein, die nur vortrag haben. Dentzler und Weismann nehmen fürtrag und vortrag auf, aber dieser das letzte mit verweisung auf vorschlag, jener mit hinweisung auf fürtrag. bei Kirsch und Matthiä findet sich, trotzdem dasz sie fürtragen haben (s. fürtragen), nur vortrag, und Steinbach 2, 835 bringt zwar „für-, vortrag“, setzt aber in den beispielen hierzu blosz vortrag; auch Ludwig, Hederich und Nieremberger führen nur dieses an, das nach dem ersten viertel des 18. jahrh. allein hochdeutsch im gebrauch ist, während fürtrag blosz noch mundartlich bewahrt bleibt.
3)
zur besprechung oder zum streiten aufgestellter satz, thesis. ... der sich zu Rom zu disputiern erboten und offenlich uffgeschlagen hett under andern fürtregen und conclusiones auch disze ... Reuchlin augensp. 12ᵇ.
4)
die beiden vortretenden brüste einer weiblichen person. den ausdruck hört man mitunter im gewöhnlichen leben der gegenden, in welchen statt des heutigen hochd. vor mundartlich für herscht; in der umgangssprache sagt man vortrag (s. d.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 907, Z. 29.

vortrag, m.

vortrag, m.,

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vgl. fürtrag teil 4, 1, 1, sp. 907, wo sich auch angaben über das schwanken der nhd. lexikographen zwischen für- und vortrag finden; im mhd. ist weder vür- noch vortrac zu belegen, während das verb. vürtragen im sinne von 'darlegen in worten' schon älter ist. die form vortrag scheint sich erst im 17. jh. zu verbreiten, doch begegnet sie nicht erst 1663 bei Schottel (so bei Kluge-Götze): auf der lande vortrag verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 35; hat er den ständen unter anderm auch diesen vortrag gethan Zinkgref apophth. (1628) 1, 33; nach beschaffenheit deroselben vortrages Rist d. friedewünsch. Teutschland (1648) 63. — vortrag, propositio Schottel haubtspr. (1663) 652ᵃ; vortrag, der, ... propositio, sententia, significatio Stieler 2313; vortrag, propositione, proposta, rapporto, espositione, rappresentanza Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1113ᵃ; vortrag, propositio Dentzler clavis ling. lat. (1716) 338ᵇ; proposition, der vortrag, das vorbringen Spanutius (1720) 387; für- et vortrag, propositio Steinbach 2, 835; vortrag, propositio Gottsched sprachkde (1762) 146. vortrag Adelung; Campe. entlehnt ist dän. foredrag.
1)
wie aus den angeführten glossierungen hervorgeht, wird im älteren nhd. eine später veraltete bedeutung hervorgehoben. vortrag bezeichnet da eine darlegung in worten, insofern sie eine behauptung, eine these, eine willensäuszerung, einen vorschlag enthält (in letzterem sinne noch beim jungen Göthe, unter 1 e); vgl. fürtrag 3 teil 4, 1, 1, sp. 907.
a)
behauptung: der vortrag braucht keinen beweis, propositio non indiget approbationis Steinbach 2, 835; einen rechten sucher der wahrheit kann man erkennen, wenn er einen vortrag nicht für gewisser annimmt, als es die beweise, darauf er gegründet, zulassen Leibniz dtsche schr. (1838) 2, 320.
b)
thema einer auseinandersetzung, darstellung mündlicher oder schriftlicher art: exordium eingang. propositio vortrag Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 5, 330; erstlich ist propositio oder der vortrag, darinn man sagt, was man in der rede haben will Chr. Weise polit. redner (1677) 169. — exposition: diese handlung musz einfach, musz interessant seyn: sie musz einen anfang, ein mittel, ein ende haben; folglich einen vortrag, einen knoten, eine auflösung Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 245; für den prolog eines dramas bei S. v. Birken redebind- u. dichtkunst (1679) 324. — übergehend von diesem sinne aus in die allgemeinere bedeutung des wortes: ehe aber der poet seine erzählungen anfängt, gehen einige stücke vorher ... das erste ist der namen des gedichtes; das andre der vortrag seines hauptsatzes, davon es handeln soll; das dritte aber die anruffung Gottsched versuch einer crit. dichtkunst (1751) 493.
c)
musikalisches thema: die propositio (der zusammenhang zeigt, dasz der ausdruck der rhetorischen theorie entlehnt ist), oder der eigentliche vortrag enthält kürtzlich den inhalt oder zweck der klangrede und ist zweierley: einfach oder zusammengesetzt, wohin auch die bunte oder verbrämte proposition in der tonkunst gehört Mattheson vollkomm. capellmeister (1739) 236.
