Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fuszen

fuszen,
1)
zu fusze sich fortbewegen, zu fusze gehn. vueten vel gaen. aus einem lat.-nd. vocabular. vom j. 1420 bei Diefenbach 420ᵇ. noch schweiz. fuszen, zu fusze gehn (Stalder 1, 407), mit dem perf. ich bin gefuszet.
der herczog von Bemin hin infuʒt (zum kaiser)
und dy furstin alle gruʒt.
Dalimils chron. 73, 6, „intravit“ (Jacob Grimm).
vgl. unten 5).
2)
den fusz aufsetzen dasz er fest tritt oder steht und den aufrechten körper trägt.
a)
überhaupt von menschen oder thieren: figo vestigia, figo pedem, ich fus. Alberus dict. ll iijᵃ. wie ein blinder, der seinen gang nicht födert, er habe denn mit seinem stabe alle und ide tritte berühret, und, ob er fussen könne, vergewissert. Butschky Patmos 272; ihre füsse fussen auff der erde, ihre zungen sind himmlisch. Olearius pers. baumgarten 3, 2; mit der tragenden last recht fussen und fortkommen zu können. Felsenburg 1, 171; er ist sehr steil, an einigen orten so glatt, das man mit mühe fuszen kann. Friedr. Stolberg 9, 250. mit der praep. auf die den dat. regiert, oder mit darauf, worauf:
der boden selbst, auf dem du fuszen willst,
ist trügerisch, da drunten gährt die hölle.
Uhland ged. 229;
ich werde kommen! so nicht der himmel bricht, und die erde, darauf ich fusze, umschlägt. Chamisso 5, 199. aber auch mit dem acc. bei auf, genau genommen um den eintritt der thätigkeit anzuzeigen: dünne schaukelnde bretter, auf die man nicht sicher fuszen kann. Musäus physiogn. reisen 2, 127. zugleich gehört hierher die nachher unter 6) c) gesetzte stelle von Mathesius.
b)
weidmännisch von vögeln so viel als sich setzen: ... so ist bei der zippe in acht zu nehmen, dasz, obgleich dieselbe die pfeife vertragen kan bisz auf die trittreiszer, auch, wenn sie schon angefuszet hat, kan der vogelsteller noch immer ihm (dem vogel) die klutter hören laszen. Göchhausen notabilia venatoris (1741) s. 126. im engern sinne aber sagen die jäger von rebhühnern, wenn sich diese setzen, sie fuszen. forst-, fisch- u. jagdlex. 4, 380.
c)
von pflanzen so viel als einwurzeln, den standort haben: diese blume zieht ihren nahrungssaft in geheimen röhren des stengels aus ihren zwiebeln an sich, und diese fuszt mit ihren durchhöhlten wurzeln in dem erdreiche, hält den stängel und die blume und schickt ihnen die nährenden säfte des bodens zu. Gellert moral. vorl. 391. vgl. fusz II, 6).
3)
sich ansetzen, sich festsetzen: wo der aussatz schon gefuszet hat ..., so nutzt aderlassen. Wirsung arzneib. 511.
4)
sich stellen dasz der fusz auftritt. mit auf, das hier den acc. bei sich führt, oder mit darauf, worauf: und breche der tebelhohlmer (der teufel hole mich) das bein flugs mursch entzwey. ... als ich nun so ein biszgen drauf wieder fussen konnte u. s. w. Schelmufsky 1, 81.
5)
den fusz ansetzen zum gehn, fusz gefaszt gehn, den fusz auf- oder ansetzend streben. eigentlich wie bildlich:
soll er (gott) geben seinen segen,
lebet so, wie ihm geliebt,
fusset nach der warheit bahn,
dasz sich euer glaube stärcke.
Opitz (Breszlau bei Fellgibel) 3, 147.
vgl. 1). Schwäb. auch so viel als gut gehn, behend gehn. Schmid 211. dagegen bair. reflexiv sich fueszen (d. i. hochd. sich fuszen), eilen im gehn. Schmeller 1, 572 mit einer bair. redensart die ins hochdeutsche umgesetzt lautet der musz sich fuszen, wenn er heut noch heimkommen will. vgl. füszeln 2) und 3), und s. unten 9).
6)
steht das wort in angewandtem sinne und zwar
a)
mit in, auch wol an, meist aber auf, die den dativ bei sich haben, in dem: die stütze haben, den grund haben. vileicht können die aus nichts geschaffene hoffcreaturen wider zu nichts gemacht werden. ein teil wird ruinirt, weil ihr glückgebeu auf mehr zirlichen als festen seulen fusset. Butschky Patmos 369; ich fühle es nur zu sehr, dasz ich der sogenannten klassischen welt angehöre und eigentlich nur mit dem groszen zeh in der romantik fusze. Heinrich Voss briefe 1, 22; die dummheit wird nicht an der stelle der weisheit fuszen. 93. die speculation in wein fuszt, abgesehen von der qualität, wesentlich auch auf der menge der jährlichen produktion. Dünkelberg der nassauische weinbau (Wiesb. 1867) s. vi.
b)
häufiger mit auf, das den acc. bei sich hat, in dem: sich stützen, sich gründen. hier drückt, genau genommen, fuszen nicht, wie bei a), die vollendete thatsache, sondern das eintreten in diese aus. zwar finden sich acc. und dat. nebeneinander, also auch eingetretensein der thatsache, in folgender stelle: siehe also bleibt der glaube rein und ungeferbet, denn er fusset und gründet sich nicht auff mich selbs, noch meinem thun. Luther 6, 41ᵇ. aber die folgenden stellen haben allein den acc.:
ich fusz auf diese gunst und bring ihm etwas vor.
A. Gryphius 1, 262 (Stuart 1663);
doch kan man auf dieses so genau nicht fussen, dann die natur bisweilen aus dem gemeinen wege weichet. Butschky Patmos 466; fussen Sie doch auf eine so wunderbare nachricht nicht. Lessing 1, 238; da sind tausend dinge, auf die sich weiter fuszen läszt. 2, 151; dieses nun ist recht gut, um in Braunschweig auf etwas fuszen zu können, wenn man das nicht für mich thun will, was man gegenwärtig vielleicht zu thun gesonnen ... seyn würde. 12, 437; die bisher besprochenen epen, selbst jenes, das über Isengrin und Reinhard gedichtet ist, haben uns vielfach in alle fremde geführt: mit denen, die auf die deutsche heldensage fussen, treten wir wieder an heimischen stoff und heimathlichere art heran. W. Wackernagel gesch. d. d. lit. 200; mit einem solchen herzen voll streiche und fallstricke, dasz sich auf ihn (den herrn van der Kabel) nicht fuszen liesz. Jean Paul flegeljahre 1, 3.
c)
eben so häufig mit darauf, worauf, bei welchen adverbien mehr accusativische beziehung ausgedrückt wird, in demselben sinne, wie b): der hat, darauff er gewisz fussen und gründen kan. Luther tischr. 2ᵃ, vgl. auch 29ᵃ u. 232ᵃ; dasz unser lieber gott ein starken festen grund gemacht und geleget, darauf wir sicher und gewisz fuszen mögen. v, 84; dergleychen die urteyl, darauff sie fuͦssen, jnen selbst auffs höchst vergriffenlich und zuͦwider seyen. confutation B iiijᵃ; aber abgötterey schwebet in der lufft, pampelt und wancket wie ein rhor oder schwebende brücken, es lest sich auch nicht ergreyffen und gewisz drauff fussen. Mathesius Sarepta (1562) 144ᵃ; darauf jetzt etliche menschen steif fuszen. Plinius von J. Heyden von Dhaun (Frankf. 1584) 141; Lutherus sagt: die astrologia ist keine kunst. dann sie hat keine principia und demonstrationes, darauff man gewisz unwanckend fuszen und gründen könte. Schuppius 613; aus mangel eines festen grundes, worauf die natur fuszen konnte. Wieland 3, 397; das gedachte postulat, worauf die blos mechanische erklärungsart fuszt. Kant 8, 528.
7)
sich stützend vertrauen, festes vertrauen haben, sich unbedenklich verlassen. mit auf, das den acc. bei sich hat:
da gar kein steuermann
nicht angetroffen wird, auf den man fussen kan.
Opitz 2, 62;
ich fusze nicht wenig auf diesen wink. Claudius 5, 155. mit darauf, worauf: das ists eben, worauf ich fusze. Göthe 15, 27; worauf jedoch Eduard am allermeisten zu fuszen, wovon er sich den gröszten vortheil zu versprechen schien, war diesz u. s. w. 17, 354.
8)
transitiv verwendet in der bedeutung: zu bestand oder dauer gründen, überhaupt gründen. soll dem leibe wohl sein, müssen die füsze feststehen. alsdann findest du alle stände in einem wohlstand, wenn der ehestand im segen gottes wohl gefuszt und befestigt ist. H. Müller erquickst. 408. aber die praep. auf hat hier den acc.: er bemerkte von ihm (dem grundsatze) ganz richtig, dasz man seine wahrheit auf gar keine einsicht d. i. erkenntnisz a priori fusze. Kant 2, 571. danach dann
9)
reflexiv sich fuszen, sich stützen, sich gründen. vgl. Höfer 1, 255. mit der praep. auf, die hier den acc. erfordert: Ottocaro war es leicht, sich auf das jus belli zu fussen. Hahn hist. 5, 24. besonders ist dieses reflexivum bei Kant beliebt: da die absolute totalität der reihen der bedingungen in der sinnenwelt sich lediglich auf einen transcendentalen gebrauch der vernunft fuszet, welche u. s. w. 2, 406; um seinen grund recht sicher zu legen, fuszet sich dieser beweis auf erfahrung. 466; fuszet sich sein gegner auf subjective gründe, so ist er freilich leicht zu widerlegen. 594; dieses vermögen (die vernunft), da es sich nicht auf erfahrung fuszt, noch fuszen kann. 3, 195; alle philosophie, sofern sie sich auf gründe der erfahrung fuszt. 4, 4; der, welcher aus diesem grunde (nemlich der billigkeit) etwas fordert, fuszt sich auf sein recht, nur dasz ihm die für den richter erforderlichen bedingungen mangeln. 5, 34 (rechtslehre 1798 s. xxxix); solange ihr noch die möglichkeiten durch den satz des widerspruchs bewähret, so fuszet ihr euch auf dasjenige, was euch in dem dinge denkliches gegeben ist. 6, 32; so wird dieser (ein gemeinsinn) mit grunde angenommen werden können, und zwar ohne sich desfalls aufs psychologische beobachtungen zu fuszen. 7, 86. nur selten mit dat. bei auf: dieses (das völlig äuszere recht) fuszt sich deshalb auf dem princip der möglichkeit eines äuszeren zwanges u. s. w. 5, 33. Verschieden davon ist sich fuszen unter 5).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1020, Z. 7.

