Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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gütig, adj., adv.

gütig, adj., adv.;
ableitung von ¹güte, dessen bedeutungen sich zumeist in gütig wiederfinden, daher direkte bildung aus gut, adj., nicht wahrscheinlich ist; ahd. noch nicht bezeugt und auch mhd. relativ selten drängt es sein konkurrenzwort gütlich (s. dort) im nhd. stark zurück.
1)
die hauptbedeutung entspricht ¹güte 3 im sinne 'freundliche, wohlwollende, liebreiche, sanfte, milde gesinnung habend oder beweisend'; vgl. gütig clemens Diefenbach gl. 126ᶜ; gutig, gunstig mansuetus nov. gl. 246ᵃ; zem und gietig mansuetus gl. 347ᶜ; milt, guetig pius 439ᵃ.
a)
von der wesensart einer person als dauernder eigenschaft, die aus dem charakter oder aus sittlicher verpflichtung hervorgeht.
α)
von der wesensart des menschen, die sein handeln bestimmt.
αα)
allgemein: doch was er ersamig, gutig, weis und gesprechig nach der werlt laufe Johann v. Neumarkt Hieronymus 424 Kl.; (er) sagt ..., ein senfftige guͦtige fraw sey ein seltzamer vogel auff erttrich Albr. v. Eyb dtsche schr. 1, 8 Herrm.; der ein cardinal (war) ein guttig man Luther 7, 567 W.; diese königin war so gottfürchtig, fromb und gütig, dasz sie mit aller billigkeit in die zahl der heiligen und hochberümpten frauwen ... gezehlet und gerechnet wird H. Rätel Curäi chron. (1607) 262;
Agnes, die schön und zarte,
... fromm, züchtig, keusch und gütig
Zinkgref auserl. ged. 10 ndr.;
ich möchte eine schöne, gütige und vornehme frau, die mir aber nichts verzehret Lessing 8, 55 L.-M.; der helle verstand ... edler, weiser gütiger menschen Herder 23, 12 S.; (meine schwester war) gesund, stark und unbeschreiblich gütig Göthe 22, 343 W.; der herr des geschäfts sei klug und gütig Fontane ges. w. I 5, 51.
ββ)
im sinne 'liebevoll' als spezifische eigenschaft von mutter und vater formelhaft: diweil sie solcher vilfaltigen grosen gaben gleichsam als ain gütige muter ist und solche wolthaten von den voreltern und vättern auch auf ihre kinder ... will kommen und erben lassen Fischart 3, 48 Hauffen; die gütige mutter oder sonst ein ihm zugewandtes weibliches wesen E. T. A. Hoffmann s. w. 12, 7 Gr.; freude eines dankbaren sohnes über die erfolgte genesung seines gütigen vaters Pietsch geb. schr. (1740) 284; nun ja, miss, unser gütiger, unser bester vater Lessing 2, 316 L.-M.
γγ)
im sinne 'gnädig, huldvoll, leutselig' als typische eigenschaft des herrschers oder herrn: bey dem volk werde ich (Salomo) gütig erfunden und im krieg ein helt Luther bibel 5, 31 Bindseil-Niem.; weil er ein freundlicher, gütiger und lieblicher fürst ist Amadis 56 lit. ver.;
die königin Didonem gütig
ersuchten sie durch bitt demütig,
ihnen zu bieten dar die hand
Spreng Äneis (1610) 1ᵇ;
welches fest?   o lasset hören!
unsrer königin zu ehren,
der erhabnen, gütigen
Schiller 15, 1, 6 G.;
dem braven hauptmanne ... bewilligte der gütige fürst eine bedeutende zulage Chph. v. Schmid ges. schr. 2, 112; wenn ein knecht alzu einen fromen herren hat, ... eine magd eine gütige fraw, so kan mans nicht leiden, je gütiger inen geschiet von irer herrschafft, jeweniger sie es achten Luther 28, 642 W.; ein gütiger herr kan auch keine tyranney von andern dulden Friedrich Wilhelms sprichw.-reg. (1577) m 2ᵃ;
(nimmer) find ich einen so gütigen herrn, wohin ich auch gehe
J. H. Voss Odyssee 254, 139 Bern.;
wenn ich in jenen posten versetzt werden sollte, den mir mein gütiger gönner bestimmt Schiller 14, 214 G.
