gäffen
Fundstelle: Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1140, Z. 47
nebenform zu gaffen (vgl.gäffeln undgaffeln neben einander): es ist ein bös gäffen, daran man würget, als übers. von intrat in os saepe mors et districtio gule. A. Gartneri dict. proverb. 72ᵃ, nach etwas schnappen, es erschnappen, s. dens. spruch unter gaffen II, 2. vielleicht ahd. neben gaffôn auch gaffian, geffian. s. auch gäken neben gaken gaffen.
gaffen
Fundstelle: Lfg. 5 (1872), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1136, Z. 15
hiare, oscitare, spectare.
I.
Geschichte des wortes.
1)
gaffen und kapfen.
a)
gaffen ist im nhd. in seiner hauptbedeutung (3) an die stelle des mhd. kapfen, ahd. chaphêm, kapfên getreten, das dafür ausstarb, wie es schon die wbb. des 16. jh. nicht mehr geben (doch vgl.kapfer aufseher). schon im voc. th. 1482 steht nur 'caffen, umsehen, gaffen' e 4ᵇ (i 8ᵇ), und das erhielt sich in einem gewissen gebrauche länger, s.kaffen. Dieser weichere inlaut bei kapfen zeigt sich übrigens schon ahd. einzeln (s. Graff 4, 370), ziemlich häufig mhd., und nicht blosz in md. oder rhein. quellen wie Roth. 2059, Haupt 11, 495, Rothe rittersp. 3269 (s. nun Lexer 1, 1512):
halb offen tür und venster kaffen
machent vil tœrinne und vil affen.
Renner 12666,
das gaffen an thür und fenster, macht viele mädchen und burschen närrisch verliebt; verkaffen Wolkensteiner 9, 1, 4. Md. z. b. kaffunge speculatio fundgr. 1, 378ᵃ, Dief. 545ᶜ, das. caffstat spectaculum, auch zukaffung. auch nrh. kaffen nach folg.:
des sperwers des moest ir syn
ein gast (fremd, beraubt) und ein achterkaff.
Karlmeinet 186, 58,
der 'das nachsehen hat'.
b)
mnd. capen circumspicere Diefenb. 122ᵇ, ebenso nrh. im Teuthon. 46ᵃ und mnl. (hübsch 'kapen ende kipen' lekensp. vorr. 33), daher nhd. kaper, s. d. diesz kapen ist noch nnd., z. b. hannöv., pomm. (br. wb. 2, 687. Dähnert 217ᵇ), hamb. kyken un kapen, maulaffen feil halten Richey 365.
c)
daneben aber und nnd. gewöhnlicher gâpen gaffen Schamb. 59ᵇ, br. wb. 2, 483, Dähnert 142ᵃ, Stürenburg 64ᵃ, auch mnd. gapen Dief. 402ᵇ oscitare, 276 hiare, daselbst auch nrh. (Cölner gemma), noch in Aachen gappe; ebenso mnl. gapen, nl. gaapen, ferner engl. gape, schwed. norw. gapa, dän. gabe. endlich zwar alts. gapôn nicht bezeugt, ags. geapian Ettm. 416 mit seinem ea unsicher (s.geáp Grein 1, 496, altengl. gape und geape to gape Stratm. 233), aber altn. gapa (gap n. hiatus). ein starkes part. begapen Hölscher nd. geistl. lieder 6 kann nicht wol echt sein (s. 5, 1724).
2)
gaffen für sich.
a)
auch gaffen erscheint schon in mhd. zeit, oberd. wie md., s. Lexer 1, 1512 (mit kapfen vermengt), lieders. 1, 236. 3, 255, teufels netz 3562, vergaffen MSH. 2, 31ᵇ, angaffen Mone schausp. d. mitt. 1, 160. und schon ahd. nach geffida consideratio Graff 4, 370, vermutlich gaffôn, nach dem alem. gaffon des 14. jh. lieders. 1, 236 zu urtheilen.
