Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürtuch, n.

fürtuch, n.
ein vorgebundenes tuch, das über den unterleib und die schenkel, sei es zum theil oder ganz, auch tiefer niedergeht, eine schürze. ein erst in der zweiten hälfte des 15. jahrhunderts begegnendes wort, das bald sehr geläufig wurde und
1)
seiner bildung nach von einem solchen tuche allgemein steht. dies zeigt sich, wenn fürtuch das dem nackten körper zur bedeckung und verhüllung blosz der scham oder zugleich jener genannten theile vorgebundene tuch bezeichnet: so yhemandt seines volcks zuͦ dem künig will, so muͦsz er (sey er wer er wöl, auch ausz sein gefreündten) nackend und plosz aller ding, auszgenummen die bruͦch oder fürtuͦch umb die scham, auff den knyen zuͦ ym kriechen. Franck weltbuch 215ᵇ. vornehmlich jedoch wird hier das wort von der badeschürze gebraucht: castula, ein badehr oder fürtuͦch der weiber. Dasypodius 27ᵇ und danach ein badtuch, der weiber fürtuch im bad bei Serranus dict. d 3ᵇ. perizonium, eyn badehr, fürtuͦch. Dasypodius 178ᵇ u. 445ᶜ, wobeiperizonium, badtuͦch“ in den vocab. pro juvent. scholast. 9ᵇ zu vergleichen ist. fürtuch, badtuch, schurtztuch, castula. Henisch 1313, 52. aber ein tuch solcher gestalt kann auch einem andern körpertheile eines menschen oder thieres vorgebunden sein: noch alle die schmale fürthücher, so den eseln vorm arsz hangen. Fischart bienenkorb 176ᵃ.
2)
im besondern und vornehmlich aber heiszt jenes oben bezeichnete tuch fürtuch als ein über die andern kleider bei dem weiblichen geschlechte vorgebundenes kleidungsstück, sei es zum schutze jener oder zur reinhaltung oder zum abtrocknen oder auch wie vielfach, zum putze, eine weiberschürze. furtuch oder schurtztuch, slimberida, slemolirida. voc. theut. 1482 i 8ᵃ. furtuch, campestria. voc. incip. teuton. f 48ᵇ. fürtuͦch, schurtz, succinctorium, semicinctum. Dasypodius 333ᵈ u. 33ᵇ und danach ein schurtzfleck, fürtuch bei Serranus dict. d 8ᵇ. eben so: semicinctum, fürgürter, fürtuͦch bei Dasypodius 221ᵇ und danach für gyrtel, fürtuch bei Serranus dict. y 5ᵃ, aus welchen stellen fürgürtel, fürgürter oben sp. 738 hätten verzeichnet werden sollen, aber übersehen wurden und nun unter vorgürtel, vorgürter nachzusehen sind. perizoma, ein bruͦch oder nidergwand, oder fürtuͦch, umbsturtz. Frisius (1556) 983ᵇ und danach Maaler 151ᵇ, der noch fürschurtz beisetzt, woher dieses letzte bei Dentzler (s. fürschurz). ventrale, ein fürgürtle, fürtuͦch, fürschurtz der weyberen. Frisius 1357.
das fürthuch dz (das) Metz Unmuͦsz het.
Murner schelmenzunft 7ᵃ;
und (es ist von schwangern die rede) tragen die hände unter dem fürthuch mit verkehrten und gläszechten augen, einer tauben eulen gleich, darmit sie den handel verbergen unnd untertrücken, das kindt in mutterleib verderben unnd ersticken. Rueff hebammenbuch 39; mit weissen gespitzten fürthüchern, unten und auff der seiten auszgenähet. Ulenhart, hist. v. Isaac Winkelfelder (1624) s. 82; zween von uns die noch wenig bart hatten unnd denselben glatt abnemmen lassen, verkleideten sich in weibskleider, die pistolen unter dem fürtuch. Philander 2, 686, vgl. s. 687; weil man die Soester mit dem grossen gott und seinem güldenen fürtuch zu vexireen pflegt. Simplicissimus bch. 3 cap. 3 = Keller 1 s. 391; dasz sie es an einem schönen weitten fürtuch nicht fehlen laszen. mägdelob 69; ... und den schweisz mit ihrem fürtuche von seiner stirnen wischete. Hoffmannswaldau heldenbriefe 61. das wort war dann in der schriftsprache wie verschollen, wird aber in jüngerer zeit mit recht wieder gebraucht. so singt eine der treflichsten neueren dichterinnen von einem weibe, das ängstlich suchend durch das brausende marktgewühl eilt:
sie rudert, sie windet sich, — stosz auf stosz,
scheltworte und flüche wie schlossen —
das furtuch reiszt, dann flattert es los,
und ist in die rinne geflossen.
