Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

fink, finke, m.

fink, finke, m.
fringilla. ahd. fincho, finco (Graff 3, 527), mhd. vinke (Renner 19433. Heinzelein 626), nhd. schwankend zwischen starkem fink und schwachem finke, man setzt aber auch finke f. fürs weibchen, nnl. vink, ags. nur finc, nicht finca, engl. finch, schw. fink, dän. finke finkens. ob schon ein goth. figks oder figka galt, wissen wir nicht. it. pincione, sp. pinzon, fr. pinson (in mundarten pinchon, pinchard, prinçard, quinçon), armor. pint und tint, welsch pinc, auch in Northamptonshire pink und spink (Baker 2, 115). estn. wink, böhm. pěnkava f., ungr. pinty, pintyöke. diese formen scheinen alle verwandt. fringilla würde bei ausgestosznem r den übrigen nahe treten, lautverschoben aber fring ein deutsches brink oder bink werden, wie frango, confringo brika, breche. für sich betrachtet führt unser fink gerade zu auf die wurzel finken fank funken, der laut fink ergänzt die ablaute in fanke (sp. 1317) und in funke, also würde finken ausdrücken funkeln, leuchten, glänzen und das gefieder des brandfinken (fringilla flammea), des goldfinken bezeichnen, ja nach Nemnich 1657 gibt man in Östreich dem fink den beinamen 'wilds feuer'. bedeutsame mythen berichten von feuerbringenden vöglein (Kuhn herabkunft des feuers s. 31. 104), nach einer volksage in der Normandie trug zaunkönig (réblos, reblet) das feuer vom himmel. Pluquet contes populaires de Bayeux p. 44 und Bosquet traditions 220. 221. was könnte der ableitung unsers finke aus finken leuchten besser zusagen? passend schiene freilich auch, dasz der vogel nach seinem ruf oder schrei 'fink fink! bink bink! penk penk!' heisze, dem fringilla, frigilla zur seite steht fringutire, frigutire (nur nicht mit Festus: avis dicta quod frigore cantet et vigeat!), ungr. bedeutet pintyegek ich binke wie ein fink und der an jenes spink mahnende gr. name σπίζα oder σπίνος stimmt zu σπίζειν, pipen, pfeifen. wir finden aber unzählichemal, dasz die vorstellungen des schalls und lichts einander begegnen. wäre nun fink die durchsichtigste, echteste gestalt des namens, so schiene er von uns her ins romanische, wie ins böhmische und estnische übernommen, denn pincione läszt sich nicht unmittelbar auf fringilla führen. das on, one schickt sich zu unsrer schwachen beugung. skr. kalavinka passer (Böhtl. 2, 155) lasse ich aus dem spiel.
1)
fink gilt für einen zierlichen, lustig zwitschernden vogel:
flüchtig und flink,
frei wie der fink
auf sträuchern und bäumen
in himmelsräumen.
Schiller 323ᵇ.
als grafen Eberhart von Würtemberg bald nach einer gewonnenen schlacht im j. 1388 seines urenkels geburt verkündet wurde, rief er freudig aus: 'sei es gott gelobt, fink hat wieder samen!' Stälin 3, 347. Fischart führt unter den spielen Garg. 169ᵇ eins an, dessen verhalt jetzt nicht mehr bekannt ist: 'wie gibst du den finken?'; Fibel und der finke schrien erbärmlich und jeder anders. J. P. Fibel 18. nnl. hij luistert als een vink, was sowol heiszen kann: glänzt, leuchtet, als lauscht, hört scharf wie ein fink. wer finken fangen will, musz ihnen zuvor körnen.
2)
verschiedentlich aber wird geredet von bösen, losen, leichtfertigen, groben finken (wie vögeln):
darumb lâʒen wir sus
die bœsen finken sorgen
dën âbent und dën morgen.
LS. 2, 678;
der selb mag sein von groben finken.
Ferber O 1ᵇ;
kam der losen finken und landstreicher einer. Kirchhof wendunm. 446ᵃ.
3)
studentisch, ein fink, muthloser, der sich nicht paukt, oder keiner verbindung angehört. s. blutfink, brandfink, distelfink, flachsfink, goldfink, lockfink, mistfink, rothfink. ags. goldfinc, ragofinc. engl. goldfinch, chaffinch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1663, Z. 42.

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Zitationshilfe
„finke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/finke>, abgerufen am 08.03.2021.

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