Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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güten, vb.

güten, vb.,
ableitung von gut, adj. (vereinzelter von güte, f.) nach der 1. schw. verbalklasse; nach giguaten Otfrid I 3, 13 wohl bereits ahd. gebildet; mhd. und im älteren nhd. gebräuchlich, noch vereinzelt mundartlich bezeugt, vgl. auchgüten bonifier, accomoder à l'amiable Schaffer dtsch.-frz. wb. 1, 783; poetische neubildung zu gut I A 1 im sinne 'nützen, frommen':
das ist gut, doch hat mirs nicht gegütet,
weil ich ach mich nicht gehütet
vor dem mund, der neu das korn beblüthet
Rückert w. 2, 262.
1)
trans. gebrauch 'gut machen' zu verschiedenen bedeutungen von gut, adj., s. auch schweiz. güteren Staub-Tobler 2, 556; entsprechend gut I A 2 c ε mit anlehnung an gut V B 5:
hânt mîn munt, mîn sin biz har
sehender missehüetet,
daz wirt von mir gegüetet
Reinfrid von Braunschweig 12830 B.;
ähnlich:
Moabes grosse hochvart
des tages wart gegüetet,
genideret, gedemüetet,
gedrucket unde hin geleit
Rudolf v. Ems weltchron. 17784 Ehr.;
nu laszt darvon! man sol das dink guten
und sol sich vor groszen trunken huten
fastnachtssp. 855 K.;
anders, zu gut I A 2 c ε ββ oder wie ²guten zu gut, n., B 1 im sinne 'entschädigen, belohnen':
... der der êren unde mîn
wirdeclîchen hüetet,
ob den sîn sorge güetet
mit trôst, daz ist ein billich dinc
Reinfrid v. Braunschweig 8714 B.;
zu gut II A 1 'wertvoll machen, bereichern, steigern':
wie süezet ez den herzen
der süezen minne smerzen!
wie güetet ez der guoten guot,
der hôchgemuoten hôhen muot
Rudolf v. Ems Alexander 3151 Junk;
zu gut III A 6 'erfreulich machen':
wibes güete ist lieber vröude ursprink,
wip kan herze luter machen,
wip kan truren swachen:
wibes güete güetet elliu dink
minnesinger 1, 361ᵃ v. d. Hagen;
zu gut IV A 1 b 'gewogen machen':
(wenn die minne aus dem lande vertrieben ist,)
wer sol danne wibes muot gegen minne gueten
2, 263ᵇ.
2)
zu gut IV A 2 c bzw. IV B oder ¹güte 3 gebildet trans. im sinne 'versöhnen, beschwichtigen', auch 'begütigen, zum einvernehmen raten'; feste verbindung ist den zorn güten:
lâ senften unde güeten
dîn angest unde dînen zorn
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 17166;
des erman ich dich, frow (Maria) an diss laid
und durch din grosz erbarmhertzkaid,
das du gen mir guͤtist
gottes zorn und mich behuͤtist
Konrad v. Helmsdorf sp. d. menschl. heils 4355 Lindqvist;
mit des kochs antwort wunderlich
wurd dem ritter sein zorn gegüt
H. Sachs 9, 477 K.;
absolut:
zu allen dingen ist sie (die bescheidenheit) gut
und senfftet und guͦdet,
vil schaden sie behuͦdet
mhd. minnered. 1, 89 Matthäi;
ist iu liep daz güeten,
sô hât ein ende dirre strît
Ulrich v. Türheim Willehalm 242ᵈ nach Lexer 1, 1111;
da hilfft kein bitten, kein sönen, kein güten S. Artomedes christl. auszlegung (1609) 1, 785; bei persönlichem objekt mit an:
das er sich meint zu hüten,
wol an der bauren schar,
und wenn sie werden wüten,
so hülfft an ihn kein güten
Ambraser liederb. 153, 164;
wie hat der herr getobt und gewüt,
wie lang hab ich an ihm gegüt
J. Ayrer dram. 4, 2688 K.;
je mehr man an den gselln thut gutten
je grausamer mit worten wuͤten
Eyering prov. (1601) 3, 166;
mit sächlichem akkusativobjekt 'eine sache gütlich beilegen':
ach lieber nachtpaur, redt darzu,
das man die sach doch güten thu
H. Sachs 9, 56 K.;
aber durch den heiligen geist wirt alles versönet, gütet, angenummen S. Franck chron., zeytbuch (1531) 3ᵇ; vgl. mundartlich (Würzburg) güten 'zur güte, zum vergleich rathen' Schmeller-Fr. 1, 965, ebenso Reinwald henneberg. 2, 156; etwas anders 'nachsichtig beurteilen': gotes freund ... gütent und entschuldigent ain iglichs ding nach irem vermügen (handschr. beleg a. d. 16. jh.).
