Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürtreffen

fürtreffen,
1)
weiter fernhin treffen über —. mit acc.:
warff auff (in die höhe) die scheiben auch hiemit,
thet beyder fürsten marck und zeichen
fürtreffen weit und uberreichen.
Spreng Il. (1610) 334ᵃ,
= Ἰλ. 23, 843. schon ahd. furitraf (Graff 5, 527) als glosse zu transit, reichte über —, in des Prudentius peristeph. 11, 100, ferner furitrëphentê = überragende (Docen misc. 1, 239ᵇ).
2)
übertreffen, an vorzüglichkeit vorgehn, praecellere. auch hier schon ahd. furitrëfan, mhd. vürtrëffen. furtreffen, eminere oder ubertreffen. voc. theut. 1482 i 8ᵇ. furtreffen, praecellere. voc. inc. teuton. f 4ᵇ. für ausz mögen, fürtreffen, praepollere. Dasypodius 385ᵇ u. 188ᵃ, nach letzter stelle bei Serranus dict. t 2ᵃ praepollere, fürtreffen, für ausz giltig sein. fürträffen, überträffen, der fürnemst seyn. Frisius (1556) 1033ᵇ und danach Maaler 151ᵃ; praepollere, mächtiger unnd stercker seyn dann ein anderer, an gewalt fürträffen, mer gewalts haben. Frisius 1043ᵃ und danach Maaler a. a. o.; praeponderare, höher geachtet werden, mer gälten, fürträffen. Frisius ebenda. fürtreffen, übertreffen, fürtrefflich sein. Henisch 1312, 27. bei Stieler und Weismann fehlt das wort, aber Wilhelmi, Aler, Rädlein, Dentzler, Kirsch nehmen es auf, des letztgenannten nachtreter Matthiä (1748) 2, 153ᵃ jedoch, indem er „vortreffen, übertreffen“ als gleichgeltend und erklärend daneben setzt, wie denn auch schon vorher Steinbach 2, 865 für- et vortreffen verzeichnet. Hederich und Moerbeek bringen nur vortreffen, auch Nieremberger, der es aber als veraltet bezeichnet. Ludwig und Frisch führen es, wie oben Stieler und Weismann, gar nicht mehr an. in der that ist es durch übertreffen, auf das auch manche wörterbücher bei vortreffen bereits hinweisen, verdrängt worden. fürtreffen steht hier
a)
ohne einen beigesetzten casus, mehr allgemein: min minn und liebe gegen got söllen fürtreffen. N. v. Wyle translat. (Keller) 352, 3; huͤtt dich vor sollichen wercken, die da etwas scheinenn seind oder fürtreffende und ainen namen habend, aber vor allen dingen fleisz dich demuͤtiger verworffner werck, der sich nyemand gern annymmet. Keisersberg predigen (1508) 77ᵇ; ein gwonheit ... sol nit verhindern, dasz die warheit dester weniger fürtreff und überwinde. Schade sat. u. pasqu. 2, 15, 25, s. auch von s. 14, 14 die stelle unter fürtreffend; sondern die complexen treffen fur und unterdrucken die vernunfft. Paracelsus 1, 505ᶜ.
b)
mit beigesetztem acc., der das bezeichnet was übertroffen wird. mhd. alse dîn (gott ist gemeint) güete alle die fürtriffet, die in himel sint und ûf ërden, alse gar dînes minnerîchen hërzen dêmuot ist vor allen engelen und allen menschen. bruder David bei Haupt 9, 25; dër (kaiser Titus ist gemeint) furtraf sînen vater an güete, wie frumme dër vater wêre. Closener 13 = chron. d. d. städte 8, 27, 24. vurtryft, praestantior est. aus der ersten hälfte des 15. jh. in Mones anz. 5, 85, 69. nhd. dise thier sind schnälles laufs, mit welchem sy alle gewild fürträffen sollen. Forer thierbuch 67ᵇ;
weil die jung welt fürtrifft die alt,
fell ich mein urtheil der gestalt,
dasz man die jugend lasz beleiben,
und thu das alter gar vertreiben.
H. Sachs I (1590), 281ᵇ,
der alle Griechen in gemein
fürtraff in ritterlicher that.
III. 2, 82ᵈ;
wann offt ein ungstalte person
fürtrifft die schönen mit weiszheit
mit tugenden und nutzbarkeit.
V, 243ᶜ;
der andre menschen wyt fürtrifft.
trag. Johannes d. t. F iij;
anteiri ab aliis, von anderen fürtroffen werden. Frisius 101ᵃ und danach Maaler 151ᵇ. o mein gott, wie furtrifft oder übertrifft doch ein mensch den anderen? Maaler ebenda.
sein (des sternes) glantz die andre liechter gut
am firmament fürtreffen thut.
Spreng Ilias (1610) 304ᵃ;
und wie der abent steren gut
mit seinem glast fürtreffen thut
die liechter an desz himelsring.
310ᵇ.
c)
seltener mit dat., der eben so steht, wie vorhin der acc., also das bezeichnet, dem ein genanntes an vorzüglichkeit vorgeht oder vorzuziehen ist: einem fürtreffen, vorzüglicher sein als derselbe, praepollere, praestare. prompt. von 1618. s. Schmeller 1, 479, wo weiter als beleg: hirschen, beern, lux, wolff, wildkatzen oder andere thier, so andern thieren etwas fürtreffen. gejaidtsordnung von 1616. dann wird s. 555 auf die bairischen landrechte 1616 bl. 780 verwiesen. S. vortreffen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 912, Z. 42.

