fragen
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 49, Z. 18
quaerere, interrogare. das wort ist aber ganz anomal gebildet. wenn ein goth. fraihan frah frêhum fraihans durchgeführt wäre, schiene alles in ordnung, doch nur die drei formen des praet. sind so vorhanden, im praes. wird n eingeschaltet, ganz wie bei den gramm. 1, 854. 4, 23 aufgeführten intransitiven medialer bedeutung. es steht demnach fraihna fraihnis fraihniþ und nicht fraiha fraihis fraihiþ, imp. fraihn und nicht fraih, inf. fraihnan, nicht fraihan, gerade wie gesagt wird veihna, lifna, fullna, aukna. allein diese verba nehmen schwache praeterita an, veihnôda, fullnôda, auknôda, abweichend von frah, wofür kein fraihnôda vorkommt. auch hat fraihnan keinen intransitiven sinn, sondern gewöhnlich den acc. der person, gen. der sache bei sich. gafrêhun drückt Marc. 2, 1 aus audiverunt, compererunt. ahd. hat sich das nemliche n nur im 'dat chafrëgin ih' des Wessobr. gebets bewahrt, was doch mehr fando accepi, comperi bedeutet als interrogavi. den vocal der wurzel setze ich ë an, wegen des goth.und des alts. fragn, frugnun, die auf frignan zurückgehen. auch ist e hier undenkbar, da im praes. kein a vorkommt, es wäre jedoch ungebrochnes chafrigin zu erwarten gewesen. weiter findet sich aber keine ahd. form dieser art und ein mhd. gefrëgete bei Herbort 4368 bleibt unsicher, weil daneben frâgete 8082. 17838 vorkommt. auch Renner 14872 steht frëgen. selbst noch später bei H. Sachs erscheint fregen : verwegen und nach Schmeller (mundarten §. 948) blieb fregen (freigng) nördlich der Donau im gebrauch. von einem solchen frignan oder frëgnan, die selbst nicht erscheinen, begegnen alts. die praeterita fragn pl. frugnun, gifragn, gifrugnun, umgestellt in frang, frungun und mit ausgeworfnem g fran, frunun. hier sehen wir das n überall eingedrungen und falls die form organisch wäre, liesze sich sogar auf ein älteres goth. frahn schlieszen, das sich in frah abgestumpft hätte. hierzu stimmt ags. frignan, praet. frägn, pl. frugnon, part. frugnen und wieder umgestellt fringan frang frungon und mit ausfall frinan fran frunon. noch altengl. gilt freine, interrogare. ohne n bestand aber auch ags. fricgan mit dem part. gefrugen, was ein praet. fräcg forderte. altn. frëgna, percontari, audire, praes. frëgn audio, praet. frâ, pl. fregnum = goth. fraihna, frah, frêhum. der abfall des kehllauts ist wie in sâ = goth. sahv, der pl. sollte frâum oder frâgum lauten, das n wird auch hier für die praeterita getilgt. neben frëgna gibt es aber ein abgeleitetes frëtta, praet. frëtti, dem auf gothisch fraihtjan, fraihtida zu entsprechen hätte. schw. und norw. dauert fretta, dän. fritte bis auf heute fort und altn. frëtt ist interrogatio, responsum oraculi, den buchstaben nach liesze sich zu frëtta jenes ahd. frêhtôn mereri stellen, das vorhin dem lat. precari verglichen wurde. bitten und fragen sind aber verwandte vorstellungen. Alle bisher besprochnen wortgestalten verleihen dem praesens ein i oder gebrochen ë, goth. aí. nun aber treten noch andere, heute vorherschende ein, die dem praesens â = goth. ê geben, was doch nur aus dem pl. praet. eingeführt worden sein kann, ungefähr wie neben das subst. gëbe donum ein gâbe tritt. dem ahd. frâgên, frâgêta, mhd. vrâgen, vrâgete, nhd. fragen