δδ)
entsprechend αα von den psychischen organen: ich bin eins demütigen und senfften, gütigen hertzen Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) 17ᵇ;
disz als beschuff sein gütig hertz
H. Sachs 1, 178 K.;
anstatt an der sehnsucht nach einem würdigen dasein, nach einem gütigen herzen, nach liebe lebenslang zu kranken G. Keller ges. w. 5, 52; ich meint dise ding alle weren geschefft menschlicher art und eins güttigen gemüts Boltz Terenz (1539) 5ᵃ;
der eine, sagt man hier, ist gütig von gemüthe
Ramler fabell. (1783) 1, 14;
sanft und gütig war die seele, von der ich hier spreche Zimmermann üb. d. einsamkeit 3, 229.
β)
mehr passiv gewendet 'sanftmütig, gutmütig, geduldig, nachsichtig' (vgl.güte 3 a β), vgl. milt, gütig, der nit leichtlich zürnt clemens Frisius 235ᵇ, gütig machen placare 1008ᵇ; gegensatz ist ungütig, vgl. bittere, ungittige leuthe Luther 9, 378 W.: einer was zornig, der ander was güetig probl. Arist. (1492) 25ᵇ; Ampedo der was ain gütig mensch, lyesz es allso beschehen, wie es sein bruͦder gemacht hett Fortunatus 97 ndr.; di alten werden (durch wein) kinder, ... di güttigen grymmig J. v. Schwarzenberg Cicero (1535) 91;
so die musik gerhuͦmt würd,
umb ihr lieblicheyt die sie fürt,
dasz sie die menschen machet gütig,
... und die gemütter so erregt,
gleich wie ein süsze red bewegt,
und macht die wilden hertzen mildt,
den zorn und all unwillen stillt
Fischart 1, 355 Hauffen;
daheim gütig, im streit wüthig Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, l 6ᵇ; ja sehn se, herr gensdarm, des is immer so! sie sind vielleicht ooch viel jütiger, wenn se zu hause sind, als wenn sie uf de strasze rumjehen Glaszbrenner Berlin 6, 3, 5; etwas anders 'geneigt, günstig': an den gütigen leser J. Frey gartengesellsch. 5 B.; ins pejorative übergehend:
mein vater war so gütig schwach, dasz, wehten
die winde rauh, er sie wohl schelten konnte
Tieck schr. (1828) 1, 393.
γ)
wie gut IV A 2 b von tieren im sinne 'gutartig, ungefährlich, folgsam': da die löwen tzuͦ den heiligen kamen, da wurden sy zaͤm und guͦttig d. heyligen leben, summerteil (1472) 52ᵃ;
so wird sie fein geschlacht und milt,
gleich wie ein gütigs lämblin klein
Scheit Grob. 4034 ndr.;
(der esel) ist sunst ein zam gütig thier Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 41ᵇ;
wo die starcken adler sich gütiger als tauben zeigen
Lohenstein Ibrahim Sultan (1680) 3.
δ)
seit mhd. zeit von gott, dann überhaupt von übernatürlichen mächten, naturerscheinungen usw. im sinne 'gnädig, huldreich, wohlgesinnt'.
αα)
von gott; 'gnädig' in bezug auf sein handeln: (gott) ist als reht tugenthaft, er ist als reht hertzklich guͤtig, daz er es an sime milten hertzen nút möhte vinden, daz er den menschen möhte lan Seuse dtsche schr. 426 Bihlm.;
ob ich möcht gottes huld gewinnen,
der gütig und barmhertzig ist
H. Sachs 1, 47 K.;
der (gott) wirt uns geben, was uns brist,
diewyl er doch so gütig ist
H. R. Manuel weinspiel 4226 ndr.;
zwar ist stehts unser gott barmhertzig und getrew,
... zugeben ist er gut, und zu vergeben güttig
Weckherlin ged. 2, 150 F.;
(gott ist) stets gütig, schon bezahlt, wenn sein geschöpf ihn liebet
und nichts, als weise huld, auch dann, wann er betrübet
Giseke poet. w. (1767) 4;
der gütige gott verleihe uns, dasz wir das recht also lieben in dieser welt und das unrecht schwächen in dieser welt, dasz wir dessen genieszen dort, wo leib und seele scheiden G. Keller ges. w. 6, 48;
... selbstischer dummheit voll
schreit dort ein protz nach 'ordnung', ihm ja
füllte der 'gütige gott' den fleischtopf
Arent mod. dichtercharakt. (1885) 205;
als ausruf des erschreckens oder erstaunens formelhaft, vgl.du gütiger gott exultantis vox Frisius 407ᵃ: gütiger gott, was kranckheit ist das? Boltz Terenz (1539) 35ᵇ; aber herr geheimer rath — gütiger gott, es ist in der welt nicht anders Lenz ges. schr. 1, 17 Tieck; denn ob zwar der gütigste schöpffer theuer versprochen hat, dasz er uns ... versorgen wolle, dennoch wil er diese wohlthat ... befördert wissen Chr. Weise pol. redner (1677) 26; alle frohen geschöpfe ... danken ihrem gütigen erhalter maler Müller w. 1, 7.