b)
überhaupt ist gaffen nicht, wie man annimmt, aus kapfen erst entstanden, sondern ein eignes wort und nur früh mit diesem vermischt (s. schon Diefenbach goth. wb. 1, 170), durch vermittelung von kaffen, dem weicheren kapfen. mnd. nrh. kapen und gapen stehn sich klar gegenüber, jenes schauen, dieses das maul aufsperren. kapen, kapfen lehnt sich an kapf (kopf) bergspitze, hohe warte an, zum ausschauen gebraucht, und an kapfen, kaffen, kepfen aufragen (s. nhd. kapfen), wol nach dem aufrecken des kopfes, wie eine stelle Megenbergs noch deutlich zeigt: siht si (die frau) über sich, si ist ain kapferinn, under sich, ain maudrerinn (mürrisch). 286, 19, d. h. wird vom manne so gescholten, spätere lesarten haben kafferinne, gafferinne, den übergang zeigend (vgl. auch altn. kopa, norw. kope erstaunt oder starr blicken Egilsson 474ᵃ).
c)
zu gaffen, gapen aber gehört offenbar altn. gap n. chasma, hiatus, dän. gab loch, lücke, offnes maul, engl. gap, daher nd. gapen, nl. gaepen Kil., engl. gape, dän. gabe und unser gaffen zuerst offen stehn, klaffen, gähnen bedeuten, dann erst mit offnem maule blicken. gaffen, wie nd. md. gappen hat sogar die erweiterte bedeutung schnappen mit dem munde, und diesz auch jappen (wie gähnen auch jähnen).
3)
weitere verwandtschaft.
a)
das engl. gape gaffen heiszt dial. einmal auch gaup (mit andrer stufe des auslauts gauve, gove, gavel), auch schott. gawp, goup (und gove, gaivel, gawe u. a.), was aber wichtiger ist, auch gauk, schott. gouk (engl. auch goggle), 'to stare vacantly or rudely' Halliwell, dazu gauky, gawcum, gawk-a-mouth a gaping fool, simpleton, auch gaups, gauvison. diesz gaup und gauk haben aber das aussehen alter schwesterformen, mit wandelung des wurzelauslauts (s. 5, 6), und die zweite form ist auch bei uns zu finden in gâken als nebenform zu nd. (md.) gâpen, in Sachsen, auch gäken erzgeb., thür., gaffen, maulaffen feil halten, gâkaffe ein gaffer (wie gähnaffe), s.gake 4, gaken gaffen.
b)
und auch der dritte auslaut liegt vielleicht vor in nd. engl. gat loch = gap, womit gasse, mhd. gaʒʒe herzutreten würde; dentalen auslaut zeigt die wurzel auch in schwz. gattern klaffen, dehiscere Rütte 28, obwol mit ungenauem auslaut. aber genau zu dem nd. stamme gat stimmt auswärtig gr. χαδ in χανδάνω, klaffen, offen stehn, vom munde u. ä. auch an gaffen, gapen bietet sich naher auswärtiger anklang in zend. ǵab hiare, auch zaf und ǵap, gap Justi 343ᵃ, skr. ǵabh. zu gaken, gauk vgl. kelt. gag klaffen, auch klaffender risz (Diefenb. orig. eur. 219).
c)
der uralte stamm zeigt aber noch weit reichere ausgestaltung. das gaffen heiszt z. b. schott. auch gamp und gamf, engl. auch gaunt, gaure (Chaucer 3824), gawn. zu gaunt stimmend österr. gänten, bair. ginden, ferner bair. gaumen, gaunen, schles. gäulen, angäulen, und auch gähnen, ginen gehört dazu und weiter mhd. giwen, gewen gähnen (s.gäuen), und daran schlieszt sich genau gr. χάος, das wol urspr. χάϜος war, lat. hiare (und havere begehren? vgl. II, 5) u. s. w.; s. weiter gähnen.
II.
Geschichte der bedeutung.
1)
gaffen den mund öffnen, wofür das schrift- und hochdeutsch ein wort eben nicht mehr hat, so reich daran die mundarten noch sind (s. die ältern oberd. gewen, ginen), denn gähnen gilt nur noch vom schläfrigen.
a)
urspr. von menschen, wie thieren, jenes z. b. nd. in dem sprichw. gaapt, de wîl man ju pap (mus) biet Schottel 1132ᵃ, eig. von kindern. von thieren:
es schreien auch die wilden thier
in diser dürre für und für ...
sie stehn und gaffen jämmerlich (vor durst).
