Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürwärts

fürwärts,
s. vorwärts. es steht
1)
örtlich oder räumlich, in der bedeutung: nach vornhin, von der vordern seite aus hin. fürwerts, antrorsum. Henisch 1314, 26. Schottelius 481ᵇ.
Ulysses fiehl auff jhn fürwertz,
berühret mit der brust sein hertz.
Spreng Ilias (1610) 332ᵃ.
auch fürwarts neben fürwerts, fürwärts. sie fiel fürwarts auf das gesichte, damit sie schamhafftiger und unentblösset möchte liegen. Opitz 1, 299. bald für- bald rückwerts. Butschky Patmos 403. bei Stieler 2439 „für-, sive vorwärts, “ und auch bei Rädlein 313ᵃ finden sich fürwärts, vorwärts neben einander, ebenso noch bei Steinbach 2, 935. dagegen hat Kirsch nur vorwarts, Hederich mit Nieremberger vorwarts, vorwerts, Ludwig vorwerts, vorwärts, Frisch 2, 424ᵇ vorwerts, Matthiä vorwärts, das allein auch Gottsched grundlegung (1748) s. 116ᵇ und Adelung aufnehmen, ein zeichen dasz diese form, auch was die schreibung betrifft, seit der mitte des 18. jh. als die schriftdeutsche galt, während fürwärts mundartlich fortlebte. mit dat., so dasz das wort wie eine praep. erscheint: wenn du die lampen auffsetzest, soltu sie also setzen, das sie alle sieben fürwerts dem leuchter scheinen. 4 Mos. 8, 2, wozu die randbemerkung das ist, die zeuten oder schnaussen an den lampen sol er gegen den vorhang richten, das es fur dem leuchter oder zwischen dem leuchter und vorhang liecht sey.
2)
zeitlich angewandt in dem sinne: in die zukunft.
3)
auch allgemein von einer thätigkeit u. dgl.: weiter fort.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 931, Z. 10.

vorwärts, adv.

vorwärts, adv.,

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vgl. fürwärts teil 4, 1, 1, sp. 931, wo die verdrängung durch vorwärts in den nhd. wörtern nachgewiesen wird; nhd. vürwert, -wart, vorwert, -wart mhd. wb. 3, 598ᵇ; Lexer 3, 617; ahd. furiwert Graff 1, 1007; vgl. ags. foreweard, adj.; mnld. vorewaert, vorewaerts Verwijs-Verdam 9, 1135; 1139; nd. förwards ten Doornkaat-Koolman 1, 546ᵃ. — der vokal des zweiten bestandteils erscheint bald als e, bald als ä oder a, bis im 18. jh. sich ä festsetzt; mundartliche färbungen: vorwirt lehnsurk. u. besitzurkunden Schlesiens 2, 265; verwert 393; ultra vorwort Diefenbach nov. gloss. 384ᵇ. die formen ohne das in der adverbialbildung häufige s halten sich lange: antrorsum vorwertsz gemma gemm. (1508) b 2ᵃ; antrorsum vorwartz, -warts Diefenbach gloss. 39ᵃ; inantea vorwertz 290ᶜ: proclivis vorwert 461ᶜ und resupinus 495ᶜ; ultra vorwert 625ᵇ; ante vorwerts Orsäus nomencl. method. (1623) 29; (animal,) dem die hörner vorwarts stehen Corvinus fons lat. 253; für- sive vorwärts, prorsum pronus Stieler 2439; vorwerts innanzi, vers' innanzi Kramer t.-ital. dict. 2, 1217ᶜ; vorwarts Kirsch (1718) 2, 340ᵃ; vorwarts, vorwerts Aler 2, 2130ᵃ; vorwerts Frisch 2, 407ᵃ; Stosch gleichbed. wörter 2, 442; vorwerts oder vorwärts Ludwig t.-engl. wb. 2353; vorwärts Steinbach 2, 935; Adelung; Campe. vorwerts ist noch im 18. jh. geläufig: so musz man sie (die kanone) etwas vorwerts senken v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 63; dasz der wind in das eine (segel) vorwerts, in das andere aber contrair bläset d. Leipziger avanturieur (1756) 2, 50; desto kecker sperren sie ihre bäuche vorwerts Zimmermann über die einsamkeit (1784) 2, 243; sehen wir doch kaum zwey augenblicke vorwerts Bräker (1789) 2, 153. — vorwarts:
der gaukler behend, so meisterlich sich regt
und zum kampff, lauff, vorwarts und hinter sich bewegt
Treuer t. Dädalus (1675) 1, 606;
(im kampf) thut immer vorwarts streben,
sein ungeseumbte faust macht beider seiten platz
Zinkgref auserl. ged. 63 ndr.
vgl. nd.: beth vorwardes van en seerecht von Wisby bei Pardessus collect. de lois maritimes (1828) 1, 483. — in der folgenden stelle wird vorwärts als adj. behandelt: nun wil ich den forwertzen mann theilen Lautensack des circkels ... underweisung (1563) 32ᵇ.
1)
vorwärts ist im entwickelten nhd. im allgemeinen ein adv. der richtung von einer person oder einem gegenstande aus nach vorn, das schon in sich die vorstellung einer bewegung enthält (freier werden rückwärts und seitwärts gebraucht), daher verbindet es sich zunächst mit verben, die entweder selbst eine bewegung bezeichnen oder die vorstellung einer bewegung zulassen; einige seltene verbindungen sind besonders zu beachten, andere, die oft bildlich gemeint sind. die ältere sprache bewegt sich freier als die heutige.
a)
rasch brauste die Maud (ein schiff) vorwärts Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 298; indem eine weitgedehnte plänklerkette ... vorwärts drang G. Keller (1889) 1, 155; (sie) eilten ... immer vorwärts Göthe 24, 13 W.; proticere vorwert fallen Diefenbach gloss. 468ᵃ; indem fällt er zwischen den beyden vorwärts nieder schausp. engl. comöd. 176 Creizenach;
und gar nichts halt ich von den müszigängern,
die unnütz vorwärts flieszen und zurück
Rückert (1867) 3, 118;
sprichw.: den krebs lehren vorwärts gehen Lüpkes seemannsspr. 127; diese hindin ... ging bald vorwärts, bald stand sie still br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 16.
so beweget ein traum den sorglichen, wenn er zu greifen,
vorwärts glaubet zu gehn
Göthe 1, 318 W.
