Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

frucht, f.

frucht, f.
fructus, ein schon früh aus dem latein entnommenes wort, ahd. mhd. alts. fruht, fries. frucht, nl. vrucht, wahrscheinlich weil es so oft in biblischen bezügen wiederkehrt. die Gothen behielten das heimische akran (1, 173. 3, 24) und nicht nur für die frucht des baums, sondern auch des leibs (akran quþaus); die Angelsachsen västm (ahd. wahsamo, wahsmo vgl. altn. âvöktr), das noch engl. lange fortdauerte, bis es endlich dem romanischen fruit wich. nicht anders sind das isl. fruktr, schwed. frukt, dän. frugt erst späteren ursprungs. den Slaven blieb ihr plod, den Lithauern ihr vaisus, den Letten ihr auglis unverdrängt. *)
Der pl. läszt sich ahd. bei der seltenheit des erst aufgenommenen wortes nicht nachweisen und kommt selbst mhd., weil es hier meist im sg. gesetzt wird, nur spärlich vor. er lautet mhd. frühte, nhd. früchte. daneben aber bildete sich auch schon mhd. eine schwache form früchten, die zuerst in der stelle bei Boner 4, 6
dër besten früchten ist ër (der baum) vol
nach der freilich dem 15. jh. angehörigen hs. B auftaucht. sie lebt noch in süddeutschen mundarten (s. Schmeller 1, 600) und findet sich aus diesen auch hier und da bei schriftstellern. so bei Weckherlin in der unten unter 7 d) angeführten stelle, und Weismanns lexicon (Stuttgardiae 1715) 193 hat: fructus, baum- oder ackerfrüchten; serere fructus, früchten bauen. Das wort erscheint in zahlreichen zusammensetzungen: ackerfrucht, baumfrucht, dattelfrucht, erdfrucht, feldfrucht, gartenfrucht, goldfrucht, halmfrucht, herbstfrucht, himmelsfrucht, hülsenfrucht, jahresfrucht, kernfrucht, körnerfrucht, leibesfrucht, lesefrucht, lügenfrucht, meerfrucht, mengefrucht, menschenfrucht, nachfrucht, samenfrucht, schalenfrucht, schotenfrucht, sommerfrucht, steinfrucht, südfrucht, treibhausfrucht, unglücksfrucht, winterfrucht, zuckerfrucht, zwillingsfrucht. die bedeutungen aber in ihrer entfaltung sind:
1)
das aus der blüte zur fortpflanzung hervorgegangene eszbare gebilde der halm- und holzpflanzen.
so woll wir schieben (hinaus-, aufschieben) dise dink,
unz ain frucht die andern prinkt.
fastnachtsp. 626, 1.
im besondern:
a)
getreide, in welchem sinne das wort als collectivum nicht im pl. gesetzt wird, ausgenommen bei Luther, wenn er, wie es scheint, die vielheit hervorheben oder die fruchtkörner bezeichnen will, und dann gegenwärtig in der sprache des gewöhnlichen lebens, wenn getreidearten gemeint sind, wie auch in zeitungen hier und da der pl. die getreide vorkommt. etlichs fiel auf ein gut land und es gieng auf und trug hundertfeltige frucht. Luc. 8, 8; es war ein reicher mensch, des feld hatte wol getragen, und er gedachte bei im selbs und sprach: was sol ich thun? ich habe nicht da ich meine früchte (fructus meos) hin samle. und sprach: das wil ich thun, ich wil meine schewnen abbrechen und gröszere bawen, und wil drein samlen alles was mir gewachsen ist und meine güter. 12, 17; es sei denn, das das weitzenkorn in die erde falle und ersterbe, so bleibts alleine. wo es aber erstirbet, so bringets viel früchte (= körner). Joh. 12, 24; die frucht ist noch nicht aus dem felde. Göthe 15, 42; ein einziges groszes steinernes gebäude, zu aufbewahrung der frucht, bemerkte ich, das einen reichen besitzer ankündigte. 43, 72;
und wir bringen die frucht herein, wie das heu schon herein ist,
trocken.