Rist himl. lieder 40,
so noch sächs. von lechzenden thieren (nd. gâpen). dazu gemein, auch von menschen, gaffe f., maul (wie gâke) sächs., tirol. geffe Schöpf 182, dän. gab, schwed. gap n.
b)
länger erhalten in einer bestimmten redensart:
ein wéites maul (d. h. selbst ein w. m.) hat gnug zu schaffen,
wenns widern backofen will gaffen.
Waldis Es. 2, 28, 50,
an weiter öffnung des mauls es mit dem backofen aufnehmen will, altes sprichwort, ein tollkühnes unterfangen, z. b. ein auflehnen gegen einen mächtigen zu bezeichnen, wie folg. deutlich macht:
für dem starken soltu dich krümmen ...
fall nicht dem gröszern in die straf
und nicht gegen backöfen gaff.
Waldis 2, 80, 46;
wer sich eim gröszern widersetzt
und auf in seine zäne wetzt ...
gegm backofen das maul aufsperrt.
1, 37, 14.
so schon mhd. den oven überginen (wollen) Freidank 126, 20, vgl. W. Grimm zu der stelle, J. Grimm Reinh. Fuchs s. xciii; es ist bös gaffen gegen dem ofen, contra potentiorem se defendere Henisch 1332. noch in Aachen gegen den backofen gappen, nd. mit gâpen, jânen Stürenb. 64ᵃ, Strodtm. 18, br. wb. 2, 686 (auch gegen den heven, himmel!, dieser als riesiger schlund gedacht), nl. mit gaapen, auch dat gaapt zo wijd als een oven, 'das ist offenbar falsch'. der ofen, der hausgenosz, wird nämlich gern als person behandelt.
c)
bei Henisch 1354 auch gapfen: der musz weit gapfen, der einen ofen übergapft, und für gähnen: wenn einer gapft so gapfen auch die anderen (gähnen steckt an); ist das wirklich oberd.? nicht nur aus dem nd. oder nl. übersetzt?
2)
Bei Henisch auch gaffen 'nach einem dinge giffzen und schnappen, hiante ore captare', d. h. wie nd. gappen, jappen, schwed. gapa, hd. bestätigt durch folg.:
der hund musz nach dem schatten gaffen,
bisz ihm das fleisch felt aus der laffen (dem maule).
Rollenhagen froschm. O 5ᵃ,
wie schwed. gapa efter skuggen, nach dem schatten greifen oder haschen, eigentlich schnappen (aus der bekannten fabel). dazu ergaffen, erschnappen, bei einem Leipziger des 17. jh.:
als der tod nichts konnte schaffen ...
dacht er, ich will dich (schon) ergaffen,
was behend soll meine sein u. s. w.
Hanmann in Trillers Opitz 1, vorr. * 3ᵇ.
damit erklärt sich auch: es ist bös gaffen daran man würget. Henisch 1332, 33 (vergl. dazu gäffen). das ist unmittelbar aus dem vorigen begreiflich, schwed. gap, dän. gab bezeichnet noch 'das (zum zuschnappen) aufgesperrte maul', rachen, schlund, hd. wol einst gaffe, geffe (s. 1, a).
3)
Offen stehn überhaupt (einem offenen munde, schlunde gleich), wofür es nhd. auszer klaffen auch an éinem worte fehlt; verallgemeinert aus der bed. 1, wie mhd. ginen, lat. hiare, griech. χαίνειν u. a.
a)
nur neuere belege sind zur hand:
dasz die seel' aus der gaffenden todeswunde
schleunig entfloh.
Voss Il. 14, 518;
verfolge die gefahr bis zu dem schwachsten rande
der letzten kluft, die ins gesicht dir gafft.
