Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürurtheil, n.

fürurtheil, n.,
s. vorurtheil. prejudicium, ein fuer erkantnus, ein fuer urteil. Eychman qijᵇ. vgl. fürerkantnis.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 926, Z. 71.

vorurteil, n.

vorurteil, n.,

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vgl. fürurteil, nur einmal lexikalisch belegt teil 4, 1, 1, sp. 926; fürurteil ist keineswegs eine ältere form, sondern für- ist nach analogie so vieler anderer wörter statt vor- eingesetzt. fürurtheil in einer quelle von 1538 bei Haltaus 1997. prejudicium furerkantnisz vel -urteil, nd. vorordel Diefenbach gloss. 454ᵇ; vorurtheyl, preiudice, pregiudicio Hulsius-Ravellus (1616) 391; prejudicium ein vorurtheil nomencl. lat. germ. (1634) 523; mit gleicher glossierung bei den folgenden: Reyher thes. (1686) o 3ᵇ; vorurteil Stieler 2272; vorurtheil Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1222ᵃ; Dentzler clavis ling. lat. (1716) 338ᵇ; Steinbach 2, 807; Adelung; Campe.schon Adelung bemerkt, dasz vorurteil dem lat. praejudicium nachgebildet sei, vgl. zeitschr. f. dt. wortf. 4, 132; doch konnte vorurteil auch ohne beziehung auf das lat. für ein dem endurteil vorhergehendes gerichtliches erkenntnis entstehen, und das altbezeugte f. vorurteile scheint eine selbständige bildung zu sein mhd. wb. 3, 23ᵇ; preiudicium vorurteile Diefenbach gloss. 454ᵇ. — vgl. mnld. voreordeel Verwijs-Verdam 9, 1049; gleichgebildet sind schwed. föredöme, dän. foredømme.
1)
der übergang des zunächst dem gerichtswesen zugehörigen wortes zu der heute geläufigen allgemeinen bedeutung einer vorgefaszten, besonders einer irrigen meinung erfolgt erst in neuerer zeit; man kann aus der glossierung durch ein bloszes praejudicium nicht schlieszen, dasz sie schon bei Stieler vorliege (Kluge-Götze etym. wb.¹¹ 662); dagegen ist sie bei Kramer bezeugt: vorurtheil, opinione preconcetta t.-ital. dict. 2 (1702) 1216ᶜ; vgl. ferner: vorurtheil 'eine ohne sattsamen grund gefaste meinung' Ludwig t.-engl. lex. (1716) 2352; impression, einbildung, vorurtheil Apinus gloss. novum (1728) 282; Steinbachs belege (z. b.: der leute vorurtheile fürchten) zeigen, dasz ihm diese bedeutung wohlbekannt ist (1734) 2, 807. — in der zeitschr. f. dt. wortf. 2, 314 wird, wie es scheint, angenommen, dasz vorurtheil erst ende des 18. jh. in der angegebenen bedeutung geläufig gewesen sei, und bei Kluge-Götze a. a. o., dasz vorurteil 'aus dem rechtsbereich' seit Musander 1739 gerückt sei. demgegenüber läszt sich durch gehäufte belege erweisen, dasz dieser übergang seit dem 16. jh. vorbereitet ist, und dasz jedenfalls schon in den ersten jahrzehnten des 18. jh. vorurteil ganz allgemein in dem uns geläufigen sinne gebraucht wird: also müssen alle die jenigen in dem finstern tappen, die mit falschem wohn und vorurtheil dermaszen sind besessen Copius hauszkirchenpostill (1591) 1, 20ᵃ; im lat. praejudicium ist die bedeutungsentwicklung des deutschen wortes vorbereitet: ut haec custodias sine praejudicio, nihil faciens in alteram partem declinando 1. Tim. 5, 21; das du behütest dise ding on vorurteil, zeneygen in einen andern teyl d. erste dt. bibel 2, 220 K. ohne gunst oder miszgunst, ohne vorurtheil Dannhawer cat.-milch (1657) 4, 394; von denen vorurtheilen, die uns an der erforschung der wahrheit hindern Thomasius einl. zu d. vernunfftlehre (1691) 24; vorurtheile, ursprung derselben. mittel dawieder Chr. Wolff vernünft. ged. von den kräften d. menschl. verstandes (1719) reg.; solches ist ein vorurtheil, in welchem ihrer gar viele stecken Hahn vollst. einl. zu d. t. staats-, reichs- u. kayserhistorie (1721) 2, 35; (frauen) lassen sich durch mancherley vorurtheile von der wahrheit gar bald ableiten v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 5;
(verstockte sterbliche,) die stumpf durch vorurteil und wilde leidenschaft
Brockes ird. vergnügen in gott (1721) 1, 2;
das bier mag älter seyn! mein coffe wird drauf sprechen:
des alters vorurtheil kan mein verdienst nicht schwächen
Stoppe Parnasz (1735) 206.