ββ)
entsprechend bei begriffen, die die überirdische macht unpersönlicher umschreiben: so wird der gütige himmel unsere auen ... beschenken S. v. Birken fortsetz. d. Pegnitzschäf. (1645) 1; ebenfalls als ausruf häufig: gütiger himmel, wie viel hat der mensch in ordnung zu bringen, bis er auf vögel und schmetterlinge kommt Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 268; gütiger himmel, wie die zeit hingeht! W. Raabe Horacker (1876) 28; voraussetzung einer höchst gütigen ... vorsehung Lessing 7, 12 L.-M.; die gütige vorsehung hat jedem einen gewissen trieb gegeben, so oder anders zu handeln Göthe 37, 331 W. die sage dünkte ihm wie die verheiszung einer gütigen macht Novalis schr. 4, 92 Minor.
γγ)
von göttern und überirdischen wesen: desthalben ist dem gütigen Jupiter ... der ölbaum ... befreindet Lohenstein rosen (1680) 118; verzeihet mir, gütigsten götter A. v. Ziegler asiat. Banise (1689) 11;
... genieszt der stunde,
die ihm gütge götter senden
Göthe 1, 51 W.;
... eine gütge gottheit
nahm die unselge nacht des geistes mir
vom haupte
M. Beer s. w. (1835) 170;
um ihn her lebte wald, busch, quelle. strom ... unter der pflege und sorge gütiger, schöner wesen Klinger w. 4, 15; mag er (der symboliker) aus seiner magischen laterne uns vorgaukeln, wie dieser gütige nachtdämon ... aus Indien her ... nach Thrakien gezogen sei J. H. Voss antisymb. 1, 138; sagen sie mir doch, welcher gütige oder ungütige dämon sie bei einem buche hat vesthalten können, das für mich eins der langweiligsten unsres jahrhunderts gewesen? Herder 3, 439 S.; was die alten von den seelen der todten oder gespenstern geglaubet, die sie theils für gütig und wohlthätig, theils für boshafte und schädliche kobolde gehalten haben Gottsched d. neueste 3, 432; (die) bevorzugten, denen eine gütige fee das beste geschenk, die kunst glücklich zu sein, auf die wiege legte H. Seidel Leber. Hühnchen (1899) 3;
und dann musz auch dem herzen, das den freund
sich in dem zauberspiegel gütger phantasie
so nahe wähnt, die frage schmerzlich sein
Cl. Brentano ges. schr. 7, 215.
δδ)
vom schicksal, dem glück, der natur, naturkräften und naturerscheinungen u. ä.: ach wie fast hilfft es, dasz der tödtliche mensch im findet die gütigen gestirn desz himmels buch d. liebe (1587) 114ᵈ; es schien, als wenn ... das güttige verhängnüs selbst allen völckern einen stillstand der waffen geboten hätte Lohenstein Arminius (1689) 2, 905ᵇ;
es reizet mich die milde gunst
des gar zu gütigen geschickes
Weichmann poesie d. Nieders. (1721) 1, 82;
genug, sie ist da und scheint von dem gütigen schicksal mir angenähert worden zu sein A. Stifter s. w. 1, 110 S.; zwar bot ihm das gütige glück die gute gelegenheit an die hand Joh. Riemer pol. maulaffe (1679) 39; es wäre unvonnöhten viel regeln zu schreiben, da sich die natur selbst gütig genug erzeiget hätte Chr. Weise pol. redner (1677) 168; nun, da mich die gütige natur durch ihre gröszten gaben, durch die liebe, wieder geheilt hat Göthe 23, 267 W.; da ist die sunn gütig G. Alt buch d. cron. (1493) 13ᵃ; milde regen, die so gütig die durstige erde tränken U. Bräker s. schr. (1789) 2, 260; das meer war bald gütig, bald grausam Heinse s. w. 3, 499 Sch.
b)
von der gesinnung, die sich im einzelnen tun und handeln äuszert und nur temporären charakter zu besitzen braucht (s. ¹güte 3 b), vgl. dienstbar, gutig, der geneigt und gutwillig ist guts zethun beneficus Frisius 162ᵃ.