fragte, alts. frâgôn, frâgôda, nnl. vragen, vraagde läszt sich kein goth. frêhôn oder frêhan, kein ags. frægan, gefrægan, kein altn. frâga zur seite setzen, so möglich sie wären. schw. gilt fraͦga, fraͦgade. der ins praes. vorgedrungne a laut hatte gleichwol nhd. und nnl. noch eine andere folge, er kürzte sich, oder vielmehr seit die quantität nicht mehr gefühlt wurde und a sich mit â mischte, war die sprache verleitet fragen nach analogie von tragen, dragen, schlagen, slaan zu behandeln und ihm das höchst unorganische praet. frug, nnl. vroeg (nd. frog Danneil 57ᵃ, fraug Schambach 278ᵇ) zu ertheilen, ganz wie die volksprache für jagen, jagte sich ein jagen jug, nnl. jagen joeg bildet. gleichen anlasz hat in der zweiten und dritten person des praes. frägst und frägt, jägst, jägt, nach trägst, trägt, schlägst, schlägt, wobei kaum der alte elaut von fregen nachwirkt. ohne zweifel sind fragen fragte, jagen jagte und im praes. fragst fragt, jagst jagt sprachrichtiger. hier folgen belegstellen für beide fehler. Luther schrieb stets fragt und fragte. auch im 17 jh. Fleming und Olearius nichts anders, desgleichen Gellert und Lessing. im 18 jh. tauchen die fehler auf, zumal bei Niederdeutschen, einzelne schriftsteller schwanken: 'er fragt', für fraget, interrogat, von fragen, nicht er fräget, du frägest, wie die Niedersachsen gern sprechen'. Freyer anweisung zur teutschen orthographie. Halle 1722 s. 279. es half nicht, dasz beide, Gottsched und Adelung, sich gegen frägt und frug erklärten:
du frägst ja wunderlich, kann ich dirs dann verwehren?
Dusch verm. werke 469;
noch dreimal frägt sie, soll ich? und dreimal spricht er ja!
189;
gleich frägt der mann: erstreckt sich der gebrauch
auf sonn und festtag auch?
Wagner confisk. erz. 16;
für dich, der lieber nach dem ersten veilchen frägt,
als nach dem ersten austerfasse.
Kl. Schmidt poet. br. 112;
da kam der sohn ganz überquer
gestolpert über sterne her
und fragt (so), was zu befehlen!
der vater frägt ihn, wo er stickt?
Göthe 56, 23;
indem man nun von dem vergangenen und gegenwärtigen spricht und sodann frägt, was denn ferner wünschenswerth wäre. 43, 325; man frug mich, wie ich das anfangen wollte? Liscov vorr. s. 10; er frug mich neulich ganz höhnisch. 70; ich frug sie gleichsam, wie läszt mir das? 79;
was seufzest du? frug Milon.
E. von Kleist 1, 77;
frug man ihn.
2, 121;
frug Minos eine matrone.
2, 140;
frugst du ihn nicht, woher und wer er ist?
Joh. Heinr. Schlegel Thomsons Coriolan 152;
gleich frugen sie ihn alle,
ob ihm das bild noch nicht gefalle?
Burmann fabeln 4;
woher patron? frug Traps, des dorfes matador.
36;
sie wollte gestern früh zu jenen einzeln buchen
nach frischen veilchen gehn, ich wollte gleichfalls suchen
und frug, gefällt dirs auch, darf ich wol mit dir gehn?
Dusch verm. werke 469;
ich forscht und frug an jedem thor,
allein der dieb fand nirgend sich hervor.
Willamov dial. fabeln 66;
so früge ich auch nichts darnach. Herder bei Merk 1, 40;
frug da dein kleinmuth auch die götter erst um rath?
Gotter 2, 32;
sie frug den zug wol auf und ab
und frug nach allen namen,
doch keiner war der kundschaft gab
von allen, so da kamen.
Bürger 13ᵇ;
niemals frug ein kaiser nach mir, es hat sich kein könig
um mich bekümmert.
Göthe 1, 358;
ja wol, der Schwed frug nach der jahrszeit nichts.
