gebirge n
Fundstelle: Lfg. 8,9 (1876,1877), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1774, Z. 74
berge in gesamtheit.
I.
Die form.
1)
ahd. gapirgi, gibirgi montes, montana Graff 3, 190, mhd. gebirge; goth., ags., alts. nicht vorhanden oder nicht entwickelt (goth. baírgahei f. ὀρεινή). mnd. mit erweiterter endbildung (s. unter gebein 1, b) gebergete, geberchte Sch. u. L. 2, 20ᵃ, nl. gebergte bei Kil. und noch jetzt, auch nrh. im 16. jh. gebercht Dief. 367ᵇ s. v. montivagus; aber auch geberchs nrh. Harf 63, 22 u. o., gebirchs 149, 31 u. o., mit -s für -z, wie auch nnd. gebirgeze Schambach 60ᵇ, der aus Kanzows pomm. chron. nd. gebirgede beibringt; s. dazu sp. 1610.
2)
nhd. und schon früher findet sich eine schreibung gebürge, bis ins 19. jh. herein, bei den besten schriftstellern (auch Göthe, Schiller), welche betrachtung fordert, zumal sich ein weiterer zusammenhang daran hängt.
a)
zeugnisse: biʒ an das gebürge. Frankfurter reichscorr. 1, 92, vom jahre 1401, also gewiss auch schon im 14. jahrh.; das bürg Schiltberger, s. unter 4; ruhe lant und wieste weld und gebürge. heldenb. 2, 25 Keller (der älteste druck des heldenbuchs), also neben ie für üe, i für ü, wie in wiest, kien, Ginther, wirm, die mundart ist oberrheinisch, dem 15. jahrh. angehörig; gebürg am Gothart, Cotiae alpes. Dasypod. 337ᵃ, daneben gebirg 266ᵈ. 267ᵃ; es ist ein grosz dorf im Elsasz am gebürg gelegen. Wickram rollw. 91, 10, elsäss. (umgekehrt z. b. gebliet neben gebluͤt 119); aus den gebürgen. Frank weltb. 208ᵃ;
wie man im Schweizergbürg oft sicht.
Fischart glückh. schiff 632;
zogen dem gbürg nach und der Ill.
462;
dem hörführer Hannibal .. der das Alpengebürg mit essig wuszt zuersprengen. ders. bei Wackern. 184 (klost. 10, 941); das ich mich vom italienischen gebürg ins Teutschland .. hab herab begeben. bienenk. (1588) 230ᵇ; zochen über das tridentisch gepürg .. in Italiam. Zimm. chr. 1, 5, 26 u. o. (geschr. gepurg, wie oft da u für ü); s. auch bürge u. 4, kunstgebürg II, 1, b, weingebürg 2, a;
des trucknen gebürgs göhnender durst.
Weckherlin 764;
im Schweizerland, allwo die frömmste im gebürg wohnende leut .. jährlich einmal .. in die kirch kommen. Simpl. 3, 311 Kurz;
aus drei gebürgen,
die mit begrünter cron sich durch die wolken würgen.
A. Gryphius 1, 598;
auf dem Schweizer-gebürge. Pasquini staatsphant. 231; über das Alpen-gebürge. 112; wie in einigen örtern des alpischen gebürges. Wernike (1704) 108;
er weisz, was am gebürg ein früher nebel will.
Haller 41;
bald zeigt ein nah gebürg die sanft erhobnen hügel.
45;
mein erster plan war, über das gebürge nach Naumburg zu gehn. Rabener briefe 302; da bin ich in der einsamkeit (in Bückeburg), in der schönsten aussicht, von wald und gebürge umschlossen. Herder an seine braut, nachlasz 3, 51; in eisgebürgen. ders. ged. (1817) 2, 112; die riesengebeine unsrer erzväter aufm gebürg. Göthe bei Schöll br. u. aufs. 161 (der junge G. 3, 698); der Rhein und die klaren gebürge in der nähe. an frau v. Stein 1, 244; wir steigen zu pferde und gehen in die gebürge. 2, 85; vierzig gebürge. Schiller II, 92, 13; hindernisse wie gebürge. III, 372 (gebirge II, 179, 25);
was blitzt dorther vom gebürge?
ged. 1800 2, 143 (gebirge 1, 58);
hoher felsengebürge.
Voss Odyss. (1806) 9, 192;
indem er nach dem gebürge hinüber schauete. J. Paul Kampan. (1797) 138; da ich auf dem Vesuv das gebürg' ansah und das meer. Titan (1800) 4, 207; aus den quellen, die das gebürge in das meer heruntergieszet. 104; die küsten und vorgebürge. 136 (gebirge 2, 186); so flach ist hier keine (gegend), dasz nicht in der nähe gebürge wären. Fr. v. Stolberg reise in Deutschl. u. s. w. 1, 166; die hohen gebürge. 167;
sie mögen sich erwürgen
am fusz um gut und geld,
ér bleibt auf den gebürgen
der frohe herr der welt.
Novalis bergmannsleben, Schlegels u. Tiecks musenalm. 1802 s. 162;
durchs Alpengebürg ins süsze Welschland.
Platen (1847) 2, 239;
dort das gebürg der Abruzzen.
2, 301;
jenseits des gebürgs.