α)
bei ausgedrückter beziehung auf ein personales objekt mit objektsdativ (s.gut IV A 1 b α) oder abhängiger präposition (s.gut IV A 1 b β); vereinzelter auch in zu 1 a gehörigen fällen.
αα)
mit personalem dativ:
kunic sô demûtiger,
bi gewalde sô gar gûtiger
allen lûten, ich wene der nie
ûf erden sî geborn hie
landgr. Ludwigs kreuzf. 5486 Naum.;
unde was armen luten gar barmherczig unde gutick W. Gerstenberg chron. 32 Diemar; denn hertzog Georgen fürstenthum ... ist solchem unerschrockenem und unuberwindlichem geyst ... allzu guetig und sanfft kampf d. schwärmer geg. Luther 4 ndr.; güttig soll man yederman sein J. Agricola sprichw. (1534) b 8ᵇ;
wem die noth um etwas bittet, ist ein narr, wers abeschlägt:
diesem bleibt sie immer gütig, der ihr nichts entgegen legt
Logau sinnged. 402 E.;
dasz er (gott) grosz und reich von kräfften,
rein und heilig in geschäfften,
gütig dem, der gutes thut
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 437ᵇ;
in neuerer sprache nur noch poetisch verwendet:
schein ich dir hart?   sie war mir auch nicht gütig
Grillparzer s. w. 6, 117 S.;
hoffnung zeigt sich immerdar
treugesinnten herzen gütig
G. Keller ges. w. 3, 234.
ββ)
von abhängigen präpositionen ist gegen alt und häufig:
si ist gein den vremden worden güetik
und ist mit gebære gein den kunden worden (also) swinde
minnes. 3, 263ᵇ v. d. Hagen;
ouch ist ez billich,
daz ich immer umbe diu
güetic sî gegen iu
Ottokar v. Steiermark reimchron. 15046 Seem.;
sich Esope, wie gütig ist iecz
dyn frow gegen dir worden
Steinhöwel Äsop 48 Österl.;
darzu er sich auch gnedig hilt
gen yderman, gütig und milt
H. Sachs 8, 575 K.;
als im verwiesen ward, dasz er gegen seine feinde ... allzu gütig, sagt er Zinkgref-Weidner teutsch. nation weish. (1653) 3, 27; gegen den gütigen zaigestu dich gütig Schede-Melissus ps. 65 ndr.; er ist gütig gegen seine gefährten, die er glücklich zu machen sucht Ramler einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 2, 102;
sonst ist sie gütig gegen alle welt
Schiller 13, 355 G.;
'gegen den kleinen Heinrich waren sie besonders gütig', setzte der junge graf hinzu, 'ich werde das nie vergessen' Langbein s. schr. (1835) 31, 75; andere präpositionen bleiben vereinzelt: hiemit sind gütig mit mir und zürnt nit so bald Dürer nachl. 22 L.-F.; ich erwarte von diesem für dich so gütig gewesenen sommer nun auch gute wirkung Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 467; er selb (gott) ist güttig uber die undanckpern und uber die ubeln erste dtsche bibel 1, 225 Kurr.
β)
absolut seit älterer sprache in vielfacher anwendung:
nun seit güttig und versunnen!
