Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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gützeln, vb.

gützeln, vb.,
iterativbildung zu gützen 'mutwillig eine flüssigkeit verschütten, ausgieszen' Müller rhein. 2, 1528.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1492, Z. 68.

gutzeln, vb.

gutzeln, vb.,
alem.-rhein. wort, besonders schweizer. seit dem 16. jh. bezeugt; allgemeinste bedeutung ist 'dringend, unausgesetzt bitten', iterativbildung zu ¹gutzen; nach Staub-Tobler 2, 583 zu schweizer. gûzen (aus *guwezen) 'mit offenem munde nach etw. blicken', doch legt das gröszere verbreitungsgebiet von gutzeln und sein kurzer stammvokal herleitung aus ¹gutzen, 'blicken' näher, entweder wie Frisch t.-lat. 1, 387ᵇ 'gutzlen, betteln, aspicere aliquem more mendicorum eleemosynam exspectantium', also als 'gierig blicken', oder aber 'den kopf heischend in die türen stecken', vgl. ¹gutzen 3 b; aber auch gutzeln = kitzeln (vgl. teil 5, sp. 877) 'behelligen, plagen' von kützen teil 5, sp. 2909 liesze sich heranziehen, vgl.gutzeln 'kitzeln, jucken' Lexer kärnt. 128ᵇ.
1)
allgemein 'sich um etwas mit zudringlichem wesen, z. b. mit vielen schmeicheleyen, liebkosungen usw. bewerben' Stalder 1, 505, vgl.umb etwas werben, höuschen, gylen, gutzlen, anstrengen, begären procare Frisius 1063ᵇ, mit bitten und gutzlen einen unrüwig und überlägen seyn lacessere aliquem 751ᵃ, so vil etwan ein eerenampt begärend, gond sy von eim zum andern darumb ze gutzlen oder zewärben competitores plures obeunt 890ᵇ: einer verhiesz guldine berg, einer disz, der ander dasz, also das in irem gutzlen und verheiszen kein maasz was J. Stumpf keiser Heinrich d. vierdt. hist. (1556) 45ᵃ; ähnlich 'schmeichelnd locken', vgl.gotzel dem ferkelchen e beszchen, da kennt et Müller rhein. 2, 1528; dann überhaupt 'dringend bitten, betteln', vgl. bitten, eins bitten, vast bitten, gutzlen erogitare Frisius 481ᵃ, 'schmarotzen, betteln' Stalder 1, 505: gutzeln 'schmeichelnd betteln, nur von menschen, besonders um essen, namentlich von kindern, die um näschereien bitten und nicht nachlassen': en hät ken rauh, bes en em de groschen aus dem sack gegotzelt hat Müller rhein. 2, 1528; dan wo si arm gwesen, habe man den geit gespürt, vor welchen niemand bättlens und gutzlens halb ruͦw gehabt habe J. v. Watt hist. dtsche schr. 1, 308 Götz.; was bringt dann das ander guͦtzlen ain: eyer, schmalz, kes und flaisch, och gelt Joh. Keszler sabbata 62 hist. ver.; ausz welchem dann zusehen, dasz es viel besser seye, den weibern zu kramen, darmit man ires gutzelns und bettels ledig werde Agyrtas grillenvertr. (1670) 72; beim abschied gutzelte (der fuhrmann) um eine vermehrung des trankgeldes Joh. Tobler (1790) nach Staub-Tobler 2, 584.
2)
in spezieller bedeutung 'umbuhlen, mit liebkosungen umwerben', vgl. unschamhaftig anstrengen, unzüchtiglich begären, gutzlen procare Calepinus dict. (1570) 1223, ein mutwill, unzucht mit gutzlen, frechheit, gaillung Megiser pol. (1603) 2, 327ᶜ: als er einen sach umb ein gemeyne dirnen buͦlen und ir yemerdar zuͦmuͦtten, das sy im mit iren unerbars zuͦhandlen gestatten wölle, sprach er: du arbeitsäliger tropff, was wilt du mit dem gutzlen und gylen schaffen? leer u. läben Diogenis (1550) g 6ᵃ. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1492, Z. 17.

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güsthirt
Zitationshilfe
„gützeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/g%C3%BCtzeln>, abgerufen am 14.08.2020.

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