furz m
Fundstelle: Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 950, Z. 68
ein bauchwind, flatus, ventris crepitus. hochd., nicht vor dem 12. jh. nachweisbar, furz, mhd. vurz, furz, mnl. bei Kilian vort, nd. furt (brem. wb. 1, 470), fort (Dähnert 136ᵃ. Danneil 56ᵃ. Schambach 277ᵇ). es ist dem pl. praet. des ahd. wurzelverbs fërzan (s.farzen) entsprossen und stimmt der lautverschiebung gemäsz und auch selbst in seinem vocal mit dem gleichbedeutenden gr. πορδή. daneben aber zeigt sich, ebenfalls im 12. jahrh., einmal ein dem praes. entsprossenes firz (Graff 3, 705), das in seinem vocal mit ags. feort, engl. fart, altn. frëtr, schwed. fjert, dän. fjert, fjärt, stimmt und lit. pirdis, perdis, pirdá, lett. pirdens, lat. peditum (s.farz) entspricht. nhd. kommt im 15. und 16. jh. neben furz die der volkssprache Mitteldeutschlands entnommene form forz (s. d.) vor, die einwirkung der niederdeutschen, senkung des u zu o zeigenden fort (Schambach 277ᵇ. Danneil 56ᵃ) ist. sie findet sich in Luthers schriften, die einzige unten angeführte stelle tischr. 199ᵃ ausgenommen; aber sie verliert sich bald wieder und bleibt dann blosz mundartlich. dagegen scheint ein früheres farz (s. d.) erst von dem verbum farzen abgeleitet. am geläufigsten von allen dreien ist furz. truntz, furtz, trulla. voc. theut. 1482 hh ijᵃ. bombus, ein furtz oder scheysz. vocab. gemma-gemmar. (Straszb. 1505) c 6ᶜ. crepitus, ein knall, don, furtz. Dasypodius 44ᵇ und danach Serranus f 1ᵃ. furtz, crepitus ventris. Alberus KK ijᵃ. furz, scheisz, crepitus. Frischlin nomencl. 46. bei Henisch 1315 der sg. fürtz und furtz. furtz. Hulsius. Schottelius 1321. Wilhelmi. Rädlein. Dentzler 1, 175ᵇ. Weismann. Kirsch. Ludwig. Aler. Steinbach. Matthiä. furz. Stieler 435. Frisch. Nieremberger. Moerbeek. Weber deutschlat. universalwb., Adelung u. s. w. eintheilung und beschreibung der fürtze enthält die abhandlung de peditu in den facet. facetiarum s. 74—98), und vom Schlaraffenland heiszt es
ein furtz gilt einen Binger haller.
H. Sachs I, 544ᶜ;
er hat ein stimlin nach der kürtz,
wie ein esel bricht die fürtz.
Murner luther. narr 2870;
mein hertz (spricht des bauern tochter) steckt gen jm liebe vol,
geleich wie ein esel mit fürtzen,
bitt, wölst die heyrat nit verkürtzen.
II. 2, 39ᵃ (29ᵇ);
hat man doch nur eins furtzs gelacht. Fischart Garg. 137ᵃ (1608 Q 7ᵇ), = über einen f.; botz hinden und fornen, dise gebratnen kästen mit newem wein eingenommen seind gute compositores und modelgiesser der fürtz. 1608 Gg 1ᵃ; ob sie (die fürstin, an der ein lobender arzt alles als fürstlich preist) dann auch einen fürstlichen furtz liesse? Zinkgreff apophth. 1, 145. ein stillschweigender furz, der nicht hörbar ist: so liesz er (Eulenspiegel) ein stillschweigenden furz schleichen, daz er zumal ubel stank. Eulenspiegel nr. 15. ein schleichender, verbiszener (= unterdrückter) furz. Stieler 450, vgl. nachher einen furz verkrümen bei Fischart. ein starker, knallender haubtfurz. ebenda. ein lauter furz (Rädlein), überhaupt der hörbar ist: einen lauten furz lassen, dasz die ziegel davon auf dem tach gezittert. franz. Simpliciss. 1, 47. ein groszer furz, von starkem schalle: mhd.
daʒ sint guote würze
für die grôʒen fürze.
gute speise nr. 54. Haupt 5, 15.