Friedr. v. Schwaben 7636 Jell.;
do was Fortunatus so gütig, lud yn zu gast und erbot ym es gar kostlich Fortunatus 92 ndr.;
du hast die lüt gewenet daran,
das ich das truwen zuo dir han,
du seist so ein gütig man
Th. Murner badenfahrt 7, 54 Martin;
aber du meinst es nicht hertzlich, du redest hinter ym. vor ym bistu gutigk Luther 9, 154 W.;
mit flehen bat er (Chryses) gantz diemütig,
sie wolten sich erzaigen gütig
J. Spreng Ilias (1610) 8ᵇ;
sie habe schönen danck, dasz sie sich so gütig bezeigen wollen Chr. Weise erznarren 132 ndr.; derowegen so oft wir mit andern zuthun haben, ... müssen wir gerecht seyn und also gütig und weise uns zugleich bezeigen Chr. Wolff v. d. menschen thun u. lassen (1720) 686;
ach wie entzückend war es mir,
so gütig dich sehn
S. Geszner w. (1778) 2, 17;
ich fragte Ferdinando jeden augenblick, ... und Ferdinando war gütig, erzählte mir viel von euch Klinger w. 1, 38;
und doch verkennen sie in dir den gütgen retter
Göthe 16, 21 W.;
im ganzen gings ihm leidlich; die herrschaft war sehr gütig, und herr von S. unterhielt sich oft lange mit ihm über die Türkei A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 310 Schück.; auf die ausführenden organe übertragen: er verachtet die gütige hand, die ihm in der noth futter reichte Göthe 8, 84 W.; vernehmen sie mit gütigem ohre alle die redensarten Gaudy s. w. 2, 135.
γ)
formelhaft gebraucht in höflichen redewendungen, namentlich in dankes- und bittfloskeln: sie sind allzu gütig G. Stephanie d. j. s. lustsp. (1771) 87; der herr sind gar zu gütig Schliler 3, 29 G.; o wie gütig, sagt ich und drückte ihre hand Miller briefw. dr. akad. fr. 1, 244; meine gütige madame Singewald, ich empfehle mich ihnen Holtei erz. schr. 1, 105; mit abhängigem infinitivsatz: wenn sie zu speisen belieben, so sind sie wohl so gütig zu warten Göthe 11, 128 W.; sie waren gütig genug meine absicht zu billigen Meiszner skizzen (1778) 1, vorber. 3; er war so gütig, dich zum tanzen einzuladen Storm s. w. 4, 147; mit beigeordnetem satz: seyn sie doch ... so gütig und schweigen sie! Gottsched dtsche schaubühne (1741) 1, 81; lady wird so gütig seyn und bis zu ihrer zurückkunft warten Lessing 2, 326 L.-M.;
... die herren dann sind
so gütig und machen den chor
Mörike ges. schr. (1905) 1, 155;
adverbial gewendet: empfehlen sie mich gütig ihrer frau gemalin und der ganzen familie Göthe IV 1, 182 W.; ob sie ... mit einem honorar von 4000 conventionsgulden gütig vorlieb nehmen Müllner dram. w. 8, 67; eure kaiserliche majestät wollen es mir gütig gestatten, dasz ... Bismarck ged. u. erinn. 1, 13; besonders als höflichkeitsfloskel im superlativ; noch gehaltvoll: bürger, welchen ... das bürgerrecht auf einige jahr gütigst vorbehalten würdet (v. j. 1707) bei Fischer schwäb. 3, 966;
so hast du gütigst auch die aller straff entbunden,
die dir heimtückisch selbst nach deinem leben stunden
v. König ged. (1745) 21;
blasser:
doch bitt ich, vor der hand es gütigst zu verschweigen
Göthe 9, 85 W.;
nun, da erlauben sie wohl gütigst Gaudy s. w. 2, 62; se werdn gittichst verzeihn, herr graf G. Hauptmann weber (1892) 3, 56; ich wullte se gitigst bitten Müller-Fraureuth 1, 453.
c)
in anwendung auf die formen und ergebnisse des subjektiven gesinnungsausdrucks.