2, 292. 4, 157.
es ist auffallend und ich sehe den grund davon nicht, dasz diese wunderliche schreibung sich so lange halten konnte, da berg so nahe liegt, burg aber fern; Adelung erwähnt sie nur noch als 'wider die sprachähnlichkeit' (d. h. analogie), auf feld und gefilde u. ä. verweisend, aber schon Frisch, Steinbach, Stieler thun ihrer gar keine erwähnung, wie doch Rädlein, Ludwig, M. Krämer, Henisch thun, die letztern drei der form mit ü den vorzug gebend; Schönsleder bringt sie nur beiläufig, mitten unter berg: declive montis, das geheng des gebürgs. E 7ᵇ.
b)
ausgegangen ist sie den zeugnissen nach vom südwesten (noch Luthern ist sie fremd), wo i und ü früh in verwirrung gerieten; aber auch der gedanke an burg wird wirklich betheiligt sein, denn es zeigt sich jahrhunderte lang ein ähnliches wechseln von burg und berg in burg- und stadtnamen, worauf hier wiederholt aufmerksam gemacht sei (s. schon zu Soltau 2, 38, Weigand arch. f. hess. gesch. 7, 306); uns liegt jetzt die blosze möglichkeit eines unsichern wechsels in der namensform so fern, dasz reichliche beispiele nötig sind.
α)
in nhd. zeit heiszt z. b. im 15. 16. jh. Regensburg auch Regensperg Soltau 2, 38, Blankenburg am Harz wechselt mit Blankenberg das. 22, in Franken Stolburg und Stolberg s. 107, Hohburg bei Wurzen Hoberg cod. d. Sax. II, 3, 250. 441ᶜ, Freiberg im Erzgebirge Freiburg Uhland volksl. 976, Friborch 538, Nürnberg Nurenburg und Nerenberg bei Ott Ruland handlungsb. s. 2, wie i. j. 1433 Nurnburg Frankf. reichsc. 1, 391, in nrh. form Nuyrenburch Harf 41, 15, neben Straesberg Straszburg; für Weiszenburg, Offenburg Wiszenberk, Offenberk anz. d. g. mus. 1869 sp. 68 ff., Wittenberg Wittenburg in einem Straszburger drucke Vilmars bücherschatz s. 48; Schaumburg heiszt wechselnd Schaunburg und Schaunberg Wilw. v. Sch. 6. 7, Naumburg Nümberg Eulensp. 114 Lappenberg, Bamberg Bamburg Wolff hist. volksl. 381, Stolberg und Schwarzenberg in Sachsen Stolburg, Schwarzenburg Albinus land- u. bergchr. 23, Marburg Marperg Schertlin br. 36, Weinsberg Weinspurg Liliencr. 3, 442ᵃ, Friedberg in der Wetterau Fridburg reichsordnungen Worms 1539 2ᵇ, Kriegk bürgerth. 1, 289, Ladenburg am Neckar Ladenburg Zimm. chr. 2, 241 (vom herausg. geändert); auch nl. z. b. Heynsborch und Heynsberch in demselben liede hor. belg. 11, 339. im 17 jh. heiszt z. b. Eilenburg auch Eulnberg Soltau 1, 494, Annaberg zur Annaburg Hofmann spenden 1, 149, Miltenberg am Main Mildenburg Möhner reise 110, Heldburg Heldensperg 45. noch jetzt z. b. heiszt Würzburg beim volke auch Wirzberg Schmeller bair. gr. s. 463. natürlich eben so oft in mannsnamen, z. b. ein Friderich von Wartenberg Oheim chr. v. Reichenau 22, 32 auch von Wartenburg 22, 19, ein dichter Peter von Arburg Zimm. chr. 2, 239 auch von Arberg Germ. 12, 90, ein gelehrter Johannes von Dalberg auch von Dalburg Raumer gesch. der d. philol. 41. 22, ein Oestreicher Adolf von Schwarzenberg auch der Schwarzenburger Körners hist. volksl. 271. es ergibt sich daraus, dasz man wol für jedes -berg auch -burg sagen konnte, und umgekehrt, selbst da wo von einem wirklichen berge nicht die rede sein kann, wie bei Regensburg, Straszburg, Würzburg.
β)
es war aber aus alter zeit überkommen. im 14. jh. z. b. heiszt Rochsburg an der Mulde Rogksberg cod. dipl. Sax. II, 8, 54, Altenberg bei Wetzlar Aldenburg Rieger heil. Elis. s. 59, die Wartburg Wartberc das. v. 2614 u. ö., Ködiz heil. Ludw. 58, 23, Warperg 45, 8 (var. Wartpurg), burg Mühlberg Molburg 58, 24; im 13. jh. z. b. urkundlich wechselnd Battenberg und Battenburg in Hessen Weigand a. a. o. 306, Glouburg und Glouberg 284, Ronnenburg und Ronnenberg 285, der minnesinger Uolrîch von Guotenburc heiszt auch von Guotenberc MF. 260, ein Wilhelm von Heinzenberc in der Pariser liederhs. von Heinzenburc Germ. 8, 36 fg., Viborg in Jütland bei Helmold chr. Slav. 1, 84 Wiberg. im 12. jh. z. b. hess. Schiffenburg und Schifenberg Weigand 285, Rochemburg und Roggenberch 307, im 11. jh. z. b. Komburg in Schwaben Kâmburc und Kâmberg Förstem. nam. 2, 349 (385), vgl. 327. 232. burgen als berg bezeichnet z. b.:
daʒ man eine burc bûwen sach,
der heilige berc wart sie genant.
livl. chr. 9945,
nachher sogar von derselben diu berc, die ich genennet hân 9967 Pf. (die burc L. Meyer), d. h. die burg Heiligenberg. so seltsam das ist, hat es doch sein seitenstück im alts., wenn im Heliand das fem. burg den gen. burges bildet, mit berges wechseld, z. b. berges wal in der Münchner, burges wal in der engl. hs. 2676, felswand, und umgekehrt burges wal stadtmauer in der ersten, berges wal in der andern 3686, also berg und burg völlig tauschend, beides für berg wie für stadt, burg.
