fingern
Fundstelle: Lfg. 7 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1659, Z. 58
digitis tangere, nnl. vingeren, in verschiedner anwendung:
1)
palpare, contrectare:
die alten sich verjüngeren,
wan sie die mädlein fingeren.
Weckherlin 781;
beim frauenzimmer ist das fingern gefährlich. Stieler 485;
und um den nacken der mädchen zu fingern.
Wieland 16, 30;
eftmals hab ich auch schon in ihren armen gedichtet,
und des hexameters masz leise mit fingernder hand
ihr auf dem rücken gezählt.
Göthe 1, 265;
der doctor streichelt sich und eilt in Fritzens zelle,
er fingert um den puls, erwegt auch alle fälle.
Hagedorn 2, 97;
ein fingernder doctor besalbt mir den leib.
3, 74;
er fingert lang an seiner schäfertasche.
Wieland 10, 64.
2)
tractare fides, auf den saiten, auf der geige, flöte fingern: er kann wol geigen, aber nicht fingern; mhd.
ouch kunde ëʒ die seiten
vingern und bereiten.
Herbort 9333;
es ist doch besser redn als pfeifn,
dieweil es nicht vil fingerns darf.
Ayrer fastn. 54ᵃ;
Florian der gute pfeifer
gieng ümm Ruszlands gröszte stadt,
und solang er fingern kunte,
sang er, wie er stets begunte.
Fleming 376;
bei meiner violon,
da krieg ich einen süszen ton
durch sanftes streichen und durch fingern.
Menantes 1, 257;
mein viole d'amour will nit mehr klingen, ich mach auch was ich wolle. 'vielleicht hat sie einen catharren an denen fingeren, fingert nit wol'. Callenbach uti antehac s. 74;
frisch! nimm die flöte her, du must mir etwas fingern
geschwinde spiele mir das liedchen mit den springern,
ich hör es gar zu gern.
Rost schäfergedichte 147;
mit der linken fingert er auf seinem haberrohr. Fr. Müller 1, 180.
3)
digitis effingere; die schwierigkeit aus einem so spröden leim gerade das bild, das ich haben will, heraus zu fingern. Wieland an Merk s. 193.
4)
digitis monstrare, fingerdeuten: er hat lange hinaus ins meer gezeigt und gefingert. Claudius 4, 113. schon mhd. von einem der sich stumm stellte:
unde sich sëlber an nam
durch ein valsche eselkeit,
daʒ sîn sprâche was geleit
und wolde stête swîgen,
vingern und nîgen
pflac ër vor die zunge.
pass. K. 520, 92.
5)
tradere, zufertigen: fingre ihm hurtig das fertige todesurtheil in die hand. Fr. Müller 3, 220.
6)
digitos amputare, digitis truncare:
also sind sollich usz dem orden
gefierteilt, köpft und gefingert worden.
Gengenbach 401.
7)
sich fingern, in digitos dividi, sejungi: die hand fingert sich; der baum, die pflanze fingert sich; blätter fingern sich, wachsen in fingerform, stehn auf der spitze eines stiels zusammen;
sam vil der jâr, als sich ein hant gevingert.
Albr. Tit. 2866.
s. abfingern, befingern.
Zitationshilfe
„fingern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/fingern>, abgerufen am 12.11.2019.

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