Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürwehr, fürwehren, f.

fürwehr, fürwehren, f.,
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 931, Z. 46.

vorwehr1, f.

¹vorwehr, f.,
mhd. vorwer mhd. wb. 3, 512ᵃ; Lexer 3, 484; propugnaculum ein bolwerck oder ein vorwere gemma gemmarum (1508) v 2ᵇ; preurbium vorwere, vorwer Diefenbach gloss. 458ᶜ; vallum vorwehr Schöpper synon. 109ᵃ Sch.-K.; propugnaculum ein vorwehre, ein bollwerck, pastey, vorschantz Calepinus dict. XI ling. (1598) 1175ᵇ; vorwehr, contrascarpa, it. propugnacolo Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1216ᵇ; vorwehr, propugnaculum Dentzler clavis ling. lat. (1716) 338ᵇ; vorwehr, 'eine vor etwas errichtete mauer, schanze etc., feindliche angriffe abzuwehren' Campe, mit einem beleg aus H. Sachs; bei Adelung fehlt vorwehr, vgl. auch Fischer schwäb. wb. 2, 1690.
1)
belege für fürwehr sind oben teil 4, 1, 1, sp. 931 nicht gegeben, vgl. daher: (sie hatten) ihnen ihre herrschafften, so sie an ferren enden hetten, zu einer fürwehr gemacht Xylander Polybius (1574) 280; (Wiburg) ist gleich als eine starcke fürwöre des gantzen lands Münster cosmogr. (1550) 983; s. auch unter 4 den beleg aus Schilling Berner chron.
2)
im engeren sinne der vorgeschobene teil einer befestigung z. b. einer stadt (daher die glosse praeurbium) oder einer burg, im gegensatz zu der stärksten hauptbefestigung; dann aber auch freier von jeder befestigung, die den ersten angriff des feindes aufzuhalten bestimmt ist: die wolverwart stat mit drey fast dicken mauren, polwercken und vorweren Seb. Franck chron., zeytb. (1531) 189ᵃ; die in euszern vorwehren gestanden, wurden zum theil hinlässig, begerten die statt auffzugeben Feyerabendt ungar. chron. (1581) 58ᵇ;
wir wöllen lassen untergraben,
die dritten mawer zu zertrennen
mit dem bock, und wöllen verbrennen
ir vorwehr
H. Sachs 11, 337 K.;
(Salzburg) gezirt mit vorweren und zinnen
22, 483.
damit sie die tammen (dämme) für ein wahl (wall), schantz und vorwehre brauchten Wurstisen Pauli Aemilii ... hist. (1572) 1, 347; ist alle vorwehr desz lägers in einem hui verbrennt worden Xylander Plutarch (1580) 82ᵇ; eine starcke vorwehr darvon (von gefällten bäumen) zugerichtet Beuther v. leben u. wesen der ... könige v. Dänemark, Sueden, Norwegen (1587) 24; und haben die Türcken alle vorwehren, die biszher Ungern gesichert, mit gewalt durchdrungen Rätel Curäi chron. v. Schlesien (1607) 249; des römischen heeres vorwehr, so sie an dem Saarstrom inhatten Moscherosch ges. 2 (1666) 33. — während in der älteren zeit vorwehr der heeressprache angehört, begegnet es später nur vereinzelt; im sinne von vorhut:
da ergrimmt ich im geist und drang aufwüthend zur vorwehr
Kanngieszer Tartaris (1811) 115.
grenzfestungen bilden nur immer eine schützenlinie, und selbst eine dreifache reihe bleibt eine schwache vorwehr Fr. L. Jahn 2, 446 E.ein flusz, ein see als vorwehr: (hat) zu einer vorwehr den flusz Gorgylum genommen Xylander Polybius (1574) 112; dann es hat an dreyen orten den see zur vorwehr Stumpf Schweizerchron. (1606) 391ᵇ.
3)
in weiterem sinne wird vorwehr in älterer sprache sehr oft auf eine stadt, ein land, auch ein volk bezogen, wobei die vorstellung des vorgeschobenen postens, der sicherung eines gröszeren gebietes, der ersten abwehr maszgebend ist: Teutschland sei nicht allein der kron Franckreich, sonder auch der gantzen christenheit vorwehr und festung Achacius chron. (1557) 378ᵇ; (Sardes) ein groszer schutz und schirm, darzu ein sonderliche vorwehr Plutarch (1580) 378ᵃ; (Belgrad) wider das türckisch unmenschlich wüten in sonderheit berühmte vorwehr Beuther a. a. o. (1588) 339; (Rhodus) ist gewesen eine vorwehre und schutzburg der gantzen christenheit Wedel hausbuch 77 lit. ver.; (Anklam) eine vorwehre, vormaur und gleichsamb contrescarpe der insul Usedom Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 72.
4)
in besonderer wendung wird der gegenständliche sinn des wortes aufgegeben, so dasz es im sinne von 'schutz, schirm, verteidigung' u. ä. gebraucht werden kann, doch kann sich dabei natürlicherweise die vorstellung des gegenständlichen wieder geltend machen: so wolten wir üwer brüderlichen lieb sölichen handel ... unenteckt nit lassen, mit ernstiger bitt, so doch unser fürwere üch frist und entladnus gipt, gütlichen daran zuͦ sin Schilling Berner chron. 262 Tobler; (die fechter) heben beide arme empor und brauchen sie zur vorwehr standtbuch (1609) 182; durch ein öffentlich gebot des königs Abimelechs als durch einen schild und vorwehr beschützet Dreszer isagoge hist. (1600) 58. — gegenständlich: ein christ sol und möge kein krieg füren und kein vorweer tragen noch brauchen Stumpf Schweizerchron. (1606) 763ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1906, Z. 26.

vorwehr2, n.

²vorwehr, n.,
vorgeschobenes wehr Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1907, Z. 41.

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Zitationshilfe
„fürwehr“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrwehr>, abgerufen am 25.10.2021.

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