d)
besonders häufig in dem sinne einer äuszerung, die auf den willen eines andern einwirken soll, also in der bedeutung von antrag, vorschlag u. ä. es kann unter umständen auch eine anfrage gemeint sein, auf die hin jemand sich zu etwas entschlieszen, sich entscheiden soll, vgl. zs. für dt. wortf. 12, 64: der erste vortrag eines geschäffts, la prima propositione ... d'un maneggio (negotio) Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1113ᵃ; darnach zog er seinen gewalt (beglaubigung) herfür, sein person zu diesem vortrag (anklage) und handlung damit zu legitimiren Ayrer hist. proc. juris (1600) 24; besonders auch für heiratsantrag und bei liebeswerbung: wir wollen die princessin herrufen lassen, da ihr denn unsern vortrag und ihren entschlusz (wegen der vorzuschlagenden heirat) selbst mit anhören könnet Ziegler d. asiat. Banise (1689) 293; sie muthmaszte aus diesem vortrage (liebeswerbung) ..., dasz er nicht lange in Deutschland gewesen seyn müste Lohenstein Armin. 1, 14ᵃ; da ich mir eher der sonnen einsturz als diesen vortrag vermuthet hätte Holston u. Augusta (1780) 128;
offt ist ein freyersmann in seinem vortrag blöde
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 392.
natürlich kann ein solcher vorschlag in einer längeren darlegung, einer rede vorgebracht werden, womit ein übergang zu der im entwickelten nhd. geläufigen anwendung stattfindet: Pyrrho hatte ausgeredet, und man fand seinen vortrag nicht unweise (er hatte in der rede einen bestimmten antrag gestellt, der aber nicht angenommen wurde) Tieck (1828) 9, 29;
mein vortrag ist kein wahn
Lohenstein Cleopatra (1680) 35.
e)
verbale wendungen; häufig ist vortrag tun (vgl. unten 2 f und h): den vortrag thun, fare la propositione Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1113ᵃ; beschrieben sie (ihre durchlaucht) einen landtag nach Insprugg, thaten den ständen den vortrag, wie ... Brandis d. tirol. adlers ehrenkränzel (1678) 176; diesem nach that Griechenland diesen vortrag Lohenstein Armin. 2, 314ᵇ; er spottet unsers unglückes durch den vortrag, den er uns thut d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 126; euch einen vortrag meiner aufrichtigen und ehrlichen liebe zu thun Schnabel insel Felsenburg 302 Ullrich; als Lotte beschäftiget war ..., den vortrag zu einem spiele zu thun Göthe 19, 35 W.;
halt, Argier! gleich stellt eur werfen ein!
denn Hektor will uns einen vortrag thun (Il. 3, 83)
Bürger 152ᵃ Bohtz.
einen vortrag machen: der könig, fürst, oder sonst ein berühmter mann machte den vortrag, und das volk entschied M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 34; wir müssen ihm vorträge machen — vielleicht geht er einen termin ein G. Stephanie d. jüng. lustsp. (1771) 150; er machte mir den vortrag, weil schon so viele jahre keine opern wären gesehen worden, so sollte ich einige aufführen Hafner lustsp. (1812) 1, 123. — Sigmunds vortrag gieng kürzlich dahin, dasz ... M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 141. — es geschahe alsdenn der vortrag, man müste ihnen ... die mittel ihrer verthädigung nicht abstricken Lindenborn Diogenes (1742) 2, 22.
morgen könnten sie vorn thron erstlich ihren vortrag bringen
Schönaich Heinrich d. Vogler (1757) 9.
f)
übergehend in den sinn von vorsatz (propositio, propositum):
und als ihm nun zu seim vortrag
geriet ein schöner warmer tag
Fischart dicht. 2, 144 Kurz.
2)
die bisher behandelten bedeutungen sind veraltet. im entwickelten nhd. wird vortrag in allgemeinster anwendung von jeder hörbarmachung eines gedankeninhalts durch worte gebraucht (übertragung auf das musikalische s. unter 3). dieser allgemeine sinn wird besonders deutlich, wenn vortrag mit einem genit. des objekts verbunden wird; es tritt dann aber gern eine einschränkung des sinnes ein, indem das wort auf eine rednerische darstellung mit belehrendem zwecke bezogen wird, die an einen gröszeren oder kleineren kreis, aber auch an einen einzelnen gerichtet wird. unverkennbar besteht in der sprache der gegenwart die tendenz, das wort auf diese bedeutung mehr und mehr einzuschränken, denn wenn vortrag auf gelegenheiten des gesprächs bezogen wird, kann die bedeutung leicht eine ironische färbung annehmen und lehrhaftigkeit oder weitschweifigkeit angedeutet werden. in früherer zeit aber bewegt sich der sprachgebrauch freier, so dasz vortrag überhaupt eine mitteilung irgendwelcher art bezeichnen kann.
a)
in allgemeinster anwendung: wünsche glück zu dem sehr wohl gerathenen aufsatz. er wird beym vortrage gewisz allgemeinen beyfall finden Göthe IV 31, 124 W.; durch vortrag besser als durch seine helldunkeln schriften I 46, 89; einzelne kecke ausdrücke, welche L. beim vortrag zu mildern für gut fand Mörike 3, 96 Göschen. vgl. auch unter 2 e und 3.