fürtreffen, n.

fürtreffen, n.
das übertreffen. der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums. in gradu equestri clarus, eins grossen nammens und furträffens under dem adel oder ritterschafft. Frisius (1556) 232ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 913, Z. 44.

fürtreffen, adj.

fürtreffen, adj.
anderes übertreffend, vortreflich, ausgezeichnet. das wort scheint der Schweiz eigen zu sein, denn es findet sich nur bei Frisius und Maaler. altus, fürträffen, verruͤmpt. Frisius 78ᵃ und danach Maaler 151ᵃ, der nocheximius, claruserklärend beisetzt. aequare quempiam re aliqua, etwar inn als verruͤmpt und fürträffen seyn als ein anderer. Frisius 50ᵃ und danach Maaler a. a. o.; antecellere uberträffen, fürträffen, etwarinn fürträffner seyn und verruͤmpter. Frisius 101ᵃ und danach Maaler 151ᵇ; anteire, fürträffen, furträffner oder verruͤmpter seyn. ebenda. sollte dieses adj. durch schwinden des auslautes aus fürtreffend (s. d.) entstanden sein?
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 913, Z. 48.

vortreffen, n.

vortreffen, n.
'so viel als vordertreffen, auch die leichten truppen, tirailleurs, plänkler etc., die noch vor dem ersten treffen aufgestellt sind' Krünitz öcon. encycl. 231, 489; freier: die nüchternsten werden bei der musterung ins vortreffen geschoben W. H. Riehl gesch. von Eisele u. Beisele (1848) 293; vgl.treffen B teil 11, 1, 1, sp. 1664.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1774, Z. 58.

vortreffen, verb.

vortreffen, verb.,
vgl.fürtreffen teil 4, 1, 1, sp. 912, 913; ahd. furitreffan (schon übertragen praecellere) Graff 5, 527; mhd. vürtreffen Lexer 3, 616; während fürtreffen im älteren nhd. auszerordentlich häufig ist, begegnet vortreffen weit seltener und wird auch in den älteren wörterbüchern nicht verzeichnet: für- et vorgetroffen, ich treffe vor, praesto, promineo Steinbach 2, 865; Adelung erwähnt es nicht. Campe führt es (in der bedeutung von 'es übertreffen') aus Moerbeek an und konstruiert für das wort eine bedeutung, die es niemals gehabt hat ('vornhin, an den vordern teil treffen'). im dän. begegnet das part. präs. in passivischem sinne: foretræffende, was vorgefunden, angetroffen wird.
1)
die bedeutung des verbums geht von der vorstellung aus, dasz jemand weiter wirft, schieszt, trifft u. ä. als ein anderer, s. die unter fürtreffen 1 aus Spreng angeführte stelle, wo aber doch schon die übertragene bedeutung vorausgesetzt wird.in dem sinne von übertreffen erscheint vortreffen vereinzelt noch im 18. jh.; alleinstehend, etwa 'überwiegen, vorherrschen': weil aber der geitz zum gelde dem geitz, kunst zu lernen, vorgeht und die faulkeit vortrifft Paracelsus opera (1616) 1, 332; weil das gedächtnisz darinnen (in der seele) vortrift, so fehlt es an den höhern kräften des verstandes Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 54.
2)
was übertroffen wird, dem etwas vorgezogen wird, steht im dat. oder akkus.; unter fürtreffen wird bemerkt, dasz die verbindung mit dem dat. die seltenere sei; sie findet sich mehrfach bei Fischart: aber doch triffet allezeit des mans rhat und that, als kräftiger und ansehlicher, dem weiblichen zusaz vor 3, 133 Hauffen; zu dem solten wir christen uns billich schamen, das uns in warer erkantnus diser sachen die haidnische philosophische secten ... vortreffen 57;
so vil als hie der mensch vortrift
allem gschöpf auf erden gstift
174;
(dieweil) die Züricher haben vorgedroffen
vilen, die auch dergleichen hofften
1, 135;
welcher (der vernunft) halben er (der mensch) den andern thieren vortrifft Porta natürl. magia (1617) 40. — mit dem akkus.: das die weiber in allen tugenden, gaaben und vollkommenheiten nit allein den männern gleich, sonder auch vil derselben weit vortreffen und übersteigen Grasz köstl. kleinoter (1608) 37;
das er mit seinem gut und hab
vortraff all reich in Us, dem landt
H. Sachs 6, 29 K.;
ir schön vortreffend alle frawen
15, 92 K.-G.
3)
das part. präs. adjektivisch: ein vortreffendt mann Fierabras (1533) a 6.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1774, Z. 65.

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Zitationshilfe
„fürtreffen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrtreffen>, abgerufen am 07.05.2021.

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