Annette v. Droste-Hülshof ged. 328.
mehr aufnahme aber findet es, wo aus der volksmundart geschöpft wird: dasz es (Änneli) sich immer wusch und ein reines fürtuch umband, fiel nicht auf. Gotthelf käserei (Berlin 1850) s. 134 = gesammelte schr. 1861 20, 147; kannst jetzt lange warten, bis ich deinetwegen ein sauber fürtuch umbinde. 148 (163); Ringgi (ein hund) wurde immer wilder, risz ihm (Vreni, Veronica) das fürtuch vom leibe. bauernspiegel cap. 2. das wort ist nemlich in der schweiz (Stalder 1, 322. Frommann 5, 257, 35) wie im Elsasz und durch ganz Süddeutschland und das angrenzende Mitteldeutschland hin gäng und gäbe. so straszburgisch
Sie muͤen (müssen) jez
do disz fürrduech um sich henke.
Arnold pfingstmontag 45.
überhaupt elsässisch: unn (die hexe) het de Hensele geschwind am e fieszel genumme, het ne erusz gezöüe, ins fierdi (fürtuch, die schürze) gelaid unn ins gänsställele gsperrt. August Stöber elsäss. volksbüchlein s. 107. in Baden:
und wicklets (das kind) mittem fürtuech zu.
Hebel der jenner str. 12.
oberschwäb. fürtuach. Kuen 17ᵃ; oberpfälz. und bair. fürtuech, fürta. Zaupser 27. Schmeller 1, 555; tirol. fürtich, firtig. Schöpf 771 f.; lusernisch fürta. Zingerle 31ᵇ; cimbrisch fürto. Schmeller cimbr. wb. 123ᵇ; kärnt. fürtach. Lexer 74; östr. fürta (Höfer 1, 254), wienerisch und salzburgisch ins hochd. umgesetzt fürtuch bei Loritza 46ᵇ und bei Amaranthes frauenzimmerlex. 593; henneberg. fürtuch (Reinwald 1, 38), insbesondere eine grobe schürze (Frommann 3, 140), woneben auch fürlappe (Reinwald 2, 46); schles. fürtuch. Weinhold 100ᵇ; früher, noch im 16. jh. livländ. fürtuch (Gutzeit 302ᵃ), dagegen zu ende des 18. jh. liv- und estländ., aber selten und in gemeiner rede vortuch (Hupel 255), welches Reinwald 1, 38 als kurhessisch angibt, aber Vilmar nicht anführt. westfälisch hört man, mit oberdeutsch fürtuch stimmend, fürdôk, fürdauk. Strodtmann 316. aus andern nd. mundarten ist das wort nicht verzeichnet, es scheint ihnen demnach abzugehn. da das fürtuch als ein haupttheil der weiblichen tracht gilt, so wird das wort in anspielung auf manches gesetzt, was eine person weibliches geschlechtes betrifft. so steht es z. b., wie es scheint, in der folgenden, allerdings etwas dunkeln stelle in anspielung auf ihre häusliche thätigkeit, ihre häusliche beschäftigung: auff solchs, leser, lasz dich den Neidhart nicht zu hefftig abwendig machen, er sucht allein sein ehr und lob: nicht vom selben wegen allein, sondern von wegen seines gunsts, fütterleins, und seiner frawen fürtuch sauber zu halten, und schaw du, das (dasz) du trewlich gegen deinen krancken handelst, nicht zu dienst, sondern zu nutz. Paracelsus 1, 371ᵇ (1589 3, 151), etwa so viel als seiner frau, da er, der arzt, auswärts bei seinen kranken feine speise (s. fütterlein) genieszt, zu hause in der küche wenig mühe zu machen, so dasz ihre schürze sauber bleibt. aber das fürtuch wird nicht blosz als haupttheil der weiblichen tracht, sondern vielmehr auch als äusseres zeichen einer person weibliches geschlechtes angesehen, und so drückt sich z. b. in dem ergreifen und küssen dieses vorgebundenen kleidungsstückes von seiten einer männlichen person huldigung und unterwerfung dieser, was jene betrifft, aus: wie er nach dem fräulein gehen wolte, gieng sie ihm entgegen, er stund stille und sprach: man sihet wol was einen von hertzen meinet, nähert sich auch demselben, ich wolte wohl weichen, aber aus furcht, sie möchte wider zurücke gehen, faszte er ihr fürtuch, küszte dasselbe und sagte: mein allerschönstes und hertzinniggeliebtes fräulein, mich dauret, dasz ich so schleunig meine reise fortsetzen und sie verlassen musz. Ettner unwürdiger doctor 478. dahin gehört auch, wenn das volk in Tirol sagt: wenn einem mädchen das fürtuch aufgeht, denkt der geliebte an sie. Zingerle sitten, bräuche und meinungen des Tiroler volkes s. 139, 978. da aber das fürtuch vor dem schosze ist und diesen bedeckt, so knüpfen sich hieran manigfache beziehungen geschlechtlicher art die ans obscene streifen oder selbst obscen sind: und die geistlichen väter suchen etwan den beginen, nunnen und den jungen witwen die rosenkränz an den armen oder in dem busen oder unter dem fürtuch. Pauli schimpf und ernst 29;