b)
da vortrag auch von schriftlicher darlegung gebraucht wird (s. unten 4), so tritt zur verdeutlichung hinzu: bevor man einen mündlichen vortrag zu thun beginnet, musz man der anwesenden herren titul erkundigen Harsdörffer t. secretar. (1656) 1, Z z z 1ᵃ; vgl. Hippel lebensl. (1778) 1, 34; Göthe 7, 162 W.; W. v. Humboldt br. an Welcker (1859) 52. — in gleichem sinne: sein evangelium ist zum lauten vortrage eingerichtet Herder 19, 216 S.häufig mit öffentlich verbunden: seine öffentlichen vorträge oder predigten Miller predigten fürs landvolk (1776) 3, 9; Jung-Stilling 3, 86 Grollmann; Ritter erdkde (1822) 2, 20; Freytag (1886) 14, 125. — akademische vorträge Voss antisymb. 1 (1824) 4. — den inhalt bezeichnend: dem anatomischen vortrag Göthe 25, 84 W.; geographische vorträge Storm (1899) 1, 7. — über auswendig gelernten oder freyen vortrag Göthe III 10, 31 W.
c)
in der bedeutung der mündlichen darlegung, behandlung eines gegenstandes in längerer rede ist das wort besonders der neueren sprache geläufig; man beachte die anwendung des wortes in fällen, wo die sprache der gegenwart rede oder einen andern ausdruck vorzieht: vortrag, ... espositione, rappresentanza Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1113ᵃ; mein vortrag wird insonderheit darinnen bestehen, ad hunc maxime modum disseram Steinbach 2, 835; discours, ... rede, vortrag Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 253; seine beredsamkeit machte, das Marcomir auf den reichstagen sich seines mundes und vorträge bediente Lohenstein Armin. 1, 153ᵃ; proben dieses vortrages (der missionare) unter den wilden Herder 5, 78 S.; diese lieszen auch das volk zusammen laufen, und da hielten die Athenienser folgenden vortrag Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 84; von dem anhören der vielen vorträge A. v. Arnim 15, 271; (rührung, die) über seinen ganzen vortrag eine milde wärme verbreitete W. Scherer kl. schr. 1, 3;
auftreten sollte dann Licinius,
als mittribun den vortrag (in den comitien) ihm verbieten
H. J. v. Collin Regulus (1802) 4, 6.
ungewöhnlich: (wenn) unser soufleur ... den vortrag des geistes suppliren müszte Göthe 22, 190 W.von einer predigt des 'neuen glaubens': an allen diesen festtagen ... beginnt unser geistlicher seinen vortrag mit gebet D. Fr. Strausz (1876) 6, 58.
d)
bezeichnung des vortragenden: (wir) horchen aber immer mehr auf die plaudereyen unserer mitschüler, als auf den vortrag der lehrerinnen Lichtenberg verm. schr. (1800) 2, 80; so ward sein historischer sinn geweckt durch Spittlers vorträge Treitschke hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 144. — mannigfache charakterisierung durch epitheta mit bezug auf den inhalt: er hat mich mit seinem gelehrten vortrag sehr wohl contentiret Ettner-Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 36; man kann bey dem tümmsten vortrage gute gedanken haben Knigge roman meines lebens (1781) 1, 85; der wichtige vortrag E. T. A. Hoffmann 10, 39 Grisebach;
als sie saszen, begann er den weislich ersonnenen vortrag
(πυκινὴν ἠρτύνετο βουλήν Il. 2, 55)
Bürger 194ᵇ Bohtz.
e)
der gegenstand des vortrages wird in der sprache der gegenwart durch über angeführt: vorträge über anthropologie G. Keller (1889) 3, 13. — auswählend: vorträge aus der moral Justi Winckelmann (1866) 1, 375. — seltenere verbindung nach dem lat. (de): vortrag von der busze Crusius kurzer begriff d. moraltheologie 1 (1772) 523. vgl. Harsdörffer unter f. — die verbindung mit dem genit. des objekts kann in älterer sprache sich der anknüpfung durch über nähern, doch es tritt dabei die verbale bedeutung des wortes hervor, das also den unter 2 a behandelten sinn aufweist: (dem) vortrage der geheimnussen christlicher religion Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 3; bey dem vortrage einer besonderen wissenschaft Lessing 8, 23 M.; er muszte einen vortrag meiner farbenlehre aushalten Göthe 33, 326 W.; vortrag eines gedichts in festlichem raume Vischer ästhetik (1846) 3, 1, 166; gelegenheit zum vortrage einiger champagneranekdoten Fontane I 4, 251.
auf deiner fabel vortrag kommt es an
Göthe 10, 302 W.;
die gnädige gesinnung meines herrn
macht mich zum vortrag meiner bitte kühn
Tieck (1828) 3, 154.
f)
verbindung mit verben; jetzt wird fast nur einen vortrag halten gebraucht: ich hielt niemals einen vortrag, ohne dasz ich dabei gewonnen hätte; gewöhnlich gingen mir unterm sprechen neue lichter auf Göthe 33, 197 W.; er hielt dem inspektor einen kleinen vortrag aus dem stegreif über die vorzüge der gründüngung W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 1, 38. — ältere wendungen, einen vortrag tun (s. oben 1 e): seine von den gewonheiten gethanen vorträg Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, B 5ᵃ; dasz die gelehrten den vortrag thun (var.: reden) und die ungelehrten das urthel fällen Opel-Cohn dreiszigj. krieg 373; (er) setzte sich und that, nach verschiedenen hem, hem, seinen vortrag folgendermaszen Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 45; dem herrn gemahl darüber vortrag thun ... zu können Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 45. bei dieser verbindung gehen die bedeutung von antrag (1 d) und von darlegung leicht ineinander über:
ich weisz, ein weiberhertz ist leichtlich zu erbitten,
wann ein beredter mund den vortrag selbst gethan
Canitz ged. (1727) 216;
ihm vortrag zu machen, damit er zur entsetzung der ungehorsamen schreite ältere quelle bei Ranke (1867) 37, 235;
bisher nahm alles zu; die einsicht in den sachen,
die kunst und fertigkeit, den vortrag recht zu machen
Gottsched ged. (1751) 435.