2)
zunächst ist vorurteil ein gerichtliches urteil, das einem andern vorausgeht, besonders wenn letzteres das endurteil ist; in diesem sinne mhd. vorurteile mhd. wb. 3, 23ᵇ; vorurtheil, sententia interlocutoria Scherz 1895; es wurde mit vorurteil ein gewisser miszbrauch im gerichtswesen bezeichnet: eyn groszer miszbrauch an unsern heuptgerichten geübt, nemlich, das dieselbigen eynem jeden auff sein ersuchen, des gegentheils unerfordert und ohne alle rechtliche erkanntnisz der sachen, bescheidt, die sie vürurtheil gnent, mitgetheilt haben quelle von 1538 bei Haltaus 1996; so erklären sich manche glossierungen: prejudicium vorurteile vel schade, schade an dem gericht Diefenbach gloss. 454ᵇ; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1688; Verwijs-Verdam 9, 1049. — zum gebrauch in älterer sprache, der sich auch schon freier entwickelt: die (heiligen jungfrauen) werdent alle behalten vorgerihtes unde vorurteiles predigtbuch des priesters Konrad bei Lexer nachtr. 397; als er die gerichtet, hab er auch ihren handel als mit einem vorurtheil verdammet Achacius chron. (1557) 124ᵇ; in diesem raht seind ettlich durch das vorurtheil des N. betrogen worden Hedio Comines (1551) 35. freier: die foltern ist ein werck desz aller beschwerlichsten vorurtheyles Nigrinus von zäuberern, hexen (1592) 273. — im neueren rechtswesen ein urteil, das von einem höheren gericht überprüft wird.in der folgenden stelle nicht von einer entscheidung des gerichtshofes, sondern von einer meinung, die sich bei den mitgliedern gebildet hat: das nicht ungünstige vorurtheil des gerichtshofes über die mit groszem verstande und seltner rechtskenntnisz abgefaszte schrift Gutzkow d. ritter v. geiste (1850) 5, 95.
3)
das wort wird dann dem engeren gebiete des gerichtswesens entrückt, wenn auch gelegentlich diese engere bedeutung im ausdruck nachwirkt, auch bei verschlimmertem sinne des wortes: das vorurtheil allein bleibt von ihnen gefällt, dasz ... Ensz fama austriaca (1627) 125ᵇ; darüber darf ich kein vorurtheil fällen E. M. Arndt 6, 16 Rösch-Meiszner; weil sie mit so vil vorurtheilen schon verdammet weren Schlusser beschreib. d. protest. kriegs (1573) 26. — denn so schon ein vorurtheil in uns sticket ..., folget gemeiniglich ein verkehrtes urtheil Gichtel erbaul. theosoph. sendschreiben (1700) 2, 63; das alles kann gewisz noch kein urtheil, veranlassen aber doch ein vorurtheil A. v. Droste-Hülshoff in dt. rundschau 151, 402; was damals vorurtheil war, gestaltete si h hernach zum richterlichen kunsturteil Chrysander Händel (1858) 1, 20;
ein urteil, abgefaszt in eile,
von spätrem urteil wirds verdrängt;
und doch, ein hauch von wahrheit hängt
gewisz an jedem vorurteile
Frida Schanz ährenlese² 27.
das wort vorurtheile, mylord, ist zweydeutig und kann sowohl richtige meynungen bedeuten, ... als falsche und ungereimte hannov. magazin 1773, 852; ein vorurtheil ist eine meynung, die man ohne hinlängliche gründe angenommen hat; aber darum ist es noch kein irrthum ... der irrthum ist der wahrheit, das vorurtheil dem geprüften und auf kenntnisz der sache gegründeten urtheile entgegengesetzt Eberhard synon. (1795) 4, 210; im wissen wie im handeln entscheidet das vorurteil alles, und das vorurteil, wie sein name wohl bezeichnet, ist ein urteil vor der untersuchung. es ist eine bejahung oder verneinung dessen, was unsre natur anspricht oder ihr widerspricht; es ist ein freudiger trick unsres lebendigen wesens nach dem wahren wie nach dem falschen, nach allem, was wir mit uns im einklang fühlen Göthe II 2, 18 W. — damit nun der leser ... mit unnötigem voruhrteihl (über den zweck des buches), so gemeiniglich fehl laufft, sich nicht zu beladen habe Schottel t. haubtspr. (1663) 3; mit diesem (berechtigten günstigen) vorurtheile ... wird man gegenwärtige sammlung zu lesen anfangen Lessing 7, 32 M.; wie genau die Andromache ... nach dem geschmacke und den vorurtheilen der Athenienser eingerichtet gewesen A. v. Haller tageb. 1, 43; wir haben gut debütiert ... und das vorurtheil wird uns zu statten kommen Göthe 22, 203 W.
