frohlocken n
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 229, Z. 61
jubilum. das verbum substantivisch zu verwenden, wurde nöthig, da das zum grunde liegende frolock erloschen war. in den vorhin gegebnen belegen stecken schon beispiele. hier noch andere: zitlicher dinge ein ganzes fürlöcken (so zweimal) haben. Merswin 105; die herzogen ieglicher in sein land mit groszem frolocken ritten. Aimon c 3ᵇ; da ward ein grosz frolocken under den Römern. Livius von Carbach 66; solch frolocken aber verwandelt sich bald in gremen. Kirchhof wendunm. 63ᵃ; mit unsäglicher freud und frolocken. mil. disc. 206; sie geht mit frolocken ab. Ayrer 87ᵇ;
o wie ein frolocken und freud
ist gwesen hie ein lange zeit.
Schmelzl lobspr. 107;
der pathenbecher ward mit groszem frohlocken aus seinen dichterischen hüllen gewickelt und dem dicken jungen vorgehalten. Voss br. 2, 273.
frohlocken, frolocken
Fundstelle: Lfg. 1 (1863), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 227, Z. 69
jubilare. ein wort dessen ursprung und erstes auftreten nicht gehörig erforscht sind. ahd. ist es noch gar nicht, mhd. selten zum vorschein gekommen, dem mhd. wb. fehlt es ganz. in dem feinen gedicht frau Eren kranz Ls. 1, 376. 377 von thauigen blumen:
si hæten übertrunken
sich an dem zuckerlinden tror,
daʒ si ir houbt vil hart ënbor
huoben gên dër sunnen brëhen.
lachende ûʒ ir hülsen sëhen
lieʒen sich ir tolden,
geschicket als sie wolden
liebkôsen ûʒ ir guomen
und mit gemeinem ruomen
dës sumers kunft frôlocken (es steht früelocken),
als wollten sie aus ihrer kehle, gemeinschaftlich preisend, über des sommers ankunft frolocken. das ist höchst dichterich gesagt. Rüdigers noch ungedruckte 'heidin' enthält bl. 111, z. 4327 der gothaischen hs. viel prosaischer:
dirre freuden man dâ pflac
mit frôlocken unz an vierden tac;
sametleich, die wellent ê contemplieren und jubilieren oder frolocken in den götleichen güeten ê si wainen umb ir sünd. Megenberg 122, 24. im voc. 1482 heiszt es: jubilare, frolocken in freuden, die man nit mag aussprechen, et ostenditur clamore, saltu, manibus; die ecker und alle ding, die da sein in inen, süllen frolocken. bibel 1483, 192ᵃ = 1 chron. 17, 32, vulg. exultent agri, Luther: und das feld sei frolich;
hauswirt, sich freuen alle mein glider (sp. 222 und 142 freude in elnbogen und achsel),
enpfahen dich tausentfeltig wider,
und all mein freund in mir frolockt,
mein herz in lust und freude schockt,
das du herwider kumst bei zeit.
fastn. 164, 26;
erst freut sie sich und wart frolocken.
1146;
in das kloster er sie do beleit
mit solchem jubeln und frolocken
manc dausent herz in freuden wurden schocken.
1148.
bei Keisersberg musz das wort öfter stehn als ich es aufgezeichnet habe: mein herze ist erfreuwet worden und mein zung hat sich ersprungen und frolocket. paternoster D 4ᵇ; die gesellschaft aller hailigen, da solich frolocken und wunsamkait ist. anhebender mensch C 6ᶜ; o du sälige seel, wer mag uns ausgesprechen dein sälikait, dein sicherhait, dein frolocken und liebkosen mit deinem lieben gespons? E 5ᵇ; o lieber mensch, das du eingedechtig werest, wie die hailigen engel gottes seind mit groszem frolocken bei dir wonen. F 1ᵃ; und merk eben auf ire wunsame wort und frolocken, die sie hetten gen dem herren. F 1ᵈ u. s. w. da sich Steinhöwel im Esop (1487) 74 des worts bedient, kann er es auch im dec. thun. bei Luther ist der ausdruck noch häufiger und erhielt dann durch die bibel gröszere verbreitung: da das alles volk sahe, frolocketen sie und fielen auf ir andlitz. 3 Mos. 9, 24; das sich nicht frewen die töchter der Philister, das nicht frolocken die töchter der unbeschnittenen. 2 Sam. 1, 20; denn ich wollt gerne wallen zum hause gottes mit frolocken und danken unter dem haufen, die da feiren. ps. 42, 5; frolocket mit henden alle völker und jauchzet gott mit frölichem schall. 47, 2 (ahd. hantslagônt alle diete, liutônt gote in frôlîchero stimmo. N.); laszt uns dem herrn frolocken und jauchzen. 95, 1; die wasserströme frolocken und alle berge seien frölich. 98, 8; kompt her fur sein angesicht mit frolocken. 100, 2; rufe du erde herunter, ir berge frolocket mit jauchzen, der wald und alle bewme drinnen. Es. 44, 23; berge und hügel sollen fur euch her frolocken mit ruhm und alle bewme auf dem felde mit hende klappen. 55, 12; da wil ich denn mit meinen henden drob frolocken. Ez. 21, 17;
Johannes das junge kind
in muoter lib frolocket gschwind.
trag. Joh. A 4,
lailaik baru in qiþau izôs, gr. ἐσκίρτησε, lat. exsultavit. Luc. 1, 41; ich frolocke jubilo. Dasyp. 105ᵈ; frolocken, mit den füszen dopplen oder mit den henden klopfen, plausum dare. Maaler 144ᵇ;
jederman thet des kriegs frolocken.