per jus gentium, zu latein
kan ich noch disputieren fein,
in dem unnützen jrrigen buch,
zu latein der köchin fürtuch:
darinn hab ich so vil studiert,
bisz ich mich selber hab verfürt
und hab studieret also vast,
bisz mir der gulden zal gebrast.
Murner schelmenzunft 31.
Waldau, der 1788 diese dichtung neu herausgab, sieht in der köchin fürtuch ein wirkliches ihm unbekanntes buch, das er ermittelt sehen möchte, allein ein buch ist gar nicht gemeint. worauf der dichter verhüllend und zumal spottend anspielt, ergibt sich aus dem folgenden für das wort belegenden spruche:
des babst fluͦch
und der juristen buͦch
und der Juden besuͦch
und das under der mägd fürtuͦch:
die vier geschirr
machen die gantz welt jrr.
eins freyharts predig, Frankfurt am Main 1563, B 4ᵃ.
der gen. der gulden zal in jener stelle Murners ist von der goldenen zahl in der zeitrechnung (s. golden und zahl) hergenommen, meint aber das liederlich mit köchinnen durchgebrachte geld. derber als bei Murner und in der freihartspredig heiszt es dann bei Fischart: so sagt ein anderer clausbruder, er lesz im buch dreyer blätter, eins rot, dz ander weisz, das dritt schwartz, das verstund er vom passion, von der ewigen glory und der hel. dieser war einer der frommen, woh sind aber die so jhm nachkommen? aha, wie mancher kehrt nur dz buch herumb von zweyen blättern, unnd fährt mutwillig mit seim teuffel im latz in die höll unters fürtuch. Gargantua 243ᵃ = 1608 Ff 5ᵃ. ähnlich bei Weckherlin 823 (epigr. 94):
wan es kein wunder dasz die katz
so frölig einer mausz nachhupfet,
und wan ein frischer junger latz
gern under der magd fürtuch schlupfet.
Weckherlin 823.
von einer schwangern sagt eine osnabrückische redensart de fürdauk wert körter, die schürze wird kürzer. Strodtmann a. a. o. da aber das fürtuch, wie vorhin bemerkt, als ein eigenthümliches hauptkleidungsstück des weiblichen geschlechtes angesehen wird, so findet sich das wort 3) gleich schürze (s. d.) auch auf die person weibliches geschlechtes selbst übergetragen, doch mehr in herabsetzender bezeichnung: man hatte einander nicht viel vorzuhalten, antwortete jungfer Gälblächt, wo einem fürtuch ein leutenant von ferne in die nase käme, habe es keine ruhe, bis es ihm vor den füszen sei. der stich wegem fürtuch, das bekanntlich nur zur ländlichen kleidung gehört, ging Stini durch die haut. Gotthelf der ball (schriften 1861 10, 43); er war nicht wie andere junge herrlein, die jedem fürtuch komplimente machen und tschänzeln (schön thun) mit jedem zaunstecken. dessen frau pfarrerin (s. 335). davon dann, dasz den mägden das fürtuch zum abwischen, zum abtrocknen der hände und zu dergleichen niedrigem gebrauche dient, wird das wort schon sehr frühe auf eine weibliche person angewandt, die, wie zurückgesetzt oder gar verachtet, die schmutzarbeit verrichten und sich im schmutz aufhalten musz: als leider dick geschicht, auch in clösteren, da die chorschwestern die leyschwestern verachten und sie halten als fürtücher und eschengrüdel. Keisersberg eschengrüdel 67ᵃ. in ähnlicher weise, aber auch von einer so gehaltenen männlichen person, finden sich fuszhader, fuszlumpe, schuhlumpe, wischlumpe, angewandt. sieh diese wörter. Der ausdruck vortuch, der zum schlusse bei fürtuch nicht unberührt bleiben darf, wurde vorhin sp. 921 als liv- und estländisch erwähnt, aber er findet sich auch bei Rädlein 1018ᵇ und zwar nicht blosz für die schürze, sondern auch für das schurzfell. im weitesten sinne aber erscheint das wort, wann es so viel als vorhang bezeichnet:
palla sit altar tuoch, pallarium vor tuch tibi signat.
