Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürtreiben

fürtreiben,
seit Maaler in keinem wb. mehr zu finden, ausgenommen in dem von Steinbach. s. nachher II 4). das herschende wort ist vortreiben (s. d.). fürtreiben steht
I.
intransitiv, in der bedeutung: ein thun fortsetzen, in einem thun weiter und weiter beharren. hergegen wo e. l. in dero kummer fortfahren, unnd also fürtreiben. Amadis 164, 343.
II.
transitiv, in den bedeutungen.
1)
vornhin treiben, zum gegenwärtigsein, zur schau oder zu einem andern zwecke herbeitreiben.
2)
hervortreiben, heraustreiben, hinaustreiben. man sihet da (nemlich auf dem lande) besudelte zöttige pauermägde ihre beknötelte küh und seu fürtreiben. Butschky kanzl. 437.
3)
vorantreiben, vornher treiben.
4)
vorwärts treiben, weiter treiben. auch: durch schieben oder stoszen vorwärts oder weiter rücken. obmoliri, etwas fürtreyben, weyter stossen, oder mit grosser arbeit rucken, kummerlich etwas ausz dem wäg thuͦn, oder vor jm anhin stossen. Frisius (1556) 893ᵇ und danach Maaler 151ᵇ. bei Steinbach 2, 857 für- et vortreiben.
5)
weiter ausüben, noch fernerhin ausüben, auszuüben fortfahren. transigere, fürtreyben, weyter treyben. Frisius 1325ᵇ und danach Maaler a. a. o. ich hett nimmer gemeinet, dasz hinder einem weibszbild ewers ansehens und stands solche verfluchte boszheit stecket, und halt gewiszlich, in bedenckung ewer jugent, dafür, dasz (laut sprichwort: was das kind lernet, das treibt und ereygt es in seinem alter), wo jr lenger lebt und diese schelmerey und misztrew fürtrieben, deren jhr schon gewohnet und gepfleget, jhr auch den lufft unnd andere element damit vergifften würden. Amadis 251, 529.
6)
vorbeitreiben, vorübertreiben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 919, Z. 30.

fürtreiben, n.

fürtreiben, n.
der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 919, Z. 59.

vortreiben, verb.

vortreiben, verb.,
s. fürtreiben teil 4, 1, 1, sp. 919; mhd. vür-, vortrîben mhd. wb. 3, 87ᵇ; Lexer 3, 460; vgl. Haltaus 572; Fischer schwäb. wb. 2, 1884; propellere vortreiben Diefenbach mlat.-hochdt.-böhm. wb. 224; vortreiben, vorsichhertreiben et fürhintreiben, prae se agere Stieler 2322; vortreiben, cacciare in presenza ò avanti gli occhi Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1129ᵇ; für- et vorgetrieben, ich treibe vor, propello Steinbach 2, 857; vortreiben Adelung; Campe; mnld. voredriven Verwijs-Verdam 9, 978. — gegenüber dem älteren fürtreiben ist die anwendung von vortreiben bedeutend eingeschränkt.
1)
in eigentlicher bedeutung: bewirken, dasz etwas vorwärts, vornhin, hervor, vor jemanden hin sich bewegt oder bewegt wird.
a)
zunächst von tieren: wurden etliche von den ahuhirschen vorgetrieben, auch bey 30 stück gefellet Olearius pers. reisebeschr. (1696) 277; bei manchen jagden wurden bis zu 5000 stück wild der verschiedensten art vorgetrieben Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 2, 634. — einem das viehe vortreiben, dasz der käuffer es sehe Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1129ᵇ; die geworfenen ferken werden dem zehntherrn vorgetrieben, dasz er darunter wähle J. Grimm dt. rechtsalt.⁴ 1, 543; vgl. Lexer kärnt. wb. 68. — in der schlacht: Hannibal hiesz seine leicht bewaffneten ... eine anzahl ochsen vortreiben Mommsen röm. gesch. (1854) 1, 574. — beim reiten: vortreibende hilfen erhalten die erforderliche biegung der hinterhand v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 1, 378.
b)
dann in allgemeiner, mannigfaltiger anwendung: einen, der unter dem tische steckt, vortreiben Campe.andern voraus:
und nun trieb dich dein trutz so allen vor
(ἀτὰρ μὲν νῦν γε πολὺ προβέβηκας ἁπάντων σῷ θάρσει Il. 6, 125)
Bürger 170ᵇ Bohtz;
vor jemandem her, von den schülern bei einem leichenbegängnis:
(dasz ich) die kinder gegen lohn den todten vorgetrieben
und wöchentlich ein lied für thaler hingeschrieben
Neukirch ged. (1744) 142.
c)
in technischer anwendung: vortreiben des schusses (beim weben) Lueger lex. d. ges. technik (1894) 7, 884. tunnelbau (vgl. unter d): einen richtstollen vortreiben Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 823; vgl. Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 9, 733. bronzeplastik: die gravierung der nur an den ohren vorgetriebenen haarzotteln mitteil. d. kais. archäol. instituts zu Athen 1908, 435.
d)
in neuerer militärischer sprache: nicht einmal eine spitze hatten sie (die feinde) vorgetrieben D. v. Liliencron zehn novellen (1904) 116; er (major v. Arnim) sollte ... streipfartien vortreiben Meineke leben d. generalf. v. Boyen 1, 345. — freier: (wir glaubten) unsern angriff ... vortreiben zu können Hindenburg aus m. leben 342. — doch auch von schützen-, laufgräben u. ä., vgl. unter c: die zickzacks vortreiben Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 822; während der belagerung von Fredrikssten durch die Schweden 1718 verhinderte G. das vortreiben der laufgräben v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 4, 506; versuch des feindes, seine gräben gegen unsere stellungen vorzutreiben amtl. kriegsdepeschen 17. 7. 1916.
e)
vom antrieb zu kreisförmiger bewegung vor jemandem, damit er es sehe: jemandem den kreisel vortreiben Campe.
2)
in freierer und übertragener anwendung; vom pflanzenwuchs (vgl. treibhaus): das getreide, das jetzt weit vorgetrieben steht Görres ges. br. (1858) 3, 538; nun erst fragt er ihn über die erde und den samen aus, die er bisher gebraucht, um seine schnellen wunderblumen vorzutreiben Jean Paul 15/18, 676 H.;
nun sah ich süsze blütenzeit vergehen,
ich sah die goldnen früchte vorgetrieben
Uhland ged. 1, 423 E. Schm.-H.
übertragen: in der häuslichen glückseligkeit sind die windstillen, zwischen vier engen wänden vorgetriebenen bequemen freuden nur der zufälligste bestandtheil Jean Paul (1826) 7, 112; weil ich dem leser in jedem kapitel immer so viel ideen ... vortreiben werde 21, 61. kühner:
bey der verfassung nun ist die natur geblieben
und hat, so offte sie ein weibgen vorgetrieben,
weit gröszre müh und fleisz zur bildung angewandt,
als wenn sie in die welt ein männgen hat gesandt
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 194.
in besonderer wendung: (als J. Grimm) im jahre 1863 starb, hatte er das werk ... bis gegen den schlusz des F vorgetrieben Arth. Hübner in: forsch. u. fortschritte 9 (1933) 101.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1782, Z. 52.

vortreiben, n.

vortreiben, n.,
die eigentliche treibjagd vorbereitendes zusammentreiben des wildes: rehe, hirsche ... sah er aufgescheucht vom vortreiben zur morgenden groszen jagd Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 5, 372.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1783, Z. 66.

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Zitationshilfe
„fürtreiben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrtreiben>, abgerufen am 03.08.2021.

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