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Fundstelle: Lfg. 6 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1427, Z. 79
error, lapsus, mendum, vitium, nach sinnlicher unterlage, wie sie die hernach folgenden zusammensetzungen mit fehl kundgeben.
1)
es erscheint schon bei Keisersberg in der redensart 'einen fäler schieszen': wenn sie komen an ir letzst end und mainen si haben samat gespunnen, so ist es zwilch, und wenn si mainen einzugeen mit den jungen weisen junkfrawen, so schieszen si ainen fäler. geist. spinnerin e 6ᶜ; ich wolt gaistlichait suͦchen, so hab ich die welt funden, ich hab ainen fäler geschossen. has im pf. F f 4ᵃ; auch nit einen fulen, verlegnen, schelmigen, tregen, lassen leutschen oder dorfhunt mit dir nemmest, wenn du uf den weg kemest, und wenest gar ein guͦten hunt haben, dan sehest du was hunds du hettest mit dir genomen, das du einen feler hettest geschossen, mit dem du verdürbest. bilger 140ᵇ;
und dacht im 'das ich schiesz kain fäler!'
Kellers erzähl. 105, 22;
der wirt warlich ein feler schieszen.
Schade sat. und pasq. 2, 204,
hergenommen vom schieszen und nicht treffen mit dem bogen, vgl. einen fehl schieszen sp. 1421, einen blinden oder bock schieszen. 2, 124. 203.
2)
gleich alt sein wird der fehler in einem glücksspiel, die niete, sors inanis, gegenüber dem treffer, tessera felix: so wenig ich sonst zu freude und leid geneigt bin, so möchte ich doch selber gerne wissen, ob ihr losz unter den treffern oder fehlern stehen würde. Gellert 3, 257; wie in einen losztopf greifst du in die dunkle zukunft, was du fassest ist noch zugerollt, dir unbewust, seis treffer oder fehler. Göthe 8, 256.
3)
ein leiblicher, angeborner fehler, pravitas corporis, ein fehler im herz, am auge, am fusz, am finger, der fehler zu stammeln, ihre stimme hat den fehler zu zittern; da liegt, da steckt der fehler.
4)
fehler im lesen, schreiben, rechnen, drucken; fehler in der zeichnung; ihre sonst gewisse hand zeichnet fehler auf das gespannte papier. Thümmels Wilhelmine 42; es wimmelt alles von fehlern. s.druckfehler, ↗lesefehler, ↗rechenfehler, schreibfehler, sprachfehler.
5)
fehler in der wand, vitium in pariete, das haus, die mauer hat den fehler zu schwitzen.
6)
geistiger, sittlicher fehler: es ist ein kleiner fäler, parum delicti est. Maaler 129ᵈ; einen fehler begehen, in einen fehler fallen; einen fehler bereuen, ablegen, wieder gut machen, beschönigen, bemänteln; ein mann wird recht gut mit ihnen fahren, wenn sie diesen fehler ablegen wollen. Gellert 3, 237; ich habe meiner frau den fehler schon vergeben. 3, 260; so will ich nicht selbst in diesen fehler fallen. J. P. papierdr. 1, 25; damit hast du einen groszen fehler gemacht; ich weisz mich von diesem fehler frei; ein mädchen, die von den meisten fehlern unsers geschlechts frei ist. Gellert 3, 203; freigebigkeit ist eben sein fehler nicht;
das schmerzt. denn argwohn ist so wenig sonst
mein fehler.
Lessing 2, 310;
es ist ein nur zu gemeiner fehler junger leute, dasz sie glauben, man lebe von der liebe. Weisze lustsp. 1, 120; verzeihen sie meinem geschwätze, es ist einmal der alten fehler. jubelhochzeit 79; einseitigkeiten, welche als mängel anzusehen sind, wenn die natur den künstler dergestalt beschränkte, als fehler, wenn er mit vorsatz in dieser beschränkung verharrt. Göthe 38, 127. hier steht mangel als das natürliche gebrechen dem selbstverschuldeten fehler gegenüber, obgleich sonst auchmangel einen natürlichen fehler bezeichnen kann, wie man z. b. von den hauptmängeln der pferde redet. wir sahen aber, dasz in fehlen der sinnliche begrif des irrens vorwaltet, der des mangelns sich erst daraus ableitet.
Zitationshilfe
„fehler“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/fehler>, abgerufen am 16.06.2019.

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