Schiller 354ᵃ.
an vielen andern stellen setzen Schiller und Göthe fragte. So vielgestaltig ist dies verbum. was in den urverwandten sprachen steht ihm gleich? zu fraihnan, frëgna, fraihan gesellt sich vor allem das lat. precari, weil vorstellungen des fragens und bittens in einander flieszen, wie rogare und interrogare bestätigen. auszerdem in betracht kommt poscere und unser forschen (oben sp. 1), kaum percontari, percunctari, sp. preguntar, die zurückgehn auf cunctari zaudern, zweifeln, zweifelnd fragen. dem a in fragen gleicht aber lit. praszyti bitten, lett. praśśiht bitten und fragen, sl. prositi poscere, poln. prosić, skr. pratschh interrogare. unser a wurde vorhin aus dem praet. frah ins praes. geleitet, doch da dem i vieler deutschen wurzeln skr. a entspricht, dürfte es auch für alterthümlich, ja ursprünglich angesehen werden. lit. pirszlys ist lat. procus und procari anrührend an praszyti wie precari, denn der werbende bittet um die braut, erwirbt, erbittet sie, also selbst unser freier könnte einlasz verlangen in diese wortreihen, wovon mehr unter freier. von rogare mag ein lippenlaut geschwunden sein. Bedeutungen und fügungen.
1)
schon bei angabe der formen erhellte, dasz fragen oft in vernehmen und hören übergeht. wie der suchende findet (3, 1642), der forschende erforscht, so erfragt auch der fragende, es ist 3, 649 nicht gehörig hervorgehoben, dasz die partikel er in zusammensetzungen wirkung und erfolg auszudrücken pflegt: der greifende ergreift, der langende erlangt, der bittende erbittet u. s. w. aber bereits im einfachen wort kann das doppelte gelegen sein, das strebende sowol als dessen folge. namentlich galt dies von finden (3, 1642. 1643), der findende gieng aus auf finden, wer findet hat gesucht, finden wurde zu πυνθάνεσθαι gehalten und fraihnan übersetzt πυνθάνεσθαι Luc. 15, 26. 18, 36. Joh. 13, 24. nicht anders berühren sich precari und poscere, forschen, quaerere suchen und fragen. ἠκούσθη ὅτι εἰς οἶκόν ἐστι, auditum est quod in domo esset. Marc. 2, 1 deutscht Ulfilas, weil ihm das passivum unbequem war, gafrêhun þatei in garda ist, bei Luther: es ward rüchtbar, dasz er im hause war. wie nun diesem hören ein gefragt haben vorangeht, dem wissen ein gesehen haben, so könnte frah oder gafrah zu fraihan sich verhalten, wie sahv zu saihvan, vait zu veitan, οἶδα zu εἰδέναι, der gehört und gesehn habende wissen beide. nur erlangten weder sahv noch frah die praesensbedeutung von vait und das praesens von frah wurde durch n kenntlich gemacht fraihna.
2)
auf fragen, fando audire, erfragen, vernehmen folgt unmittelbar abhängiger satz, demonstrativum oder acc. der sache. wir verlassen hier dieses fragen, alles folgende geht auf fragen, interrogare, ἐρωτᾶν, ἐρέσθαι.
3)
die frage fordert ein fragwort, auf fragen interrogare folgt unmittelbar ein interrogativum wer was welcher wo wie wann warum oder die conjunction ob: goth. hvas izvara maurnands mag anaaukan ana vahstu seinana aleina eina? Matth. 6, 27; ahd.
hër frâgên gistuont
fôhêm wortum, huër sîn fater wâri.
Hild.;
inti frâgêtun inan, waʒ sagênt thie buochera? Matth. 17, 10;
frâgêtun so thuruh nôt,
wër thër wâri, theiʒ gibôt.
O. III. 4, 39;
mhd. unde vrâgte wâ ër wære.
Iw. 3242;
unz daʒ dër künec unt diu diet
beide vrâgten unde riet,
waʒ under disen liuten
diu minne möhte diuten.