γ)
noch weiter aber greift der wechsel. auch für bergfrid kommt burgfrid vor (unter burgfriede 3 noch zweifelnd): propugnaculum, burgfrid. Mones anz. 7, 164, borgfrede Dief. n. gl. 306ᵇ; bauete um der feinde willen ein burgfriede zu wehren. Waissel chron. 86ᵇ (bergfrieden pl. 81ᵇ). ähnlich für die windberge, zinne, wintburgelîn erlös. 442. selbst für herberge im 14. 15. jh. herburge, oft z. b. in der heil. Elis. (s. Lexer 1, 1252); einliczige lute .. die den armen elendigen luten daʒ husichin und die herburge ufhalden und in handelagen (als pfleger, herbergsvater). Kriegk bürgerth. 1, 541, aus Frankfurt 14. jh., von der elendenherberge; daʒ ir unsern dienern in ewerer stad herburge gebet. Frankf. reichscorr. 1, 41; in unsers herrn von Wirczpurg herburge. 214 u. ö.; auch hospitare herburgen Dief. 281ᵃ. auch heimberge für heimbürge unten IV², 868, Haltaus 856, Lexer 1, 1217 wird hier seine quelle haben, und ebenso gebürge.
c)
der scheinbar launenhafte wechsel hat aber zuletzt im leben des stammwortes selbst seinen grund.
α)
die burg musz noch lange als das bergende verstanden worden sein, worin man geborgen ist; der berg aber ursprünglich auch, das tritt im ags. noch klar hervor, wo beorg berg auch als munimentum vorkommt (Ettm. 287) und umgekehrt gebeorg, gebeorh, eigentlich subst. verb. zu gebeorgan bergen, also bergeort, refugium, praesidium, ausdrücklich auch als berg, gebeorh godes für mons dei der vulg. (Grein 1, 378); auch beorg und burg tauschen geradezu, wie im Heliand und wie noch in unsern stadtnamen: äfter beorgum Cädm. 3061 gleich äfter burgum 3439, und umgekehrt ofer burgum 3151 gleich ofer beorgum, wie Grein da ändert.
β)
man sah in alter zeit wol einen berg wesentlich darauf an, ob und wiefern er als burg dienen könne oder es schon war, von natur oder mit hilfe der kunst. auch die herberge ward ursprünglich so angelegt, das zeigen die gl. heribergôn castra metari, hereberga castra Graff 3, 175, wofür dann mhd. auch hergebirge n. erscheint Ortn. 40, 4 (Berl. heldenb. 3, 8), es ist Garten gemeint (var. der guoten vesten) als hauptfeste des landes Lamparten, eigentlich als groszes standlager, wenn nicht das ganze bergland als eine feste gedacht ist (vgl.γ); und zu herburge wird auch hergebürge nicht fehlen, wie eigentlich nach der hs. eben dort zu schreiben wäre.
γ)
auch gebürge selbst wird ursprünglich so gemeint sein, ein groszer berg (s. II, 1) oder ein bergland als grosze burg gedacht, worein man sich im kriegsfalle zurückzieht, von wo man dem feinde trotzt u. s. w.; denn wie man jetzt noch ein bergland unter umständen eine natürliche festung nennt, und Schiller im Tell 1, 3 diesen von den bergen (als mauern) sagen läszt dás haus der freiheit hat uns gott gegründet, so heiszt es wirklich im alten Tellenliede von Uri:
ein edel land, gut recht als der kern,
das lit beschlossen zwüschen bergn (so l.?)
vil vester dann mit muren.
Liliencr. 2, 110,
ist besser befestigt als die burgen im lande unten, ein rechtes hergebirge, vgl. schon alts. berges oder burges wal unter b, β sowol von felswänden wie von stadtmauern.
3)
auch die form geberge erklärt sich aus dem vorigen und bestätigt es:
eine mîle niderhalf der stat,
dâr holz unde geberge lac.
Rother 3645,
da landen nach dem gebrauch der alten kriegsfahrten die Rôtheres man (d. h. Rother mit den seinen, s. untergatte II, 1, a), an geborgner stelle, in bergichtem gebiete, beides ist eigentlich zugleich gemeint;
(ein see) in deme wildin geberge
dô rît en hen ein ferge.
anz. d. germ. mus. 11, 376,
d. h. den Pilatus da hinein zu werfen, vom Pilatussee; wand is ferre (weit) in den winter komen ist, daʒ wir doch nit wole könden komen durg daʒ geberge her. Frankf. reichsc. 1, 314, vom jahre 1417. allerdings ist das alles md. mundart, wo auch sonst da e für i eintritt, aber auch gut oberdeutsch geberge bei Megenberg 102, 31 u. ö. (s. Lexer 1, 755). es schlieszt sich zugleich an mhd. geberc m. n. an, ort wo man sich oder schätze u. ä. birgt (mhd. auch berc m.), alts. geberg cubile, ags. gebeorg unter 2, c, ahd. gaberg latibulum, als welches eben das geberge im Rother zugleich dient. vergl. nrh. geberchs, nd. geberchte unter 1.