40, 235;
(ich) sah die goldene frucht den garben entgegen sich neigen.
267;
heulend kommt der sturm geflogen,
der die flamme brausend sucht,
prasselnd in die dürre frucht
fällt sie, in des speichers räume,
in der sparren dürre bäume.
Schiller 78ᵇ.
die früchte (= getreidearten) sind im preise gesunken, in die höhe gegangen. die frucht ergibt sich = gibt aus:
Benjamin: die ernd, die ist nun, gott lob, aus,
das man yetzt kompt wider zu haus.
Juda: die frucht, die hatt sich wol ergeben.
Nicod. Frischlin deutsche dicht. 115.
ein reiche ernd hatt gott beschert,
damit er vieh und leut ernehrt,
dann gerstn und weitzn sich wol ergeben,
mein tenn ist voll u. s. w.
120.
Aus dem pl. früchte, zumal vom getreide gebraucht (vgl. oben die stelle Luc. 12, 17), gieng der wetterauische, oberhessische sg. die frücht = das getreide hervor, welcher auch, der mundart entnommen, bei dem Wetterauer Erasmus Alberus sich findet. so in dessen dictionar. einigemal neben frucht: arvales fratres, qui sacra publica faciebant, dasz die frücht wol geriet; flagello annonam, ich mach die frücht thewer. biijᵃ; sufferraneus, der frücht ins heerlager fürt mit geringen karchen. ss iiijᵇ. die form frucht aber ist der wetter. mundart fremd. Von der gesammtheit der körner geht dann, wie bei getreide, der ausdruck im gewöhnlichen leben auf die sie tragenden pflanzen über: wenn die frucht im frühjahr schön steht, so hofft man eine gute ernte; ist die frucht schon in halme geschoszt, so musz man den acker nicht mehr betreten. wetterauisch, oberhessisch auch in diesem sinne der sg. die frücht.
b)
obst, beeren als collectivum. welcher baum nicht gute frucht bringet, wird abgehawen und ins fewr geworfen. Matth. 3, 10; mit den bäumen, die um uns blühen, grünen, frucht tragen. Göthe 17, 291;
die bäume stehn der frucht entladen
und gelbes laub verweht ins thal.
Voss 5, 7.
welcher pflanzet einen weinberg und isset nicht von seiner frucht? 1 Cor. 9, 7; der stachelbeerstrauch, der johannisbeerstrauch hängt voll frucht. hier bei Alberus wieder, doch in dem sinne nicht mehr wetterauisch, die form frücht. so in der schrift widder Jörg Witzeln K 7ᵇ man sol bald an der frücht erfarn, was ich für ein baum sei. aber frucht steht auch von dem einzelnen aus der blüte der holzpflanze hervorgegangenen eszbaren gebilde und in diesem sinne mit pl.: an dem baume hängt frucht an frucht; welcher bawm nicht gute früchte bringet, wird abgehawen u. s. w. Luc. 3, 9;
ein guter baum trägt gute frucht,
kein böse man am guten sucht.
Henisch 1270;
goldne früchte seh ich glühen
winkend zwischen dunkelm laub.
Schiller 47ᵇ;
hier bei früchten und milch unter dem halmendach
weil', o freundin, bei mir.
Hölty (1804) 76.
früchte einmachen; früchte brechen, sie reif vom baum abbrechen, auch bildlich:
alle deine wünsche brechen
ihre früchte hier in ruh,
milch und honig flieszt in bächen,
töne wie vom himmel sprechen
labsal dir und segen zu.
Bürger 74ᵇ.
2)
jedes aus der blüte zur fortpflanzung hervorgegangene genieszbare gebilde. die erdbeere ist eine angenehm schmeckende frucht;
der sonnen glanz und gang, so mit liecht, lust und frucht
die erd, das herz und aug erfüllet und ergötzet.
Weckherlin 186 (ps. 74, 15).