α)
von den ausdrucksformen der gesinnung und ihren eigenschaften im sinne 'freundlichkeit, wohlwollen, güte zeigend':
so guͤtic sin gebaren was,
daz manigiu do in hertzen las,
daz sis in sel sit enpfant
Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich 15047 R.;
er was ... nit vast langes lybes, aber ainer frölichen und gütigen gestalt Niclas v. Wyle translat. 24 K.; sie lokket uns mit so gühtigem ... wesen zu ihrer königlichen wohnung Zesen verm. Helikon (1656) 1, 216; gesellige und gütige neigungen gefallen Schiller 1, 33 G.; sie belohnt ihn mit keiner gegenliebe, mit keinem gütigen blicke Ramler einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 1, 398; nein, sagte der marquis mit gütigem tone Tieck schr. 19, 492;
noch sonst ein andrer von den hirten allen
mag dir ein gütig lächeln abgewinnen
Schiller 13, 174 G.;
(die) ougen stetz zu gnade und gütiger tugend gericht Niclas v. Wyle translat. 24 K.; und wen er uns nicht aus gütiger milde und gnade nachlysse und vorgebe, so hetten wir alle die helle vordint Luther 9, 156 W.; nu aber mein gütiger glimpff umbsonst ist Luther 30, 2, 27 W.; und disz wöllen wir alles geredt haben unvorgreiflich der gütigen vorsehung gottes Sebiz feldbau (1579) 46;
guͦtig ist allvaters gnade
Denis lieder Sineds (1772) 133.
β)
besonders häufig auf die handlungsergebnisse selbst übertragen im sinne 'aus freundlichkeit, wohlwollen, güte, nachsicht hervorgehend' oder 'gütiger gesinnung entsprechend'.
αα)
von worten und handlungen allgemein:
keyn guͦtig wort gat usz sym (des zornigen) mundt
Seb. Brant narrensch. 37, 4 Z.;
zubedeuten, das die ehleut dises, so sie von ainander begeren, holdseliglich mit freuntlichen gütigen worten, nicht mit palgen, pochen, trotzen und zancken fordern und erlangen sollen Fischart 3, 127 Hauffen; Florentin ... verliesz unter einigen gütigen worten das zimmer H. Laube ges. schr. 2, 156; er solte sich an solcher gütiger, demütiger antwort lassen begnügen Luther 30, 2, 26 W.; dann ye daz meyn vornemen gewest, wie ich durch güttige ermanung vorschaffen möcht, do mit die selbigen geystlichen doch zum lesten sich zuͦ besserung erinerten Hutten opera 1, 406 Böck.; got darumb dancken seyner gutygen wolthat Luther 10, 3, 408 W.; insonderheit aber sollen nachvolgende armen mit gütiger handreichung bedacht werden d. fürstenth. Wirtembergs newe landsordn. (1536) f 3ᵇ; die leute (haben) das vertrawen einigen gütigen und leutseligen tractaments zu derselben (armee) nicht gehabt v. Chemnitz schwed. krieg. 2 (1653) 49;
ob ihn Gyraldus gleich deswegen hönisch hält,
und über ihn kein gütig urtheil fällt
Triller poet. betr. (1750) 1, 46;
mein ... musicalische tractat vom generalbasz (hat) bey musicliebenden eine gütige auffnahme gefunden Heinichen generalbass (1728) )( 3; diese unaussprechlich gütige fürsorge Schiller br. 1, 24 Jonas; mit gütiger herablassung O. Ludwig ges. schr. 2, 51; objektiver 'milde': sollen die richter ... allewege in das gutiger urteil sich neigen Joh. v. Gelnhausen const. jur. metall. IV 18, 10 bei Jelinek 337; dieselb (göttliche barmherzigkeit) pfligt laͤslichen sünder mit guͤtiger straff ... aufzenemen Berth. v. Chiemsee t. theol. (1528) c 3ᵃ; welch einen gütigen namen gibst du meiner flucht Meiszner Alcibiades (1781) 1, 94; 'gelinde': gewalt sol gütig sein Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 70ᵃ.
ββ)
vielfach weniger gehaltvoll und oft nur als blosze höflichkeitsformel beigefügt: ich danke für gütige nachfrage Gottsched dtsche schaubühne (1741) 2, 492; da sie mir nicht nur schon mehrmals ein gütiges gehör gegönnet J. J. Schwabe tintenfäszl (1745) 83; wer behaupten will, dasz man bey den ehen nicht aufs geld sehen soll, den halte ich, mit seiner gütigen erlaubnis, für einen verliebten pedanten Rabener s. w. 4, 207; ihr gütigs zureden und mein versprechen haben mich heute früh glücklich den 2ten ackt anfangen machen Göthe IV 5, 5 W.; drum danck ich gegenwärtig nur für die gütige einladung 30, 7; eine assignation ... welche ich durch gütige vermittlung des herrn v. S. erhalten G. Forster s. schr. 7, 105; die ehre ihres gütigen besuchs Lichtenberg br. 2, 43.