nach Bruns volkswörter d. provinz Sachsen 72ᵇ soll einen vortrag machen bedeuten: 'über ein unangenehmes ereignis viele worte (mehr als nötig) machen'. — etwas zum vortrag bringen, etwas kommt zum vortrag, wobei vortrag sowohl in dem allgemeinen wie in dem besonderen sinne gebraucht werden kann: kam die sache in der versammlung der evangelischen ... zum vortrag Ranke (1867) 30, 95; weil man seine reformationsartikel ... niemals zu wirklichem vortrag gebracht hatte 37, 219. — in besonderer wendung: sie haben lang genug den vortrag gehabt (das wort in der verhandlung geführt), lasz uns einmal die müh übernehmen Göthe 8, 130 W.
g)
die bedeutung einer vorbedachten, geordneten rede über einen bestimmten gegenstand kann abgeschwächt werden, so dasz vortrag in den allgemeinen sinn von rede, erzählung, mitteilung übergeht und bei situationen angewendet wird, auf welche die jetzt häufigste bedeutung nicht paszt; daher bekommt in der sprache der jetztzeit vortrag in solchen fällen einen leicht ironischen sinn: der commandant wolte sich meines lustigen vortrags schier zu stücken lachen Grimmelshausen Simpl. 277 Scholte; wo (beim trunk) sie weder hoffnung noch anderer vortrag was nachzusagen, noch die furcht zu verschweigen verleitet Lohenstein Armin. 2, 1180ᵇ; Abrocomas, der sich über diesen vortrag (kurze rede eines sklaven) nicht wenig entrüstete Bürger 257ᵇ Bohtz; und die würde ihres vortrags (im gesellschaftlichen gespräch) Schiller 3, 552 G.; vgl. br. 1, 11 J.; so schlosz der knecht Kaspar seinen vortrag von den wundern der nacht W. Alexis hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 301; nachdem er vortrag und bericht der mutter ernstlich angehört G. Keller (1889) 1, 224; schlechte erzähler ... immer vortrag, nie geplauder Fontane I 1, 54.
h)
in prägnanter anwendung: 'den vortrag bey dem fürsten haben, dazu verordnet seyn, dem fürsten die vorkommenden sachen vorzutragen; eine sache in vortrag bringen, sie einem obern oder einem obrigkeitlichen collegio zu überlegung oder entschlieszung vortragen' Adelung; in dieser bedeutung einer amtlichen darlegung, eines amtlichen berichtes vor einem fürsten oder überhaupt vor einer höher stehenden person auszerordentlich häufig in neuerer sprache: mit der gehorsamsten bitte, serenissimo durch einen gefälligen vortrag, was geschehen, zur höchsten kenntnisz zu bringen Göthe IV 28, 73 W.; jetzt hing die sache blos am vortrag des ministers I. v. Voss gesch. meiner milit. laufbahn (1808) 266; mit diesem schriftstücke begab ich mich am folgenden tage zum mündlichen vortrag Bismarck ged. u. erinn. 2, 63 volksausg.; ein vortrag kann auch schriftlich eingereicht werden Göthe IV 17, 345 W.; nach beschehenem münd- und schrifftlichem vortrage Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 64. — verbale wendungen: den vortrag haben, das recht und die pflicht dazu: Stägemann selbst, welcher vortrag beim könige hatte Laube (1875) 1, 205. — er bat um die erlaubnis, seiner majestät vortrag ... halten zu dürfen W. Schäfer wendekreis neuer anekdoten (1937) 232. — erstatten: so würde denn schleunigst unterthänigster vortrag ... zu erstatten seyn Göthe IV, 28, 9 W.; Scheffel (1907) 1, 108. — tun: da er denn (vor einer durchlaucht) des ungefährlichen inhalts folgenden vortrag gethan Neumark neuspross. t. palmbaum (1668) 422; ich werde ... ihro kayserl. hoheit nächstens, mit andern gegenständen, davon unterthänigsten vortrag thun Göthe IV, 29, 1 W.; 10, 251; 42, 176. — machen: doch wäre wohl darüber ein unterthänigster vortrag an serenissimum zu machen IV 21, 22 W. — nach beschehenem vortrag und erfolgter genehmhaltung seines herrn principals Göchhausen notabil. venatoris (1741) 288. — der prinz ist wieder gesund und hat heute den vortrag hier angenommen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 97. — (ein könig,) der so inkonsequent, und wo alles vom wein, von dem, der den vortrag stellt ... abhängt br. von u. an Herwegh (1896) 73; hier wohl eher im sinne von antrag (1 d).