4)
die unbestimmtheit des wortes wird dann in mannigfaltigster weise durch bezeichnende attribute beschränkt oder aufgehoben (anders unten 7 c): dieser miszbrauch aber kan dem rechten gebrauch kein billiges vorurtheil machen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 472. — man hat ... keine günstigen vorurtheile für die Griechen nöthig Ramler einl. in d. schön. wissensch. (1758) 3, 39; alles dieses vereinigte sich, das günstige vorurtheil zu unterhalten Wieland Agathon (1766) 1, 332; wenn ich durch gegenwärtiges für den überbringer ein günstiges vorurtheil zu erwecken suche Göthe IV 28, 40 W.; das berüchtigte buch habe ich wohl mehr als zwanzigmal gelesen und wahrlich eher mit einem günstigen als mit einem ungünstigen vorurtheil K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 69; diese list des grafen erweckte ein günstiges vorurteil G. Keller (1889) 3, 240. — mehr der älteren sprache als der gegenwart geläufig: weil Richardson und Fielding ein gutes vorurtheil für die englischen romane erweckt haben Lessing 7, 8 M.; 18, 323; (die schrift) wird sicherlich ein gutes vorurtheil für die folgenden erwerben Lichtenberg br. (1901) 1, 279; möge er (der aushängebogen) ein gutes vorurtheil für das übrige geben Göthe IV 42, 96 W.; IV 31, 186; IV 12, 104; in Gotha herrschen noch alle gute vorurtheile für mich Caroline 1, 76 Waitz; das gute vorurteil dringt von der bühne in die kaffeehäuser W. H. Riehl musikal. charakterköpfe (1899) 1, 253; (der hund) legte seinen kopf zutraulich an Gretens hand, was ein gutes vorurteil für diese weckte Fontane I 2, 417. — die nette pracht, die in der Manessischen urkunde in die augen fällt, giebt ein starkes vorurtheil zu gunst dieses werkes Bodmer-Breitinger samml. v. minnesingern 2 (1759) iii. — ohne gutes oder böses vorurtheil zu lesen und zu urtheilen Ramler fabellese (1783) 1, vii. — aus miszverstande und falschen vorurtheilen d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. (1751) 8, 76; der leser verzeihe mir, wenn ich wiederum jenem dichter von der malerei sein falsches vorurtheil zeigen musz Winckelmann (1825) 4, 142. — es ist ein irriges vorurtheil, wenn man glaubt, die gebundene rede verstatte härten Adelung umst. lehrgebäude d. dt. sprache 2, 26. — (sie) haben vorurtheile und meist sehr ungegründete Nicolai reise (1783) 1, viii. — (sie) empfing die jungen leute schon mit ungünstigem vorurtheil Holtei erz. schr. (1861) 21, 83; sie fassen dann ein ungünstiges vorurtheil, sobald sie mit schwatzen fertig sind G. Keller (1889) 1, 37.
5)
bei dem prägnanten gebrauch des wortes kann die irrige meinung auch zu gunsten eines gegenstandes ausfallen: auszer der besondern heiligkeit, welche ein uraltes vorurtheil ... der ganzen delphischen landschaft beygelegt hat Wieland Agathon (1766) 1, 258; (die schlangen) haben von alten zeiten her diesz vorurtheil für sich gehabt, für ein gutes omen zu gelten Hegel (1832) 11, 236; dasz das vorurtheil von der undurchdringlichen tiefe dieses dichters wohl grösztentheils aus dem flüchtigen lesen entstanden wäre Steffens was ich erlebte (1840) 1, 222; ich gestehe, dasz ich ... von diesem vorurtheil (dasz nur der adel adliche gesinnung hat) in manchen punkten zurückgekommen bin Spielhagen (1877) 1, 474; mit dem vorurtheil der rechtgläubigkeit, das sie (die jesuiten) einmal für sich hatten Ranke (1867) 38, 232.
6)
verbindung mit präpos., für und wider: das vorurtheil für den Homer war damals so mächtig, dasz eine weit bescheidenere und billigere kritik nicht anders als eine störung der öffentlichen ruhe ... würde aufgenommen worden seyn allg. dt. bibl. 1, 2, 3; ein allzugroszes vorurtheil für meine wissenschaft Kästner verm. schr. (1771) 2, 101; der patriotische sinn der Schweizer ... nimmt mich seit einiger zeit ganz mit einem vorurtheil vor die schweizerischen autoren ein Schubart br. 1, 95 Strausz; (ein dichter,) der aus vorurteil für das clair obscür offt die farben etwas stärcker und die schatten etwas schwärzer aufstriche, als es die natur thut Göthe IV 1, 194 W.; militärische pedanterie, vorurtheile für das ehedem J. v. Voss gesch. m. milit. laufbahn (1808) 243; um kein vorurtheil für sich und gegen sich zu erregen A. v. Arnim (1853) 7, 163; persönliches vorurtheil für und wider Holtei erz. schr. (1861) 3, 230; scherzhaft gemildert: essen sie sie (die spargel) allein, da sie doch einmal das glückliche vorurtheil dafür haben Göthe IV 3, 62 W. — über das vorurtheil gegen die unehliche geburt Lessing 10, 152 M.; ein vorurtheil wider dasjenige ..., was man im umgang von jungen personen beyderley geschlechts unschuldige freyheiten zu nennen pflegt Wieland Agathon (1766) 2, 50; lege dein vorurtheil gegen die blaue farbe ab Tieck (1828) 9, 149; das vorurtheil gegen die deutsche sprache zu überwinden Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 3, 163.