7595;
dô hieʒ ër vrâgen dër mære,
wës diu burc wære.
Parz. 16, 29;
nieman envrâget wër ich sî.
MSH. 2, 223ᵃ;
ê ër gefregete wâ.
Herb. 4368;
nhd. frage, wer es ist; er fragte, wen er vor sich sähe?; Pharao aber fraget Jacob, wie alt bistu? 1 Mos. 47, 8; fragt in Micha, wo kompstu her? richt. 17, 9; und ir fraget noch, was mir feile? 18, 24; und da Eli das laut schreien höret, fragt er, was ist das fur ein laut getümel? 1 Sam. 4, 14;
sie fragten nicht, wohin, woher?
noch minder, wie wir hieszen?
Bürger 30ᵃ;
sie fragt in heller unschuld: was?
was ich wol von ihr wollte?
30ᵇ;
frage sie, obs ir und irem man und son wol gehe? 2 kön. 4, 26;
ob sie mein geschwätze höret,
ob es ihren frieden störet,
ob sie lachend von mir spricht,
ob sie seufzet, frag ich nicht.
Gotter 1, 211,
das kümmert mich nicht.
4)
fragen, ohne dasz person und sache ausgedrückt ist: du fragst noch? o frage nicht; ich will schon fragen; ich wage nicht zu fragen; so musz ich fragen;
mhd. swër vrâget dër wil gëben niht.
Lichtenst. 539, 28;
nhd. fragen ist leichter als antworten;
mit seinem scharfen fragen.
Lessing 1, 106.
oft im geleit von adverbien: ängstlich, umständlich, genau, fein, scharf, peinlich, bescheiden fragen:
wol geschiehet einem kinde,
das mit mute hin kan gehn
und den richter fein darf fragen,
hast du was auf mich zu sagen?
Fleming 342.
ahd. diccho, harto, chleino frâgên. ich frage in bester absicht, aus freien stücken;
fragete viel und freute sich.
Luise 2, 169.
5)
fragen und sprechen verbinden sich gern in der bibelsprache: jah frêhun ina qiþandans, καὶ ἐπηρώτων αὐτὸν λέγοντες, et interrogabant eum dicentes. Marc. 9, 11. Luc. 20, 21, bei Luther und sie fragten in und sprachen; frah þan ina Iêsus qiþands, hva ist namô þein? und Jesus fraget in und sprach wie heiszest du? Luc. 8, 30; und Jacob fraget in und sprach. 1 Mos. 32, 29; fraget er sie und sprach, warum seid ir heute so traurig? 40, 7; fraget er und sprach, wo ist Samuel und David? 1 Sam. 19, 22. es sollen damit die worte der frage gegeben werden, wie man auch sagt: fragte ihn mit den worten. das gr. lat. und goth. participium scheint darum vorzüglicher als das nhd. 'und sprach'. umgekehrt:
ich sal uch sagen sunder vrâgen.
Karlm. 182, 30,
d. ist ungefragt, sogleich.
6)
fragen mit acc. der person: ich frage dich und du antwortest; ich will die mutter fragen; sie hatten mich zuvor gefragt;
du fragst mich sehr geschwind.
Gellert 3, 305;
du fragst mich vor der zeit.
3, 313.
mhd. möht ir gerüeret hân dën vlans
und het dën wirt gevrâget.
Parz. 247, 28;
die vor unwërde diu wort spalten
oder sie lange in in behalten,
daʒ man sie zwirnt fregen muoʒ.
Renn. 14872.
7)
fragen mit gen. der sache. mhd.
wër vrâget dës?
Iw. 4022;
ich wil die vürsten zAche
urteiles über in frâgen.
Karl 11649;
die mære vrâgen solden
dër was sô vil dâ bî dën wëgen.
klage 2902;
swër swalwen spîse vrâge
dër kenne ouch mucken lëben.
MSH. 2, 388ᵇ;
urteiles vrâgen zwischen zweier manne rede. Ssp. I. 62, 7; swer urteiles gevrâget wirt und des nicht vinden enkan. II. 12, 7.