3)
zu gut IV A 1 b u. c gebildet intrans. von personen 'sich als huldreich, gütig, freundlich erweisen'; mit einschlag von gut V A 1 e (vgl. auch güte 2 c):
werden vrouwen
stat wol daz si güetlich gueten
minnesinger 2, 58ᵇ v. d. Hagen;
wol ir, daz sie mir so güetlîch güetet,
dâ von mîn muot hôe stât
Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 39, 35 Bechst.;
ob gleich ein zoren ich anfach,
so gütet sie und gibt mir nach
H. Sachs 1, 448 K.;
wie gut sein 'zugetan sein' (vgl.gut IV A 1 b α αα):
got ist ir (der seele) vater, bruͦder, wirt,
der aller gebresten gar verbirt,
der aller güeti güetet
der sœlden hort 1469 Adrian;
zu gut V A 2:
(die) got in den selben menschen
gloubint unde anebetent
mit dem herzen innicliche guetent
d. arme Hartmann rede vom glauben 594 bei Maszmann ged. d. 12. jhs.;
wohl unmittelbar aus güte 2 c abgeleitet 'mit güte versehen sein, voller güte sein':
got ist so wol gegüetet,
daz er darumbe niht wüetet,
daz ich an siner milte spur
Hugo v. Langenstein Martina 11, 75 K.
4)
reflexiver gebrauch verteilt sich gleichfalls auf verschiedene bedeutungen.
a)
mit persönlichem subjekt; hierzu stellt sich ahd. giguoten, im anschlusz an gut III A 4 als 'sich angenehm, beliebt machen':
sih Abraham giguatta   joh druhtine ouh giliubta
wanta er was gihorsam
Otfrid I 3, 13;
hete sih in sinin tagin
din vater gote geguͤtit,
genidert, gedemuͤtit,
so were im bas in sinir zit
geschehin ...
Rudolf v. Ems weltchron. 28097 Ehr.;
anders, nach gut III A 1 d hin, 'sich ergötzen, wohlgefallen haben':
die grifen wonent ouch da,
die der gimmen huten,
nicht daz sie sich guten
an der gute des steines
Heinrich v. Hesler Apokal. 21648 H.;
gelegentlich zu gut IV A 1 im sinne 'sich als freundlich, gütig erweisen':
hæte sich unser herre got
... niht so gedemüetet
unde also sere gegüetet,
daz er durch sine güete
... des knehtes bilde næme an sich
Rudolf v. Ems Barlaam 323, 35 Pfeiffer;
owe, grundloses guͦt, wie hastu dich nu so suͤzeklich in mir geguͤtet Seuse dtsche schr. 202 Bihlm.; öfter zu gut V A 1 als 'sich gut machen' d. h. 'sich in ethischer hinsicht bessern, rechtschaffen werden':
oder ob si sint ark gewesen,
daz sie sich wider gueten
und sich dan sider hueten
Heinrich v. Hesler Apokal. 11499 H.;
tæten si sich davor hüten
und sich in all sach güten
und guot bild trügind vor
d. teufels netz 5539 Bar.;
etwas anders 'sich als fromm zeigen':
(der getaufte heide)
... let sich noter rouben
sines cristenen gelouben
dan der dar an gewachsen ist
und der sich guten wil mit list
an den geberden buzen
Heinrich v. Hesler Apokal. 6504 H.
b)
mit sachlichem subjekt 'gut werden'; zu gut I A 5 b 'sich als zuverlässig beweisen, bewähren':
ir trutgebaren stæt
kund sich gæn im guͤten,
daz in von unmuͤten
dick uz sorgen lost
Johann v. Würzburg Wilh. v. Österreich 16172 R.;
zu gut II A 4, 5 im sinne 'sich zur vollkommenheit wenden, vollkommen werden': ich (die ewige weisheit) bin daz ewig guͦt, ane daz guͦt nieman nút guͦtes hat; und dar umb, so ich mich ... als guͤtlich und als minneklich entgússe, so guͤtet sich alles daz, da ich hine kume Seuse dtsche schr. 233 Bihlm.; anders, an güte 2 c angeschlossen 'sich als güte erweisen':
sit der guoten güete
sich so güetet unde meret alle tage
U. v. Singenberg in: minnesinger 1, 292ᵃ v. d. Hagen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1413, Z. 12.