7)
die prägnante anwendung des wortes verschlimmert sich vom 18. jh. mehr und mehr und wird im 19. jh. durchaus herrschend, so dasz immer die vorstellung einer irrigen meinung oder einer voreingenommenheit gegen etwas mit vorurtheil verbunden ist, wenn nicht durch entsprechende mittel der ältere neutrale sinn deutlich gemacht wird: vorurtheil, das, 'hat Piccard unter dem bilde eines greises geschildert, der sich die ohren verstopfet' Gottsched wb. d. schön. wissensch. (1760) 1630.
a)
beachte besonders die stellen, in denen vorurteil der wahrheit, vernunft entgegengesetzt wird: könige, derer verstand schwach, derer herz böse, derer vorurtheile starck sind d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 104; dieses vorurtheil ist so alt, als die poesi selbst Ramler einl. in d. schön. wissensch. (1758) 1, 124; apologie der vorurteile Wieland (1794) 31, 16; klagen über vorurtheile beym heiraten Hippel über d. ehe (1774) 1; es ist nichts jämmerlicher, als leute unaufhörlich von vernunft reden zu hören, mittlerweile sie allein nach vorurtheilen handeln Göthe 37, 160 W.; das helle licht der wahrheit verbreitet sich über die finstere nacht der vorurtheile Fr. Th. Schubert verm. schr. (1823) 1, 107; (er möge) von der freiheit träumen, während er ein unterthan seiner vorurteile sei G. Keller (1889) 1, 382; der feste punkt, ... von dem aus jeder esel ... die vernünftige welt aus ihren angeln heben kann, heiszt das vorurtheil M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 22;
noch mehr, ihr zahn vertilgt sogar die vorurtheile
Lichtwer äsop. fabeln (1748) 144;
ein weiser, der vielleicht mit rühmlichem verdrusz,
des aberglaubens satt, die wahrheit suchen musz,
haszt alles vorurtheil
A. v. Haller ged. 55 Hirzel;
doch trübet nicht
der vorurtheile rauch der erde reinstes licht?
Ebert epist. u. verm. ged. (1789) 329;
F.: was schlägst vorm kreuz die augen nieder?
M.: ich weis es wohl, es ist ein vorurteil,
allein genug, mir ists einmal zu wider
Göthe 39, 251 W.;
mag es Rouszeau! mag das ungeheuer
vorurtheil, ein thürmendes gemäuer
gegen kühne reformanten stehn
Schiller 1, 222 G.;
durchblicke kühn die alte graue decke
der vorurtheile
Seume ged. (1804) 20;
er wünschet als ein philosoph
dem könig und dem ganzen hof
den staar des vorurtheils zu stechen
Pfeffel poet. vers. (1812) 1, 188;
da schielten keine vorurteile
Hölderlin 1, 80 Litzmann.
b)
ohne vorurteil, zunächst neutral, wird jetzt natürlich auch in dem verschlimmerten sinne des wortes gebraucht (vgl. vorurteilsfrei): lasset uns nur ohne vorurtheil sie (die irdischen güter) betrachten Chr. v. Ryssel von d. seelenfriede (1685) 183; wer die vorzüge des gesitteten lebens ohne vorurtheil erwägt G. Forster (1843) 4, 184; ich besuchte die römischen komödien nicht ohne vorurtheile Göthe 47, 272 W.; wenn du sie (übersetzungen) einmal recht ordentlich und ohne vorurtheil gelesen hast J. u. Wilhelm Grimm briefw. (1881) 86. — aus vorurtheil Herder 15, 78 S.
c)
verstärkende, oder näher bezeichnende adj. treten zu dem schon in ungünstigem sinne bestimmten worte (anders oben 4): abgelegtes vorurtheil Tieck (1828) 17, 89. — die ihre anererbten vorurtheile abwerfen Zimmermann von d. nationalstolze (1758) 11. — ein blindes vorurteil Savigny vom beruf uns. zeit f. gesetzgeb. u. recht (1814) 43. — (menschengattung), die nach bloszen vorurtheilen handelt Herder 16, 23 S. — nebel eines dunkeln vorurtheils ders. 15, 173. — um welches man bisher nur mit düsterm vorurtheil herumschwärmte Göthe IV 39, 181 W.
