Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürtrucken, fürtrücken

fürtrucken, fürtrücken,
ehedem süddeutsch mit unechtem t für fürdrucken (s. d.), fürdrücken. so steht in der unter diesen wörtern angegebenen bedeutung 1) a) jene erste form in der zimmerischen chron. 1, 464, 23: sammer gott, was ist das fur ain ding? muesz ain ieder ain schreiber haben, der im besigle, kans (nemlich das siegel) nit ain ieder selbs furtrucken? dasz dieses t in der alamannischen mundart auf der weicheren aussprache beruht, aber auch im übrigen Süddeutschland eben seiner weicheren aussprache wegen häufig für d geschrieben wird, hat Weinhold in seiner alemann. gramm. s. 133 und in seiner bairischen s. 144 gezeigt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 920, Z. 37.

vordruck, m.

vordruck, m.,
älter fürdruck (fehlt th. 4, 1, 1, sp. 722).
1)
nach vorwärts gerichteter druck: wenig kamen durch beharrlichen fürtruck zuͦ oberist hinauf Wurstisen Pauli Ämilii hystorien (1574) 1, 74; übertragen: wie wohl wir catholischen fürsten ... mehr dann unczehliche beschwer, vorfolg, eingriff und vordruck (= verdruck?) ... empfunden verh. d. schles. fürsten u. stände 2, 52.
2)
in verschiedenen technischen anwendungen, entweder den vorgang oder das dadurch erzeugte bezeichnend:
a)
mustum primae pressurae, der vortruck, oder most vom ersten truck Zehner nomencl. (1645) 337; diese bedeutung als einzige bei Adelung; in gleichem sinne vorlauf, vorschusz; vordruck, so viel als jungfernmost Krünitz 231, 360.
b)
'auch könnte es für erster druck, schöndruck gebraucht werden, auch wohl für ursprünglicher, rechtmäsziger druck (original) im gegensatz von nachdruck' Campe; in letzterem sinne braucht es Jean Paul: wäre das erscheinen des nachdrucks eines jeden guten buchs entschieden als recht und als nachkommend, nur verschoben um eine halbe messe, so würde niemand den theuren v. kaufen 45/47, 383 H.; dagegen von einem dem rechtmäszigen vorausgehenden drucke: die betriebsamkeit gewisser buchhändler ging in jenen tagen so weit, dasz sie, nachdem beim nachdrucken nicht genug mehr zu gewinnen war, die kunst erfanden, vordrucke zu veranstalten Fichte (1845 ff.) 8, 89; dieses verfahren ist schändlicher noch als der einzelnachdruck, weil es eigentlich ein v. ist Müllner dram. w. (1828) 8, 43; s. unter vordrucken b.
c)
in dem sinne erster oder vorläufiger druck kann das wort in technischem sinne in mannigfaltigster weise verwendet werden, z. b.: (die) ausgeschnittenen lederstücke werden in den v. eingeklebt (ledermosaik) Lueger lex. d. ges. technik (1894 ff.) 6, 118; sie (farben) erfordern ... einen sorgfältigen v. 2, 703; (bei ziegeln ist) ein doppelter druck erforderlich, zunächst ein geringer v. ... und dann erst der hohe nachdruck Muspratt chemie (1905) 8, 673; bei den imkern wird eine vordruckpresse gebraucht, um zellenanfänge herzustellen Pollmann wb. für bienenzüchter (1885) 205; in der papierverfertigung eine vordruckwalze Muspratt chemie (1898) 6, 1621.
d)
in der sprache der gegenwart bezeichnet v. am häufigsten ein gedrucktes formular, das schriftlich ausgefüllt wird, auch wohl ein gedrucktes muster für schriftstücke: die im § 43 gedachte verpflichtung wird erfüllt durch verwendung von vordrucken reichsstempelgesetz (1913) § 48.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1935), Bd. XII,II (1951), Sp. 988, Z. 52.

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Zitationshilfe
„fürtrucken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrtrucken>, abgerufen am 06.12.2021.

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