überhaupt auch ein jenem gebilde ähnliches an der pflanze, wenn es genieszbar ist, z. b. eine wurzelknolle u. s. w. die kartoffel ist für uns eine nothwendige frucht. in mehr wissenschaftlicher bezeichnung aber wird jedes aus der blüte zur fortpflanzung hervorgegangene gebilde, gleichviel ob genieszbar oder ungenieszbar, frucht genannt. so ist der same einer jeden pflanze ihre frucht.
3)
im weiten sinne wird auch frucht überhaupt von dem, was die erde genieszbares hervorbringt, namentlich für den menschen. gebraucht:
nun bricht heran die sommerszeit
mit lieblichkeit so süsze,
dasz all ihr frucht die erde geit (pfälzisch = gibt, mhd. gît),
dasz man ihr mög genieszen,
kraut laub und gras
in reicher masz,
die bäum ihr blüt erzeigen;
die reben gewinnen augen schon,
in frucht zu gohn (= mhd. gân),
der ackerbau
wächst her aufs nau,
thut uns den sommer eigen.
F. Müller die schafschur s. 6 = werke 1, 228.
früher auch selbst von der duft ausströmenden blume als erzeugnis der erde:
wann (denn) unter allen früchten, der da sein,
nicht lustsamers ist noch nie wart,
wan (als) der edl veiol (das edle veilchen) zart.
fastnachtsp. 413, 26.
4)
das durch zeugung hervorgebrachte junge, ungeboren oder geboren, partus, fetus:
ein muoter ir fruht gebirt:
diu fruht sînr muoter muoter wirt.
von dëm waʒʒer kumt daʒ îs:
daʒ læt dan niht decheinen wîs,
daʒ waʒʒer kum ouch wider von im.
Parz. 659, 23—27;
gesegenet wird sein die frucht deines leibs, die frucht deines lands, und die frucht deins viehs, vnd die früchte deiner ochsen, und die früchte deiner schaf. 5 Mos. 28, 4. besonders von menschen, das kind: denjenigen, so auch den weibern untüchtig sind zur frucht. Luther 3, 99;
demnach Eva aus irem leib
gar manche schöne frucht gebar.
Wickram d. irr reitend bilger E 2 bl. 14;
dem (der teufel ist gemeint) man in der jüden land
erster mütter frucht verbrandt.
A. Gryphius 1, 60;
liesz ungeborne frucht aus schwangern leibern schneiden.
s. 149;
indem ein jahr hernach die schmerzliche zeitung bei mir einlief, dasz meine getreue mutter am 16. april 1724 samt der frucht in kindesnöthen todes verblichen sei. Felsenb. 1, 2;
denn Helenen gaben die götter
keine frucht, nachdem sie die liebliche tochter geboren,
jene Hermione, schön, wie die goldene Afrodite.
Voss Odyssee 4, 13;
wehe deinen (Messinas) müttern
und kindern, deinen jünglingen und greisen,
und wehe der noch ungebornen frucht.
Schiller 507ᵃ;
in noch engerm sinne blosz vom ungebornen kinde: um die frucht kommen = eine fehl-, frühgeburt haben. Rädlein 306ᵇ; eine unzeitige frucht gebären, abortum facere; eine frucht abtreiben. vordem auch von erwachsenen.
kunt (kommt) zu hof ein biderman,
sie lânt in lange vor in stân
und bietent im kein zuht.
sie sprëchen: daʒ ist ein alt fruht (= einer der nicht mehr in die zeit passt).
ër sol rauchfaʒ umb kirchen tragen
und sol sitzen ûf dën wagen,
dër einer bæren (bahre) gelîch ist,
wan ër hât nit muot in dirre frist.
Altswert 55, 12.
selbst kosewort für die geliebte in gedichten des 15. und 16. jh.:
junkfrau, durch eur höchste zucht,
die an eu leit, vil werde frucht,
junkfrau, seit ân argen list!
fastnachtsp. 409, 33;
du mein edel frucht,
dein geberd und zucht
liebt mir vor andern allen.