Môrolt wart die stat zu kurz,
ër lieʒ vor dër kunigin ein grôʒen furz.
Morolt 1280,
in Eschenburgs handschr., die dem 15. jh. angehört und in mitteldeutscher sprache geschrieben ist, forz wie vorher korz. nhd.
und liess einn grossen furcz, sam e (wie vorher).
ring 38ᵃ, 13;
da liesz der pfaff einen grossen furz. Eulenspiegel nr. 12; unnd liesz einen grossen furtz. Frey gartengesellschaft 63ᵇ. ein guter furz, in demselben sinne:
sun, thu ein guten trunk auf die wurz,
so wirstu davon laszen ein guten furz.
fastnachtsp. 64, 30.
ein übler oder sauerer furz, ein übel riechender: wilt du ubel fürz lassen, so gang us der stuben in den hof. Eulenspiegel nr. 52; Ulenspiegel ... gedacht: ein bös pfligt das ander zuͦ verdreiben und liesz so ein suren furz, das der meister mit seiner frawen muͦsten die nasen zuͦ halten. ebenda. ein stinkender furz. Stieler a. a. o. ein dreckichter furz. ebenda. ein schnöder furz, den man mit verwünschung und verachtung nennt, ein schlechter:
verfluochet sî dër snœde furz, ër macht mich zeinem affen (zu einem dem spotte preisgegebenen menschen).
Kolmarer meisterlieder nr. 72, 39.
einen furz verkrümmen, ihn unterdrücken: wer die fürtz verkrümmen will, den grimmen sie herwider viel. lasz rauschen was nicht bleiben will. Fischart Garg. 161ᵇ (1608 T 7ᵃ). einen furz lassen, elliptisch für fahren lassen. schon in den meisten der eben angeführten stellen, aber überhaupt gewöhnlich:
daʒ ër nie keinen furz gelieʒe offenbâr.
Kolmarer meisterlieder nr. 72, 28;
des wolt sey (sie) sich do puken,
die floh ze tot ertruken:
secht, do ward ir dhaut ze kurcz,
ir geschach nicht recht, sey liess einn furcz.
ring 38ᵃ, 3;
es gat von mir ein böser gschmack
und han ein furz in dkilchen glan.
Etter Heini 541;
der pfarrer liesz vor angst ein furtz.
Gengenbach 286, 938;
als mich bedunckt, so hastu ein furtz gelassen. S. Brant bei Steinhöwel 146ᵇ; das pferdtlin auch ein furtz hat gelassen. Pauli schimpf 76ᵃ; der wirt ... liesz einen furz und uf der stet noch einen. Eulenspiegel nr. 79. einen furz lassen. Rädlein. Ludwig. Steinbach. Hederich. Nieremberger. Weber deutschlat. universalwb. zutritt eines weitern verbums bei lassen zeigt sich in stieben lassen:
lasz fürz in die luft hin stieben.
grobianus D 3.
einen furz streichen lassen, züchtiger elliptisch einen streichen lassen. dann einen furz vor lassen traben. Hellbach grobianus 229ᵇ. mit einem verbum, das wie lassen steht: einen furz umher gehen heiszen, andere zur nachfolge auffordern, der reihe nach auch einen zu lassen, bis diese wieder an den ersten kommt: oder wie das frawenzimmer desz ulmischen fartzenden legaten lacht, da er den furz hiesz herumbher gehn: jhr finds in Bebels bibel. Fischart Garg. 156ᵇ (1608 T ijᵃ), s. Bebel facetiarum libri tres (Lips. 1602) s. 112, wo die begebenheit erzählt ist. einen furz schleichen lassen, s. vorhin die stelle aus Eulenspiegel nr. 15. zu einem andern verbum gefügt: einen furz riechen. hör, Juvenal, stosz den hund ausz, wer hat so gefeust, was? kanstu kein hundsfurtz riechen, so solt du kein wildpret fressen. Fischart Garg. 87ᵇ (1608 K 7ᵃ). andere verbindungen mit verben sind ein furz entfährt, entrinnt, entwischt:
entfuͦr jr ob dem disch eyn furtz.