fuszen, n.

fuszen, n.
der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums. nach der unter diesem bei 2) angegebenen bedeutung:
vorüberreiten ist hier nicht geheuer,
denn platz zum fuszen hat der renner kaum.
Gries Ar. 35, 49.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1022, Z. 12.

füszen

füszen,
würde mhd. vüeʒen lauten, kommt aber eben so wenig vor, wie vuoʒen (s. fuszen). es steht
1)
transitiv, in der bedeutung: mit füszen versehen, mit füszen ausstatten. hier findet sich blosz das part. praet. gefüszt: ain graben springer und nacht gespenst lang gefuͤst alsz ain stock. Wirsung Cal. (1520) F 4ᵇ. besonders als letztes wort in zusammensetzungen:
die bokgefüsten füsse.
Claj bei Schottelius 884, s. fusz I A 6);
der ziegengefüszete pausback
zwingt den heiseren ton wild aus dem schmetternden horn.
Göthe 1, 347, 1;
schlängelchen scheinen sie gleich, doch viergefüszet.
366, 67;
der schnellgefüszte tolle prinz von Wales.
A. W. Schlegel Heinr. d. vierte I, 4, 1.
in angewandtem sinne: zur grundlage versehen oder ausstatten. gleich wie der epheu sich wikkelt und windet, also bekwehmet er sich auch mancherley menschlichen eigenschafften zum sinnbilde. das er die beume umfähet und durch ihre handbitung emporstrebet, füget sich auf ehrliche gemütter, die mit vermögen nicht wohl gefüsset seyn und deswegen sich bey grossen herren einschmigen. Butschky Patmos 707. mit unterdrückung des umlauts auch wol gefuszt.
2)
intransitiv und bedeutet
a)
mit den füszen ausschlagen:
wider den stachel, spricht der herr,
zu füszen, werde Paulo schwer.
Opel u. Cohn der dreiszigj. krieg 56, 212.
b)
sich stützen, sich gründen. vgl. fuszen 6) b) u. c): es ist alles wider jn, daruff ein mensch möchte füssen. S. Frank ... 2, 110ᵇ;
dieweil sie (die mönche) gottes wort verliessen,
darauff der gottes dienst sol fuͤssen.
Fischart von sanct Dominici R 2ᵃ.
auf etwas füszen. Olearius pers. baumgarten 7, 24.
3)
reflexiv: sich füszen, sich beziehen. nemlich fürs erst darumm, dasz der ... text sich eben so wol auff die pfaffen ... reimet unnd füsset. Fischart bienenkorb 136ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1022, Z. 17.

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Zitationshilfe
„füszen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCszen>, abgerufen am 02.12.2021.

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