(dasz) man mit derselben (einer tafel) vor- und rückwärts gehen kann II 2, 42; oft mit dem unbestimmten unpersönlichen subjekt: vorwärts gings durch den knäuel der bursche O. Ludwig (1891) 2, 36; die wege waren besser ... und es ging rasch vorwärts Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 134; (der kopf des tieres) vorwärts hangend Herder 22, 292 S.; rasch vorwärts von dem hügel herabgeschritten, konnte ich ... E. T. A. Hoffmann 6, 41 Gr.; (pferde,) die hüben und drüben vorwärts kamen Göthe 43, 93 W.; hier einfach von der bewegung, gewöhnlich mit der nebenvorstellung überwundener schwierigkeit: die Russen marschieren vorwärts Varnhagen v. Ense tageb. 5, 19;
vorwärts sprang er hinab in das meer
(αὐτὸς δὲ πρηνὴς ἁλὶ κάππεσε)
Voss Od. 5, 374 B.
ungewöhnlich: auf eine klippe vorwärts tretend Göthe 20, 81 W.; mit jedem schritt, den der scheue fus vorwärts wankte Schiller 2, 93 G.
wo unsre fahnen vorwärts wehn,
da weh auch die standart hinein
Klopstock oden 1, 194 M.-P.;
wir zogen vorwärts Göthe 33, 20 W.; das verbum der bewegung ist zu ergänzen:
seid männer und steht, mit dem fusz vorwärts,
unerschütterlich fest
Platen 1, 90 R.
dasz die flüsse nicht nur vorwärts laufen Ritter erdkde 1, 79; dasz dieser (weltkörper) vorwärts rückt, wenn jener zurückweicht F. Th. Schubert verm. schr. (1823) 1, 29.
b)
mit aktiven verben: vorwärts fället die pique v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 246; rumpf vorwärts beugt! u. ä.; die hand vorwärts strecken Schwan nouv. dict. 2, 980ᵃ; (die lippen müssen) vorwärts von den zähnen abgeschoben werden Quantz anweis. d. flöte zu spielen (1789) 44; man musz sich vorwärts beugen, um nur nachzukommen (bildlich) Göthe IV 28, 62 W.; sie bewegen sich vier schritte vorwärts, vier schritte rückwärts W. Scherer lit.-gesch. 7;
dasz ers (das bild) nähme, die rückwand vorwärts drehte
Vischer dicht. w. 3, 158;
unten griff er mit den füszen vorsichtig vorwärts Stifter (1904) 2, 225; er musz die brust etwas vorwarts ... halten v. Fleming d. vollk. t. soldat 25; (gesicht) vorwärts gekehrt Kästner verm. schr. (1772) 2, 154; nachdem man sie aber vorwerts legte, wormit das wasser ihnen aus dem munde wieder abschieszen konnte Lohenstein Armin. (1689) 1, 390ᵃ; (der) bücklinge vorwärts und rückwärts zu machen anfieng Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 61;
vorwärts mit reitermuth
rissest du (Blücher) der streiter wuth
Brentano 2, 49;
kaum vorwärts weisz er sie (die glieder) zu schleppen
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 41.
den rechten vorwärts gestellten fusz S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 229;
und vorwärts
trieben die fluten das schiff (τὴν δὲ πρόσω φέρε κῦμα)
Voss Od. 9, 541 B.;
ich thue diesen schritt vorwarts und wende alsdann gegen dem pfand den rucken Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 2, 234; (wenn sie) sich vorwärts und rückwärts in der luft überschlugen Göthe 21, 151 W.; es zog mich vorwärts wie mit gewaltigen, unsichtbaren händen G. Keller (1889) 1, 116.
c)
gedachte bewegung: die krummen schultern (des Thersites) warffen sich vorwerts auf die brust Breitinger crit. dichtk. (1741) 1, 68. — vorwärts, rückwärts hersagen, lesen, zählen: (Roma tibi subito motibus ibit amor) welches man zurück und vorwerts lesen kan Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 437; (leute, welche) 100 nahmen, ziffern ... vor-, rückwerts ... hersagen können Heinichen generalbasz (1728) 31; (die blätter) werden rück- und vorwärts gelesen Göthe IV 41, 29 W.; die stücke (pfennige) vorwärts und rückwärts zu zählen br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 73. — vom blick: er blickte vorwärts; er sah aber aus, als ob er nach etwas jenseits dieser welt blickte Bode Yoricks empfinds. reise (1768) 1, 9;
nicht schreckt ihn des löwen dräuen,
wie er muthig vorwärts sieht
Rückert (1867) 1, 70.
übertragene anwendung s. unter 2 c.
d)
mit hilfsverben verbunden, von wirklicher bewegung: weder vorwärts, noch zurück können u. ä.; dasz ich (auf der reise) vorwärts muszte, ohne mich lange zu besinnen Göthe IV 29, 287 W.