Brant narrensch. 110ᵃ, 142;
ichn weiʒ wie jr geschach daʒ ir ein furz entran ...
„nu ist mir einr entrunnen gar ân argen wân.“
Kolmarer meisterlieder nr. 72, 2. 7;
ich lachet das (dasz) mir ein furtz entwust.
Berner fastnachtsp. von 1522 C 7ᵃ = N. Manuel fastnachtsp. 372.
derber witz liegt in dann ein knopff an eim furtz sah ich nie machen. Fischart Garg. 286ᵇ (1608 Ll 6ᵃ). noch heute hört man in gemeiner derber sprache einen knopf in einen furz machen, diesen aufhalten dasz er nicht weiter kann, ihn im weiterfahren hemmen. vgl. knopfet fist 3, 1691. livländ. hört man in gemeiner rede ein furz mit einem stengel, dem etwas koth nachfolgt. Gutzeit 1, 302ᵃ. in beziehung auf vollen schall, wie die voll austönende stimme des mannes, der schall des hornes, das bellen des hundes, gilt auch der furz als bestimmung oder masz der raumweite. dies in dem rechte des vormals dem bischof zu Würzburg gehörigen Salzforstes, wenn es heiszt ëʒ sol ouch nîman kein wilt jagen in sînem (nemlich des Salzforstes) îngange noch in sînem ûʒgange dës sëlben waldes in dër banmîle:
und daʒ ist eins hornes geschelle,
eines hundes gebelle,
eines hamers wurf
und eins schalkes furz.
monum. boica 39, 278,
d. h. als die raumweite beträgt, in der der schall eines hornes, ferner der schall vom bellen eines hundes gehört wird, von da an der wurf mit dem hammer abreicht und endlich noch der schall von dem furz eines knechtes hörbar ist. sonst wird der furz als derbes zeichen verächtlicher abweisung, auch mit verachtung gepaarten hohnes, überhaupt tiefer verachtung angesehen: wenn (bei erscheinung und anfechtung des teufels) das argument nicht hilfft, quod christianus est sine lege et supra legem, so weise man jn flugs mit einem furtz ab. Luther tischr. 199ᵃ;
was? beutst du beschnittenen juden den hohnfurz?
Voss Horaz (1821) sat. 1, 9, 70.
tiefe verachtung drückt sich auch aus in der redensart einem mit fürzen ausläuten, ihn, anstatt mit ehrendem feierlichem glockengeläute, mit fürzen, d. h. schimpflich, beerdigen: darumb tritt ich in mein fürnemmen, zubeschreiben die buͤcher de peste mit seinen anhangenden früchten, und wirt mich der gegentheil mit jhrem maulgeschwetz und erhalten wöllen der alten schrifften nit bekümmern ... . darumb wirt mich jhr keiner abrennen: viel drewen sie, aber der vom drewen stirbt, dem leutet man mit fürtzen ausz. Paracelsus (1589) 3, 150. dies ist denn auch sprichwörtlich, doch findet sich nicht immer die nemliche fassung: altbairisch wer vom drohen stirbt, den soll man mit fürzen begraben. Delling 1, 190, früher wer von dröwen stirbt, den soll man mit fürtzen begraben (verlaiten). Henisch 1315, 48, wo aber durch einen druckfehler fürwitzen steht. so angewandt in
du tröwest mir vil und wilt mich haben,
mit fürtzen muͤst man mich begraben,
wann ich von deinem treuwen stürb.
Murner luther. narr 3471.
wer von dreuen stirbt, dem soll man mit fürtzen zu grabe läuten. Steinbach 1, 532. noch verächtlicher und schimpflicher wird der ausdruck hier, wenn mit eselsfürzen statt mit fürzen gesetzt ist, wie die stellen von Nasus im Nasenesel 26ᵇ, dann von Gartnerus und Gryphius unter eselsfurz 3, 1152 haben, wobei auch ausläuten 1, 905 zu vergleichen ist. andere derbe sprichwörtliche redensarten und sprichwörter mit furz sind: schlesisch
besser ein furz entrannt,
als ein dorf abgebrannt.
