Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fremde, f.

fremde, f.
terrae exterae, wäre goth. framaþei, ahd. fremidî, mhd. vremede (wb. 394ᵃ): da Jacob der erzvatter auf rath und bewilligung seiner eltern in die frembde zu seiner mutter bruder ziehen solte. Mathesius 139ᵇ; sein aufenthalt in der fremde dauerte sieben jahre;
im haus und in dem kriege herscht der mann
und in der fremde weisz er sich zu helfen.
Göthe 9, 4;
kann uns zum vaterland die fremde werden?
9, 6;
es ist so elend in der fremde schweifen,
und sie werden mich doch ergreifen.
12, 244;
dasz ich lieber mein vaterland, eltern und freunde verlassen und mein brot in der fremde verdienen, als gegen meine einsichten handeln wolle. 19, 300; wir fühlen dabei, dasz wir nicht ganz in der fremde sind, wir wähnen einer heimat näher zu sein, nach der unser bestes, innerstes ungeduldig hinstrebt. 20, 3;
denn tausende, wie mich, gebar die fremde.
Schiller 333ᵇ;
in meiner brust war meine that noch mein,
hinausgegeben in des lebens fremde
gehört sie jenen tückschen mächten an,
die keines menschen kunst vertraulich macht.
362ᵇ;
das mädchen aus der fremde. in ausland liegt blosz der gegensatz voninland, ohne die vorstellung der fremdheit. mhd. hiesz es aber in diesem sinn:
gewinne ich nâch dër langen vremede schœnen gruoʒ,
wie sêre ich daʒ mit dienste ie mê besorgen muoʒ.
MSF. 212, 27;
vremde under in diu was dô hin.
Trist. 302, 2;
daʒ diu vremde von in zwein
wurde gesamenet en ein.
Iw. 8065.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 128, Z. 61.

fremden

fremden,
alienare, abalienare, goth. framaþjan, ahd. giframidan (Graff 3, 644), mhd. vremeden, ein gutes wort, das heute selten geworden und durch entfremden nicht ersetzt ist.
1)
intr. fern sein, ausbleiben, fremd bleiben, fremd thun:
sîn langeʒ fremeden muoʒ ich klagen.
MSF. 107, 23;
und ir fremeden krenket mir daʒ hërze mîn,
sam daʒ waʒʒer die vil heiʒe gluot.
126, 26;
sîn fremeden tuot mir den tôt.
156, 8;
mir tuot ir fremeden anders baʒ.
213, 39;
wil si fremeden mir durch daʒ.
MS. 1, 56ᵇ;
freilich immer nur im inf., bei dem das sich wegfallen kann, der also auch transitiv zu fassen wäre. ein ër fremdet, si fremdet = thut fremd, ist fremd würde entscheiden. doch entschiede auch folgende stelle:
od müet iuch daʒ ellende,
daʒ iu fremdent die mâge?
Flore 3077,
wenn man iu für iuch setzen darf. auch heiszt es noch heute in der Schweiz und in Baiern: das kind fremdet, ist schüchtern, leutscheu. Stald. 1, 397. Schm. 1, 613.
2)
tr. vermeiden, entbehren:
al die wîle mich diu guote
vremden wil, sone wirt mir niemer wol ze muote.
MS. 1, 152ᵇ;
vil wê tuot mir, daʒ ich die vrouwen mîn
sô lange vremede, dast mir ze lanc.
MSH. 1, 91ᵃ;
al eine vremdet mich ir lîp,
si hât iedoch dës hërzen mich beroubet gar für elliu wîp.
1, 212ᵃ;
si wil iuch niemer fremeden, si hât sich beʒʒer dinge sît berâten.
Gudr. 1289, 4;
sol aber ich dich fremden, sô wære ich sanfter tôt.
Nib. 284, 3;
sô wolt ër doch gërne wiʒʒen, waʒ ër iu hête getân,
daʒ irn alsô vremdet unt ouch sîniu lant.
1389, 1.
3)
tr. einem etwas fernen, entfernen, removere:
und wiste ich ës gewisheit,
als ir mir habet vür geleit,
daʒ ir mir woltet vremden daʒ,
dëm ich wære gehaʒ,
sô erkande ich an dëm mære,
daʒ ich iu liep wære.
Trist. 356, 27.
4)
sich fremden:
nu muoʒ si mir doch dës gunnen,
swie sêre si sich fremdet mir.
MS. 2, 186ᵃ;
wan dû mir wilt vremden dich,
ëʒ muoʒ iemer müejen mich.
Gerh. 6533.
mit gen. der sache, sich eines enthalten, entäuszern:
daʒ ër mîner sêle sich
vremeden müeʒe.
Barl. 391, 30.
nhd. bietet sich blosz dar in der dritten bedeutung: ich will dir thun, als ich christlicher pflicht meinem feind schüldig bin und mein gottes gabe dir nicht frembden. Luther 1, 379; in der vierten: indem meines herrn gut gemüth sich itzo in etwas gegen mir frembdet. pers. rosenth. 1, 27; dieses dein beginnen frembdet sich ganz von der weisen thun und fürnehmen. 2, 14. s.befremden, ↗entfremden, ↗verfremden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 129, Z. 10.

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Zitationshilfe
„fremden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/fremden>, abgerufen am 03.12.2020.

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