2)
im entwickelten nhd. wird dann vorwärts in verbindung mit verben unendlich oft in übertragenem sinne gebraucht.
a)
mit verben der bewegung von personen und unpersönlichem die weitere äuszere oder innere günstige entwicklung, fortgang einer handlung, tätigkeit, unternehmung, eines wagnisses u. ä. bezeichnend; doch verbindet sich vorwärts auch mit anderen verben, die die vorstellung des fortschreitens zulassen; unter umständen kann aber das fortschreiten im ungünstigen sinne gemeint sein: (ich) arbeitete fleiszig vorwärts Göthe 43, 256 W.; 25, 92; indessen (will ich) mich aber an einem leitfaden vorwärts bewegen IV 38, 92; (ich) habe schon manches vorwärts, auch manches hinter mich gebracht IV 28, 45;
(das evangelium) erfreut das hertz und brengts fürwertz
B. Waldis d. psalter (1553) 29ᵇ;
er brachte es vorwärts und starb als ein geachteter ... mann Stifter (1904) 5, 1, 106; immer vorwärts zu einer fürchterlichen tat gedrängt Göthe 22, 179 W.; (beobachter,) welche gern vorwärts dringen mögen II 5, 1, 41;
doch ist es jedem eingeboren,
dasz sein gefühl hinauf und vorwärts dringt
Faust 1093;
je weiter die ouvertüre vorwärts gedieh Hesse diesseits (1912) 127; so flosz der winter nach und nach vorwärts Stifter (1904) 2, 296; der russische angriff ... frasz sich ... schnell vorwärts Ludendorff kriegserinn. 173; mit feierlichem ernst führt uns der dichter vorwärts W. Scherer lit.-gesch. 89; äuszeres gedeihen: (seine fähigkeit) führte ihn dann auf das rascheste vorwärts Ranke (1867) 1, 274; die unerträgliche pein, weder vorwärts noch rückwärts zu können, ... trieb nunmehr die vernunft in das ... labyrinth der philosophie G. Forster 6, 177; (um) auf die spuren meiner behauptungen vorwärts zu leiten Bettine d. buch gehört d. könig (1843) 1, 62;
vorwärts muszt du,
denn rückwärts kannst du nun nicht mehr
Schiller Wallensteins tod 1, 3;
das begonnene etwas vorwärts zu rücken Göthe 46, 77 W.; (wir werden) die pflanze nur insofern betrachten, als sie ... zur befruchtung unaufhaltsam vorwärts schreitet II 6, 27; (man musz) vorwärts streben, wenn man nicht rückwärts gleiten will Lagarde dt. schr. (1886) 243; die vergangenheit treibt vorwärts Bettine d. Günderode (1840) 1, 178; häufig einen schritt vorwärts tun; übertragen: du must nur keinen schritt vor- oder rückwärts thun, der dieser neigung schmeichelt Caroline 1, 15 Waitz; mit jedem schritte, den wir in unserer wissenschaft vorwärts tun Fichte (1845) 1, 105; welchen mächtigen schritt die staatliche einsicht vorwärts gethan Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 23.
b)
feste verbindung geht vorwärts in übertragener anwendung mit gehen und kommen ein: gott sey dafür! dasz wir protestanten wieder zurückgehen sollten, nachdem wir so weit vorwärts gegangen sind Nicolai reise 1, 300; (alter,) in welchem ich so bequem durch die gnade gottes vorwärts gehe Göthe 43, 12 W.; sicheren schritts geht er (Mozart) vorwärts O. Jahn Mozart 1, 620. — unpersönliches subjekt: seine gedanken gingen vorwärts, meine zurück Göthe IV 1, 252 W.; damit die sache nur vorwärts geht Görres br. (1858) 3, 151. — mit Werthern gehts vorwärts Göthe IV 8, 5. — bei vorwärts kommen ist die prägnante, besonders in der umgangssprache geläufige anwendung auf die verbesserung der äuszeren lage im erwerb und vermögen zu beachten: ihr macht dem herrn (musiklehrer) unendliche mühe ... kommt nicht vorwärts Göthe 45, 48 W.; wenn wir ja auch nur einige bogen vorwärts kommen IV 28, 25; IV 33, 107; je gröszer die spannung eines stückes, desto leidenschaftlicher verlangen wir vorwärts zu kommen O. Ludwig (1891) 5, 425; seht ihr, man will doch vorwärts kommen, das leben ist ja so kurz W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 1, 125. — eine ebenfalls in der umgangssprache häufige wendung ist vorwärts machen, etwas ernstlich anpacken: du solltest einmal vorwärts machen Zahn ges. w. 8, 290.
c)
in verbindung mit verben des sehens übertragen (vgl. oben 1 c): (wende des jahrhunderts, ein grenzstein,) auf welchem er, vor- und rückwärts blickend, gerne verweilt Herder 23, 3 S.; mit zurück- oder vorwärts blickenden sorgen 13, 297; heute sieht er mehr vorwärts in die zukunft, als in die vergangenheit zurück O. Ludwig (1891) 1, 382;
und das vergangne
heiszt mit vertrauen
vorwärts zu schauen
Göthe 1, 107 W.;
sieh vorwärts, Werner, und nicht hinter dich
Schiller Wilhelm Tell 1, 2;
und da sich die neuen tage
aus dem schutt der alten bauen,
kann ein ungetrübtes auge
rückwärts blickend vorwärts schauen
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 225.
d)
ungewöhnlich sind die verbindungen mit verben, mit denen die vorstellung einer bewegung schwer zu verbinden ist; das ist noch möglich bei leben:
unbesonnenheit ziert die jugend,
sie will eben vorwärts leben
Göthe 5, 102 W.
(vgl. das vorwärtsleben unten 10); aber schwerer schon bei den folgenden verben: wer fröhlich darf zurück denken, der darf auch fröhlich vorwärts denken Lavater handbibl. f. freunde (1792) 4, 110;
so voll gedancken ist das hertz:
ist nit zfrieden, denckt stets fürwertz
B. Waldis Esopus 2, 202 Kurz;
(der) nit disz thut, jenes meynet,
haszt vorwerts, wen er haszt
Opitz (1690) 2, 11;
vgl. vorwärtsahnen, -wissen unter 10.
