Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

fütterchen, n.

fütterchen, n.,
dim. von futter (s. d.).
I.
von nahrung für menschen oder thiere, um auszudrücken, dasz dieselbe aus wenig bestehe, oder in traulicher sprechweise. einem das fütterchen höher thun. hierher scheint auch Wilhelm Grimm das in beziehung auf ein gewünschtes frauenzimmer sprichwörtliche ein fütterchen unter etwas sein zu setzen, wenn er ein fütterchen unter mein peltzgen bei aufzeichnung der hernach folgenden stelle aus Weises erznarren durchetwas für meinen schnabelerklärt, und unten die stelle aus der insel Felsenburg würde schön passen, dennoch möchten die stellen unter II 2) gehören, wofür auch die daselbst weiter angeführten sprechen werden.
II.
1)
von einem kleinen anpassenden überzug über etwas zu dessen schutz und verwahrung. ein fütterchen für eine vorstecknadel, einen ring u. s. w.
2)
von dem womit ein kleid, ein kleidungsstück oder überhaupt ein bekleidungsstück inwendig bezogen oder überzogen ist oder wird, wenn es wenig oder geringhaltig ist, oder auch in traulicher sprechweise. das ist ein schönes fütterchen für den rock. sprichwörtlich, wie vorhin bemerkt, in beziehung auf ein frauenzimmer, das sich ein mann sehnlich wünscht, ein fütterchen unter ein pelzchen, einen brustlatz sein, ein fütterchen für jemand, für einen brustlatz sein oder werden, für jemand aufs beste passen, für jemand aufs beste anstehn, jemand schnlich wünschenswerth sein, ursprünglich wol so viel als zum an- oder beiliegen begehren oder wünschen. danach gehörte denn die sprichwörtliche redensart um so mehr hierher. zuerst erklärt findet sie sich bei Rädlein 316ᵃ, wenn er disz wäre ein füttergen unter seinen beltz mit dem beisatze disz weibsen (frauenzimmer) stünde ihm an hat und ital. und franz. übersetzt questa fanciulla (donzella, donna) l'accomoderebbe benissimo, farebbe per lui, sarebbe il fatto suo, cette fille (femme) l'accommoderoit bien, lui reviendroit bien, seroit bien son fait. weil ich nun des courtoisirens schon lang gewohnet war, dacht ich, da würde auch ein füttergen unter mein peltzgen seyn. Weise erznarren 80; dessen tochter schien ein füttergen vor meinen brustlatz zu seyn. dessen polit. näscher 163; wer was finden will, der musz was suchen: ich höre, dasz ein freyes wittweibgen in der nachbarschafft wohnt, die möchte sich wohl als ein delicat füttergen unter meinen brustlatz schicken. dessen körbelmacher 159; herr, aus allen umständen kann ich mercken, dasz mir ein reich mädgen bescheret ist. wolt ihr nicht in spiegel sehen, dasz ich nur weisz, an welchem ende der welt meine seele das füttergen unter ihrem brustlatze finden soll? dessen freim. redner 323, = unter ihrem brustlatze sie als das fütterchen d. h. die unter meinen brustlatz aufs beste passende, sehnlichst gewünschte für mich; wenn der eigensinnige man in Leuwarden seine frau nicht wieder haben wolte, solte das nicht ein schön fütterchen vor mich werden können, denn sie war ... ein ungemein schönes bild. Felsenburg 3, 143.
3)
was futter II 3).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1077, Z. 39.

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Zitationshilfe
„fütterchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCtterchen>, abgerufen am 27.10.2021.

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