4)
oberd. wieder auch ohne ge-, im 16. jh. häufig birg, birge, s. d. und birgisch, birgluft, birgbaur gebirgsbauer Katzip. H 5ᵃ, noch bei Opitz birggut 2, 266;
am Bamberger birg hat es noch leut (dergleichen edelleut).
H. Sachs IV, 3, 59;
ein alter pfaff trutzig und vermessen
ist oben an dem birg gesessen u. s. w.
IV, 3, 90;
noch bair. das birg, dazu gemsbirg, birgjäger, birgwind u. a., s. Schmeller 2, 196, der aus Aventinus beibringt über das birg, hergessem des pyrgs, herehem pyrgs, d. h. diesseits und jenseits. so pyrg im Teuerdank, mit gepyrg wechselnd, z. b.:
ich wais ein gepyrg, ist mar (brüchig, mürbe).
69, 16;
du bist der bösen pyrg erfarn.
v. 12;
der ain gee an das pyrg mit dir.
20.
desgleichen bürge, bürg für gebürge: in ersach einer des Otmans diener, der ilt im nach unz an das bürg. Schiltberger 66 (pirg 68, gebirg 73);
er het die lant bezwungen
vom bürg unz an das mer.
heldenb. 16, 20 K.;
die Walseer in den hohen bürgen. Paracelsus chir. schr. 160 (unter burg II, 534 misverst.); dʒ gelt solt er empfahen, wann er über das bürg käm und Mailand sehe. S. Frank Germ. chr. 228ᵃ; ob das were, dasz ein bischof von Augspurg über daʒ bürg wolt faren von not wegen des heil. reichs. weisth. 6, 206, aus dem 14. jh., doch in einer abschrift des 18. jahrh. im 15. jh. birg Nib. 902, 4 var., einzeln auch schon mhd. birge, s. Haupt zu Erec s. 359 und vgl. zu dem fraglichen dabei spalte 1608, aber auch 1606 fg.
5)
die endung ist schwankend (vgl. sp. 1610). das -e wird in ungezierter rede oberdeutsch durchgängig weggeworfen, in mitteldeutscher, wenigstens in der östlichen hälfte, ebenso beibehalten. auch die schriftsteller schwanken, vgl. z. b. unter 2, a J. Paul, der neben gebirge, gebürge sorgfältig gebürg' schreibt, während Klopstock, der gleichfalls auf den apostroph achtete (vgl. spalte 1601 fg.) beide formen brauchte:
wüthend kam ein orkan am gebirg' her.
oden 1798 1, 221,
von dem gebirg in das thal herab.
224.
II.
Gebrauch und bedeutung.
1)
uns jetzt am fernsten liegt der gebrauch von einem einzelnen berge, doch fast nur von groszen.
a)
so deutlich oft im Teuerdank, z. b. im 66. cap., das von einer gemsenjagd handelt, wozu der held auf ein hoch gepyrg gefuͤrt ward; da heiszt es wechselnd, dasz gefahr ist von schneerisen auf disem perg dort v. 8, dort auf disem gepyrg 40, an das gepyrg 47, an den perg 63; doch vorwiegend gepyrg, aber nicht wie man das heute meinen würde, sondern eben von dem einen perg:
als sy nun bed kamen mit ein
hoch in das gepyrg in ein wand.
v. 69;
wie es dem held und seim jeger
an dem gepyrg ergangen was.
101;
wie ein steinbock het sein leger
in disem gepyrg vor euch hoch.
59, 5;
auf dises hoch gepyrg zuͦgan.
v. 9;
aber wieder von demselben der selbig perg v. 13. 17. 56. im 15. jh. z. b.: aber der Weyasit (Bajasid) gab die flucht und hielt sich wol mit tusent pfärden an ein gebirg. da umbleit der Tämerlin (Tamerlan) das pirg .. und vieng in. Schiltberger 73. der musenberg als kunstgebürge:
dieweil du dich nicht hast beflissen
die röslein abzuprechen,
die aus dem kunstgebürg fürschisen
an den pierischen bächen.
Fischart ehz. 471 Sch.,
bei Plutarch entspricht (aus der Sappho) οὐ γὰρ μετέχεις ῥόδων τῶν ἐκ Πιερίης.
b)
noch im 17. 18. jh.; z. b. von den Karpathen: das höchste gebirge und spitz stehet bei Käsmarkt .. man kann darauf in Polen, Schlesien und weit in die Türkei hinein sehen. ungar. Simpl. 71; dieses höchste gebirg nennet er (der wegweiser) den Groszvater, worauf niemand kommen könne. 68; der Gotthard ist zwar nicht das höchste gebirg der Schweiz. Göthe 16, 301. Roller in den räubern 2, 3 schildert die brennende stadt: vierzig gebürge brüllen den infernalischen schwank in die rund herum nach. Schiller II, 92, 13, d. h. die brandglocken der dörfer auf den bergen in der runde, wo doch auch blosze hügel, höhen überhaupt mit gemeint sein müssen; auch im folgenden ist ein groszer berg gedacht, Franz Moor von der wagschale, in der seine sünden gehäuft werden: die schale wuchs zu einem gebirge. II, 179, 25, es besteht aus den einzelnen stücken wie ein groszer berg gleichsam aus kleinen. ähnlich in Göthes schilderung aus dem Ursener thal, gebirge für einzelne gewaltige bergmasse: wir mühten uns weiter, das ungeheure wilde schien sich immer zu steigern, platten wurden zu gebirgen und vertiefungen zu abgründen. 48, 124. auch als gehobener, vollerer ausdruck für berg überhaupt, z. b. in dem pl. traubengebirge von weinbergen bei Neubeck unter 2, a. es wird im leben gewiss noch gelten, unser begriff von gebirge ist ja seit einführung des geographischen unterrichtes durchaus von der landkarte bestimmt. übrigens selbst in geographischer sprache in vorgebirge.