3)
vorwärts erscheint, abgesehen von den bisher behandelten verbalen wendungen, in mannigfaltigen verbindungen und alleinstehend: (der code war) ein schritt vorwärts in den zustand der revolution hinein Savigny vom beruf unserer zeit f. gesetzgeb. u. recht (1814) 57; möchten auch meine bemühungen ein schritt vorwärts seyn Schmeller d. mundarten Bayerns (1821) xii; bei jedem weiteren schritt vorwärts Nitzsch dt. studien (1879) 120; immer schritt vor schritt nach vermögen vorwärts Göthe III 1, 125; vgl. auch folgende stelle: dies aber mit so vielen citationen rück- und vorwärts (bei Klotz) beweiset, dasz ... Herder 3, 321 S. — um dem göttlichen rufe nach vorwärts genügen zu können Körte sprichw. (1837) xxxi; (widerstände,) die weg und wagen meinem drang nach vorwärts entgegensetzten Winnig heimkehr (1935) 29. — daher ist vorwärts in rücksicht der operationen nicht allezeit da, wohin die gesichter der soldaten ... stehen D. H. v. Bülow geist d. neuen kriegssystems (1795) 19. — vorwärts sein, gefördert sein: frage den Benvenuto, ob sein kolosz so weit vorwärts ist, dasz ich einen blick darauf werfen könne Göthe 44, 277 W.; tafeln zur farbenlehre vorwärts (gefördert) III 3, 180;
vorwärts! klinget frisch und freudig
E. M. Arndt 4, 199 R.-M.;
will die kraft dir schier versagen,
vorwärts ist das rechte wort
Geibel 1, 113 Cotta.
substantiviert: und seinem geschwader winkte er ein rasches vorwärts zu Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 457; (es musz) das vorwärts schrittweise noch einmal durchgemacht werden Grillparzer 14, 40 Cotta; ein unerbittliches vorwärts hält das regiment im flusz Bröger d. unbekannte soldat (1917) 6; (die befreiung) bedurfte auszer den männern der leidenschaft und des vorwärts auch der nüchternen rechner K. A. v. Müller aufs. u. vorträge (1926) 51. — als personenbezeichnung (vgl. unten Marschall Vorwärts): zwischen der partei der rückwärts und der vorwärts auch eine der aufwärts gebildet Rosenkranz aus einem tageb. (1854) 145;
die freiheit ist jetzt feldmarschall,
und vorwärts heiszen wir
Herwegh ged. eines lebendigen (1841) 30.
4)
als kommando, z. b. auf dampfschiffen: langsam vorwärts: (er kommandierte) wieder: vorwärts, marsch Hebel 2, 251 Behaghel.als anfeuernder ruf: vorwärts mit dem heiligen Markus, rief Witiko Stifter 9 (1932) 304; vorwärts, mit gott vorwärts, wir schlagen uns durch M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 97; hurrah! vorwärts, kameraden Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 64;
vorwärts, edelmüthige Troer, sporner der rosse
(ὄρνυσθε, Τρῶες μεγάθυμοι, κέντορες ἵππων Il. 5, 102)
Bürger 221ᵇ Bohtz;
vorwärts, Gerd! — der wagen knarrte
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 75.
auch freier, wo nicht bestimmte bewegung im eigentlichen sinne gemeint ist:
rasch vorwärts, Macbeth, und es ist gethan
Schiller 13, 44 G.
muth! muth! vorwärts
Grabbe 2, 41 Bl.
5)
'der Marschall Vorwärts, ein ehrenname, welchen der fürst Blücher als königl. preusz. feldherr in dem befreiungskriege erhielt' Hübner zeitungslex. (1824) 4, 845ᵃ;
auf, marschall Vorwärts! rief die welt,
er ritt, und gott sprach: amen
Brentano 2, 47.
6)
die in vorwärts liegende richtungsvorstellung kann nun abgeschwächt werden (wie bei seitwärts und rückwärts), so dasz nunmehr vorwärts dem sinne von 'vorn, auf der vorderen seite, im vordergrunde' sich nähert oder ganz in ihn übergeht. dieser gebrauch ist aber der sprache der gegenwart fremd geworden, so häufig er früher gewesen ist; auch im sinne von 'von vorn' wird vorwärts angewendet: mel in ore, fel in corde, vorwerts gut, inwendig falsch Corvinus fons latin. 332; vorwarts verwundet werden Reyher thesaurus (1686) o 3ᵇ; es liegt vorwärts vor dir hin Adelung; 'ungut': den feind vorwärts angreifen Campe; vorwärts gefesseltes pferd Krünitz ökon. encycl. 231, 495: (der bär) hat ein schwach haupt, vorab vorwärts auff dem schädel Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 14ᵃ; wollust soll man nicht vorwerts, sondern hinderwerts sehen, nicht wenn sie kompt, sondern wenn sie vergangen Lehman floril. polit. (1662) 2, 921; vorwärts haben die höfe ein hölzern hohes thorgerüste Lichtstein schles. fürstenkrone (1685) 793; Gottwald war bald hinten, bald vorwerts Lohenstein Armin. 2, 835ᵇ; mehrfach bei Göthe: zur rechten hand kniet der domherr, zur linken der ritter, vorwärts neben dem domherrn die marquise 17, 193 W.; 40, 57; IV 38, 137; er wollte ... das kleine korps vorwärts angreifen Klinger (1809) 4, 195; alle vorwärts verwundet J. v. Müller (1810) 1, 159;
sie (die gelegenheit) hat nur vorwerts haar, und ist von hinten kahl
Lohenstein Ibrahim sultan u. a. ged. (1701) Epicharis 39.
du wolltest, dasz die liebe mich entzünde,
aus deinen augen helle lichter schweben,
und alles dunkel rück- und vorwärts schwinde
Brentano 2, 96.
wieder der allgemein üblichen bedeutung sich nähernd, nach vorn von einem gewissen standpunkte aus: vorwärts lag uns das Wallisthal Göthe IV 4, 136 W. übertragen auf die zeit:
und ein wiedergeborenes (paradies)
liegt vorwärts in der zukunft weit
Rückert (1867) 1, 477.