γ)
anders, auf den subjektiven inhalt der gesinnung bezogen (vgl.gut IV B 3) im sinne 'mit freundlicher gesinnung verbunden': nach vielen empfehlungen zu einem gütigen andencken machten sie sich von uns Gottsched vernünft. tadl. (1725) 1, 28; ich empfehle mich zu gütigem andenken Göthe IV 4, 35 W.; Burt bittet, sich bestens empfehlen zu dürfen, und ich bitte in gütigem andenken zu bewahren ihren ergebensten Moltke ges. schr. 1, 236; dem glücklichen Anton zuwinkend, sagte er mit gütigem ernst G. Freytag ges. w. 4, 162.
δ)
juristisch in besonderer verwendung in älterer sprache, tirol. noch bewahrt; von ¹güte 4 abgeleitet im sinne 'auf friedlicher einigung beruhend', wofür neuerer sprache sonst gütlich A 1 b γ geläufiger ist: e. m. (ist) endlich dahin genötigt ... die sach zuͦ verhör und gütiger handlung komen zuͦ lassen Sleidanus reden 155 Böhmer; das ... durch die vier nach borschaften ... ain güetiger und nottwendiger vergleich gemacht und beschlossen (v. j. 1612) österr. weist. 6, 469; und bewegte damit Mauritium dahin, dasz er die waffen hindann legt und sich auff einen gütigen vertrag lendete v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 202; da auch über verhoffen sie in streit gerahten und durch gütige mittel nicht geschieden werden könten Hunold neue br. (1723) 711; gesetz, die gütige und kostenfreie vermittelung streitiger, noch nicht gerichtlich angängiger civilansprüche durch die untergerichte betreffend, vom 30. december 1861 (titel); adverbial gewendet: wo sie sich nicht güthig mit ihnen vertragen konnten v. Berlichingen lebensbeschr. 37 Biel.; derwegen sol man ... sich gütig und rechtschaffen vertragen und versönen Barth weibersp. (1565) 4ᵇ; wo es der brauch ist, ... läszt man es dabei bewenden und übergibt das gut nur 'gütig', d. h. auszergerichtlich L. v. Hörmann Tirol. volksleb. 417.
d)
adverbialer gebrauch (s. auch 1 b γ u. 1 c δ) kommt seit dem 16. jh. in übung, die ältere adverbialbildung gütiglich (s. dort) allmählich ablösend und gewinnt auf kosten des adverbialen gütlich (s. dort B) seine heutige ausdehnung; bedeutungsmäszig überwiegend gütig 1 b und c zugehörig: hat auch ... sin fürstlich gnad uns nüt anders denn gütig in sölichen sache ze handlen empfolen H. Zwingli dtsche schr. 1, 118, vgl. 1, 120;
wo ichs nicht mit kan machen gütig ('in güte'),
so will ich mich den unnütz machen,
kein gut wort geben in den sachen
H. Sachs 9, 52 K.;
wie gütig nun solche Calvinische mit den Lutheranern faren, ... wöllen wir anderstwa anzaigen J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 2, a 8ᵃ; güetig und glimpflich mit den kindern umbgehen clementer tractare liberos Henisch 1786;
die Sintier mich armen gütig
ausz liebe namen auff zu sich
J. Spreng Ilias (1610) 12ᵇ;
er wurde nicht so gütig wie sein herr vatter von ihr entfangen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 61; sie nehmens gütig auf Chr. Reuter ehrl. frau 4 ndr.; von dem hochberühmten groszpensionario, Johann de Wit, urtheilt der verfasser nicht so gütig ('günstig'), als vortreffliche leute seiner zeit Leibniz dtsche schr. 2, 481;
... ich wink ihm mit den augen,
und weis ihn (den gläubiger) gütig ab. allein, den andern
so schöne minen nicht ... taugen
B. Neukirch ged. (1744) 145;
wem dein auge, Melpomene,
einmal bey der geburt gütig gelächelt hat
Ramler lyr. ged. (1772) 195;
in der hoffnung, dasz sie gütiger werden gesinnt seyn, will ich gehen Lessing 2, 131 L.-M.; ich danke ihnen, dasz sie ihm so gütig fortgeholfen haben Göthe IV 20, 204 W.; höre dann, wie gütig, wie langmütig das gericht mit dir böszwicht verfährt Schiller 2, 102 G.; denkt nicht selbst Gleim gütig ('günstig') von ihm? Gerstenberg recens. 146 lit.-dkm.;
die gräfin spricht wehmütig:
die liebe ist eine passion!
und präsentieret gütig
die tasse dem herren baron
Heine w. 1, 85 E.;
blickte sie unbeschreiblich gütig und treuherzig an v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 37; zu 1 a δ:
so wil ich (gott) doch deiner denken
und mich gütig zu dir lenken
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 79.