Ambras. liederb. 154, 7.
aber auch biblisch für nachkommenschaft: ire frucht wirstu umbbringen vom erdboden und iren samen von den menschen kindern. ps. 21, 11. Hierher gehören noch die verbindungen frucht der liebe, der neigung. alle unsere verwandten fordere ich auf, von zeit zu zeit zeugen der zärtlichkeit zu sein, mit der ich dir (Evchen ist gemeint) und der theuren frucht unserer liebe (dem neugebornen söhnchen) bis ins grab begegnen werde. H. L. Wagner Evchen Humbrecht 142; (mein vater) beschlosz diese späte, gesetzmäszige frucht der liebe mit eben der sorgfalt zu verheimlichen, als man sonst die frühern zufälligen früchte der neigung zu verbergen pflegt. unsere mutter kam heimlich nieder, das kind wurde aufs land gebracht und der alte hausfreund, der nebst dem beichtvater allein um das geheimnis wuste, liesz sich leicht bereden, sie für seine tochter auszugeben. Göthe 20, 264. In verbindung mit böse hat frucht, von der bedeutung kind ausgehend, einen nachtheiligen sinn und böse frucht meint einen ausgelassenen, schlimmer streiche vollen, ungerathenen menschen. soldaten, so im felde tapfere leute, im quartier stänker, mauser und böse früchte sein. Butschky Patm. 532. doch erscheint das wort in dieser bezeichnung sehr selten; der allgemein gebrauchte ausdruck ist das dim. früchtchen, auch früchtlein, früchtel, welche zunächst auf die bedeutung ungerathenes kind hinweisen. s. früchtchen.
5)
das aus etwas hervorgehnde
a)
als ertrag, nutzen: so sind die früchte eines landgutes das was dasselbe abwirft, die früchte eines capitals dessen zinsen. frucht schaffen = nutzen, vortheil bringen: wie drei regiment in einem gewaltigen feldzug müssen sein und keins one das andere wol frucht schaffen mag. Fronsperg kriegsb. 1, 77ᵃ.
b)
als erzeugnis, ergebnis: ich wil euch heimsuchen, spricht der herr, nach der frucht ewers thun. Jer. 21, 14; sie wird gerhümbt werden von den früchten irer hende und ire werk werden sie loben in den thoren. sp. 31, 31; sehet zu, thut rechtschaffene früchte der busse. Matth. 3, 8;
ists gläublich, dasz dich gott zernichte?
er schuf dich viel zu grosz und schön.
schau, welch ein glanz! schau welche früchte
aus edler seelen trieb entstehn!
Drollinger 19;
seht, wie die wahre tugend krönen
und edle seelen zieren kann!
bemerkt die wirkung reiner triebe,
die frucht des glaubens und der liebe.
Gottsched ged. 2, 210;
o, bund, den stolz und wollust schlosz!
verbrechen, dessen frucht ich schon zu lang genosz!
Gotter 2, 24;
undank ist meines flehns, hohn meiner güte frucht?
62;
seit der zeit hat er (der schuhflicker) sie (die in des schuhflickers frau verwandelt gewesene böse frau von Liebreich) so gezüchtiget, dasz sie (der herr von Liebreich ist angeredet) unfehlbar die früchte seiner zucht genieszen werden. C. F. Weisze kom. op. 2, 84; hier, barbar! weide dich an der entsetzlichen frucht deines witzes, auf dieses gesicht (der todten Louise) ist mit verzerrung dein name geschrieben. Schiller 213ᵇ;
lasz mich genieszen meiner arbeit frucht.
Uhland Ludw. d. B. 160;
das werk ist eine frucht (= ein erzeugnis) seiner musze; diese forschung ist die frucht (= das ergebnis) einer reise, auf welcher er mehrere bibliotheken besuchte. doch kann frucht in einigen der angeführten stellen auch in der folgenden bezeichnung gefaszt werden.
c)
als folge, erfolg:
alsdann verfolget ich die feind in ihrer flucht
vnd wante nicht zuruck eh dasz ich sie erreichet,
bis mit gerechter straf sie meiner wafen frucht (= erfolg)
verblindet und verbleichet.
