ficken
Fundstelle: Lfg. 7 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1617, Z. 66
fricare, ein wort, dessen ahd. und mhd. keine spur erscheint, sie taucht aber in der mundart eines stücks von Karlmeinet auf:
we hei mit sime helme
geink ficken in dem melme.
79, 44;
den schilt hei vur sich druckede,
mit sporen hei do vickede
dat rabiʒ (mhd. ravît).
119, 51,
wo Bartsch s. 342 dem reim gemäsz ruckede lesen will, bei ficken in dem melme liesze sich freilich an fr. ficher, mhd. fischieren denken, so dasz in beiden belegen noch unsicherheit obwaltet. deutlicher sind nhd. stellen: zuͦm vierden wirstu sehen rechte und billiche haltung seiner gelider, so er steet, das er nit fick (scharre, kratze) an den füszen, so er sitzt, das er nit auf den ellenbogen lige, und so er ligt, das er seine gelider ordenlich haltet, so er redt, das er nit mit den füszen tritt oder mit der hand umb sich schlacht. Keisersberg schif der pen. 30ᵈ; in den nüwen schuͦen get man gar übel, sie zerficken einem die füsz. bilger 90ᵃ; welcher wil uber feld gon, der sol luͦgen, das er die schuͦ vor acht tagen oder lenger hab getragen, denn ist guͦt darin gon, sonst ficken sie im blotern (reiben blattern, blasen). 93ᵇ; indem sie sich bewegen, mit den hufen der füesze daran reiben und ficken. Uffenbach 1, 169; dies pulfer heilt die geschwär, item wo einen die schuch geficket. Forer 52ᵃ; schäden aus ficken und reiben empfangen. Wirsung 298. aus den glossaren ergibt sich: ficken fricare, wider aufficken refricare, hinein ficken infricare, wol ficken perfricare, zuͦmal ficken, confricare. Dasypodius 327ᵇ; fricare, kratzen, riben, jucken, ficken. Frisius 585ᵃ; perfricare vast ficken. 979ᵇ; ficken, vast ficken, fricare, defricare. Maaler 135ᵈ und danach Henisch 1093; figgen, fieggen, reiben, hin und her rutschen. Stalder 1, 368; fegga, figga, riba. Tobler 179ᵃ; dhosa feggid mi, dasz i of (auf, ofne haut, wunde haut) öberchomm; an etwas ficken, figken, reiben, ein thier mit der ruthe, peitsche ficken, ihm einen kurzen streich versetzen, mit den augen ficken, die augenlider schnell auf und ab bewegen (zwicken, zwinken, zwinkern). Schmeller 1, 510; auf dem stuhl herum ficken, hin und her fahren, das kleid verficken, abwetzen, sich am fusz, an der hand aufficken, aufreiben. Höfer 1, 214;
lieb mich nicht anders wie ich dich,
wenn ich dich kreb, so fick du mich.
Eyring 2, 107,
ein dienst ist des andern werth, wenn ich dich kraue (krieble), so sollst du mich kratzen. die allgemein bestehende obscene bedeutung von ficken futuere bezeugt schon Mich. Lindeners rastbüchlein 1558 a 7. auch engl. fuck (in den wbb. meist ausgelassen). vgl. fiedeln. Kaum zu glauben ist, dasz ein in den letzten drei oder vier jahrhunderten feststehender und in das volk gedrungner ausdruck früher sollte ungekannt gewesen sein, wenn auch das zeugnis aus Karlmeinet bestritten werden kann. von fricare, mit getilgtem r, wird man ficken nicht herleiten, auch nicht von figere, it. ficcare, fr. ficher, beidemal gebräche lautverschiebung, die sich darböte, wenn man auf piccare, piquer zurückgienge, weil der vorstellung des stechens, stoszens die des reibens nahe liegt. noch besser denkt man aber an fegen, schön reiben (sp. 1412), das auch hin und her fahren, wischen bedeutet und an fahen gemahnt, gleich dem folgenden fickfack, vgl. ficke, ohrfeige, ohrfege, wobei auch Toblers fegga für figga zu erwägen ist. hier sei noch das engl. fidge und fidget erwähnt, welche sich zu ficken, wie edge zu ecke, bridge zu brücke verhalten. selbst fechten scheint anzurühren: das figget mich nicht, was figget dich das? Stalder 1, 368; das fickt mich an. Schm. 1, 510 statt ficht, wie Maaler 135ᵈ schreibt: die liebe ficht mich an, appetit me amor. vgl.fatschen, ↗fitschen, ↗futschen undfitzen.
Zitationshilfe
„ficken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ficken>, abgerufen am 08.12.2019.

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