i)
die anwendung auf darlegungen vor gericht ist seltener: eine angeführte volksrede und einer von den gerichtlichen vorträgen wird hinreichend sein Fr. Schlegel (1846) 4, 191;
ihr kennt die rechte, euer vortrag (exposition) war
der bündigste
Shakespeare d. kaufmann v. Venedig 4, 1;
rednerisch begründeter antrag: der auditeur hat den vortrag Möser (1842) 1, 418. — freier, verhandlung: das sie die weyber alle uf eynen tag zum vortrage für dich stellen akten u. br. z. kirchenpolitik Georgs v. Sachsen 2, 12 (von 1525).
k)
gehaltene vorträge behalten natürlich ihren namen, wenn sie gedruckt und zum lesen bestimmt sind: Th. Bischoff in den naturwissenschaftlichen vorträgen Münchener gelehrten Peschel völkerkde (1874) 2.
l)
vereinzeltes: der menschliche (ursprung der sprache) läszt keinen schritt thun ohne aussichten und die fruchtbarsten erklärungen in allen theilen der philosophie und in allen gattungen und vorträgen der sprache Herder 5, 146 S.; es scheinen sprachliche erscheinungen gemeint zu sein, die etwas über das wesen der sprache aussagen.scherzhaft: ein alter, unförmlich dicker, grauer hund, ... bellte mir entgegen, als man mich einliesz, und stritt mit mir um den vortrag Knigge roman m. lebens (1781) 3, 25.
3)
opera. 'musikalische schauspiele, bey welchen die auftrettende persohnen ihren vortrag singend thun' Belemnon curieuses bauernlex. (1728) 125; vortrag (musik). 'ist das, wodurch ein tonstück hörbar wird' Sulzer theorie d. schönen künste 4, 700: A. E. Müller ... in seiner anweisung zum genauen vortrag der Mozartschen klavierkonzerte (Leipz. 1796) O. Jahn Mozart (1856) 4, 5 anm. 6; nächstens denk ich mich durch Eberweins vortrag auch den harmonischen (motiven einer partitur) zu nähern Göthe IV 38, 70 W.; (text,) in welchem sich durch den gesanglichen vortrag einige offenbare unrichtigkeiten in der silbenzählung bemerklich gemacht hatten G. Keller (1889) 6, 43; nun blieb Maria ... bei dem vortrage von arietten M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 6, 9. — auf das instrument selbst bezogen in eigentümlicher wendung: hieraus sieht man, dasz dieses instrument, wenn man es auch wirklich spielte, den vortrag ganz einfacher tonstücke zwar vortrug ... Schubart ästhet. d. tonkunst 21. — in der gleichen allgemeinen, verbalen anwendung natürlich auch bei gesprochenem: vortrag der ballade Bürger 321ᵃ Bohtz; indessen war ... der vortrag (des gedichtes) leicht und gefällig Göthe 25, 262 W.; freier: im vortrage des witzes oder des scharfsinns sind sie (ausdrücke) noch mehr an ihrem ort Herder 12, 196 S.
4)
veraltet ist die anwendung auf eine schriftliche darstellung, behandlung eines gegenstandes, auch dann, wenn sie nur für leser bestimmt oder angelegt ist: man hat im verlaufe dieses biographischen vortrags gesehen Göthe 29, 173 W., wo die vorhergehende darstellung seiner jugend gemeint ist. besonders aber braucht er es von darstellungen wissenschaftlicher art, aufsätzen, programmen u. ä.: so kurz als möglich fassen wir die hauptresultate des bisherigen vortrags zusammen II 6, 89; vgl. II 6, 49; IV 9, 169; IV 29, 25. — dabei wird doch immer an ein sprechen gedacht: die worte der bibel sind ein vortrag, der nicht systematisch ist Hegel (1832) 11, 19; sei es nun, dasz man die im gewebe der dichtung eingeschlossene lehre gar nicht hervorhob ..., oder dasz man sie am ende des vortrags aussprach J. Grimm Reinhart fuchs xii.
5)
vortrag kann sich nun weiter auf die art und weise beziehen, wie etwas zu gehör gebracht wird, zunächst also beim redner, schauspieler, deklamator, lehrer, prediger, wobei entweder nur das äuszerliche, sprachlicher ausdruck, stimme, gebärden u. s. w. gemeint sind, oder auch die behandlung des stoffes selbst in die mannigfaltigen charakterisierungen mit einbezogen werden kann. sehr häufig, besonders in moderner sprache, wird das wort auf gesang und instrumentalspiel angewendet, wobei es gern im prägnanten sinne gebraucht wird. natürlich kann dieser prägnante gebrauch auch für das sprechen gelten: (vortrag von versen) nothbehelf, um dem buchstaben des gesanges einigen vortrag zu verschaffen Voss zeitmessung d. dt. spr. (1802) 6. — seltener ist die übertragung auf die bildende kunst. die im 18. jh. ganz geläufige verwendung des wortes für die art und weise schriftlicher darstellung, für stil und 'schreibart' veraltet im 19. jh.
a)
'vortrag (redende künste) ist der ausdruck der rede durch stimme und gebehrde, oder das vernehmliche der rede, das nicht in dem sinn der worte, sondern in dem ton, in den gebehrden und in dem gesichte des redners liegt' Sulzer theorie d. schön. künste 4, 691; vgl. Gottsched wb. d. schön. wissensch. (1760) 1629.