Haupt 5, 414, 44.
vortuch als vor einem altar, pallarium, palla. voc. theut. 1482 mmiijᵇ. in solcher bedeutung begegnet fürtuch niemals. dieses suchen übrigens zu der zeit, in welcher es aus der schriftsprache verschwunden ist, die wörterbücher festzuhalten. und wenn es auch Stieler eben so wenig, als vortuch, anführt und Rädlein 314ᵃ es zwar aufnimmt, aber als veraltet bezeichnet, so findet es sich doch allen andern wörtern gleich bei Wilhelmi, Dentzler, Aler verzeichnet, bei Weismann, Kirsch und dessen nachtreter Matthiä mit verweisung auf schurz, bei den beiden letzten zugleich mit der auf fürfleck. dagegen verweist Ludwig auf vortuch, auch Hederich mit dem ihm folgenden Nieremberger, doch von diesen beiden jener, ohne vortuch selbst, wenigstens in der mir vorliegenden 1753 erschienenen 4. auflage, zu bringen. Weber deutschlat. universalwb. (1770) hat 319ᵃ „fürtuch (vortuch)“ mit verweisung auf schürze, dann aber wieder besonders s. 791ᵇ vortuch mit den lateinischen ausdrücken. Haas in seinem teutschen und franz. wb. sowie in seinem deutsch-lat. handwörterb., eben so Bauer und Scheller in ihren deutsch-lat. lex. bieten nur vortuch. von eigentlich deutschen wörterbüchern des 18. jh. enthält das von Steinbach weder für- noch vortuch, das von Frisch 2, 408ᵃ nur vortuch, und Adelung, wie auch der dem ersten jahrzehent des 19. jh. angehörige Campe, widmet beiden wörtern keine eignen artikel, sondern führt unter schürze, also blosz beiläufig, fürtuch und fürtüchel als oberdeutsche benennungen an, worin der Campe ausschreibende Heinsius folgt. Heyse endlich erwähnt unter schürze nur fürtuch, nimmt aber dann noch 2, 1745 in einem besondern artikel vortuch auf, wo er noch einmal jenes bei der bedeutung schürze in klammern beifügt. S. vortuch und vgl. fürfleck, schürze, vorschurz. An fürtuch erinnert, wenn in der gaunersprache fürling f., fürbretling f., für schürze gesagt wird. s. Train 42ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 920, Z. 53.

vortuch, n.

vortuch, n.,

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vgl. fürtuch teil 4, 1, 1, sp. 920, über das aufkommen von vortuch und seine bezeugung durch die älteren wörterbücher sp. 923; vor-, vürtuoch mhd. wb. 3, 133ᵃ; Lexer 3, 483; mnd. vordōk Schiller-Lübben 5, 339ᵇ; tersorium auenwisch vel vordueke Diefenbach gloss. 580ᶜ; im 16. und 17. jh. herrscht durchaus fürtuch; vortuch, n., vorfleck, m., vorschürtze, f., grembiale Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1216ᶜ; mantelium, der mantel, handquel, ein vortuch Spannutius (1720) 318; nach Frisch 2, 408ᵃ ist vortuch schriftgemäszer als fürtuch; Adelung führt vortuch nicht an, Campe dagegen in allgemeiner bedeutung (s. unter 1), die verwendung für schürze bezeichnet er als oberdt. vortuch im sinne von schürze hat sich im entwickelten nhd. zu allgemeinem gebrauch nicht durchsetzen können. fürtuch ist landschaftlich weit verbreitet s. teil 4, 1, 1, sp. 921, und in anlehnung an diesen gebrauch wird fürtuch auch wieder in der schriftsprache verwendet.
