Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

futteral, n.

futteral, n.
eine feste oder steife kleinere hole auszenbekleidung eines gegenstandes, der zu aufbewahrung oder schutz gegen versehrung in dieselbe eingelegt oder geschoben wird, bei den Franzosen étui. entlehnt aus mittellat. fotrale n., welches von dem aus ahd. fotar, fuotar aufgenommenen ebenfalls mittellat. fotrum abgeleitet ist. dieses fotrale mit seiner bedeutung bringt Diefenbach in seinem nov. glossar. 180ᵇ bei, wo er aus einem wol noch in das 15. jahrh. fallenden nd.-lat. vocabularius anführt: vouder, dar eyne tafelen in sticket, fotrum vel fotrale. daneben bietet der voc. incip. teuton. f 4ᵃ futrale. die entlehnung ins deutsche aber scheint früh im 15. jahrh., vielleicht schon in dem letzten viertel des 14. jh. stattgefunden zu haben. den ältesten beleg nemlich bringt Schmeller 1, 378 aus einem voc. v. j. 1419 bei: futær vel futral, futrum. geläufig jedoch wird das wort erst im 16. jh.: item ein uberzogne, mit leder gefüetterte unnd beschlagne fueterall (für silbergeschirr). fontes rer. austr. I. 1, 352; item zwen zinen kheller (flaschenfutter) in fuetteralln, ist in yedem vier flaschen. 353; item vier hültzen fueterall zu den glesern. ebenda; item ain fueteral mit zwelf zintällern. ebenda. völlig eingebürgert bei uns findet sich dann das wort im 17. und 18. jh., und wie bereits in jenem Kramer in seinem teutsch-ital. wb. (1678) 497ᵃ futteral und bei diesem besonders futteral zum kelchen, glesern, dann futteral zum harnglas, vesta da orinale hat, so verzeichnen im 18. jahrhundert Aler, Dentzler futeral neben futer, Rädlein, Weismann, Kirsch, Ludewig, Moerbeek, Matthiä futteral neben futter, endlich futteral für sich Otto von Graben (teutsch-ital. handlex. 289), Hederich, Nieremberger, Weber (deutschlat. universalwörterb.), von welchen der erste nicht einmal mehr futter in jener angegebenen bedeutung aufnimmt. was die eigentlich deutschen wörterbücher anlangt, so nimmt Steinbach 1, 536 nach futter auch für sich futteral mit dem pl. futterale auf, setzt Frisch 1, 311ᵇ futter oder futteral an und verweist Adelung unter futteral das ältere futter mit unrecht in das gemeine leben. nur Voigtel, im letzten jahrzehent des 18. jh., hat ohne weitere bemerkung noch futter und futteral, jedes für sich, und läszt beide demnach in gleicher geltung. in ein futter oder futteral stecken. Rädlein 316ᵃ. dasz man sie (diese cautelen) nicht brauchen kann, wie einen habersack, der für alles paszt, was man hinein schüttet, ihn zu füllen, sondern wie ein futteral, das nur für dinge paszt, wozu es gemacht ist. Musäus phys. reis. (1788) 2, 118;
und tausend wunderbare sachen,
wovon euch nie geträumt, aus ihrem futteral
heraus zu ziehn und, stück vor stück besehen,
sie, jedes in sein fach, zurück
zu legen.
Wieland 5, 211;
nun komm herab, krystallne reine schale!
hervor aus deinem alten futterale,
an die ich viele jahre nicht gedacht.
Göthe 12, 43;
scheere steckt im futteral.
41, 35.
Falstaff. aber nimm mein pistol, wenn du willst. prinz Heinrich. gib es mir. wie? steckt es im futteral? A. W. Schlegel Shaksp. Heinrich der vierte I, 5, 2;
Kunigunde. hatt ich ihr nicht gesagt, das futteral (des bildes)? ...
graf v. Strahl. — Ihr wolltet das futtral? ...
Kunigunde. warum nahmst dus heraus, aus dem futteral?
Käthchen. das bild, halb aufgerollt, im schreibtischwinkel,
den ich erschlosz, lag neben dem futtral ....
hätt ichs hinein erst wieder ordentlich
in das futtral —
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbronn (1810) s. 137 f.
seltener von einer anpassenden hülle zu schutz oder verbergung des darunter befindlichen: der kostbare dreyfusz (von weiszem marmor) geht nächstens zu grunde, weil er frei steht, gegen westen der witterung ausgesetzt. mit einem hölzernen futteral wäre dieser schatz leicht zu erhalten. Göthe 27, 64. dichterisch selbst von einer hülle, die aus tuch gemacht ist oder, wie in der folgenden stelle, aus einem schleier besteht:
ergreift mit eigner hand das futteral,
enthüllt den diamantnen schild und wendet
dem feinde zu den freien, offnen strahl.
Gries Ariost 10, 50, vgl. 8, 11.
endlich nennt man bei insecten eine scheide, in der ein glied sich befindet, futteral: die zwey fühlhörner in ihrem futteral stehn (bei dem wurm der breitleibigen libelle) vornen heraus. Frisch insecten 8, 20; die zwey fühlhörner (des blütmadenkäfers) haben ihr futteral neben am maul, als einen knebelbart. 13, 30. s. auch saugstachelfutteral. Eine in Baiern geläufige redensart ist: ein fuetteral über alle narren u. dergl., ein narr über alle narren, ein ausbund von narren. Schmeller 1, 578. zusammensetzungen, in welchen futteral letztes wort ist: brillenfutteral, flötenfutteral, hutfutteral u. s. w.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1074, Z. 69.

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Zitationshilfe
„futteral“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/futteral>, abgerufen am 28.10.2020.

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