α)
charakterisierung durch adj.: in ansehung des angenehmen vortrags v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 9; überhaupt können die zuschauer bey den lustspielen den allzugeschwinden vortrag nicht gewöhnen d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751) 3, 148; einen wässrigen, weitschweifigen vortrag Knigge umgang m. menschen (1796) 1, 73; ein schöner jüngling ... begann heraustretend einen ruhigen vortrag Göthe 25, 16 W.; (mit) richtig modulirendem vortrag Grabbe 4, 187 Bl.; durch einen begeisterten vortrag (eines gedichtes) A. v. Droste-Hülshoff br. 69 Schücking; seine rede war trocken, der vortrag eintönig Mommsen röm. gesch. 3, 14; (hielt) einen lebhaften vortrag G. Keller (1889) 1, 26.
β)
andere wendungen: sonst aber fällt das lächerliche ... auf die art des vortrages, oder auf gewisse stellungen und gebehrden zurück Dusch verm. w. (1754) )( 4ᵇ; wenn er sich den grazien des vortrages überliesze (er meint die von ihm gehörten vorlesungen Kants) Herder 22, 12 S.; der baron lobte sowohl die stücke als den vortrag Göthe 21, 246 W.; durch lebendigkeit des vortrags und angemessenes geberdenspiel Gaudy (1844) 13, 10; sein vortrag (eines predigers) so, dasz man bald schlafen muszte Kerner bilderb. (1849) 184; zauber des gedichts und des vortrags Fontane I 1, 153; was hat der mann (prediger) für einen vortrag W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 1, 49;
allein der vortrag macht des redners glück
Göthe Faust 546.
b)
bei der anwendung auf musikalische darbietung wird das wort leichter als beim redner prägnant, und zwar in gutem sinne gebraucht: kunst des vortrages; technik, aber kein vortrag u. ä.: sich eines guten, musikalischen vortrages befleiszigen Quantz anweis. d. flöte zu spielen (1789) 1. nicht den geringsten vortrag (habe Clementi) Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 3, 54 anm. 48. (die musik) steigert den vortrag vom lieblichsten ins fürchterlichste Göthe 13, 2, 204 W.; vgl. IV 21, 204; ihre stimme war allerliebst, ihr vortrag gerundet, weich, zart E. T. A. Hoffmann 10, 178 Gris.
c)
übertragen auf bildende kunst: in der älteren kupferstecherkunst ist doch viel mehr vortrag und tiefe Stifter s. w. 19, 2; vgl. 14, 139; indem ich den unterschied zwischen einem transparenten scharfen und einem ruszigen, stumpfen vortrage nicht recht begriff G. Keller (1889) 1, 272.
d)
früher auszerordentlich häufig von schriftstellerischer darstellung, wobei neben der äuszeren form, dem stil im eigentlichen sinne, auch die art und weise, wie der schriftsteller den stoff behandelt, seine gedanken ordnet u. ä. unter vortrag zu verstehen ist, so dasz eine sichere grenze gegen die unter 2 k behandelte anwendung nicht zu ziehen ist: dasz ich hierdurch (durch quellenzitate) meinen vortrag bekräftige Brandis d. tirol. adlers ehrenkränzel (1678) an den leser; seine schrifften sind noch gar fein zu lesen wegen der groszen einfalt desz vortrags Arnold unpart. kirchen- u. ketzerhistorie (1689) 2, 99ᵇ; unförmlichkeit und ungeschicklichkeit im vortrag (eines schriftstellers) Liscow samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 249; eine im deutlichen und angenehmen vortrage geübte feder d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751) 9, 142; dasz ihm überhaupt der prosaische vortrag desselben (Klopstocks) nicht allzuordentlich und angenehm vorkömmt Lessing 8, 45 M.; vergebens gab ihm (Klotz) die musz die gabe des leichten vortrags Herder 3, 269 S., und so oft bei ihm, vgl. z. b. 7, 6; 1, 215; 1, 372; 23, 144; 12, 107; sie mögen ihn nicht lesen, ... und wenn ihn sein vortrag noch so lesenswürdig machte Nicolai lit.-br. 3, 115; sehr oft bei Göthe von schriftstellerischer darstellung: sprache, ausdruck, vortrag unterliegt ew. wohlgeboren schätzung IV 28, 338 W.; II 5, 1, 37; I 37, 289; IV 41, 122; 103; IV 25, 315; in besonderer anwendung von einem gedicht: ein wunderbarer, aber für den gesang bedeutender vortrag I 40, 347; (dasz geschichtsschreiber) das herz ihres lesers durch hinreiszenden vortrag bestochen haben Schiller 4, 63 G.; die art und weise seines vortrages, die den leser heute noch fesselt Ranke (1867) 1, 180.
