Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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gützen, vb.

gützen, vb.,
intensivbildung vom stamme germ. *geut- 'gieszen', aus *guttjan entwickelt, vgl. Kuhns ztschr. 15, 268; im sinne 'ausgieszen':
... waz bluͦtes samen
von in (beim zweikampf) do wart gegützet
Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich 8313 Regel;
mundartlich bewahrt, vgl.gützen 'spritzen, aus einer röhre, mit der spritzbüchse' und 'schnell, stark springen' Fischer schwäb. 3, 974, vgl. Staub-Tobler 2, 582; im sinne 'in strömen gieszen, regnen': et regent, dat et götzt Müller rhein. 2, 1528, aber 'ein wenig regnen' Fischer a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1494, Z. 18.

gutzen1, vb.

¹gutzen, vb.,
aus guckezen, intensivbildung zu ²gucken 'blicken' (sp. 1032 ff.), über gukzen entwickelt; seit dem jüngeren mhd. belegt und in obd. und md. maa. noch bewahrt, vgl. Schmeller-Fr. 1, 969, Schöpf tirol. 226, Staub-Tobler 2, 583, Fischer schwäb. 3, 974, Neubauer Egerl. 67, 'blinzeln, zwinkern' Hertel Thür. 111; literarisch das 17. jh. nicht überdauernd.
1)
zu ²gucken 1 'neugierig, forschend blicken':
ich sach in (den ehemann) eins die kirch durch gutzen
und ie zu zeiten eine an schmutzen
fastnachtssp. 2, 544 Keller;
da hett man von Calandrino ein schön gutzen gesehen, dann er die frawen durchsehen wolt Arigo decam. 564 K.
dort geht ein man, artlich gebutzt,
der stets hin und herwider gutzt,
samb er nach schönen frawen sech
H. Sachs 17, 73 K.-G.
2)
besonders häufig wie ²gucken 3 in verengerten bedeutungen.
a)
mit begrenzter sicht durch etwas hindurch, über etwas hinweg oder unter etwas hervor blicken:
(zwei schlüpften) hinter ein mantel preyt,
der do hing hinter einer stuben thure,
do guczt der eyne pey der weil her fure
H. Folz meisterlieder 47, 10 Mayer;
an irem hausz klopfet ich an,
... ich meindt sie solt mich einhin lon,
gutzt herausz, hiesz mich ein fladen
volks- u. gesellschaftslieder 54, 31 Kopp;
denn in dem fenster meines hausz
gutzt ich durch ein gitter herausz
H. Sachs 19, 251 K.-G.;
wird ein grosz gepolter und gutzet Satanas unten herfür Jac. Ayrer dram. 1566 K.; durch unterschiedlich mit eiszen vergitterten fenster (sah ich) die elende einwohner des hauszes ganz auszgemergelt, mager, pleich und halb todt herauszer gutzen F. Albanus münchsesel (1637) 10; er guckte oder gutzte an den fenster ... herausz E. Weigel tugend-üb. rechenkunst (1687) 208; mundartliche redensart im bair. i will də's gutzən dur'n zaun leənən will dich bescheidenheit lehren Schmeller-Fr. 1, 969.
b)
nach ²gucken 3 b mit zielangabe des sehens:
und in der sünden pützen
hast du (leib) mich (seele) geheiszen gützen
Heinrich v. Neustadt vis Philiberti 284 S.;
in die mischung weltlicher schanden hastu nit geluget, in irdische wandlung hastu nit gegutzt ackermann a. Böhmen 13 Kn.;
der pfaff ward lachen, da ward sie schmutzen,
da lies ich sie unten in meinn spiegel gutzen
fastnachtssp. 2, 755 Keller;
ir wolt in alle winkel gutzen
1, 142;
sobald einer in ein glas oder krausen gutzet, ist ihm schon der dürmel im kopf Wickram w. 2, 25 lit. ver.; stehet hinter dem teufel und hebt im den schwantz auff und gutzt selber hinein Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 97ᵇ;
er kumpt zum hausz und gutzt hinein,
ob er da find die göttin fein
H. Chr. Wolckenstein aller practicken grosvater (1573) f 2ᵇ;
artzney ist guͦt in der suppen, guͦt baden im kuchenladen, da der Fritz hinein gutzt und man die hund bespritzt
Fischart prakt. 20 ndr.
3)
entsprechend ²gucken 2 bei sachlichen subjekten 'hervorragen, sichtbar werden'; noch in bildlicher übertragung von 2 a her:
(das haar) gutzt herausz sam durch ein thor
H. Folz in: fastnachtssp. 3, 1276 Keller;
ein spindel in eim sack, das stroh in schuhen, ein hur im hausz gutzt selbst herausz Fischart praktik 120 ndr.; (die felsen) an einer langen zeil ... herfür gutzen, wie die zinnen an einer stattmauren J. B. Fickler v. Weyl Olai magni hist. (1567) 76; von hier aus zu verstehen technisch im sinne 'keimblätter treiben': nach ... 3 tagen werden die körner anfangen zu keimen, gutzen, wie es die brauer nennen Muspratt-Stohmann 1, 1306.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1492, Z. 70.

gutzen2, vb.

²gutzen, vb.,
intensivbildung zu ¹gucken (sp. 1031) aus guckezen über gukzen, vgl.gugzet Konrad v. Würzburg gold. schmiede 132 Schr., guchzet weisth. 1, 524, im sinne 'wie der kuckuk rufen, kuckuk schreien':
swie lange aber wer sîn fröuden spil,
daz weiz der gouch, der im vür wâr
hât gegutzet hundert jâr
Hugo v. Trimberg renner 11382 Ehrism.;
auch mit umlaut als gützen:
den gauch (kuckuk) den hört man gützen,
daz ist hierzuͦ nütze
könig v. Odenwald 2, 39 Schröder;
als gutzschen: und nam den brief an der kirchtür und schrai und gutzschet städtechron. 11, 631.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1493, Z. 72.

gutzen3, vb.

³gutzen, vb.,
'nach etwas eifrig werben, betteln', vgl.gutzeln, wo etymologisches; literarisch im 16. jh. bezeugt: aber die reichen münch ernerten sich usz iren gülten und stelleten auch das gutzen ab, damit sie auch ungezwungen weren zu den täglichen jämerlichen messen M. Zell christenl. verantwort. (1523) h 3ᵃ; nit achten, ob sie ewer fürstliche gnaden tag und nacht mit geilen und gutzen molestieren und bekümmern J. Frey gartengesellsch. 26 B.; vgl. schweizer. gûzen, gauzen: ich gûze nüd dernach 'es liegt mir an dessen besitz oder genusz nicht viel', er tuet ja um das pösteli gûzen Staub-Tobler 2, 583.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1494, Z. 7.

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Zitationshilfe
„gützen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/g%C3%BCtzen>, abgerufen am 14.08.2020.

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