1)
in allgemeiner anwendung, 'ein vor einem dinge befindliches tuch' Campe; vortuch an eim altar, pallarium voc. von 1482 m m 1ᵃ; palla sit altartuoch, pallarium vortuoch tibi signat zs. f. dt. alt. 5, 414 (hs. des 15. jh.).
2)
gewöhnlich prägnant für ein brusttuch der frauen (so besonders jetzt fürtuch, auch nd. vördook Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 470) oder schürze u. ä.; das vortuch kann zum schutz der kleider, doch auch zum schmucke dienen; in der folgenden stelle aber schurz vor dem nackten leibe: auch tragen ein theil der weiber vortücher von büntzen gemacht Cassiodorus regnum Congo (1597) 2, 11.
a)
als teil der weiblichen kleidung: ein ramiges kuchelvortuch Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 257ᶜ; spitzenvortuch, senale da dama con merli 1216ᶜ; vortuch, an apron Ludwig t.-engl. lex. (1716) 2352; seines weibes vortuch oder schurtz Er. Francisci lufftkreis (1680) 273; die arbeit war ihre lust, und das vortuch ihr liebster putz Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 3, 185; (sie trägt) einen weiten, abgenähten rock, darüber ein blauleinenes vortuch Castelli (1844) 10, 316; Hannerl, im küchenanzug mit vortuch Nestroy (1890) 2, 248; die Franzl war mit ihrem vortuche über die augen gefahren, sie bedachte nicht, dasz das die feine schürze war, die zum sonntagsstaate gehörte Anzengruber (1890) 2, 38;
und (des teufels) groszmütterlein geschäftig
trippelte herbei vom herde,
wischt den rusz sich von der nase
mit dem vortuch
Ad. Pichler neue marksteine (1890) 83.
b)
das vortuch dient auch dazu, etwas zu sammeln, zu tragen, einzuwickeln: (sie) raffte noch so viel laub ins vortuch als sie darein fassen konnte Musäus volksmärchen d. Deutschen 1, 47 H.; (ich) hatte nun auch das neunte röslein erobert und in meinem geschürzten vortuche bewahrt Brentano (1852) 4, 132; (pilzlinge,) die sie im vortuche mitgebracht hatte Rosegger II 10, 374.
c)
schürze der männer: das vortuch der bartscherer Schwan nouv. dict. (1783) 2, 979ᵇ; es sind nicht alle gute köche, die klare vortücher und lange messer tragen Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 185; ein hübscher wirt, zwar ohne grünes kappel, rote nasen und blaues vortuch Nestroy (1890) 5, 130; (indem er den) sessel mit dem vortuche vom staube reinigte Grillparzer 13, 248 Cotta; ein grünes vortuch reichte, an der brust einen harnisch bildend, (dem schuster) bis unter den hals S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 106;
dat is Herman Reimenschnider
mit sinem vordoke stolt
Daniel v. Soest 263 Jostes.
d)
serviette, z. b. der kinder, und andere verwendungen: (dünne kuchen) gebrauchen sie an statt der servietten oder vortücher, wischen die fetten finger daran Olearius pers. reisebeschr. (1696) 313; (das kind) geiferte so sehr, dasz ... ihm die mutter drei- bis viermal des tages ein frisches vortuch vorbinden muszte Salzmann Conrad Kiefer (1845) 31. — vortuch, handtuch Autenrieth pfälz. idiot. 148; das im gürtel hängende weisze vortuch (der wirtschafterin) bezeichnete ihr amt G. Keller (1889) 6, 235. — im folgenden ein tuch vor dem mund: seinen kopf bedeckt die spitzkappe und den mund das vortuch Ritter erdkde (1822) 9, 475.
3)
vortuch als erster bestandteil in zusammensetzungen;
vortuchbandel n.,
schürzenband: wo sie sich in die kirchstühl breit machen und im kirchgang an die vortuchbandeln zupfen Anzengruber (1890) 6, 109. —
vortuchbändlein n.:
ich lasz euch nicht tändeln
mit meinem vortuchbändlein
(l. meinen vortuchbändeln)
Mittler dt. volkslieder (1865) 614.
vgl. fürtuchbendel teil 4, 1, 1, sp. 923.
4)
in technischer sprache wird mit vortuch oder untertuch ein am webstuhl angebrachtes tuch bezeichnet, nähere beschreibung bei Prechtl technol. encycl. (1830) 20, 312.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1796, Z. 32.

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Zitationshilfe
„fürtuch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrtuch>, abgerufen am 20.01.2022.

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