diesen glauben
soll mir kein feiges vorurtheil zerstören
Schiller 5, 1, 390 G.
gemeine vorurtheile Möser (1842) 1, 113. — schon da gewesene und bald wieder verschwundene vorurtheile Klopstock gelehrtenrep. (1774) 15. — trotz aller hindernisse des grauen vorurtheils Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 87. — kleine vorurtheile Sturz schr. (1779) 1, 74; (der) die kleinen vorurteile hinter sich geworfen hat Fontane I 4, 379. — ein so lächerliches vorurtheil zu widerlegen Gottsched crit. dichtk. (1751) 117. — um das pöbelhafte und unsinnige vorurtheil auszurotten Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1. — ein äuszerst schädliches vorurtheil Göthe 46, 71 W. — in einer mit so schändlichen vorurtheilen eingenommenen seele A. v. Haller tageb. (1787) 1, 66. — den seltsamen vorurtheilen, die wir Deutsche über uns selbst hegen Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 182. — billig müssen wir, wenn wir zum lande der schwarzen übergehn, unsre stolzen vorurtheile verläugnen Herder 13, 228 S.
kein trübes vorurtheil schwärzt seinen hellen sinn
Wieland I 1, 45 akad.-ausg.
unangefressen vom krebs üppiger vorurtheile maler Müller (1811) 1, 351. — ein überwundenes unglückseliges vorurtheil Treitschke dt. gesch. im 19. jh. 1, 261. — verjährte vorurtheile zerfallen von selbst Fr. Schlegel (1846) 5, 74, und oft, z. b. Nicolai Seb. Nothanker (1773) 2, 56; Meiszner Alcibiades (1781) 1, 73; E. T. A. Hoffmann 10, 111 Gr.; Holtei erz. schr. (1861) 5, 59. — schreckbilder verwester vorurtheile Gutzkow (1872) 5, 326.
verwünschtes vorurtheil, du mutter unsrer pein
Wieland I 1, 237 akad.-ausg.
das eiserne gewicht des widrigen vorurtheils, das schwer über dem norden brütet Schiller 1, 202 G. — das willkürlichste vorurtheil Athenäum 1, 75.
d)
andere attribute bezeichnen inhalt, gebiet des vorurteils oder den kreis, in dem es herrscht: dieser pfahlbürgerlichen vorurtheile halber Musäus volksmärchen 1, 57 H.; an ihren zweifeln, freund, ist die hartnäckigkeit des classischen vorurtheils schuld Bürger 178ᵇ Bohtz; ein altes judenchristliches vorurtheil D. Fr. Strausz (1876) 6, 68; die ritterlichen vorurtheile Treitschke hist. u. polit. aufsätze 2, 30; die nationalen vorurtheile hinter sich zu werfen Fontane I 6, 166; vom aristokratischen vorurtheile frei Bismarck ged. u. erinn. 1, 32 volksausg.; in eine wolke überlegener englischer vorurteile eingewickelt Chamberlain lebenswege (1919) 36; die medizinischen vorurteile herzlich mitverachtend Carossa verwandl. einer jugend (1928) 129; sagt er (der bolschewismus) es nicht selbst: die freiheit ist ein bürgerliches vorurteil Dwinger zw. weisz u. rot (1930) 322.
e)
der abhängige genit. bezeichnet gewöhnlich die person oder eine gruppe oder masse von personen, die das vorurteil hegt: die gemeinen vorurtheile des volks Herder 25, 108 S.; von den vorurtheilen des vorigen jahrhunderts Gerstenberg hamb. nat.-zt. 274 dt. lit.-denkm.; ein frauenzimmer, welches das vorurteil des vaters nur in der küche erzogen Rabener (1777) 1, 199; eine in allen vorurtheilen einer alten deutschen burg erzogene dame Zimmermann über d. einsamk. (1784) 1, 8; die vorurtheile einer manierirten mahlerschule Göthe 46, 73 W.; die vorurtheile des adels Schiller räuber 3, 2; in seinem zorne gegen die vorurtheile der welt Freytag (1886) 12, 226; vorurteile des standes und der gesellschaft Fontane I 4, 69;
wenn ich die vorurtheile der stolzen mütterchen dir aus
brust und lunge musz reiszen
Herder 26, 296 S.;
da von der kindheit vorurtheilen
ich längst gewuszt den geist zu heilen
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 95.
dagegen zur bezeichnung des gegenstands des vorurteils: nur dasz man sich von dem vorurtheil des ansehens zu sehr lenken liesz M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 133. — statt des genitivs verbindung mit von: (ehrgeiz,) sein vorurtheil von den gliedern meines standes durch mich zu schanden zu machen Lessing 2, 82 M.; das vorurtheil von einem den römischen künstlern eigenen ... style Winckelmann (1825) 5, 274.