c)
zuweilen schwankt der ausdruck zwischen berg und gebirge, z. b. wenn es vom Fichtelberge oder Fichtelgebirge im 16. jahrh. heiszt: wir müssen dieses berges noch mehr gedenken ... Fichtelberg, ein überaus hoch gebirge Deudscheslandes ... strecket etliche stück als hörner oder este heraus .. dieses gebirges ist bei den alten scribenten gar nicht gedacht worden, so doch kaum ein berg in Deudschland ist, der lobs und preis wirdiger sei .. andere este vom gemelten gebirge u. s. w. Albinus meiszn. bergchr. 87, nach Seb. Münster; vgl. s. 86 das gebirge umb den Fichtelberg, welcher der höheste berg in diesen Sudöden sein sol. das schwanken entspricht aber hier der sache, denn bis in neue zeit wird geographisch angegeben, z. b. im conversationslexicon: es stellt sich im ganzen dar als plateauartiges massengebirge, welches von weitem mehr das ansehen eines berges als eines gebirges hat und daher bei den anwohnern noch jetzt, wie früher allgemein, den namen Fichtelberg trägt (vgl. dagegen Daniel Deutschland 1873 1, 267).
2)
auch als wirkliches collectivum ist es im folgenden nicht geographisch gemeint, sondern noch aus dem leben stammend.
a)
der alte eigentliche begriff wird recht deutlich an weingebirge, weinberge die zusammen gehören, wesentlich nur gewerblich gedacht; es hat bis ins 18. jahrh. gegolten: sollen sie den herren von Nanstul ein weinfurt schuldig sein. der wein soll (aber) im nechsten weingebürg geholt werden. weisth. 5, 673, nur auf die nächstgelegenen weinberge erstreckt sich die verpflichtung zur weinfuhre (furt als fuhre, vgl. sp. 900, s. einfurt einfahrt, einführung Möser phant. 3, 145, Luther bei Dietz 1, 771ᵇ, dagefurt tagfahrt scr. rer. pruss. 4, 89); was du ... wegen S. Walthers und consorten, die abschaffung ihrer pferde zum praejudiz unserer weingebürgs-fuhren .. betreffende, unterthänigst einberichtet. Klingner dorfrechte 2, 798, regierungsrescript aus Merseburg vom j. 1728, wegen der frohndienste in den landesherrlichen weinbergen; weingebürgs-ordnung, ist ein landesherrlicher befehl und unterricht, wie sich die weinmeister und winzere in ihrer weinbergs-arbeit verhalten sollen. öcon. lex. 2623; im zusammenhang auch kurz gebürge, z. b.: der steinwein, welcher um Würzburg auf einem angenehmen gebürge, der Stein genannt, gebauet wird. das. 2612. dichterisch z. b. traubengebirge, weinberge:
schau, dort über der stadt die reihe der traubengebirge.
Neubeck gesundbr. 15;
einzuernten den segen des herbsts auf traubengebirgen.
18,
wo zugleich gebirge wieder gleich berg, s. 1.
b)
für bergland, berggegend, z. b. im folg. pl., der da durchaus ungeographisch ist: indessen ward's dunkel, sie näherten sich den gebürgen. Stilling wanderschaft (1778) 183, auf seiner Rheinfahrt, vor Bingen, dem gebirge würde es jetzt heiszen; kam er auf einer höhe an die gränze des Salenschen landes, er sah in all die bekannte gebirge hinein, sein herz zerschmolz u. s. w. 95, weder geographisch noch romantisch gemeint, sondern sein vaterland wie ers nachher nennt, mehr die thäler und dörfer gedacht als die berge, am wenigsten etwa in ihrer geographischen gestaltung, die in der schule jetzt zuerst ernstlich eingeprägt wird, als müszte man die erde vor allem ansehen lernen wie etwa ein mondbewohner mit teleskop, ehe man sich wirklich erdbewohner nennen kann; wir steigen zu pferde und gehen in die gebürge. Göthe an frau v. Stein 2, 85, aus Ilmenau, man würde jetzt ins gebirge sagen, es sind aber die einzelnen gebirgsgegenden gemeint, hauptsächlich in gewerblichem sinne; nun wäre ich auch hier (in Koburg) so weit fertig, will mich heute nach gegenden und menschen umsehen und morgen in die gebirge reiten. 2, 204, zugleich im gegensatz zu den mehr offenen gegenden vor dem gebirge. ebenso schon im 16. jh., s. z. b. von den Walsern in den hohen bürgen Paracelsus unter I, 4, gebirgsgegenden, thälern des Wallis. s. auch u. d von gebirgen éines gebirges, es ist zugleich wieder wie berg, berge nur in erhöhter form und vorstellung.
c)
von den bergen, die den gesichtskreis begränzen, auch ohne dasz immer an ein eigentliches gebirge zu denken ist, es brauchen nur höhen zu sein (vgl. Schiller unter 1, b):
prächtig im glühenden morgenroth
was blitzt dort her vom gebürge?
seht ihr des feindes fahnen wehn?