7)
auffallende verwendung zur hinweisung in schrift oder druck: neujahrsvisiten. das theaterpersonal. die übrigen siehe vorwärts Göthe III 5, 90 W.
8)
vorwärts mit ortsbezeichnungen verbunden wird wie eine präposition gebraucht; es kann in unbestimmtem sinne wie vor verwendet werden, gewöhnlich aber wirkt die eigentliche bedeutung von vorwärts ein, so dasz ein gröszerer oder geringerer von einem orte aus sich erstreckender strich vorgestellt wird; mit ortsnamen: alle posten vorwärts Nizza D. H. v. Bülow d. feldzug von 1800 (1801) 271; in den engpässen vorwärts Praeneste Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 327; (armee,) der wir vorwärts Berlin keine gleichwerthigen streitkräfte gegenüberzustellen hatten Bismarck ged. u. erinn. 2, 53 volksausg.; artillerie, die auf den höhen vorwärts Preuschdorf entwickelt war Tanera erinn. eines ordonnanzoffiziers (1908) 1, 15. — mit einer landschaftsbezeichnung; hier tritt, sobald flexion möglich ist, der genit. ein: angriff auf unsere stellungen vorwärts der altpreuszischen grenzgebiete Hindenburg aus meinem leben (1929) 125. — vgl. aus älterer sprache in allgemeiner anwendung: fürwerts des dorffs bei Fischer 2, 1689.
9)
ganz verlorengegangen ist die in älterer sprache geläufige verwendung als zeitadverb., 'weiterhin, dann' u. ä.; furiwert, et modo Graff 1, 1007; vgl. die mhd. wörterbücher; praeterea sieder vel vurwert Diefenbach gloss. 458ᵃ; unde he behildit is ouch vorwart ... nach der stat rechte urk.-buch d. stadt Freiberg i. S. 1, 23;
er liez ir vurwart mere
huten durch ir unfrumen
passional 32, 6 K.
gesteigert: der nu vorwerter sal das hus nuwern zu Ragnith d. Marienburger treszlerb. 137 J.unbestimmter, wie weiter, ferner: des ist gezuͦc: (folgen namen); vorwert me ist sin gezuͦc: (folgen wieder namen) hess. urk.-buch 3, 519 W.-R.in der folgenden stelle könnte vorwerts an sich, da es dem hernach gegenübergestellt ist, im sinne von 'zuvor' genommen werden:
du hassest ja den falschen mund,
den mörder, lügner und den spötter,
der vorwerts klagt, hernach verwundt
Fischer-Tümpel d. dt. ev. kirchenlied 2, 495.
doch ist vorwerts klagt wohl eher zu verstehen wie vorwärts haszt, denkt oben unter 2 d.
10)
vorwärts wird in der schrift mit verben zusammengerückt, doch keineswegs so oft wie etwa vorüber: wenn der infin. substantiviert ist, wird zusammenrückung vorgezogen; am ende doch nur mehr ein vorwärtsahnen als ein vorwärtswissen Stifter s. w. 18, 11; vgl. oben 2 d. — sich durch zähen widerstand vorwärtszuarbeiten Winnig frührot (1926) 407. — das vorwärtsbewegen Muspratt chemie 8, 708; je mehr er (der treibapparat) das schiff vorwärtsbewegt Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 7, 653. — mit vorwärtsgebogenem leibe Hohberg georg. curios. (1682) 2, 716. — zu einem plan- und hoffnungslosen, instinctiv verzweifelten vorwärtsbrechen H. v. Barth Kalkalpen (1874) 470. — durch äuszere stösze vorwärtsbringen Rilke br. (1933) 69. — nach diesen worten nestelte sie, vorwärtsgebückt, den groszen knoten ... auf Stifter (1904) 4, 1, 51. — einem abermaligen vorwärtsdrängen des Slaventums Keyser bevölkerungsgesch. Deutschlands (1938) 161; mit einem vorwärtsdrängenden temperament K. A. v. Müller aufs. u. vorträge (1926) 104. — wo (beim schlittschuhlaufen) das vorwärtsdringen dem zurückbleibenden fusze obliegt Göthe in: schr. d. Goetheges. 21, 258; fand mein rasches vorwärtsdringen unwillkommene hindernisse H. v. Barth Kalkalpen 38; übertragen:
so bleibt dir und der welt statt alles zielerringens
in jedem nu nur dies gefühl des vorwärtsdringens
Rückert (1867) 8, 640;
die vorwärtsdringenden tendenzen Ranke (1867) 3, 406. — durch vorwärtsdrücken des quecksilbers Sömmerring vom baue des menschl. körpers (1839) 5, 337. —
vorwärtseilen
dem einen werf ichs zu im schnellen vorwärtseilen
Rückert (1867) 8, 197.
