fremden
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 129, Z. 10
alienare, abalienare, goth. framaþjan, ahd. giframidan (Graff 3, 644), mhd. vremeden, ein gutes wort, das heute selten geworden und durch entfremden nicht ersetzt ist.
1)
intr. fern sein, ausbleiben, fremd bleiben, fremd thun:
sîn langeʒ fremeden muoʒ ich klagen.
MSF. 107, 23;
und ir fremeden krenket mir daʒ hërze mîn,
sam daʒ waʒʒer die vil heiʒe gluot.
126, 26;
sîn fremeden tuot mir den tôt.
156, 8;
mir tuot ir fremeden anders baʒ.
213, 39;
wil si fremeden mir durch daʒ.
MS. 1, 56ᵇ;
freilich immer nur im inf., bei dem das sich wegfallen kann, der also auch transitiv zu fassen wäre. ein ër fremdet, si fremdet = thut fremd, ist fremd würde entscheiden. doch entschiede auch folgende stelle:
od müet iuch daʒ ellende,
daʒ iu fremdent die mâge?
Flore 3077,
wenn man iu für iuch setzen darf. auch heiszt es noch heute in der Schweiz und in Baiern: das kind fremdet, ist schüchtern, leutscheu. Stald. 1, 397. Schm. 1, 613.
2)
tr. vermeiden, entbehren:
al die wîle mich diu guote
vremden wil, sone wirt mir niemer wol ze muote.
MS. 1, 152ᵇ;
vil wê tuot mir, daʒ ich die vrouwen mîn
sô lange vremede, dast mir ze lanc.
MSH. 1, 91ᵃ;
al eine vremdet mich ir lîp,
si hât iedoch dës hërzen mich beroubet gar für elliu wîp.
1, 212ᵃ;
si wil iuch niemer fremeden, si hât sich beʒʒer dinge sît berâten.
Gudr. 1289, 4;
sol aber ich dich fremden, sô wære ich sanfter tôt.
Nib. 284, 3;
sô wolt ër doch gërne wiʒʒen, waʒ ër iu hête getân,
daʒ irn alsô vremdet unt ouch sîniu lant.
1389, 1.
3)
tr. einem etwas fernen, entfernen, removere:
und wiste ich ës gewisheit,
als ir mir habet vür geleit,
daʒ ir mir woltet vremden daʒ,
dëm ich wære gehaʒ,
sô erkande ich an dëm mære,
daʒ ich iu liep wære.
Trist. 356, 27.
4)
sich fremden:
nu muoʒ si mir doch dës gunnen,
swie sêre si sich fremdet mir.
MS. 2, 186ᵃ;
wan dû mir wilt vremden dich,
ëʒ muoʒ iemer müejen mich.
Gerh. 6533.
mit gen. der sache, sich eines enthalten, entäuszern:
daʒ ër mîner sêle sich
vremeden müeʒe.
Barl. 391, 30.
nhd. bietet sich blosz dar in der dritten bedeutung: ich will dir thun, als ich christlicher pflicht meinem feind schüldig bin und mein gottes gabe dir nicht frembden. Luther 1, 379; in der vierten: indem meines herrn gut gemüth sich itzo in etwas gegen mir frembdet. pers. rosenth. 1, 27; dieses dein beginnen frembdet sich ganz von der weisen thun und fürnehmen. 2, 14. s.befremden, ↗entfremden, ↗verfremden.
Zitationshilfe
„fremden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/fremden>, abgerufen am 21.11.2019.

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