fracht f
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 46, Z. 21
naulum, vectura, merces vecturae, ahd. frêht, freiht, nnl. vracht, nhd. fracht, engl. freight (ei wie in eight, acht), schw. frakt, dän. fragt, mlat. fretta, frecta, frectagium (Ducange 3, 407. 411), fr. fret, sp. flete (wer erkennt darin fracht?). goth. ags. alts. mnl. mhd. altn. fehlt der ausdruck. das ahd. frêht (Graff 3, 817. 818) bedeutet nicht naulum, sondern meritum, wie aber die lat. merx und merces beide von mereri abstammend, sowol die zu gewinn geladne waare als den lohn der ladung bezeichnen, so ist auch für frêht der übergang in fracht leicht zu erkennen. ahd. fergôn wurde 3, 1530 zu precari gehalten, womit es umgestellt in fregôn noch näher stimmt, nhd. fergen drückte aber ganz besonders aus vehere, convehere, transportare, wozu sich frêht ohne zwang gesellt, frêht verhielte sich zu ferht wie engl. wright zu ags. vyrhta, engl. wrought zu ags. vorht. precari ist fordern, prex forderung, bitte, precium, pretium der geforderte, verdiente lohn, der preis, also pretium = meritum, merces, und merx ist die für lohn eingenommne waare, die fracht. naulum (von navis), it. nolo, hiesz ahd. feriscaz, ferscaz (Graff 6, 558), wie altn. ferjutollr, was dem schiffer gezahlt wird, man könnte ferio, mhd. verge nauta statt von ferian überfahren von jenem fergôn vehere herleiten, aber auch farjan, ferian ist vehere, remigare (Graff 3, 587). ebenso teuschend ist der anklang des lat. fretum und transfretare, man müste denn aus ihnen frecta, fretta, fracht abstammen lassen und die verwandtschaft des ahd. frêht leugnen. über frêhtôn vergleiche man noch eine nachher unter fragen gemachte bemerkung. fracht steht zu frêht ungefähr wie acht zu echt (octo), wie achtwort zu echtwort und scheint der nhd. sprache aus der nd. nnl. zugeführt. es bedeutet uns
1)
den lohn oder preis der überfahrt, des transports, das verdienst des schiffers oder fuhrmanns, merces, pretium nautae vel aurigae, vectura, vgl. 3, 1530 fergen auf der achse oder zu wasser, auf wagen oder schif. die fracht bezahlen, eine hohe oder niedere fracht; dem fuhrmann die fracht zurückhalten; die fracht wird immer theurer, übersteigt den werth der waare.
2)
die ladung selbst, onus, vehes, merx, waare. der fuhrmann sagt: ich habe erst halbe, noch keine volle fracht; mit voller fracht fahren; fracht suchen, bekommen;
setz Josten in ein schif und lasz die winde los,
die seiner reichen fracht den untergang bestimmen.
Dusch verm. werke 459;
wenn dann vielleicht der wellen schwarzer rachen
den frachten droht und mast und kiel ereilt.
Hagedorn 1, 11;
bildlich für last: du hast dir zu schwere fracht aufgeladen; jetzo hat sich der philosophische handel die höchste bedingung seiner fracht, eine meerfreiheit erobert, wie sie bisher niemals in Deutschland war. J. P. nachdämm. s. 67.
Zitationshilfe
„fracht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/fracht>, abgerufen am 14.10.2019.

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