Weckherlin 70 (ps. 18, 65);
ihr groszer ruhm, des frommen wandels frucht.
Hagedorn 2, 104;
weh euch! ich seh die frucht,
ihr neuerer, die euer beispiel stiftet:
jahrhunderte durch eure zweifelsucht
und spötterei und tollkühnheit vergiftet.
Gotter 1, 392;
das sind die früchte (= folgen), wenn man weiberrathe nachgibt! 3, 63;
Octavio. o gräfin Terzky, must es dahin kommen?
das sind die folgen unglückselger thaten.
gräfin. es sind die früchte ihres thuns.
Schiller 404ᵃ;
an allen offnen und verborgnen orten,
wo sich die schöne unschuld zeigen kann,
hab ich das netz der späher ausgebreitet;
doch meiner mühe sah ich keine frucht (= keinen erfolg).
499ᵃ.
ohne frucht = ohne erfolg:
lehr, adel, tugent, künheit, zucht
seind zu der lieb nu gar ohn frucht.
Weckherlin 395.
die sachen aber sein ohne frucht zergangen. Schweinichen 2, 207; das gespräch war gut und nicht ohne frucht, denn beide versprachen einander beständig zu lieben. polit. stockf. 257; hierdurch erquickt ritt ich umher, mich mit der gegend nur einigermaszen bekannt zu machen, ganz ohne frucht, diese flachen hügel hatten keinen charakter. Göthe 30, 81;
Theseus! ach, vielleicht zum scherze blosz
flohest du von meiner schlummerstätte?
Theseus! ruft sie (Ariadne), aber ohne frucht;
nur der nachhall aus der felsenbucht
seufzet, da sie angstvoll horcht, der armen
Theseus! zu, wie aus erbarmen.
A. W. Schlegel ged. 40.
6)
das im boden was das wachsthum fördert, feuchtigkeit, dünger. so nach Adelung 2, 325 f. und 4, 138 bei den landleuten Meiszens: es ist keine frucht in der erde = keine feuchtigkeit; die winterfrucht (= winterfeuchtigkeit) gibt den gewächsen mehr nahrung als die sommerfrucht (= sommerfeuchtigkeit). in dér bedeutung gebraucht man das wort nicht im pl. Dieses steht
7)
bildlich,
a)
zunächst mit beziehung auf blatt, blüte: damit aber der fried, in welchem du zu herschen und deine unterthanen zu beschützen begehrest, nicht nur blätter uns herfür bringe, unter deren schatten wir sicher mögen nieder sitzen, sondern auch frücht der reichthumb und vermögens dargebe u. s. w. Schuppius 735. doch könnte auch in dieser stelle, da von anheben und fortführen des ackerbaues die rede ist, die eigentliche bedeutung gemeint sein. warumb solten auch nicht unserm vatterland ... seine eigne sprache und derselbigen blumen und früchten schön lieblich und lieb sein? Weckherlin vorr. zu den weltl. ged.;
und er fordert sclavendienste,
immer heitrer wird sie nur,
und des mädchens frühe künste
werden nach und nach natur.
und so stellet auf die blüte
bald und bald die frucht sich ein,
ist gehorsam im gemüthe,
wird nicht fern die liebe sein.
Göthe 1, 252;
Don Cesar: wir werden uns wie herzensfreunde lieben,
der lang gebundne trieb wird freudger nur
und mächtger streben in der neuen sonne,
nachholen werd ich das verlorne leben.
Don Manuel: die blüte deutet auf die schöne frucht.
Schiller 494ᵇ.
b)
mit beziehung auf saat:
o streu in deinem volke solche saat,
dasz beszre früchte dir gedeihn als mir.