f)
gewöhnlich wird gegenstand und inhalt durch einen von vorurteil abhängigen satz bezeichnet: ja das vorurtheil ist bey uns fast allgemein, dasz es nur jungen leuten zu komme, in diesem felde (der dichtung) zu arbeiten Lessing 10, 188 M.; vorurtheil der männer, dasz nur sie zur freundschaft taugen Herder 15, 311 S.; die meisten nazionen haben das vorurtheil, sich höher als alle andern zu halten Athenäum 1, 7; aus dem vorurtheile, dasz der menschliche geist frei denken könne Solger nachgel. schr. u. briefw. (1826) 2, 596; das vorurteil, ich sei ein unstudierter teufel Hauff (1890) 2, 1, 30; faszte das vorurteil wurzel, dasz der text (einer oper) ziemlich gleichgültig ... sei W. H. Riehl musik. charakterköpfe (1899) 2, 375.
g)
gern und in groszer mannigfaltigkeit der wortwahl verbindet sich vorurteil mit sinnverwandten oder durch den zusammenhang nahegelegten wörtern: denen die schuppen der vorurtheile und affekten noch nicht von den augen gezogen sind Dippel personalia 3; gründeten ihre sätze auf falsche einbildungen, auf vorurtheile Scheibe d. crit. musikus (1745) 13; ohne vorurtheil und wahn Herder 5, 166 S.; vgl. 5, 209; irrthum und vorurtheil Cramer d. nord. aufseher (1758) 1, 17; die vor dünkel und vorurtheil nicht wissen, wo sie hin wollen Klopstock gelehrtenrep. (1774) 214; die verkehrten neigungen und vorurtheile Miller pred. fürs landvolk (1776) 2, 6; irrthum und vorurtheil Göthe 23, 157 W.; durch vorurtheile und beschränktheit 22, 89; in vorurtheilen und vorlieben ungerecht befangen IV 40, 218; in ketten des vorurtheils und der meinung gefangen Schiller 3, 521 G.; es ist wahn, traum und vorurtheil Klinger neues theater (1790) 1, 150; von unsrer wiege an verfolgen uns vorurtheile, schwachheiten und mängel Novalis 2, 19 Minor; befangenheit und vorurtheil D. Fr. Strausz (1876) 3, 50; vorurteile und aberglaube erfüllen euch Watzlik d. alp (1923) 81;
der deutsche geck, den wahn
und vorurtheil bisher betört
Ebert epist. u. verm. ged. (1789) 164.
h)
häufige, besonders verbale verbindungen und ausgewählte besondere wendungen; schon Adelung stellte solche auch heute noch vielgebrauchte wendungen zusammen; veraltet: und dieses vorurtheil könne mit gleichem grunde von der Ilias ... gefasset werden Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 2, 79. — vorurtheile hegen Adelung; mit keinem dummen vorurtheile beladen Bodmer a. a. o. 1, 80; mit vorurtheilen angefüllt Ramler einl. in d. schön. wissensch. (1758) 1, 61; mit eigensinnigem vorurtheile schon eingenommen Kretschmann (1784) 1, 22; durch unsre vorurtheile umnebelt Gentz 1, 60 Schlesier; von keinen vorurtheilen befangen O. Jahn Mozart (1856) 1, 8; beschränkt in allgemeinen vorurteilen K. A. v. Müller aufs. u. vorträge (1926) 113; dem groszen haufen, welcher noch an vorurtheilen klebt Bismarck polit. reden 1, 23 K. — herrschende vorurtheile Adelung; einleitung, darinn er über die in der kriegskunst noch herrschenden vorurtheile klaget d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. (1751) 8, 477.
i)
bekämpfung, überwindung von vorurteilen, freiheit von vorurteilen u. a.: ein vorurtheil ablegen; sich von allen vorurtheilen losmachen Adelung; (Herder) hatte mir so manches vorurtheil mit grausamkeit zerstört Göthe 28, 8 W.; das vorurtheil, das wir bestreiten 41, 2, 231; welche manches vorurtheil zerstreut haben II 6, 85; ein erkanntes vorurtheil zu bekämpfen Schiller 4, 198 G.; ihren vorurteilen öffentlich den krieg erklären Fontane I 5, 224. — er hat sich gerühmet ein vorurtheil abgeleget zu haben Winckelmann (1825) 1, 20; (nimmer wird) der gemeine haufen die ersten vorurtheile ablegen Caroline 1, 39 Waitz; wenn ich vorurtheile überwinde Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 220; so müszten auch wir unsre seelen reinigen von allen vorurtheilen gröszerer und feinerer üppigkeit grafen zu Stolberg (1820) 3, 144; (hat mich) in diesem vorurtheil irre gemacht Laube (1875) 1, 10. — (vortheil,) diesen vorurtheilen und miszbräuchen entkommen zu seyn Herder 23, 8 S.; leute die über vorurtheile weg sind Hippel über d. ehe (1774) 12; wegsetzen über vorurtheile ist flug über die gemeine welt Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 13. — so aufgeklärt und über alle vorurtheile erhaben Siebenkäs ist Solger nachgel. schr. (1826) 1, 8; ich kenn kein vorurtheil. ich lasz einen jeden leben, der mich leben läszt Bauernfeld (1871) 6, 157;
er ist, o seltnes glück! durch eigne trefflichkeiten
von vorurtheilen frey
Hagedorn poet. w. (1769) 1, 33;
stand ist mir stand und einerlei,
ich bin von vorurtheilen frei
Tieck (1828) 1, 343.
