fratze f
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 69, Z. 37
gerrae, nugae, possen, die von dem gerro, nugator, dem fratz, geschnitten, gerissen werden: ei welch eine grosze sünde ist doch das, dasz des hern Christi name also gemisbraucht wird zu solchen schäntlichen, alten, schalen fratzen und fabeln. Fischart brotkorb 1594. 26ᵇ; andere mehr ertichtete, erstunkene fratzen. Kirchhof wendunm. 357ᵃ; dergleichen lahme fratzen brachte er vor. Weise erzn. 179; ich sehe wohl, dasz er den Esau durch solche fratzen aus der väterlichen gnade verstoszen will. comöd. probe 57; üm dergleichen alte weiber fratzen habe ich mich noch nie bekümmert. ehe eines mannes 412; der verstand ist grüblerisch und geräth auf fratzen. Kant 1, 13; in fratzen und tändelwerk oder auch schwärmerei zerstreuung suchen. 3, 313; unnatürliche dinge, insofern das erhabene darinnen gemeint ist, ob es gleich wenig oder gar nicht angetroffen wird, sind fratzen. 7, 387; man sah nicht allein fratzen in der baukunst, sondern auch in den wissenschaften und in den übrigen gebräuchen. 7, 438; da wurden sie (die modewörter) dann in den büchern allerwärts hingestellt, des endes, dasz sie darthun sollen allerhand theoreien, die, weil sie fanzen und fratzen sind, nichts kann darthun, am mindesten aber wörtlein. Klopstock 12, 95;
wer von den göttern kommen will
beneiden unser glück,
und solls die fratze eifersucht
am bettfusz angebannt.
Göthe 2, 187;
soll der neider zerplatzen,
begib dich deiner fratzen.
4, 32;
nein, ich werd es nie vermögen
diese wundervollen fratzen,
an der seite des verwandten,
mit vertrauen anzusehn!
11, 245;
'du unterzeichnest dich mit einem tröpfchen blut'.
wenn dies dir völlig gnüge thut,
so mag es bei der fratze bleiben.
12, 88;
einander die paar guten tage mit fratzen zu vertreiben. 16, 44; es fuhr mir durch den kopf, dasz es vielleicht unschicklich sei, den guten kindern solche fratzen zu erzählen. 26, 6; warf alle hypochondrischen fratzen hinweg. 26, 222; eine art übermüthiger fratze (von einem liede im wunderh.) 33, 193;
sie zogen gräuliche fratzen (gesichter).
40, 199;
höchstverderblicher gebrauch der liebhaberschauspiele zur bildung der kinder, wo es ganz zur fratze wird. 44, 294: die handschrift mit den fratzen (unleserlichen, verworrenen zeichen). Klinger 6, 17; physiognom? ha! so schaut mir doch auch mal in die fratze (ins gesicht). Fr. Müller 2, 63;
'helft, um vergebung eurer sünden,
o helft das wundernest mir finden,
worin dergleichen phönix piept!'
also Denis. was macht der herr daher?
lacht alles auf, o über die fratzen!
Kl. Schmidt kom. dicht. 199;
und mehr ist es nicht? über die fratze! Schiller 146ᵇ;
mit euren fratzen!
dasz ich mit euch soll darüber schwatzen.
322ᵃ;
wie ich für ihn gesinnt bin, weisz der fürst,
es wissens alle und der fratzen brauchts nicht.
355ᵃ;
doch was sie beide je gelehrt,
hat mir den kopf noch nie beschwert,
ich halte alles nur für fratzen.
Tieck 1, 252.
fratzen machen, reiszen, schneiden heiszt gesichter schneiden, das gesicht verzerren, fratzen sind grimaces, altn. grîmur, eingehauene zerrbilder, wie bossen, larven (2, 261), vgl. GDS. 635, was die folgenden zusammensetzungen noch verdeutlichen. sie zeigen, wie sehr das wort in die sprache eingegangen ist und sind meistens gleichviel mit dem einfachen fratze.
fratze m
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 69, Z. 7
auf das ich nicht auch zum schwermer werde uber so losen faulen fratzen. Luther 3, 358ᵃ; wenn man sihet einen groszen üppigen fratzen, der auf der welt sonst zu nichts tauget, einem ehrenmann in allem vorgezogen werden. Philander 1, 520;
behaltet nur euren fratzen zu haus.
Schmelzl 2, 273;
verstopf, herr, mit der höllen glut
die mäuler solcher fratzen,
die falsch der armen gut und blut
dan lecken und dan kratzen.
Weckherlin 142;
weil sie nicht widerstehen konnten und sich von den fratzen schön thun lieszen. Woldemar s. 150; hab ich euch red und antwort zu geben? seht doch den fratzen! Göthe 8, 7; er drang auf einen zweikampf oder die erklärung. 'das letzte war das gescheidste, wer wird sein leben gegen einen so romantischen fratzen wagen'. 10, 81;
kinder und fratzen,
affen und katzen!
11, 15;
viele fratzen lockt sein klang,
doch lockt er auch die schönen.
12, 223;
dem fratzen da ist gar nichts recht.
13, 89;
und jetzt macht der fratze grosze augen, da der andre nun wirklich kommt und ihm das mädchen wegnimmt. 16, 60; wenn ein fratze keinen schildhalter finden kann, so nimmt er einen Hercules dazu. 33, 285; es thut mir immer in den ohren weh, wenn ich den fratzen so raisonnieren höre. Lenz 1, 148;
bekannt mit meinem muth, an leib und seele fratze,
friszt, dacht ich, wie ich bin, mich weder hund noch katze.
Bürger 64ᵃ.
Zitationshilfe
„fratze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/fratze>, abgerufen am 17.10.2019.

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