8)
dafür hat sich nhd., wie oft, der acc. eingeschlichen: etwas fragen, mhd. etewës; immer dasselbe fragen; ein langes und breites fragen; urtheil und recht fragen; ursache fragen = nach der ursache: man solt zuvor demütiglich die ursache gefragt und das recht fürgewendet haben. Luther 3, 44ᵇ; dorften wir auch ursach fragen. Melanchthon im corp. doctr. chr. 187; der sohn fragte die ursach warumb u. s. w. pers. rosenth. 4, 2;
aus fürwitz fragt ich mer bericht.
Schwarzenberg 154, 1;
weil er schwulst an ihrem leibe, vielmals gar auch beulen fund,
klagte drüber, fragte hülfe (suchte, fragte nach h.).
Logau 2, 129, 53;
ich will also nicht neugierig sein und fragen was das für dinge sind, die ich nicht fragen darf. Wieland 11, 70;
dem brauch nach sollt ich deinen namen fragen,
I should ask thy name.
Lear 5, 3;
soll deine strenge tugend
die kleinen sorgen meiner liebe fragen?
Schiller 298ᵇ.
9)
fragen mit gen. der sache, acc. der person. goth. hvis mik fraihnis? τί μὲ ἐρωτᾶς; quid me interrogas? Luther, was fragst du mich darum?; frêhun ina þizôs gajukôns. Marc. 4, 10; fraihna izvis ainis vaurdis. Luc. 20, 3; ahd. ih frâgên iuwih eines wortes; mhd.
dô vrâgte man dër mære die unkunden man.
Nib. 140, 3;
dën garzûn si dës vrâgen bat.
Parz. 62, 27;
und vrâget in dër mære.
Iw. 5623;
nû hân ich dir vil gar geseit
swës dû geruochtest vrâgen.
518;
alsô beschiet Silvestër
dën keiser alzehant, dës ër
in gevrâget hæte.
Silv. 1460.
nhd. ich frage dich des rechtens. Carolina 92; die herzogin ihn neuwer mähr fragen thet. Galmy 116; als sie aber ihres anbringens gefragt wurden. Philander 2, 779.
10)
nhd. mit doppeltem acc., der person und sache, welcher letztere den mhd. gen. ersetzt: ich will dich etwas fragen; er fragte mich eine sache; die erste frag, die man die fremde oder die erst ankommende leut fraget. Fischart groszm. 1574 A 6; ich wil dich etwas fragen, lieber, verhalte mir nichts. Jer. 38, 14; sagte Achior alles, was in Holofernes gefragt und was er geantwortet hette. Judith 6, 11; ich will euch auch ein wort fragen. Matth. 21, 24. Marc. 11, 29. Luc. 20, 3, wo auch gr. λόγον und lat. unum verbum; ich bin umb keiner andern ursach willen zu euch kommen, denn euch rath zu fragen, was uns hierin zu thun sein wöll. Amadis 413. man sagt heute kaum: ich will dich den weg fragen, sondern nach dem weg.