ich bin ein mann ohne vorurtheile, sagte er A. v. Arnim w. 2, 15; sein vater war 'ohne vorurtheile' (hier religiös nicht befangen) Gutzkow d. zauberer von Rom (1858) 4, 150. — in besonderer wendung: (der reisende müsse) nicht ohne beschämung dem lande und den bewohnern vorurteile abbitten, die man in der ferne vom hörensagen ... so leicht annimmt Hauff w. (1890) 5, 340 K.
8)
vorurteil als erstes glied von zusammensetzungen (ohne rücksicht auf fehlendes oder vorhandenes fugen-s, oder ob sing. oder plural das erste glied bildet); vorurteil erscheint in diesen zusammensetzungen durchaus im ungünstigen prägnanten sinne (s. oben 7). —
vorurteilsalbernheit f.:
ich bin aber nicht gewöhnt, mir ... alte vorurteilsalbernheiten als ebensoviel weisheit aufdrängen zu lassen Fontane I 4, 173. —
vorurteilsanstand m.:
schranken, welche im norden der graubärtige, martialisch-dressierte vorurtheilsanstand ... bewacht S. Jordan wanderungen aus meinem gefängnisse (1847) 217. —
vorurteilsbrille f.:
aber freilich mit offenem auge und ohne vorurtheilsbrille musz man in dieses leben sehen E. Förster br. (1837) 102. vorurteilsfrei, adj., sehr häufig; Campe hat vorurtheilfrei. vgl. zeitschr. f. dt. wortf. 2, 314.
a)
von personen oder kollektiven als attribut: ein vorurtheilsfreyer kopf allg. dt. bibl., anh. zu bd. 37-52, 95; starken, vorurtheilsfreyen, menschlichen menschen Lavater verm. schr. (1774) 2, 127; mit sachkundigen, ruhigen, vorurtheilsfreien beobachtern G. Forster (1843) 9, 129; einen tüchtigen, vorurtheilsfreyen meteorologen Göthe IV 36, 315 W.; eine reine, grosze, vorurteilsfreie seele Costenoble tageb. (1912) 1, 214; anders empfand dies neue vorurtheilsfreie geschlecht Treitschke dt. gesch. im 19. jh. 1, 234. — alleinstehend: wird kein vorurtheilsfreier leugnen O. Jahn Mozart (1856) 4, 708. — in prädikativer anwendung: (ohne fugen-s) trauet auch nie dem manne, der sich euch vorurteilfrei malet Herber herr Schlendrian (1787) 92; eben so vorurtheilsfrei, eben so gebildet nach hause zu kommen, wie er ausgegangen war Johanna Schopenhauer reise durch England u. Schottland (1818) 1, 105; bei dem besten willen, sich recht vorurteilsfrei zu zeigen E. T. A. Hoffmann 2, 184 Gr.; (der sich) für wagemutig und vorurteilsfrei ansah Hans Grimm volk ohne raum (1928) 2, 287.
b)
auf unpersönliches bezogen: ein vorurtheilsfreier, liberaler sinn Herder 16, 406 S.; bei ihrer ruhigen, vorurtheilsfreien denkweise Göthe 20, 40 W.; hohe, vorurtheilsfreie grundsätze der tugend H. v. Kleist 5, 42 E. Schm.; meinen vorurtheilsfreien, zutraulichen blick Bettine d. Günderode (1840) 2, 74; (pastor,) der seine vorurteilsfreie weltlichkeit betonte Blunck d. weibsmühle (1927) 17. — ohne fugen-s: das milde licht eines vorurteilfreien verstandes K. J. Weber Deutschland (1826) 1, 188. — das n. substantiviert: ich bin sehr begierig, vorurtheilfreies, selbsterfahrenes ... zu vernehmen fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 4, 71.
c)
als adv.: so wird sich ja wohl auch ein chemiker finden, der vorurtheilsfrei hier eingriffe Göthe IV 31, 183 W.; vorurtheilsfrei in den geist aller fremden nationen einzudringen Solger nachgel. schr. (1826) 1, 64; derselbe mann, der sich vor wenig minuten edel, weise, vorurtheilsfrei ausgesprochen Holtei erz. schr. (1861) 8, 236; ich will ehrlich und vorurtheilsfrei mit ihnen discutiren Bismarck ged. u. erinn. 1, 208 volksausg.
