Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

fürwerden

fürwerden,
vorüber werden, in das vorbeisein kommen, d. h. in das nichtdasein übergehn. im besondern:
1)
vorübergehn, vergehn, zu ende sein. früh mhd.
sô dër hunger wurte fure,
daʒ si denne fridelîchin mahten ire dinch wërven.
genesis 74, 11.
von einer zeit gesagt:
duo (da, als) fure wurtin dei guoten jâr,
duo bisaʒ (war unfruchtbar) diu ërde.
ebenda 62, 3.
nhd. alsbald unser frawentag ze der lichtmesse, der allschierost kompt, verruckt und fürwirt. Ulmer rathsbeschlusz v. j. 1410, bei Schmid 211.
2)
zu nichte werden. ahd. unde fore dir ist mîn wist (sein, wesen) samo sô nieht (gleichwie nichts). unz (so lange) ih hier bin, sô ist sî dara widere nieht, sô sî in futuro (in chunfte) fure wirdet. N. ps. 38, 6. dann: zu grunde gehn. nhd. ob ainer (der schiffleute) auf dem wasserstram der Salzach furwurde oder ertruncke. Lori bair. bergrecht 502, bei Schmeller 3, 147. von lebenden wesen auch: ums leben kommen, umkommen. jeder tail sagt, dasz (im gefecht) seiner feind am meisten für worden. Gemeiner regensburg. chronik 3, 356, 435, bei Schmeller 1, 555. das wort erlosch und gieng ganz in verwerden auf. dieses aber ist, in so fern es mit fürwerden in der bedeutung stimmt, nicht, wie Schmeller 1, 555 meint, durch enttonung des für geworden, sondern wirklich, wie ahd. farwërdan, firwërdan, mhd. verwërden, alts. farwërthan, ags. fo̰rveorđan zeigen, mit ver- gebildet. s. verwerden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 935, Z. 33.

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Zitationshilfe
„fürwerden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrwerden>, abgerufen am 04.12.2021.

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