Weinhold 24ᵇ.
ehemals wetterauisch wann der furz fort ist, batt (battet, hilft, nützt) kein arschklemmens mehr, wenn etwas geschehen ist, läszt es sich nicht mehr verhindern oder gar ungeschehen machen. eigene fürze riechen wohl. Simrock 2956. alte fürze stinken. 2957. ein furz in der weiten welt ist besser als in dem engen bauch. nd. bei Danneil 59ᵇ. auffahren wie ein furz im bade, eine mehr in Sachsen vorkommende redensart. fährt auff als ein furtz im bad. facetiae facetiarum (1645) 486; ich hätte mirs nimmermehr eingebildet, dasz ihr eines wortes wegen so auffahren solltet, wie ein forz im bade. Stoppe Parnasz 525. er fährt umme wie ne furz in der laterne, ist zu unstet. aus den solothurnischen dörfern Grenchen, Bettlach und Salzach bei Schild der groszätti s. 81 nr. 277. s. auch Frommann 5, 37, 99. bey einem tauben ein (einen) furtz lassen, in beziehung auf jemand gesagt der unempfindlich ist, bei jemand etwas thun das vergeblich ist. Henisch 1315, 39. 42. man kann keinen ruhigen furz lassen, ist zu beschäftigt oder durch andere sehr geniert. s. Wander 1, 1294, 14. aus einem furz einen donnerschlag machen, zunächst wie wir auch sagenaus einer mücke einen elephanten machen“, etwas in ungemeszner übertreibung vergröszern, dann so viel als aus ganz geringem viel wesens machen, weiter so viel als grosz thun wo doch nichts ist. du wilt ausz einem furtz ein donnerschlag machen. Henisch 1315, 44, wo donnerschlag durch büchsensschosz erklärt wird, das in klammern beigesetzt ist, das volk aber meint einen wirklichen donnerschlag und Stieler 435 hat ausdrücklich die fassung den furz zum donner machen, was selbst siebenbürgisch-sächsich vorkommt. Frommann 5, 37, 98. dasz der wirkliche donner zu verstehn ist, ergibt sich auch aus einen furz mit dem donner vergleichen, eine mücke mit einem elephanten. s. Steinbach 1, 532, und vgl. hierbei donnerschlag 3.
besser ein furtz dann ein aug ausz.
grobianus E iijᵇ,
besser ein kleines übel, als ein sehr groszes. ihm kommt jeder furz in die quere, er ist über alles verdrieszlich. Frischbier preusz. sprichw. 75, 1031. wenn ihm ein furz in die quere kommt oder, wie man anderwärts sagt, quer liegt (= wenn ihm nur das allergeringste fehlt), so ist er krank. 1032. er ist auf den furz gepfropft, es ist aus mit ihm. 1030. er will aus einem furz zwei fiste machen, er ist ein erzknauser. nd. bei Dähnert 136. sprichwörtlich scheinen: sawr heisz gewürtz, bringt saur heisz fürtz. Fischart Garg. 57ᵃ (1608 G 1ᵃ). heisse lieb gibt heisse fürtz. 271ᵇ (Kk 1ᵃ). ein sprichwörtlich gebrauchter witz aber scheint he he bäszlein Trein, röste mir disz biszlein zum wein, pa po geröst fürtz in der schaffschellen. L 8ᵇ (Scheible 171). züchtiger ist auf die frage was essen wir? die die speise verschweigende ehemalige wetterauische antwort gedörrte flöhzungen und eingebeizte kellerthüren. Endlich scheint furz auch als schelte gebraucht zu sein. Blöckabalzer. ein hundsfott spricht, dasz ich euch einen forz geheissen habe. Mählcasper. je nu! ist es doch schon gut. wenn ihr mich keinen forz geheissen habt, so sind wir wieder gute freunde wie zuvor. Stoppe Parnasz 523. doch diese äuszerungen knüpfen sich an die vorhin aus Stoppes Parnasz angeführte sprichwörtliche stelle an.
Zitationshilfe
„furz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/furz>, abgerufen am 16.06.2019.

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