Thümmel,
die kluft als schlund, rachen gedacht, der sich zum verschlingen öffnet, wie im folg.; weil er denkt, ein abgrund gaffe unter ihm. J. Paul; man legt sie (die muscheln) ins trockne, bis sie gaffen. Oken naturg. 5, 396, sich aufthun wie ein mund.
b)
es ist aber als alt und echt bezeugt durch mundartlichen bestand. nicht blosz nd., z. b. seemännisch die planke gapt, klafft Bobrik 308ᵇ, nl. de deur gaapt, schlieszt schlecht, klafft (ebenso engl. gape, schwed. gapa, dän. gabe), sondern auch in hd. mundarten, wie schweiz. (vonenand) gaffa, klaffen Tobler 211ᵃ, österr. gaffen z. b. von einem kleide Castelli 135, sächs. gaffende wunde, sieh wie die wunde aufgafft, am Mittelrhein von wunden, kleidern, schuhen Kehrein 148.
c)
auch in mehrerlei nebenformen. ablautend schweiz. giffen, giffeln (s. giffen unter 5, b). aber auch mit k-, nach dem verflieszen von gaffen und kaffen u. I, 1, a: siebenb. kaͦfen, z. b. von einer stelle am kleide wo das futter nicht schlieszt, s. Haltrich plan 15ᵇ; schles. kaffern, z. b. der rockschlitz kaffert (Weinh. 39ᵇ), vgl.gaffern. und mit anderem vocal (vgl. unter I, 3, a das engl. gaup u. a.) bair. tirol. gaiffen, z. b. ein schuh, eine wunde gaift, vgl. ist. geipr hians, apertus Biörn 1, 274ᵃ und Paulis geifen unter 4, c, γ.
4)
Neugierig blicken, oder erstaunt, begierig, auch gedankenlos blicken (gaff, ociose vel incogitantur specto Alberus X 3ᵇ), wobei meist das dumme oder staunende öffnen des mundes mitverstanden ist (gaepen, aperto ore spectare, inhiare spectaculo Kilian), während mhd. kapfen im besten sinne blicken überhaupt war, daher kapfære zuschauer, kapfespil schauspiel, kapfeloube theater.
a)
die entstehung aus gaffen 1 bezeichnet wol erkennbar die verbindung gaffen und ginen Petr. 104ᵇ, ginen und gaffen Keisersberg bilg. 168ᵃ;
so stat diser als ain stum
ginan und och gaffen.
teufels netz 3562,
ginen ist eben 'das maul aufsperren' wie ja selbst auch für neugierig zusehen gesagt wird, 'maulaffen feil halten' (vgl. J. Grimms etymologie von affe);
ich gin und gaff   und bin ir aff
klagt ein liebhaber Uhland volksl. 642,
blicke 'meins herzen augelweide' umsonst verliebt an, vgl. 5.
b)
gaffen für sich: gaffen wie ein fule kellerin (dienstmagd), wenn sie sol zu dem merkt gon. Keisersb. bilg. 167ᵈ; dʒ si (die weiber) also stond zuͦ gaffen und schwatzen. siben schaiden k 5ᶜ (granatapfel), vgl. gaffeln, gaffel; gaffen und klaffen ist aller faulen mägde handwerk. Stieler 602; ein mädchen weist einen liebelnden alten ab:
ir secht im halt nit gar ungleich,
zu Heidelberg dem alten affen (s. Zarncke zu Brant 60, 24),
mich wundert wes ir do stet gaffen.
Folz bei Haupt 8, 513.
Und so bis heute:
damit fieng er von neuem an mit weit offnen augen und gähnendem munde zu gaffen.
Wieland 11, 254 (Sylv. v. Ros. 1, 3, 8);
ich hatte, sprach er, nicht zum zeitvertreib zu gaffen.
Göthe 12, 153;
dasz die menge staunend gaffen kann.
12, 11;
dasz er zu gaffen sich freut, wenn den nächsten ein unglück befället!
40, 237;
am gaffenden publicum, ob das, wenns ausgegafft hat, sich rechenschaft geben kann, warum es gaffte oder nicht, was liegt an dem! 33, 31; weil wir nicht nur gaffen, sondern alles wol bemerken sollten. 24, 289; gerades wegs vom galgen her (komme ich)! ihr steht da und gafft und könnts nicht träumen. Schiller 120ᵃ, von höchster verwundrung, mit offnem munde, obwol man das weite öffnen auch auf die augen übertrug (vergl. vorhin Wieland): du wirst gaffen! du wirst 'augen (d. h. grosze augen) machen'! ders. 108ᵃ;
wie sie da gaft, und die augen vor groszer verwunderung aufsperrt.