Schiller ged. 1800 2, 143 (die schlacht);
unabsehbar ergieszt sich vor meinen blicken die ferne,
und ein blaues gebirg endigt im dufte die welt.
1, 51 (spaziergang);
vgl. Herder aus Bückeburg I, 2, a. wieder auch im plur.:
und ersteigt bald den erhöhteren hügel,
stehet, und schaut umher,
wie der wecker mit dem röthlichen fusz (das morgenrot)
auf die gebirge tritt.
Klopstock oden 1798 1, 302 (der kamin).
ähnlich auch folgendes gebirge von den bergen des Saalthales, zugleich als gesichtsrand:
früh, wenn thal, gebirg und garten
nebelschleiern sich enthüllen.
Göthe 47, 68 (Dornburg sept. 1828).
d)
auch in wirklichem gebirge von einzelnen berggegenden, bergbildungen desselben, z. b. vorgebirge, die vorberge (s. auch unter 5, a): aber wir im tiefen schnee abgemattete kamen erst bis sonnenuntergang an dieses Groszvaters vorgebirge. ungar. Simpl. 65. angebirge (im 1. bd. fehlend): am 20sten brachen wir nach Amstäg auf .. hier nun, an diesem schon genugsam wilden angebirge, wo die Reusz aus schrofferen felsklüften hervordrang u. s. w. Göthe 48, 122 (wahrheit u. d. 18. buch), vgl.anberg vom einzelnen berge in seinem ansteigen. auch bei das gebirge mitten im geographischen gebirge wirkt der alte begriff nach, z. b.: die zukunft lag so wunderbar unerforschlich vor ihnen, wie das gebirg in das sie hineinstrebten. Göthe 48, 122, das nächste sichtbare bergland; das gebirg das uns den eingang von Wallis verdeckte. 16, 235; der boden, worauf wir stunden, ein hohes, kahles gebirge. 237. noch deutlicher im pl.: zur rechten die hohen gebürge des Grindelwaldes. Fr. v. Stolberg reise 1, 167; hier (im Ursener thal) wachsen keine bäume. büsche von saalweiden fassen den bach ein, und an den gebirgen flechten sich kleine sträucher durcheinander. Göthe 16, 298, offenbar die thalwände; auf den gebirgen ist keine beschwerlichere reisegesellschaft als maulthiere. 300, die wege auf den bergstöcken gedacht, es schlägt zugleich in b über, wie das folg.; sie hatten, in den hintern gebirgen jagend, die brandwolken aufsteigen sehen. 15, 320, d. h. theilen des éinen gebirgs, um das es sich da handelt (des Thüringerwaldes, in der novelle), s. ebenda s. 300. 302; der flusz geht nun rechts durch die gebirge in die see. Seume spaz. nach Syr. 113.
e)
beachtenswert ist dabei, wie statt des collectivs doch auch der pl. berge erscheint, wie engl. hills, lat. montes, gr. ὄρη (z. b. Od. 9, 192, bei Voss falsch gebürge pl.), s.berg 11, vgl. bergmännisch unter 5, b; hier ein paar ältere belege: wir laszen dich wiszen daʒ wir mit unsern kurfursten .. zu rate sind worden .. daʒ wir uns erheben, über berge gein Lamparten zu ziehen, unser keiserlich cronunge zu empfahen. Frankf. reichsc. 1, 87, ausschreiben k. Ruprechts 1401 zum Römerzuge; diese nachgeschriben (fürsten) hant geentwurt, mit mim herren über berge zu ziehen. s. 95, vgl. bei Dief. 25ᶜ Alpes in vocab. mit bloszem berge erklärt, auch nd. dudesche berge. Platter 13 erzählt von seinem leben als geiszbub by den geiszen in (d. i. in'n) bergen, vgl. sp. 1607 m., er braucht nie gebirge. im 13. jahrh.: swaʒ ein ieglich burgir kaufschatzes bringet durh die berge. Augsb. stadtb. s. 38, auf den gebirgsstraszen aus Italien; dafür auch kurz herûʒ, mit der kürze der geschäftsrede: bringet ein burger öl herûʒ. 39, baumöl u. ä., das war im reiche so gangbar (wie jetzt in bezug auf Amerika unterm volke kurz hinein und heraus), z. b. von kaiser Otto in Italien heiszt es:
daʒ er nach tiuscher ritterschaft
her ûʒ begonde senden.
Konr. Otto m. d. barte 405.
anderseits wird das ge- auch auf thal übertragen, getheler die thäler eines gebirges: alsdann so wer ehe sommer auf dem gbürg dann in gethelern. Paracelsus 1590 7, 438.
