freigeist m
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 109, Z. 43
liberioris judicii in rebus divinis, früher unzusammengesetzt des freien geists, vom freien geist: die ketzer von friem geist und die Behemer und ander mer gloubketzer. Keisersberg bilg. 197ᶜ; die geloubketzerei des freien geists. schif der penitenz 78ᵇ. dies 'vom freien geist' war doch eine treffendere benennung als der freie geist, der freigeist, wie schon Luther in der auslegung des V. U. 13 sich gestattet zu setzen: die freien geist, denen nit vil daran gelegen ist, wo gotts reich beleibe. spätere theologen stellen Calvinisten und freigeister nebeneinander.
ein freigeist lacht euch aus, dasz ihr so sclavisch lebet.
Gellert 1, 174;
so stark sind eines freigeists lehren.
1, 176;
hier ziele ich auf die freigeister. Lessing 2, 409; wo will der angebliche freigeist seine beweise hernehmen, dasz es kein höchstes wesen gebe? Kant 2, 566; die sogenannten freigeister in sachen des genies, worunter leider alle jetzt lebenden groszen dichter und kunstrichter gehören. Göthe 33, 11; der freigeist ist schon gestraft genug, dasz er die süszigkeit mit gott vertraut zu reden nie geschmeckt hat. Voss briefe 1, 250;
die (die gesetze) sieht der freigeist, doch nicht ihn (gott).   wozu
ein gott? sagt er, die welt ist sich genug.
und keines christen andacht hat ihn mehr
als dieses freigeists lästerung gepriesen.
Schiller 279ᵇ.
Zitationshilfe
„freigeist“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/freigeist>, abgerufen am 13.11.2019.

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