11)
nach etwas fragen, sich um etwas kümmern, curare aliquid: so sol er nicht mehr darnach fragen. 3 Mos. 13, 36; denn frage nach den vorigen zeiten, die vor dir gewesen sind. 5 Mos. 4, 32; so hüt dich, das du nicht fragest nach iren göttern. 12, 30; warumb fragst du nach meinem namen, der doch wundersam ist? richt. 13, 18; und David sandte hin und liesz nach dem weibe fragen. 2 Sam. 11, 3; das er sehe, ob jemand klug sei und nach gott frage. ps. 14, 2; wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach himel und erden. 73, 25; und du fragest nach niemand, denn du achtest nicht das ansehen der menschen. Matth. 22, 16, wo im text καὶ οὐ μέλει σοι περὶ οὐδενός, vulg. et non est tibi cura de aliquo; sihe, deine mutter und deine brüder drauszen fragen nach dir. Marc. 3, 32; da ist nicht der verstendig sei, da ist nicht, der nach gott frage, vulg. non est requirens deum. Röm. 3, 11; ich bin erfunden von denen, die mich nicht gesucht haben und bin erschienen denen, die nicht nach mir gefragt haben, goth. svikunþs varþ þaim mik ni gafraihnandam. 10, 20; sintemal die Jüden zeichen foddern und die Griechen nach weisheit fragen, goth. iþ Grêkôs handugein sôkjand. 1 Cor. 1, 22, wo fragen also = suchen; etliche die nichts darnach fragten, ob die löbliche stad Nürmberg ehre oder schande uberkeme ... aber da müst man widerumb nach solchem schedlichem götzer (so) auch nicht fragen und in fahren lassen. Luther 5, 172ᵃ; mein herr aber fraget nichts darnach. Schweinichen 1, 359; doch frag ich wenig darnach. wegkürzer 25;
was fragt ein edler löw nach eines hündleins bellen,
was fragt ein fels im meer nach winden und nach wellen?
Logau 1, 43, 65;
neugieriger Myrtill! wer wird nach allem fragen?
Gellert 3, 333;
frage die geneigten sterne
nach dem dichter in der ferne,
ob und wie und wo er lebt?
was er jetzt zu lieben strebt?
Rost schäferged. 25;
denn mir behagts in alten tagen,
so wie es mir in jungen behagte,
dasz ich nach alt und jung nicht fragte.
Göthe 4, 334;
und jene himmlischen gestalten
sie fragen nicht nach mann und weib.
20, 159;
wer fragt nach einer so unnützen last der erde! Gotter 3, 59; was fragen die von Straszburg darnach, was die von Speier in den Rhein brunzen? bienenk. 46ᵃ. hier tritt das fragen leicht und ironisch über in nicht fragen, non curare, zumal wenn ein viel daneben steht: da frag ich viel nach, id mihi parum curae est;
was frag ich viel nach geld und gut?
= sie kümmern mich gar nicht; sie fragten viel nach den Holländern. Felsenb. 4, 50 = gar nicht, nicht weiter. er fragt den henker, den teufel danach. dem fragen nach etwas gleicht übrigens das ags. frignan mit äfter:
þâ þær vlonc häleđ
oretmecgas äfter häleđum frägn.
Beov. 662;
ne frin þû äfter sælum.
2644.
12)
von etwas fragen, sich um etwas erkundigen, nachricht darüber einholen, inquirere.
ahd. frâgêta sie fon thên woroltmannon.
O. III. 12, 2;
frâgêt fon thëmo kinde. T. 8, 4; thër bisgof frâgêta thën heilant fon sînên jungiron inti fon sîneru lêru. 187, 1. mhd.
alsô diu vrouwe vernam
daʒ ër von gote vrâgen began.
kaiserchr. 556;
si vrâgeten unsern hërren
von sîner junger lêre.
fundgr. 1, 172;
mîner frowen darf niht wësen leit,
daʒ ich rîte und frâge in frömediu lant
von dën wîben, die mit wërdekeit
lëbent.
Walther 53, 19;
sone darft du mich niht frâgen von minne.
Tit. 68, 1;
ër frâgte in von dër künde.
Parz. 468, 21;
wolt iuch dës niht betrâgen,
daʒ ich iuch müeste vrâgen
von sus getânen mæren.
655, 15;
wilt du mich frâgen von dîner mâge lande.
Gudr. 1169, 3;
dô vrâgetens in genôte
von der megede Isôte.
Trist. 208, 18;
von sînen alten mâgen
darf mich nieman frâgen.
Bit. 19;
dën recken frâgen ër began
von hiunischen rîchen.
705;
dô frâgte von sînen landen
und von dën wîganden
Biterolf dër mære.
4308;
frou Hildegunt dô frâgen
von Hëlchen und ir mâgen
dën edeln gast begunde.
6892;
vrâgen si von Rüedgêre,
ir sult in sînen dienest sagen.
klage 2836.
nhd. zu fragen ich mich des bedacht
von seiner übung, die er treib.
