Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürwölben

fürwölben,
s. vorwölben.
1)
vornhin wölben, vor etwas wölben.
2)
vornhin wölben vor —, wölben vor —. daher in bildlicher anwendung
3)
zum vorwand vorbringen, vorwenden, vorschützen. aliquid praetendere, etwas fürwenden oder fürwelben. Frisius 1048ᵇ und danach Maaler 151ᶜ; duo praetendunt unum debitum, zwen welbend grad éin schuld für. Frisius u. Maaler a. a. o.; fürwendend, fürwelbend und entschuldigend. Frisius 900ᵃ, unterobtendere“; etwas fürwelben, etwas farbs haben, obtentum aliquem habere. Maaler a. a. o.; causari tempestatem et vim fluminum, sich entschuldigen oder das wätter fürwelben und zuͦ einem fürwort nemmen. Frisius 202ᵇ und danach Maaler a. a. o. vgl. fürspannen, fürwenden.
4)
verhehlen, einen deckmantel machen für —, bemänteln, praetexere. fürwölben, praetexere, metaphorice. Dasypodius 456ᵇ. praetexere, fürwenden, fürwelben, zuͦ einem deckmantel machen. Frisius (1556) 1050ᵇ, mit anführung des Virgilius, dessen Aen. 4, 500 gemeint ist.
5)
vorn hinaus wölben, durch wölbung hervortreten machen. Die schreibung fürwelben ist die ursprünglich richtige, denn in fürwölben steht ö für e. s. wölben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 947, Z. 33.

vorwölben, vb.

vorwölben, vb.,
unfeste zusammensetzung mit lokalem vor-, die älteres fürwölben bzw. fürwelben (s. teil 4, 1, 1, 932 und 947, vgl. auch mnd. vorwelven Lübben hwb. 534) in der sinnlich-räumlichen verwendung fortsetzt; der im frühnhd. überwiegende übertragene gebrauch ('zum vorwand vorbringen, vorwenden') ist schriftsprachlich geschwunden und findet sich nur noch in Schweizer maa. (s. schweiz. id. 1, 960 und Stalder 2, 444). — 'etwas (sich) nach vorn wölben (s. wölben teil 14, 2, 1238 [3]), bauschend aufschwellen':
wo ein günstiger fahrwind ... vorwölbt die ... segel
Pyrker s. w. (1839) 1, 34;
seine rechte backe war von einem groszen brotbissen vorgewölbt Werfel Barbara (1929) 351; alles an ihr (der pastorin) war abgezehrt und verschrumpft, nur der leib wölbte sich vor, eine krankhafte folge der niederkunft ders., d. vierzig tage des Musa Dagh 2 (1947) 389; der halbgeöffnete mund (Juliettes) wölbte sich vor ebda 127. oft findet sich das part. prät. attributiv gebraucht, im sinne von 'nach vorn bzw. nach auszen gewölbt (s. wölben teil 14, 2, 1239 [1 b]), rundlich, gewölbeartig erhaben', besonders von vortretenden teilen des körpers: die vorgewölbte stirn Lavater physiognom. fragm. (1775) 1, 103; er war hoch und kräftig gebaut; eine breite, vorgewölbte stirn, eine gerade, etwas dicke aber nicht unschön geformte nase, dazu sprechende feurige augen machten ihn zu einem auffallend hübschen burschen Levin Schücking staatsgeheimnis 1 (1854) 8 (ders.: rundvorgewölbte stirn verschlungene wege 1, 82 Brockhaus); Werner Rittersteg richtete die vorgewölbten augen demütig auf den mund des verehrten lehrers Feuchtwanger geschwister Oppermann 128 greifenverl.; die untere gesichtsgegend (des Neandertalers) war schnauzenförmig vorgewölbt (prognath) Behn vorgesch. Europas (1949) 14; vereinzelt auch sonst: in einem ganz neuen, ganz modischen frack, in spiegelnd weiszem, edel vorgewölbtem hemd (tritt Gritti, d. alte diplomat, ein) Werfel Verdi (1930) 59; das flackernde Hindenburglicht, das auf einem vorgewölbten höcker der lehmwand stand Plivier Stalingrad (1945) 68. gelegentlich, mit vorherrschen der verbalvorstellung, im sinne von 'vorgeschoben, vorgeworfen' (vgl. vorwerfen A 1 b): der baron ... taxierte kalt, satanisch sein opfer (duellgegner) mit verächtlich vorgewölbter unterlippe Josef Winckler der tolle Bomberg (1924) 74.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1951), Bd. XII,II (1951), Sp. 1959, Z. 16.

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Zitationshilfe
„fürwölben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrw%C3%B6lben>, abgerufen am 25.10.2021.

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