Voss Luise 3, 1, 551.
c)
die art und richtung des gaffens wird näher bezeichnet.
α)
mit örtlichen praepositionen:
so hab wir weiter umb zu gaffen.
fastn. sp. 270, 6;
und das (ständchen) hört alle nachpurschaft,
das iede zu dem fenster gafft (am fenster gafft).
Murner geuchmatt 1024 Sch.;
und werden uber sich gaffen und unter sich die erden ansehen und nichts finden denn trübsal. Luther Jes. 8, 22;
arm war ich leider und jung, und wol bekannt den verführern.
Falconieri hat mir oft in die augen gegafft.
Göthe 1, 267;
ich könnte hier stehen und hingaffen und ein erdbeben überhören. Schiller Fiesco 2, 17.
β)
besonders mit auf (wie sehen): auf das spielen der leute gaffen. Olearius pers. baumg. 9, 16;
es ist als hätte niemand nichts zu treiben ...
als auf des nachbarn schritt und tritt zu gaffen.
Göthe 12, 167,
d. i. spähend, 'aufpassend', vgl.achten auf .. u. ä.
γ)
dazu gesellt sich leicht ein innerer sinn, begehren, hoffen u. ä.: disz seind elende menschen, die stets gaffen auf das sie nicht haben, und das sie haben, das dörfen (mögen) sie nit brauchen. Pauli sch. u. e. 84ᵃ (geifen in Öst.s ausg. s. 123, vgl. 3 am ende); iederman fület allein séin ungemach, und gaffet auf des andern gut gemach (begehrlich, neidisch). Luther 5, 183ᵃ, s. mehr unter 5. Auch mit nach:
optat ephippia bos piger, optat arare caballus,
keiner wart seins ampts, ein ieglicher gafft nach eim andern
(amte).
Alberus dict. AA 3ᵃ;
so magst du wol (mit eignem denken) hoch klettern und gaffen nach der maiestet, wirst aber weidlich mit dem kopf anlaufen und dich stürzen. Luther 6, 188ᵃ.
d)
einige besondere wendungen: wenn wir bei tische sitzen, so sitze ich allemal der jungfrau Laura gegenüber, und da gaffe ich sie halt 'éines gaffens' an. Wieland 12, 330 (Sylv. v. Ros. 2, 7, 1), vgl. unter ein A, g. im part. praes.:
durch schellenläuten eine stadt
in gaffende bewundrung setzen.
Gökingk 3, 230;
gaffende bemerkung, ausruf des staunens Göthe an Schiller nr. 351. Es kann auch trans. werden: sich rasend gaffen Klinger th. 2, 125; und da will ich mich wieder gescheid oder völlig rasend gaffen. Göthe 8, 51, vgl. 42, 289;
hab er beinah sich blind und steif gegafft.
Wieland (1853) 11, 173.
e)
selten, aber doch noch in neuerer zeit auch für blicken, besonders unverwandt schauen überhaupt, gleich dem mhd. kapfen (schon Stieler 'semper in malam partem sumitur'); mhd. z. b.: und mügen sie (die gotes freund) der sunnen glanz nit ansehen, so gaffen sie doch an der sunnen widerglanz uf den hohen bergen. Suso briefe, her. v. Preger s. 40, geistlich gemeint; es enwart nie kein so gros gaffen uf einen wol turnierenden ritter, als alles himelsches her gaffet uf einen wol lidenden menschen. ders. ewige weish. bei Scherz 464;
lauter lust, wohin das auge gafft.
Wieland 9, 307 (erdenglück);
so viel blitze, so viel schläge (sind nöthig, im trauerspiel), wenn uns der blitz nicht so gleichgültig werden soll, dasz wir ihm mit einem kindischen vergnügen entgegen gaffen. Lessing 12, 51, halb zum folg.;
mit eignen augen in die welt zu gaffen,
und in der denkungsart nicht affen,
wie in dem kleiderbrauch zu sein.