guten1, vb.

¹guten, vb.,
intr.; mhd. und im alem. mundartlich bezeugt; die umlautlosigkeit setzt ableitung von gut adj., nach der 3. kl. der schw. verben (ahd. *guotên) voraus, doch steht neben inchoativem gebrauch auch essentieller.
1)
mhd. mit persönlichem subjekt und dat. der person; zu gut III A 'angenehm sein, wohltun, erfreuen':
kurz rede von guoten minnen,
diu guotet guoten sinnen
Gotfrid v. Straszburg Tristan 12190;
(du willst) ... mit edeler spise dime fleische gute
und nicht dir abe tzihen die spise
Joh. Rothe lob d. keuschh. 2048 N.;
anders zu gut IV A 1 c 'gnädig, hilfreich sein':
si sal uns guotende sin
Pilatus vorr. 91 bei Maszmann ged. d. 12. jhs.
2)
in neuerer alem. mundart im sinne 'gut werden, besser werden', vgl.gueten 'gut, besser werden, von krankheiten, wunden (m. dat. d. person), vom wetter, von feldfrüchten' Staub-Tobler 2, 555, guete Seiler Basler ma. 153, guətə Stucki Jaun 297; guten Bühler Davos 1, 43; zu gut I A 2 c β: si (die sahne) tued nit gueten d' raab (sie wird durch stehenbleiben nicht besser) Friedli Bärnd. 2, 395; zu gut I A 2 c γ: do begond der herbste und der wyn guoten und zyten Hans Fründ chron. (1446) bei Staub-Tobler a. a. o.; d trüben händ wacker g'guetet (sind im wachstum, in der reife fortgeschritten) die wuchen (Zürich) ebda; zu gut I A 2 d: des Joggelis bein will gar nicht gueten Breitenstein bei Staub-Tobler a. a. o.; auch zu gut V A 1 d 'gut tun, gehorchen': der bub will nit gueten (Basel) ebda; häufig unpersönlich (mit haben konstr.) zu gut I A 2 d α und III A 3 c bzw. VII C 3 a γ vom besserwerden des gesundheitlichen zustandes, vgl.es hed mer frei geguetet 'mein befinden hat sich bedeutend gebessert' Tobler appenzell. 245ᵃ; guten 'besser werden im physischen sowohl als moralischen sinn, dann auch aufhören oder wenigstens nachlassen z. b. bei krankheiten, schmerzen': s chopfweh hed mer gguetet 'meine kopfschmerzen haben nachgelassen', es guetet mittem 'er nähert sich der genesung' Stalder 1, 503;
s het menge schade gutet übernacht
J. P. Hebel bei Schmid schwäb. 246;
mehr wie gut werden (vgl.gut I A 2 c ε) im sinne 'besser werden, helfen', vgl.es guetet 'es wird besser; eine unruhe, bewegung usw. läszt nach' Staub-Tobler a. a. o.: wenn du dann weiszt, woran du bist, und es gutet nicht, so turnire dann einmal recht aus dem ff aus, damit sie wissen, woran sie mit dir sind J. Gotthelf ges. schr. 2, 151; wie gut sein (vgl.gut I A 1 b): meine Vittore ist ihre beste freundin und es gutet ihr, wenn sie bei ihr ist, mehr als alle doktors, die ihr nicht helfen können Auerbach neues leben (1871) 1, 126; etwas anders zu gut I A 1 c hin: es guetet nüd, bis ich mit der ruete chumme! (drohung an die kinder) Staub-Tobler a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1412, Z. 16.

guten2, vb.

²guten, vb.,
ableitung von gut, n., B 1; 'mit gut, besitz, habe ausstatten', vgl. anord. gœđa 'beschenken' Möbius 147, ags. gōdian Bosworth-Toller 483, Grein sprachsch. 1, 521; im dtschen scheint aber, aus der umlautlosigkeit zu schlieszen, jüngere bildung vorzuliegen, vgl.guten, erbmachen transscribere, transferre, tradere alicui hœreditatem Henisch 1785:
quam buschof Coinrait in de stat
unde dede de richsten anemoiden,
hei wolde si erven unde goiden
Gotfrid Hagen reimchron. 1191 in: städtechron. 12, 55;
als festes partizip gegutet 'besitz habend, begütert', vgl.gegutet, geerbt possessor factus, investitus in bona Henisch 1785; wol gegut, reich von erbschafft praediatus ebda; wer in der mark gegutet ist und eigen rauch hat bei J. Grimm rechtsaltertümer⁴ 2, 21; wohl analogisch mit umlaut bedacht: güten, begüten sive begüteren ditare opes alicui conferre, augere bonis Stieler stammb. (1691) 718.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1412, Z. 69.

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Zitationshilfe
„güten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/g%C3%BCten>, abgerufen am 12.07.2020.

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