6)
einzelnes.
a)
mit vortrag wird eine summe bezeichnet, die von einer abrechnung auf die nächstfolgende übertragen und dort verrechnet wird; gewinn-, verlustvortrag Schirmer wb. d. kaufmannsspr. 207: dise arbeit treib hinausz bisz zu end des jornals ... dann alsbald werden darauff folgen die fürtrag und schlieszung ebda aus Schweicker zwifach buchhalten (1549).
b)
in der volkssprache wird die weibliche brust in derbem scherz vortrag genannt Hönig (Köln) 196ᵇ; Bauer-Collitz (Waldeck) 141; Albrecht (Leipzig) 232ᵇ; Frischbier preusz. wb. 2, 448ᵃ.
c)
besondere wendung: he hett kenen goden vördrag, 'es fehlt ihm an einer guten ausrede. it. er ist bey der frau untüchtig' Dähnert 530ᵇ.
d)
vortrag, nutzen (s. vortragen): es bringt dir keinen vortrag quelle von 1697 bei Schmeller-Fr. 1, 656.
7)
vortrag als erstes glied von zusammensetzungen, die besonders aus der sprache der vortragsdurstigen (s. unten) gegenwart leicht vermehrt werden können; das fugen-s ist nicht berücksichtigt:
vortragsabend m.:
einen tag vor meiner abreise ... erhielt ich vom komitee des vortragsabends eine depesche Rosegger III 5, 371; (es bliebe) immer noch ein vortragsabend schöner verse Rilke br. (1931) 129. —
vortragsart f.,
Campe: (der verf. wird nicht eher) mit glück auftreten, als bis er sich durch fleiszige lesung guter muster in der vortragsart ... gebildet hat allg. dt. bibl. 110, 41; statt verschiedene stil- und vortragsarten gleichzeitig zu pflegen W. Scherer kl. schr. 1, 719; vortrag in beiden stellen im sinne von 5 d. —
vortragsbemerkung f.:
noten ohne alle vortragsbemerkung R. Schumann ges. schr. (1854) 3, 12; anweisungen wie p, pp, f, allegro, andante, dolce u. s. w.; vgl. vortragszeichen und das folgende wort.
vortragsbezeichnung f.:
schon die vortragsbezeichnungen (molto dolce, brillante ma gracioso, wiegend) bei seiner 'aufforderung zum tanze' geben uns winke darüber W. H. Riehl musik. charakterköpfe (1899) 2, 54; (lied) mit vortragsbezeichnungen versehen P. Cornelius lit. w. 2, 644. —
vortragsdurstig adj.:
um die wirklich unverschämten zumuthungen abzuweisen, die ... von vortragsdurstigen menschenkindern erhoben werden Treitschke br. 2, 241. —
vortragsfähigkeit f.,
in musikalischem sinne: ich sah allerlei noten durch und verglich sie mit den vortragsfähigkeiten meiner singvereinssolistinnen Th. Storm br. an s. braut (1915) 13. —
vortragsfolge f.,
bürgert sich in der neuesten zeit ein für konzertprogramm: die vortragsfolgen der sogen. philharmonischen konzerte lassen manchmal zu wünschen übrig signale für d. musikal. welt (1920) 78, 39. —
vortragsformel f.,
eingangsformel (vgl. 1 b): III hauptstück, von den gewöhnlichen vortragsformeln ... einer urkunde allg. dt. bibl. 58, 368. —
vortragführer m.,
unglückliche verdeutschung für referent Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1796) 324. —
vortragkreis m.:
alles bleibt unberührt, was nicht in den studienkreis, besser gesagt in den vortragskreis der examinatoren fällt Lagarde dtsche schr. (1886) 256. —
vortragkunst f.
Campe (der daneben vortrage-, vortragkunst verzeichnet), sowohl auf wort wie auf ton bezogen: so wird dieser theil der psychologie eine erfindungskunst, eine beurtheilungs- und vortragskunst Herder 32, 39 S.; aus geschlungenen wirbeln der vortragskunst entwirren verworrene köpfe die regel nicht Görres br. (1858) 3, 120; die ganze vortragskunst auf hervorheben der eintritte des hauptgedankens (in der fuge) zu beschränken R. Schumann ges. schr. (1854) 3, 5. —
vortragkünstler m.,
vgl. das vorhergehende wort: wäre es wirklich die erste tugend eines vortrages, wie es die vortragskünstler der musik jetzt zu glauben scheinen, unter allen umständen ein hautrelief zu erreichen Nietzsche 8, 190. —
vortragkurs m.:
öffentliche vortragskurse hwb. d. staatswiss. (1898) 7, 525. —
vortraglehre f.:
welchen beiden (an einer hochschule für musik) die kompositionslehre und höhere vortragslehre mit obliegen würde R. Wagner (1897) 8, 164. —
vortraglehrer m.:
zu dem ende suchte ich mir einen vortragslehrer (für seine jüngeren schauspieler) Laube (1875) 16, 224. —
vortraglied n.,
lied, das sich zum wirksamen vortrage eignet: die überwiegend norddeutsche schule des vortragsliedes war aber schon lange vorher ... von einer ursprünglich süddeutschen gegenrichtung befehdet und zuletzt geschlagen worden W. H. Riehl musik. charakterköpfe (1899) 2, 198. —
vortragmanier f.,
meist in ungünstigem sinne: sollte er endlich seine vortragsmanier in der tragödie ... nicht lassen, sondern frei von dem munde weg sprechen können? Grabbe 4, 261 Bl.; rohe und charakterlose vortragsmanier der chöre R. Wagner (1897) 7, 275. —