3)
gebirge im geographischen sinne.
a)
in der landeskunde des lebens, die noch nicht von der landkarte herrührt, heiszt das gebirge schlechtweg das gröszte, bedeutendste das die gedanken am meisten als solches beschäftigt in allerlei beziehung; so in Sachsen das Erzgebirge, bis Leipzig herab heiszt es im leben er stammt aus dem gebirge, die stämme kommen aus dem gebirge oben u. ä., vgl. Rabener u. I, 2, a, der vor den kriegswirren 1759 aus Dresden über das gebürge nach Naumburg gehn will (vgl. Gellert unter gebirgisch). im Elsasz die Vogesen: es ist ein grosz dorf im Elsasz am gebürg gelegen. Wickram rollw. 91, 10; im Elsasz ligt ein statt am gebürg mit namen Keysersperg. 158, 6. in Baiern die bairischen Alpen, wie es nun geographisch heiszt: alle ir guͦt, daʒ in öbern Beyeren gelegen ist, das si in dem gebirge oder anderswo. quellen zur bair. gesch. 6, 417 (14. jh.), und so noch z. b. in München, Augsburg auch bei den gebildeten, an dem geographischèn ausdrucke erkennt man den Norddeutschen, dem gebirge da nicht hoch oder edel genug ist. in der Nürnberger gegend s. bei H. Sachs unter I, 4 ein flecken Trosafeld oben an dem birg, dagegen ebenda am Bamberger birg, das eben in Bamberg kurz das gebirg heiszt.
b)
vom standpunkte des reichs hieszen aber ebenso die Alpen ursprünglich kurzweg das gebirge, vermutlich von je her:
daʒ der keiser Otte dô
eins grôʒen urliuges pflak
und jensît deme gebirge lak
vor einer stat.
Konrad v. W. Otto m. d. barte 396 (in Apulien nach v. 417);
enkein stiure sol ouch der herre von Hachberg nemen von enkeinem frîgen man, er müese denne mit einem keiser über das gebirge varen. weisth. 1, 366, aus dem Breisgau, 14. jahrh., wo denn Schwarzwald und Vogesen beide mit ihrem anspruch auf den namen zurücktreten, es war die gewöhnliche wendung von der Romfahrt, vgl. u. I, 2, auch über berge, durh die berge vorhin unter 2, e, selbst über berg, z. b.: wenn ein römischer kaiser oder könig reisen will über berg. weisth. 3, 410 (vergl. Alpes, Dutschenberg, zwuschen den Walen und den Dutschen Dief. 25ᶜ). von der Romfahrt k. Ruprechts 1401: min herre der kunig meine (habe im sinn) wagen mit ime zu füren biʒ an das gebürge und dann dieselben wagen und andere sin gerete uf kleine wagen, die man in dem gebirge pfleget zu haben, dun laden und durch das gebirg laszen zu füren. Frankf. reichsc. 1, 92. im 16. jh. auch noch bei gelehrten schriftstellern: im j. 1473 war der dürr summer .. der Böhemer wald brann xviij wochen, item der Thüringer wald, Schwarzwald, auch die weld in dem gebirg und an der Etsch. S. Frank chron. 1536 1, 245ᵇ, in den Alpen auf deutscher und welscher seite; da .. die Teutschen (Teutonen und Cimbern) .. wolten von ihm lehrnen den weg, wie sie die Römer angreifen und über das gebirg kommen solten, widerrieht er den Teutschen, dasz sie nit in Italien über das gebirg kämen, herehem blieben. Aventin. chr. 95ᵇ u. o.; Gallia transalpina, das theil Frankreich, so jenseit dem gebirg liegt. Frischlin nom. (1594) 32. s. auch unter I, 4 das bürg, und gebirger m. bei Mathesius.
c)
ebenso bei bezeichnung der einzelnen theile der Alpen: Poeninae Alpes, das Saffoysch gebirg, Leopontiae das gebirg hinder Glaris, Rhetiae Alpes, das Etschlendisch gebirg u. ä. Dasyp. 267; das tridentische, italienische gebürg s. I, 2, a, das lampartsche gebirge nachher d, β; dieses Carpathische gebirg .. ist weit höher als das Schweizerische, Tyroler und Steyermärkische gebirg. ungar. Simpl. 68; a. 1566 ist .. im oberlendischen Schwytzer gebirg und land dermaszen vil schnee gefallen .. Basler chron. 1, 222; Schweitzergebirg, Schwartzwald. Fischart Garg. 281ᵃ; gestallt er denn von dem Schweitzergebirge einen ziemlichen sprung in das ebene königreich Pohlen thate. Pasqu. staatsph. 242; in dem Glarnerschen gebirge. Frisch 2, 338ᵃ. und so noch bei Schiller und Göthe, z. b.: von dem schnee der tyrolischen gebirge. Schiller 946ᵃ; die gebirge von Schweiz (Schwyz) und Unterwalden, gekettet an die von Uri, steigen von mitternacht, von morgen die gebirge des Graubündtner landes .. herauf (zum Gotthard) .. das doppelte gebirg, welches Wallis einschlieszt. Göthe 16, 302 (br. aus d. Schw. a. e.); wir hatten .. die aussicht auf den Genfersee, die Savoyer- und Wallis-gebirge. 226, wo uns jetzt beim lesen sich immer alpen, alpenkette unterschieben will, das vornehmere, weil gelehrte wort, das aus der schule und den büchern stammt, jenes aber aus dem leben und dem lande selber.
d)
wie daneben Alpen emporgekommen, genauer wieder emporgekommen, ist wol hier einer kurzen betrachtung wert.