2)
in älterer sprache vereinzelter von ¹güte 2 abgeleitet.
a)
zu ¹güte 2 a im sinne 'tugendhaft, sittlich vollkommen, fromm':
si ist junger dan du bist,
güetec, reine ân argen list
Alexius 292 Maszmann;
ein truglicher, ablistiger mensch, dú truͦg ein wúlfin herz under einem guͤtigen wandel und barg daz als genote Seuse dtsche schr. 119 Bihlm.
dise werden gebrûder drî
wâren al ir site gûtic,
kûne, doch dêmûtic
landgr. Ludw. kreuzf. 3633 Naum.;
wie solt du, elender mensch, yemant glewben, das du bey solchem unmenschlichen, unrugigen hasz kundist die reyne, gutige schrifft vorstehen Luther 7, 263 W.; dazu, von den orten der frommen übungen, im sinne 'heilig': auch (in) die kirchen, clöster, beetheüser und gütig stett, wie die genendt seind H. Ortolff d. päpstl. bull (1509) a 5ᵇ; kirchen, clöstern, spitaln, guͤtigen stedten, gemeinen und bruͤderschaften Luther (1565) 3, 93ᵇ Jen. ausg.
b)
zu ¹güte 2 b neutraler 'rechtschaffen, wacker, tüchtig':
der Lucius Valerius
und der Marcus Horacius!
der gschlecht und die sind allzeyt gütig
H. Sachs 2, 17 K.;
ich (habe) ... groszen schmertzen und dawren von dem abscheid einer so gütigen frawen (empfunden) K. Scheit fröl. heimfart a 2ᵃ; hat er sich so gütig und dapfer in allen sachen gehalten Xylander Polybius (1574) 5;
Nestor der edel ritter gütig
Spreng Ilias (1610) 45ᵇ.
3)
einzelne sonderbedeutungen, die sich nicht an ¹güte anknüpfen lassen, sind offenbar direkte ableitungen vom adj. oder subst. gut; zu gut I C 1 im sinne 'glücklich, günstig':
ein güetic ende
Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich 10ᵃ nach Lexer 1, 1111;
als er (Arion) nun sprang ins meer hinunder,
hub sich ein gütig, seltzam gschicht
B. Waldis Esop 1, 205 K.;
indem sie nun in der jungfer kammer beyde den gütigen ausgang ihrer noth genugsam belachten J. Riemer pol. maulaffe (1679) 21; zu gut III A 2 'angenehm, behaglich': by mir und mein xiiij gesellen ists ein gütige haltung, kain lay ... sy verbunden by todtsünden die fasten vor ostern zu halten Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 21 ndr.; zur redensart jem. gut tun (s.gut, n., A 3 b) 'gutes erweisen, reichlich geben', wohl vermischt mit jem. gütlich tun (vgl. gütlich B 1 f): wer vor sein zugvieh sorge träget, der lasse es einige tage vor der erndte ruhen und thue ihm in der fütterung ein wenig gütiger allg. haushaltlex. (1749) 1, d 2ᵇ; zu gut, n., B 1 b 'reich an besitz' (?):
die priesterschaff drifft symony,
si sint ouch ubermuͦdich.
wer nit hat zuͦ frunde zwene ader dry,
der wirt ouch nymmer guͦtich
Muskatblüt 157 Gr.
4)
unsicherer herkunft, etwa zu güte 1 a ε bergmännisch im sinne 'hochwertig' (?), vgl. auch gütigkeit 1 b: ein wenig festes eisen dienet zur erzeugung güttiger flossen (eisenblöcke) bei Unger-Khull 313ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1439, Z. 47.

gutig, adv.

gutig, adv.,
s. guting.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1439, Z. 46.

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güsthirt
Zitationshilfe
„gütig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/g%C3%BCtig>, abgerufen am 12.07.2020.

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