Schwarzenberg 150, 2;
und wenn die leute am selben ort fragten von seinem weibe, so sprach er, sie ist meine schwester. 1 Mos. 26, 7; ist hier kein prophet mehr des herrn, das wir von im fragen. 1 kön. 22, 7. 2 chron. 18, 6; gott wird sie von diesen stücken nicht fragen am jüngsten tage, sondern von den kindern, die er in hefolhen hat. Luther 4, 524ᵇ;
ja, man frag eine jungfer selbst davon.
Logau 1, 214, 91;
er fragt ein kind von der landmesserei, pusionem interrogat metrica. Aler 777ᵃ. diesem heute veralteten von gleicht das de bei mlat. rogitare:
stans de virginibus rogitabat compatriotis,
cujus sint famae, formosae sint an honestae?
Rudl. 16, 3.
13)
fragen um etwas: ahd.
ih frâgen umbe dia niderun luft.
N.;
mhd. dô wolter vrâgen umben walt.
Parz. 436, 29;
dô vrâgte mîn hër Gâwân
umb guote videlære.
639, 5;
die tumben und die wisen giengen, sô man tuot,
vrâgen umbe mære.
Nib. 711, 2;
dër hërre frâgen dô began
dën alten umb diu mære.
Bit. 254;
ër vrâgete umbe daʒ kindelîn,
wie sîn name solde sîn.
Trist. 51, 17;
daʒ dër konic rîche
frâgte umbe ein urteil.
erlösung 512.
nhd. das volk kompt zu mir und fragen gott umb rat. 2 Mos. 18, 15; und Josaphat sprach, frage doch heute umb das wort des herrn. 1 kön. 22, 5; fraget (später thet eine bitte) umb ir volk. Esther 4, 8; wen fragt er umb rat. Es. 40, 14; frage die priester umb das gesetz. Haggai 2, 12; gleich als wenn du ein weib umb rat fragest. Sir. 37, 12; und da er von dem volk ins haus kam, fragten in seine jünger umb diese gleichnis (goth. frêhun ina sipônjôs is bi þô gajukôn). Marc. 7, 17;
sachen die ihr nur besinnet
und doch keinem sagen könnet,
der euch üm dieselben fragt.
Fleming 354;
habt ihr das wol können wagen
und die mittelste der zahl
dreier schwestern nach der wahl
ümm die ehe dürfen fragen?
386;
einen um die ursache, um den grund fragen; um rat, um seine meinung fragen; nichts darum fragen. um und über können hier verschieden sein:
ich komme blosz
den patriarchen über eine sache
um rath zu fragen.
Lessing 2, 297.
14)
ungewöhnlich auf:
wer spricht, dasz unser Mars auf gottes buch nicht fraget?
Logau 1, 44, 72;
obs wahr sei was er sagt, drauf mag ein andrer fragen.
3, 215.
15)
unpersönlich, es fragt sich, quaeritur, handelt sich, ist noch nicht ausgemacht, steht in frage; es fragt sich, wer den andern zum weichen brächte; es fragt sich erst, ob du auch mit gehst; es fragt sich noch darum; capital und zinsen sind bezahlt, es fragt sich also blosz nur noch um die kosten; davon fragt sichs gar nicht, ist keine rede.
16)
sprüche. wer viel fragt, geht viel irre. wer weisz und fragt, der ist ein schalk. wer viel fragt, wird viel innen. man kann sich aus der welt fragen. wer gern gibt, fragt nicht lange. der teufel hat das fragen geschaffen, spricht man, wenn einer fragt 'wiltu essen, trinken'. frage dich selbst, dein herz leugt nicht. fragen ist keine schande, wer ein ding nicht weisz. s.abfragen, ↗anfragen, ↗ausfragen, befragen, durchfragen, entfragen, erfragen, gefragen, herausfragen, hinausfragen, nachfragen, umfragen, vorfragen, zufragen.
Zitationshilfe
„fragen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/fragen>, abgerufen am 17.11.2019.

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