vortragmeinung f.,
gelegenheitsbildung, ansicht über musikalischen vortrag L. Mozart versuch einer gründl. violinschule (1770) 40. —
vortragmeister m.,
in wort oder ton, in engerem sinne dann ein lehrer des sprechvortrages: das viel bestrittene amt eines vortragsmeisters hat mir ... treffliche dienste geleistet Laube (1875) 16, 201. —
vortragmethode f.:
in der hydrostatik scheinen uns ... verschiedene vortragsmethoden einiger sätze nicht leicht allg. dt. bibl., anh. zu 37-52, 1677. —
vortragort m.,
ort, wo man vorträge hält: verhandlungen ... mit Wien und den andern vortragsorten Rilke briefe (1930) 303. —
vortragplan m.:
(er) zeigte mir einen vortragsplan, mit dem er auf reisen gehen wollte Winnig d. weite weg (1932) 330. —
vortragpunkt m.,
im plur., vorgeschlagene einzelheiten: sie sahen sonst auch alle andere vortragspuncte müglich zu seyn A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 1122; vielleicht wirkt hier vertrag ein, vgl. auch vortracht. —
vortragrede f.:
nach abgelegter dieser an- und vortragsrede hat der durchleuchtigste wolgerahtene ... nachfolgendermaszen geantwortet Neumark neuspross. t. palmbaum (1668) 230. —
vortragreihe f.:
am 15. d. m. eröffnet H. L. ... eine vortragsreihe über erziehung
R. M. Rilke br. (1929) 196.
vortragreise f.:
ich ging auf eine vortragsreise Winnig d. weite weg (1932) 401. —
vortragreisender part.:
er fand seinen unterhalt ... als vortragsreisender in der provinz ebda 223. —
vortragsaal m.:
wer wissen will, wie der dialect gesprochen wird, der gehe nicht in den vortragssaal, der belausche den bauer in seinem hause Rosegger II 15, 186. —
vortragschmuck m.:
so lange bleibe ich dabei, dasz ihr gedanke ein ganz unpraktikables paradoxon ist, dasz es mir so gar nahe gehet, es mit so herrlichem vortragsschmuck angethan zu sehen br. an u. von Scheffner 1, 302 Warda; vgl. 5 d. —
vortragsprache f.:
(es) möchte der inhalt dieses bandes zu einem eingehen auf die vortragssprache Luthers in seinen vorlesungen auffordern einl. viii zu Luther 20 W.
vortragstoff m.:
einteilung des vortragstoffes für diesen wissenschaftlichen kongresz Boltzmann popul. schr. (1905) 345. —
vortragtag m.:
den sonnabend ist mein vortragstag (hier vom amtlichen vortrag, oben 2 h) Schillers briefw. mit Körner (1878) 2, 321. —
vortragtisch m.:
mich in Zürich ... am vortragstische zu betätigen R. M. Rilke br. (1935) 308. —
vortragton m.,
von schriftlicher darstellung (s. oben 5 d): der hr. V. hat ... denselben vortragston beybehalten allg. dt. bibl. 2, 4. —
vortragweise f.,
wie vortragsart Campe; als verdeutschung von manier bei Kinderling reinigk. d. dt. sprache (1795) 137; auf wort, auch in schriftlicher verwendung, oder ton bezogen: das geheimniszvolle der ballade entspringt aus der vortragsweise Göthe 41, 1, 223 W.; 49, 285; der stand der dinge ist der! fuhr der präsident fort, der immer mehr sogar in eine drohende vortragsweise kam Gutzkow d. zauberer v. Rom (1858) 6, 216; den anachronismus, dasz Abel und Seth zusammen auftreten, ertragen beide vortragsweisen (zwei verschiedene berichte über denselben gegenstand) J. Grimm kl. schr. 7, 109; eine schöne stimme und eine eigenthümliche, sehr ergreifende vortragsweise (einer sängerin) O. Jahn Mozart (1856) 4, 515 anm. 20; von malerei (oben 5 c): auch dürfte die vortragsweise Stodemanns durch starke drucker und flecken mit verwischung der zeichnung doch schon etwas zu weit gehen Stifter (1904) 14, 224. —
vortragwert adj.:
finden ew. hochwohlgeb. meine gedanken nicht vortragswert, so haben sie die güte, mir alles zurückzuschicken br. an u. von Scheffner 1, 54 Warda.
vortragwesen n.:
das gemeinnützige vortragswesen hwb. d. staatswissensch. (1898) 7, 529. —
vortragzeichen n.,
in der musik die durch buchstaben, besondere zeichen oder anderes, z. b. abgekürzte oder ausgeschriebene worte gegebenen anweisungen für den vortrag: beobachtung der sogenannten vortragszeichen Krünitz öcon. encycl. 231, 487; reichen die vortragszeichen nicht aus, so tritt das ... gefühl dafür ein R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 8, 305.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11,12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1754, Z. 1.

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Zitationshilfe
„fürtrag“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrtrag>, abgerufen am 04.12.2021.

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