H. Sachs I, 326ᵃ;
ich frew mich, frolock, juchz und sing.
II. 1, 8ᵃ;
sprang auf die erden unerschrocken,
sein herz thet gegen ihm frolocken.
Spreng Il. 373ᵇ;
ist dem also, dasz du zu meinem unglück frolockest. Kirchhof wendunm. 235ᵇ; ist ihr ehwirt frölich, so frolockt sie, gott sei gelobt. Garg. 71ᵇ; wie bald aber ward solche not in frolocken und das wasser in wein verwandelt. 268ᵃ; weil von ewren freunden noch niemandes hier ist, wollen wir euch sämptlich mit frewden und frolocken zu haus begleiten. Heinr. Jul. v. Br. s. 202; der hahn krähet und frohlocket über einen erhaltnen sieg. Lokman fab. 36;
wie frolockt er doch inniglich.
Opitz ps. 23;
wer fremd, wer bürger war, frolockt ob meiner pein.
Gryphius 1, 274;
allgütiger, mein hochgesang
frohlocke dir mein lebenlang.
Bürger 12ᵃ;
und sie (die stuten) empfiengen von ihm und warfen darauf zwölf füllen,
diese, wann sie frohlockten auf nährendem saatengefilde,
streiften nährlich die obersten ähren und knickten den halm nicht,
oder wann sie frohlockten auf breitem rücken des meeres,
streiften sie nährlich die obersten wogen der grauen gewässer.
233ᵃ = Il. 20, 226;
weil der lenz euch locket
und um euch her der wald, die flur,
voll süszen maigefühls frohlocket.
Gotter 1, 82;
wir wollen nicht frohlocken seines falls.
Schiller 550ᵃ.
wie nun ist das wort zu erklären? jubilare leitet sich von jubilum, frôsangen von frôsang, ags. freádrêman von freádreám (und das einfache dreám bedeutet schon dasselbe), also setzt auch frôlocken ein subst. frôlock voraus, das nicht mehr da ist. mhd. kommt einmal ein mannsname vor:
Frôloh, grimme und zühte bar.
MS. 2, 234. MSH. 2, 382ᵇ,
der aber gebildet scheint wie Ebarloh, Heriloh u. a. m. (Förstemann 1, 880), kaum zu frolocken gehört. für lock liegt ein gedanke ans goth. laiks sprung, spil (denn auch spil ist sprung) nahe, frôlocken wäre vor freude springen (s.freudesprung sp. 155), exsultare, σκιρτᾶν, das auch Bürger in der angezognen homerischen stelle mit frohlocken deutscht, Voss setzt springen, Uschner hüpfen. vor fröuden springen. teufels netz 8607. dasz man, seit sich sein ursprünglicher sinn verdunkelte, frohlocken für handschlagen und freudeschreien setzte, verschlüge nichts. nur hätte laiks ahd. leich, leih zu lauten und frôleih (frohes spiel, froher sprung) gebildet wie charaleih, klagespiel, einem frôleichôn zum grunde zu liegen, statt dessen wir mhd. und nhd. frôlocken, frohlocken finden. dieser wandel des leich in lock, des leichen in locken musz sich noch aufklären, sonst wird ei niemals zu o, wol aber zu e in lecken, calcitrare für leichen, welchem lecken das löcken in Merswins fürlöcken gliche. ags. verba auf læcan kommen vor (efenlæcan, neáhlæcan, sumorlæcan, vinterlæcan), doch kein freálæcan begegnet. dies anomale frolocken hat den ton festgehalten (frólòcken, fròlócken) und ist wollautender als das von frölich abgeleitete frölichen, hilarare, dessen transitive bedeutung von der intransitiven des frolockens absteht. wirklich hat die nl. Delfter bibel von 1582 ps. 95, 1 vrolicken = frolocken, in den andern stellen aber vrolik zijn oder verheugen. Kilian 771ᵇ setzt auch vrolocken, nicht vrolicken. es ist seltsam, dasz unser mhd. nhd. frolocken weder ahd. erscheint, noch ags. altn. ein ähnliches wort. wie bei froh und fröhlich sein steht auch bei frohlocken der gen., daneben die praepositionen ob und über. den persönlichen dat. einem frohlocken, wie einem zujauchzen zeigen gleichfalls die belege. hier seien noch die alten formeln des frohrufs, heilrufs, jubelschreis angegeben: mhd.
nu sprëchet alle 'vrô hërre vrô!'
Renn. 17069;
sprëchet alle 'vro hërre vrô!
18960;
ich bin von ir vrô vrô vrô.
Lichtenstein 505, 30;
dâ von ist daʒ hërze mîn,
swie ëʒ witeret, vrô vrô vrô.
507, 23 = es frohlockt.
abreisenden wird ein χαῖρε, farewell nachgerufen 'var vrô! vrô belîp!'
dâ von belîp ein frœlîch man
und île ûf dîne strâʒe.
daʒ dich vrou Sælde lâʒe
mit fröuden und mit êren
ze lande wider kêren!
tr. kr. 18922.
noch im 16 jh. erklangen die schreie und gesänge fro! fro fro fro!
so dises möcht geschehen so,
dann wold er singen fro fro fro!
Schade sat. u. pasq. 1, 82, 78;
so wir nit hin wider bissen, so schrieen sie. 'fro, hie gewunnen, hie gewunnen!' vier dialoge von H. Sachs ed. Köhler 73, 24.
Zitationshilfe
„frohlocken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/frohlocken>, abgerufen am 16.09.2019.

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