vorwärtseinschneiden
'das bestimmen von punkten aus zwei gegebenen standpunkten' Karmarsch-Heeren techn. wb. 2, 740 (arbeit des geometers). — das vorwärtseinknicken des gelenkes Sömmerring a. a. o. 2, 218. — der erstarkende nationalgeist würde sie vorwärtsführen Winnig heimkehr (1935) 295. — über das vorwärtsgehen und zurückbleiben ... der naturwissenschaft Göthe IV 19, 175 W.; (wir) werden im vorwärtsgehen weniger stolpern E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 381; vom vorwärtsgehen ohne rückschauen G. Keller (1889) 1, 240; mein einblick in das stille vorwärtsgehen der einzelnen künstler Rilke br. (1931) 159. — der druck kann vorwärtsgehen Grabbe 4, 573 Bl. — damit ich nicht noch weiter vorwärtsginge Stifter (1904) 5, 1, 23. — ein bis zur hälfte vorwärtsgehender, zarter, sich verlierender schatten Lavater physiogn. fragm. 1, 217. — wodurch das vorwärtsgleiten erleichtert wird Vieth encycl. d. leibesübungen (1793) 1, 370. — den kopf auf die achsel geneigt, vorwärtshängend Jung-Stilling (1835) 1, 385. — dieses vor- und rückwärtshüpfen Böhme gesch. d. tanzes (1886) 126. —
vorwärtsjagen
es stirbt sich freudig im vorwärtsjagen
Dahn ged. (1908) 394.
— in ihrem unbehilflichen vorwärtsklettern Rosegger III 10, 197. — wodurch jedes vorwärtskommen unendlich erschwert werden musz Göthe 7, 158 W.; (der sturm) machte das vorwärtskommen zum athemraubenden kampfe M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 220; es ist kein vorwärtskommen mit ihnen Anzengruber (1890) 4, 162. — den zeigefinger vorwärtsgekrümmt Herm. Grimm Michelangelo (1890) 1, 296. — was in meinem leibe dem leben und dem vorwärtsleben nicht dienen kann, erhalte ich nicht Lagarde dt. schr. (1886) 7; vgl. oben 2 d. — (unter) vor- und rückwärtsneigen des körpers Naumann naturgesch. d. vögel 6, 393; in vorwärtsgeneigter (stellung) Sömmerring vom baue d. menschl. körpers 5, 610. — bei unserm schnelleren vorwärtsreisen Fr. H. v. d. Hagen br. in d. heimat 2, 27. — durch ruhiges vorwärtsreiten v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 1, 889. — das gepräge erbitterten vorwärtsringens Mackensen br. u. aufzeichnungen (1938) 204. — da es denn ein wenig langsam vorwärtsrückt Göthe IV 21, 304 W.; in ordnung vorwärtsrücken Jer. Gotthelf (1885) 15, 228. —
vorwärtsschauen
froher sinn bei leid und schmerz
muthig vorwärtsschauen
Körner 2, 81 H.
— durch vorwärtsschaufeln einer erdmasse v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 3, 407. — ein gewaltsames vorwärtsschieben Muspratt chemie 6 (1898) 16; (stoff, der) die planeten vorwärtsschöbe Schopenhauer 5, 159 Gr.
vorwärtsschieszen
während das schiffchen, von kräftigen fäusten gestoszen, vorwärtsschosz W. Weigand d. Löffelstelze (1909) 391. —
vorwärtsschlendern
im vorwärtsschlendern durchs flache land
kam an ein hüttchen ich, unbekannt
D. v. Liliencron (1896) 8, 220.
— das linke bein ist im vorwärtsschreiten begriffen Schelling (1856) I 9, 134; ihr gang ist ein gemächliches vorwärtsschreiten Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 10, 397; bei weiterem vorwärtsschreiten H. v. Barth Kalkalpen (1874) 308; zum vorwärtsschreiten anspornend machte sie den wegweiser M. v. Ebner-Eschenbach 6, 287; der wechsel vom siegreichen vorwärtsschreiten zum überstürzten rückzug Beumelburg sperrfeuer um Deutschland (1929) 68. — da sie mich kommen und vorwärtsschreiten sah Stifter (1904) 5, 1, 23. — ein vorwärtschreitendes (gewitter) Laistner nebelsagen (1879) 59. — übertragen: vorwärtsschreitende (motive), welche die handlung fördern Göthe 41, 2, 221 W.; II 6, 284; um dieses vorwärtsschreiten (des gesundheitszustandes) zu fördern Stifter s. w. 20, 314; dasz er (der griechische staat) ein werdender, vorwärtsschreitender ... ist Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 314. — beim vorwärtsschwimmen steht der kopf höher als der rumpf Brehm tierleben 10, 281 P.-L.
vorwärtssehen
heutiges tages in unsern vorwärtssehenden zeiten Steub wanderungen im bayr. gebirge (1862) 47. — das abwechselnde vor- und rück wärtsspringen Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 395; beim vorwärtsspringen Böhme gesch. d. tanzes (1886) 207. —
vorwärtsstaken
(wo) spreekähne durch mühselige stösze vorwärtsgestakt wurden Holländer d. weg d. Thomas Truck (1902) 1, 132. —
vorwärtsstehen
der arm der seite des vorwärtsstehenden beines Nicolai lit.-br. 3, 42; (die eulen haben) vorwärtsstehende katzenaugen Oken allg. naturgesch. (1839) 7, 113. — (er) ging unter schmerzhaftem vorwärtsstoszen seiner kniee auf dem pfade steil abwärts Stifter (1904) 4, 1, 39; die stunden dieses abends hatten ihn um viele jahre vorwärtsgestoszen Steguweit d. stelldichein d. schelme (1937) 39. —
vorwärtsstreben
die einzige verbale zusammenrückung, die Campe verzeichnet; bei Adelung fehlen sie überhaupt; im eigentlichen sinne: die jungfer mit händen und füszen vorwärtsstrebend Immermann 5, 31 B.;
und sprach im eilenden vorwärtsstreben
Rückert (1867) 12, 98.