Gotter 1, 377.
5)
Endlich ein leider verlorener gebrauch von gaffen auf (zuweilen nach) .., erwartend, hoffend, wünschend, gläubig blicken, besonders aber gierig, oder sorgenvoll u. ä. (s. schon 4, c, γ).
a)
so vielfach im 16. jh. und länger: etliche ... gaffen auf geistliche verheiszungen, so sie doch selbs noch nie eine stunde gegleubt haben. Luther 4, 285ᵇ; auf ein andere zukünftige zeit gaffen. 289ᵇ; wir sehen und hören, wie aller menschen herzen auf diesen reichstag (zu Augsburg 1530) gaffen und warten mit groszer hoffnung. 5, 76ᵇ; das vergeblich lange gaffen würde ungedult und böse blut machen. das.; (wie man auf den reichstag zu Speier 1521 hoffte) das alle welt mit groszer gir gaffet und herzlich wartet, es solt da gut werden. 77ᵇ; den reichstag, da alle welt so herzlich auf hoffet und gaffet mit groszem sehnen. 5, 273ᵃ; noch gafften unser augen auf die nichtige hülfe, bis sie gleich müde worden, da wir warteten auf ein volk das uns doch nicht helfen kunde. klagl. Jer. 4, 17; die welt gaffet immer nach wunderzeichen. Mathesius Luther 147ᵇ; wann gleich alle welt auf die lügen gafften und sie als ein evangelion glaubwirdig annemen. Kirchhof wend. 1, 280 Öst.;
jedennoch gafften wir,
das maul und augen auf, und hofften für und für.
Opitz 3, 42, klagl. Jer. (oben 1, 650 zu streichen);
was weder geld noch guht dem hirten kan verschaffen,
der stets beschäftig lebt auf solches nur zu gaffen,
dasz ohne tugend ist.
Rist Parn. 543.
doch einzeln wirklich noch heute, wol aus der mundart: fragte den groszknecht, worauf er noch 'warte und gaffe'. J. Paul flegelj. 1804 1, 132.
b)
so auch mnl. gapen na oder om iets de Vries zum lekensp. (3, 26. 84. 93. 126), noch engl. gape for oder after .. nach etwas lungern, trachten, 'hoffend sinnen', es musz demnach von hohem alter sein, vgl. ahd. ih chapfên dîn, du ne chumest. Notker 12, 2, mit gen., wie ahd. wartên. Auch mit ablaut giffen (vgl. u. 3, c), ein weiterer beweis von hohem alter: bist du der erretter und held, darauf die zwölf geschlecht Israel gegiffet und gewartet? Danhauer ev. mem. 29 u. ö.
c)
so ist ja warten selbst, wie lat. exspectare, eig. schauen, ausschauen; diesz gaffen aber ist eig. noch stärker, von höchster spannung, mit offnem munde (ἐκεχήνει προσδοκῶν, hiabat exspectans bei Aristoph.): er (gott) wil das du brauchest was du für dir hast ligen .. nicht das du das maul gen himel aufsperrest (auf wundergabe wartend). Luther 4, 56ᵃ (1556), nachher wenn du nu das (die irdische gabe) wilt faren lassen ... und in himel gaffen, nach der hohen seltzamen gabe warten. 56ᵇ. s. auch aufgienen, aufgünen, und gähnen selber so. Überhaupt ist nach dem offnen munde die höchste begier oft in sprachen bezeichnet, vgl. lat. hiare, inhiare, und so mag auch mhd. ginge, ahd. gingo verlangen mit ginen hiare zusammen und hieher gehören; auch gier, in vergleich mit dem engl. gaure oben? auch nd. wörter für heftig begehren, wie berlin. jambeln, westf. ganfeln (Lyra plattd. briefe 118), ostfr. gannen (janken) mögen demnach zur wurzel von gähnen, jähnen gehören; berlin. jimm m. heftiges verlangen erinnert an mhd. ginge. ganz wie gaffen ist das schweiz. gäuen mit sehnsucht erwarten, d. i. mhd. gewen hiare.
Zitationshilfe
„gäffen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/g%C3%A4ffen>, abgerufen am 21.11.2019.

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