vorurteilsfreiheit f.,
seltener als das adj.: eitelkeit auf seine gewandtheit und vorurtheilsfreiheit Fichte (1845) 7, 40; eine bis zur aufklärung gehende vorurteilsfreiheit Brentano (1852) 8, 280; das biedere, die würde, die kindlichkeit, vorurtheilsfreiheit Bettine in schr. d. Goetheges. 14, 297; der philosoph läuft sogar in diesem seinem ringen nach vorurtheilsfreiheit gefahr G. Kühne portraits u. silhouetten (1843) 1, 149; mein ideal für auswärtige politiker ist die vorurtheilsfreiheit Bismarck ged. u. erinn. 1, 194 volksausg.
vorurteilslast f.:
(sie) suchen sich nothstützen an alten wurmstichigen vorurtheilslasten Bettine die Günderode (1840) 1, 85.
vorurteilslos adj.,
Campe hat vorurteillos, vgl.: ein frauenzimmer von richtiger, vorurtheilloser denkart G. Forster (1843) 5, 309; du bist entweder viel zu frei und vorurtheillos, oder bei weitem nicht genug H. v. Kleist 5, 43 E. Schm.; dem sonst so vorurtheillosen und hellsehenden W. Münster lebenserinn. (1817) 49; ein völlig vorurtheilloser mensch Krause vorles. über d. grundwahrheiten d. wissensch. (1829) 25; die heitern, vorurtheillosen und muthigen geister Rotteck nachgel. schr. 5, 189. jetzt durchaus vorurtheilslos. — auf personen bezogen: der vorurtheilsloseste und unbefangenste aller menschen Solger nachgel. schr. (1826) 1, 358; dasz nur die sinnliche anschauung den menschen vorurtheilslos und frei macht Feuerbach ausgew. br. (1904) 2, 149. — auf unpersönliches bezogen: das gepräge einer freien vorurtheilslosen moralität Brentano Godwi (1801) 1, 140; unschuldig ist alle vorurtheilslose wahrheit fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 262; eine vorurteilslose schlichtung aller kolonialen ansprüche Hans Grimm volk ohne raum (1928) 2, 489; vorurteilslose badesitten E. Strausz kreuzungen 234. — adv.: so vergleichen wir auch vorurtheilslos dieselbe mit andern moden Vischer ästhetik (1846) 1, 204.
vorurteilslosigkeit f.,
vorurtheillosigkeit Campe: (weit entfernt,) die höhe der vorurtheilslosigkeit eines Krates zu bewundern Fr. Schlegel pros. jugendschr. 1, 67 Minor; ging seine (des predigers) vorurtheilslosigkeit so weit, hin und wieder auch ein tänzchen ... nicht zu verschmähen Immermann 5, 160 B.; eine zur vorurtheilslosigkeit geborene frau Gutzkow (1872) 4, 335; die vorurtheilslosigkeit Jesu gegen die den heiden gleichgeachteten Samaritaner D. Fr. Strausz (1876) 3, 154; anschauungsfreiheit und vorurtheilslosigkeit Fontane I 4, 88; (die) sich stolz in das bewusztsein ihrer unparteilichkeit oder vorurtheilslosigkeit hüllen W. Scherer kl. schr. 1, 628. —
vorurteilsmenschheit f.,
die in vorurteilen befangene menge: alles was dem gewissen der vorurtheilsmenschheit ein furchtbarer kampf ist Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 209. —
vorurteilsnebel m.:
der die luft von sklavenseufzern und vorurtheilsnebeln merklich gereinigt hat frh. v. d. Trenck lebensgesch. (1792) 4, xiii. —
vorurteilsvoll adj.,
vgl. zeitschr. für dt. wortf. 2, 314; in der sprache der gegenwart nicht so geläufig wie früher: unabhängig von den fluthenden urtheilen der vorurtheilsvollen welt Lavater verm. schr. (1774) 2, 217; dasz viele leute von ihren reisen närrischer, vorurtheilsvoller, eitler und menschenfeindlicher zurückkommen Tieck (1828) 14, 179; einseitig und vorurtheilsvoll Zschokke (1824) 29, 27; (ein beispiel,) wie vorurtheilsvoll auch die nachwelt richtet Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 429; zu befangen, vorurtheilsvoll und leidenschaftlich Harnisch mein lebensmorgen (1865) 445; (er gilt) für den vorurtheilsvollsten in sachen der religion Laube (1875) 10, 216; rund heraus, das vorurteilsvolle lasse ich gelten; nur das unwahre verdrieszt mich Fontane I 1, 145;
verwirft dein (Horaz) tollgesinnt vorurtheilsvoller kiel
nicht Plautens lustig salz, das Römern stets gefiel?
d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 860.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1856, Z. 1.

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Zitationshilfe
„fürurtheil“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrurtheil>, abgerufen am 25.10.2021.

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