im bilde: rührendes bild des vorwärtsstreben(s) aus dem äuszersten vorhof in den tempel der wissenschaft Hebbel tageb. 3, 307 W.erstarrte bewegung: wunderbares vorwärtsstreben des ganzen kopfes, halses und blickes G. Forster (1843) 3, 513. — übertragen: ein vorwärtsstreben zu liberalen principien Gutzkow (1872) 7, 19; das rasche vorwärtsstreben dieses jungen künstlers Stifter (1904) 14, 109; das kluge. nüchterne vorwärtsstreben Frenssen Jörn Uhl (1902) 308. — rückwärtsschauende, ... vorwärtsstrebende Gaudy (1844) 8, 90; das vorwärtsstrebende menschengeschlecht Bernhardt gesch. d. waldeigentums (1872) 1, 4. — in hoffnungsvollem vorwärtsstürmen Hindenburg aus meinem leben (1920) 94; mit seiner vorwärtsstürmenden jugendkraft v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 1, 240; bei gleicher vorwärtsstürmender raschheit des tones W. Scherer litt.-gesch. 61. —
vorwärtsstürzen
in dem wilden, wimmelnden, vorwärtsstürzenden leben Raabe schüdderump (1870) 241. —
vorwärtstaumeln
(stosz,) durch den ich die noch wenigen schritte vorwärtstaumelte Stifter (1904) 2, 178. —
vorwärtstraben
im wilden vorwärtstraben
bist du vom hengst geschossen
Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 145.
— das vorwärtstragen der offensive Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 198; (der angriff musz) schnell vorwärtsgetragen werden ebda 142. — ein vorwärtstreiben in ungewisse ferne Treitschke histor. u. polit. aufsätze 3, 245; trotz Blüchers vorwärtstreiben v. Alten hdb. f. heer u. flotte 2, 618;
es fühlt der mensch des steten vorwärtstreibens,
des ewgen weiterstrebens regen sporn
Platen 1, 507 R.;
mit stark vorwärtstreibenden leidenschaften O. Ludwig (1891) 5, 95; das tiefsittliche, vorwärtstreibende motiv, die noth Bernhardt gesch. d. waldeigentums (1872) 1, 5. —
vorwärtstreten
vorwärtstretend lag er eines sturzes in ihren armen Stifter (1904) 3, 251; übertragen: wenn wir das nächste jahr nicht zurück, sondern vorwärts treten wollen Göthe IV 11, 263 W. — das vorwärtswachsen des nagels Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 6, 278. — systeme des vor- und rückwärtswalzens Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 225. — durch vor- und rückwärtswandeln Göthe II 3, 148 W.
vorwärtsweisen
nicht getragen von eigenen, volkstümlichen, vorwärtsweisenden antrieben K. A. v. Müller aufs. u. vorträge (1926) 52. —
vorwärtswissen
s. oben -ahnen.
vorwärtsziehen
im langsamen vorwärtsziehen trinkt rechts und links die kompagnie
Detlev v. Liliencron (1896) 1, 42;
vorwärtsgezogen wird er (der unterkiefer) durch die äuszeren flügelmuskeln Oken allg. naturgesch. (1839) 4, 47. —
vorwärtszielen
der anblick einer scene gegenwärtigen lebens weckt frühe den vorwärtszielenden willen Justi Winckelmann (1866) 1, 17.
11)
andere zusammenrückungen; zusammensetzungen:
vorwärtsaufwärts adv.:
(der ballon wird) vorwärtsaufwärts getrieben v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 3, 269. —
vorwärtsbeuger m.,
ein muskel: (nerv, der) in den viereckigen vorwärtsbeuger eingeht Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 4, 573. —
vorwärtsbewegung f.,
im intransitiven sinne des verbums: der jetzt mit einer raschen vorwärtsbewegung den nächsten gruppen zueilte W. Alexis ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 1, 53; zuerst musz ein druck beider schenkel (dem pferde) den impuls zur vorwärtsbewegung erteilen v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 4, 759. — in bild und plastik: einen messergriff in der rechten setzt er dem Judas unwillkürlich zufällig in die rippen, wodurch dessen erschrockene vorwärtsbewegung ... glücklich bewirkt wird Göthe 49, 1, 209 W.; die sanfte vorwärtsbewegung (einer Hermesstatue) Justi Winckelmann (1866) 2, 1, 59. — besonders in militärischem sinne von marsch und angriff: alles ist in der vorwärtsbewegung D. v. Liliencron (1896) 1, 227; vorwärtsbewegung unter anschmiegung an das gelände v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 1, 387; traten beide divisionen des xvii. armeekorps am morgen des 10. sept. die vorwärtsbewegung an Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 63. — im aktiven sinne des verbums: eine zu starke vorwärts- und abwärtsbewegung des zungenbeins Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 5, 583; (pflug) zur vorwärtsbewegung durch zugtiere bestimmt Hoops waldbäume u. kulturpflanzen (1905) 503; indessen stellt sich auch bei unbelebtem die intransitive vorstellung sehr leicht ein: die vorwärtsbewegung des schiffs Mothes baulex. (1882) 1, 224; die vorwärtsbewegung des geschosses v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 1, 795. —
vorwärtsdrang m.:
der auch nicht säumen darf in stetem vorwärtsdrang
Rückert (1867) 8, 218;
(meine) von heiszem vorwärtsdrange beseelte infanterie Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 39. —
vorwärtsdreher m.,
name verschiedener armmuskeln; der runde, der viereckige vorwärtsdreher Campe; Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 4, 572. —
vorwärtsdrehung f.:
(eine bewegung,) wobei bei herabhängendem arm der daumen nach innen ... gedreht wird, heiszt die vorwärtsdrehung Sömmerring a. a. o. 2, 264. —
vorwärtsenthusiast m.,
gelegenheitsbildung: es giebt so viele vorwärtsenthusiasten ..., dasz ein rückwärts gekehrter poet und denker ... wohl auch für einen richtigen menschen gelten darf B. Goltz hinter d. feigenblättern (1862) 2, 159. —
vorwärtsfest n.,
vorwärtsreiten, -jagen als fest empfunden:
da kam der pfeil, für ihn geschnitzt,
der pfeil war fein und scharf gespitzt,
er stürzt im vorwärtsfeste
D. v. Liliencron (1896) 7, 48.
vorwärtsgang m.:
dasz wohl kaum ein menschenalter zureichen dürfte, ihn (den menschen) zum vorwärtsgange wieder umzuschaffen Sintenis Oswald d. greis (1813) 109; weil auch der sonnenwagen nicht unvermittelt aus dem vorwärtsgang in den rückwärtsgang umgestaltet werden kann W. Schäfer wendekreis neuer anekdoten (1937) 5; hier mit rücksicht auf die bezeichnung einer vorrichtung in einer maschine, vgl. v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 2, 559; Karmarsch-Heeren techn. wb. 3, 78; 98. —
vorwärtskraft f.,
gelegenheitsbildung: studenten und professoren, die hoffnung und die vorwärtskraft des deutschen volkes kriegsbr. gefallener studenten (1928) 82. —
vorwärtsmarsch m.:
hör ich nicht plötzlich vor mir,
weit hinter dem getreideschlag,
schwach, wie aus einem tälchen steigend,
den vorwärtsmarsch?
D. v. Liliencron (1896) 8, 89.
vorwärtsneigung f.:
(gewisse bänder) schränken aber die vorwärtsneigung und seitwärtsneigung desselben (des rückgrats) ... ein Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 2, 239. —
vorwärtsruck m.,
ein einmaliger stosz nach vorwärts; im bilde: dem weltgeschichtlichen umschwungsrade ... einen energischen vorwärts- oder meinetwegen auch zurückruck zu geben Fontane I 5, 80. —
vorwärtsrückung f.,
vorwärtsbewegung in intrans. und aktivem sinne: bei jeder vorwärtsrückung zum zwecke frh. v. d. Trenck w. u. ged. (1772) 5, 324. —
vorwärtsrückwärts adv.:
sich vorwärtsrückwärts bewegend Vischer dicht. w. 4, 290. —
vorwärtsschreiter m.:
hervor, ihr vorwärtsschreiter,
die ihr das bessre wollt
Ortlepp lieder eines polit. tagewächters (1843) 96.
vorwärtsschreitung f.:
beharrlich in vorwärtschreitung
gelangt sie (eine zeitung) zu allgemeiner verbreitung
Hoffmann v. Fallersleben (1890) 6, 26.
vorwärtsschritt m.:
guten vorwärtsschritt erhob er (Blücher)
über flusz und berg und thal
Rückert (1867) 1, 203.
übertragen: jede neue bildung aber, so sehr sie einen wesentlichen vorwärtsschritt enthalten mag, ist doch immer nur eine fortsetzung und folge der früheren bildung Fr. v. Sallet s. schr. 5, 267. — vorwärtsschritt hat sich gegen das weniger bezeichnende fortschritt nicht durchsetzen können.
vorwärtsschwenkung f.,
in der heeressprache, schwenkung nach vorn in einem winkel zur vorigen stellung; in strategischem sinne: die beabsichtigte vorwärtsschwenkung des linken flügels (einer armee) Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 94. —
vorwärtsschwung m.:
(Gneisenau) lenkte mit der stillbesonnenen kraft der intelligenz, dieser (Blücher) mit dem vorwärtsschwunge seines armes Kühne portraits u. silhouetten (1843) 2, 247. —
vorwärtssignal n.,
signal zum angriff: noch immer höre ich keine vorwärtssignale, keine trommel D. v. Liliencron (1896) 1, 75. —
vorwärtsstaffelung f.,
in der heeressprache, vorschiebung einzelner heeresteile nach vorn, so dasz sie mit abständen hintereinander stehen: (wunsch,) diese operation ... wie aus einer vorwärtsstaffelung zu unterstützen bei Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 313. —
vorwärtsstrebung f.:
nach den ungewissen vorwärtsstrebungen (im eigentlichen, räumlichen sinne) ... zu schlieszen Gaudy (1844) 17, 56. —
vorwärtstrieb m.:
ihr vorwärtstrieb (im eigentlichen, räumlichen sinne) war kaum mehr zu bändigen Heer d. könig d. Bernina (1904) 272. —
vorwärtsumdrehung f.:
die vier paar walzen (einer maschine haben) pilgerschrittbewegung ... d. h. bei fünf vorwärtsumdrehungen drei rückwärtsumdrehungen Lueger lex. d. ges. technik (1894) 4, 287. —
vorwärtswender m.,
ein muskel der hand: der rundliche vorwärtswender Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 2, 159. —
vorwärtswendung f.:
(dreht sich) die speiche umgekehrt, so dasz der rücken der hand nach vorne schaut, so nennt man diese bewegung die vorwärtswendung (pronatio) Sömmerring a. a. o. 2, 182. —
vorwärtszieher m.,
ein muskel des ohrs Campe: zweimal beobachtete ich, dasz der vorwärtszieher des ohres den äuszeren rand des stirnmuskels erreichte Sömmerring a. a. o. 3, 1, 21. —
vorwärtszug m.,
wie vormarsch: am morgen dieses tages stand das heer in schlachtordnung und zum vorwärtszuge eingetheilt Stifter (1904) 11, 40.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1890, Z. 31.

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Zitationshilfe
„fürwärts“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrw%C3%A4rts>, abgerufen am 20.10.2021.

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