freuen
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 160, Z. 16
delectare, exhilarare. nach dem, was schon bei freude ausgeführt wurde, fast auf den hd. dialect einzuschränken, ahd. frewan (frawian) frewita, frowan frowita, mhd. vreuwen vreute, vröuwen vroute; nl. nur in vervreugden, verfreuen, erfreuen üblich, einfaches vreugden ungebraucht. dies freuen gehört zu froh, fravi und frauja, weist auch sonst zurück in hohes alterthum. skr. prî ist exhilarare und amare = frijôn, wie sich froh und frei begegnen. aber gr. hat εὐφραίνειν gleiche bedeutung, das ν ist wie in βαίνειν neben βῆναι, βάω, βιβάω, wie in χαίνω neben χάω, χάος. nun drückt ὀσφραίνειν aus riechen, duften, gerade wie wir freudeduften sagen, folglich rührt es an φρήν halitus, spiritus, animus, an φρόνις und φροντίς, das einfache φραίνειν mangelt. φρ neben fr ist unverschoben (vgl. Φρύξ neben frei), der rechte laut wäre πραίνειν, πρήν, πρόνις, welchen auch skr. prâna halitus, utprân ausduften bestätigt. prâna löst sich auf in praana, gleichsam vorhauch, praesagium, unser anan spirare (1, 194) läge darin. wie in prâna die partikel pra verschmilzt mit ana, darf im goth. fraþi mens, frôþs = prudens die partikel fra, in prudens pro mit anklingen, oben sp. 94, f. mahnte auch frei an fra und fri. diesen vermutungen wird noch manches zur sicherheit abgehen. ähnlich dem froh, freuen, freude, altn. frygđ klingen treu, triuwe, trauen, triggvus, triggva, altn. trygđ.
1)
heute ist das einfache freuen seltner als das verstärkte erfreuen. doch sagen wir: das freut mich, freut mich recht, hat mich herzlich gefreut; es soll mich freuen; die nachricht freute uns;
dreimal freien freut nicht jeden.
Logau 3, 84;
mein liedel soll euch freuen.
Bürger 21ᵃ;
mich freut dich wieder hier zu sehen. Wieland 8, 370; ich kann sonst die kinder nicht leiden, aber dieser junge freut mich. Göthe 19, 80; das niedliche freuet, wie das prächtige, mädchen allezeit. J. P. Hesp. 2, 169; ruhe im schatten freut den müden wandrer; der wein freut das herz. mit beigefügtem persönlichem dativ: freut mir das herz;
das schaft der edel rebensaft,
gibt meinem herzen ein grosze kraft,
freut mir mein traurigs herz.
Uhland 598.
Klopstock setzt gern freuen, ohne eine person beizufügen, man darf hinzudenken 'einen', 'die leute, die menschen':
wie wisset ihr denn, ob dort, wo es schimmert,
nicht auch freue musik?
2, 205;
es freut nicht allein in den sternen, es freuet
auch in dem himmel musik.
ebenda;
völkerruhe, die war, einst wieder
freuen wird, sei mir genusz!
7, 37.
2)
häufiger erscheint 'sich freuen', εὐφραίνεσθαι, und Luther, der in der bibel das blosze freuen gar nicht hat, setzt das reflexive viel über hundertmal. daneben folgt
a)
gen. der sache: Jethro aber frewet sich alle des guten, das der herr Israel gethan hatte. 2 Mos. 18, 9; denn ich frewe mich deines heils. 1 Sam. 2, 1; die nacht müsse ein tunkel einnemen und müsse sich nicht unter den tagen des jars frewen noch in die zal der monden komen. Hiob 3, 6; das herz frewet sich der salben. spr. Sal. 27, 9; weisheit ist gut mit einem erbgut, und hilft das sich einer der sonnen frewen kan. pred. Sal. 7, 12; und viel werden sich seiner geburt frewen (jah managai in gabaurþai is faginônd). Luc. 1, 14; und mein geist frewet sich gottes meines heilandes (jah svêgneiþ ahma meins du guþa nasjand meinamma). 1, 47; welchs (cujus) ich mich von herzen frewe. Luther 3, 151ᵃ; so sind auch wenig die sichs frewen leider. 3, 176ᵃ;
sich freuet als (alles) mein, wo ich bin.
H. Sachs I, 421ᵃ;
wir freuen uns himmelsfreuden,
dasz wir sind und über ihn erstaunen können.
Klopstock 1, 194;
glücklich in seinem wahn und um die zukunft unbekümmert freute sich Feridun seiner wolgelungnen unternehmung. Wieland 8, 278;
sie nur fühl ich, nur sie, die umschlingende, freue der fesseln,
freue des tödtenden schmucks, fremder umlaubung mich nur.
Göthe 1, 325;
die himmel freuen sich deines siegs.
Gotter 3, 102;
morgen liebe was bis heute
sich der liebe nie gefreut,
was sich stets der liebe freute
liebe morgen wie bis heut.
Bürger 1ᵃ.ᵇ.
b)
praep. über mit dem dativ: auch frewen sich die tannen uber dir und die cedern auf dem Libanon (abietes laetatae sunt super te et cedri Libani) und sagen, weil du ligest, kompt niemand erauf, der uns abhawe. Es. 14, 8; und alles volk frewet sich uber allen herlichen thaten, die von im geschahen (vulg. gaudebat in universis). Luc. 13, 17; das nicht mein feinde sich uber mir freueten. Luther 1, 29ᵃ. später mit dem acc.:
sie pralte nicht mit theuren kostbarkeiten.
ein artig band, ein frischer strausz,
die über ihren ort, den sie erlangt, sich freuten,
und eine nach dem leib wol abgemeszne tracht
war Carolinens ganze pracht.
Gellert 1, 134.
c)
praep. an, wie freude an etwas, freude haben woran (sp. 142):
die priester freuen sich das opfer zu genieszen,
die würme freuen sich an einem guten bissen.
Logau 1, 74, 99;
sich an dem silberschimmer des mondes freun.
Gökingk 1, 72;
dem verstorbenen klagte das vaterland nach und freute sich an dem denkmal, das ihm seine gönner gestiftet. Göthe 26, 111.
d)
praep. in:
lange schwankt des kampfes welle,
bis sich lust im siege freut.
Göthe 1, 193.
e)
praep. mit, wie erfreuen mit:
dein vater will, dasz alle seine leute
mit einem tanz und mahl sich heute freuen.
Göthe 10, 211.
f)
praep. auf: die baronesse besonders freue sich wie ein kind auf dieses rendezvous. Göthe 18, 271.
g)
inf. oder dasz: er freut sich ihn zu sehen, ihm zu begegnen;
wie freu ich mich, dasz es bei thieren
auch grosze geister gibt, die alles demonstrieren.
Gellert 1, 54.
die unterschiede der fügungen sind deutlich.
3)
intransitives freuen, gaudere, laetari, wie ahd. frowôn und frowên vorkommt, findet weder mhd. noch nhd. statt. denn wenn es heiszt:
dies alles gibt uns fug und anlasz gnung zu freuen.
Fleming 122;
frewen und frölich müssen sein an dir die nach dir fragen. ps. 70, 5; laszt uns frewen und frölich sein. offenbar. 19, 7; so ist neben dem inf. uns und sich ausgelassen. s. befreuen, entfreuen, erfreuen.
freuen n
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 161, Z. 61
gaudium:
sonst, wenn der vater auszog, liebe kinder,
da war ein freuen, wenn er wieder kam.
Schiller 544ᵇ.
Zitationshilfe
„freuen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/freuen>, abgerufen am 18.07.2019.

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