Uhland Ernst 18.
c)
überhaupt als bezeichnung von etwas woher oder wodurch gebildetem u. dgl.: ein bien ist ein kleines vögelein und gibt doch die allersüsseste frucht. Henisch 1269.
d)
mehrfach nach biblischem ausdrucke verwendet. so in verbotene frucht mit bezug auf die im paradiese 1 Mos. 2, 17 und 3, 3:
betrachtet euch als bruder und als schwester.
dasz der verbotnen süszen frucht
euch ja nicht vor der zeit gelüste!
Wieland Oberon 6, 9;
der sang und tanz und kusz und gläserklang
(jetzt ihm verbotne frucht!) auch noch als zeuge liebet.
Gotter 1, 284.
nach frucht des mundes (spr. 12, 14. 13, 2), der lippen (spr. 18, 20. Jes. 57, 19. Hebr. 13, 15) = worte, rede:
den frommen mit list, macht und schand
betriegen, martern und hinrichten,
seind seiner zungen, seel und hand
die unverhinderliche früchten.
Weckherlin 37 (ps. 10, 9);
so sol dein recht gerichte
von mir gepriesen sein durch dieser zungen früchte (= worte).
Fleming 21 (ps. 101);
sieh die blüte dieser wange!
lust verheiszend winke dir
dieser lippe frucht (= kuss), wie mir!
Bürger 74ᵃ.
e)
in verbindungen wie: zu früchten bringen = in bessern stand setzen, tüchtig oder tauglich machen, herstellen. P. Scipio hat das hehr widerumb zu früchten gebracht. Tacius bei Fronsperg 3, 273ᵇ; das ist ein tödtlichs anzeigen, daruber das ross am 11. tag umbfellt, will mans denn wider zu früchten bringen, so brauch nachfolgende arznei. Seuter rossarznei 37. zu früchten kommen = fruchtbar werden, in den gewünschten stand kommen. damit die gabe gottes ... deste reicher ins werk und zu fruchten komme. Luther br. 2, 530. zucht und frucht = feine sitte und ergibige wirksamkeit. so ist hochgeehrte, von frucht und zucht edle herren die anrede eines in Butschkys kanzellei s. 171 stehenden briefes, der anfängt so jemand sich erkühnen darf, ihrer hochansehnlichen vilfruchtenden geselschaft seine dinste aufzutragen, so u. s. w. Mhd. fruht, vruht bedeutet auch in weiterer entwicklung des begriffes das geschlecht, den stamm:
von küneges frühte was sîn art (= herkunft).
Parz. 41, 13;
ër gab im darnâch über kurt (= über kurze zeit)
ein wîb von êrhafter vrucht (= familie).
pass. Köpke 151, 93.
s. Benecke 3, 428ᵃ. diese bedeutung aber ist schon vor der nhd. zeit völlig erloschen. Dagegen findet sich im 17. jh. ein im mhd. unerhörtes der frucht:
dan deiner gnad trostreichen frucht
erwartend unverdrossen.
Weckherlin 28 (ps. 9, 2);
der überflüssige reiche frucht ist zu end des wercks zu hoffen.
Schuppius 715;
an dem frucht und des volks meinung nach, welche die weisheit der eloquenz oder wolredenheit.
725.
es erscheint dieses geschlecht pedantisch angenommen nach lat. fructus, welches m. ist. anders ist es, wenn zu Nürnberg der fruchtbrantwein schlechthin der frucht genannt wird, denn hier bildete sich das m. durch kürzung, die brantwein hinzudenken läszt:
pomeranzn und frucht.
Weikert ged. in Nürnb. mundart 146.
Übersieht man zum schlusse die bedeutungen von frucht, so sind sie zunächst denen des lat. fructus gemäsz. dieses aber ist desselben ursprunges mit lat. frui (statt frugu-i) = von etwas genusz haben, nutzen ziehen, frux (gen. frugis), frumentum, welchen, wie 2, 315 gezeigt wurde, unser brauchen entspricht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1866), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 259, Z. 60.

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„frucht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/frucht>, abgerufen am 03.08.2021.

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