α)
das wort war doch auch in alter zeit schon unsrer sprache eigen, nicht blosz in der bedeutung bergweide im hochgebirge, welche die wbb. hervorheben (s. besonders Schmeller unter alben), sondern auch von den bergen selber; aber mit weicherm lippenlaute, mhd. nhd. albe (s. d.), ahd. albûn, doch alem. alpûn pl., s. Graff 1, 242, dagegen md. auch mit nd. lautstufe alve minn. frühl. 314, 11 var. auch das lat. wort, das ja dem gelehrten als mit dem deutschen eins erscheinen muszte, gebrauchte man in beiden bed., auch in Fulda wolbekannt, das in den Schweizerbergen besitzungen hatte: in Churwalahun ad curtem sci Bonifacii, que Reamnis vocatur, pertinent mansi xij .. sunt etiam ibi tres montes, qui vocantur alpes, de his singulis debentur casei tria millia etc. Dronke trad. Fuld. s. 6, bergweide und berg als éin begriff behandelt. dagegen auch das deutsche wort von den bergen, ahd. wie mhd.: Italia, undar alpeom endi sêwiu. Hattemer 1, 181ᵇ, das land zwischen den bergen und dem meere;
gegen Basel fuor der herre (vom Niederrhein her),
über albe kêrte er dô,
sîner künfte wârn die Walhe frô.
Servat. 1075 (Haupt 5, 110),
er nahm seinen weg (s.kehren 3, b) über das gebirge, ohne den artikel, wie über berge vom übergang der Alpen unter 2, e. So mit -b und in starker form noch im 15. jahrh.: albe, teutsch perge zwischen walhen und teutschen, alpie. voc. 1482 a 7ᵇ; aber auch in schwacher: alben, vulgariter, das hoch gepirg Alpes (dazu albner, cisalpinus, homo habitans in alpibus). voc. inc. teut. a 7ᵃ, in meinem ex. hat es schon ein gleichzeitiger besitzer in Alpen berichtigt, d. h. gelehrt gedacht. aber noch im 16. jh. alben auch bei gelehrten, s. z. b. unter albe und gebirger aus Mathesius (s. auch u. β). Dagegen hatte die streng alem., schweiz. mundart das -p festgehalten, von bergweiden: das die herren erbten alpen und land. weisth. 4, 434, aus Unterwalden 15. jahrh., die besitzungen im gebirge und im lande unten, vgl. gleichfalls schweiz. unter galtalp, auch im Bregenzerwalde heiszt es die alp, alpen-, während weiter östlich jenes alben zu albn, almen, alm wurde (s. alm), wie schon der voc. inc. teut. a. a. o. als wort für sich bringt: almen, in dem gepirg, Alpes, auch vom berichtiger nicht angetastet; vgl. übrigens östr. elpen unter elben, auf der alp weiden. das schweiz. -p hat aber an sich keinen weitern wert als z. b. in blipen bleiben Basler chron. 1, 59, 17 (16. jh.), in néapal nebel, das ich im Bregenzerwalde aus kindermunde hörte, lopen loben Wackern. pred. s. 231, 123, s. Weinhold al. gr. s. 115.
β)
so tritt denn die lat. gefärbte form auch schon im 15. jh. auf, hauptsächlich auf alem. gebiete: Alpes, die Alpen, scilicet daʒ Lampartsche gebirge. Mones anz. 5, 237, aus vielleicht els. quelle;
die Alppen hoch im Schwitzer landt.
Brant narr. 66, 34;
Alpes, die Alpen u. s. w. Dasyp. 267ᵃ. Golius nom. c. 133 (gleichfalls ein Elsässer), doch in der folgenden aufzählung der einzelnen theile durch gebirg ersetzt, aber auch de Alpen von Chytraeus c. 134 im nd. beibehalten, wie nl. Alpen, Alpes bei Kil. 702ᵃ. doch noch im jahre 1616 wird von dem Schwaben Henisch 37 die alte heimische form bevorzugt (sein schwanken zwischen a- und A- entspricht dem schwanken des begriffes zwischen nomen proprium und appell.): alben, alpen, alpgebürg, dann z. b. Krainer Alben, Graubindtner Alben, Griechenalben Grajae Alpes, daneben noch in starker form Meeralpe maritimae Alpes, und selbst im sg. Schweitzeralb, Leopontiae Alpes, was ihm dann noch am ende des jahrh. Stieler 32 entlehnt, z. b. die höchste Alben, summae Alpes. bei Opitz schon die neue form, vom Riesengebirge, als dichterwort:
umb dieses grüne thal,
das mit dem schneegebirg' und Alpen steht umbgeben.
2, 47 (an die Hirschbergischen bäder).
Der sieg wurde der schweiz. form im 18. jahrh. gesichert durch Hallers Alpen vom j. 1729, durch die das wort auch erst seinen romantischen klang erhielt; vgl. auch in dessen tagebuch 1, 153 den versuch, den begriff der Alpen festzustellen, im unterschied vom gebürge überhaupt; es gehn ihm als Schweizer noch die begriffe bergweide und hochgebirge ungetrennt zusammen, auch im gedichte, z. b.:
sie (die natur) warf die Alpen auf, dich von der welt zu zäunen.
s. 25;
und eilt den alpen zu, das erste gras zu finden.
34.
eine wirkung von Hallers gedicht ist dann z. b. folgendes, vom Thüringer walde: vor entzücken haben die Schweizer diese glückseligen gegenden die Alpen genannt. Klopstock u. seine freunde 1, 60, reisetagebuch vom j. 1750, die Schweizer sind seine begleiter Sulzer und Schulthesz; ist ihre reise über die Alpen des Harzes glücklich abgelaufen? Schmidt das. 1, 262; Gleims vaterstadt .. liegt unten an einer sächsischen alpe. Klopstock das. 55. diesen sing. braucht auch Haller, z. b.: den namen der alpen bestimmen die waldungen nicht .. es kömmt auf die fast beständige dauer des schnees an, deswegen braucht es, um eine alpe auszumachen, unter der linie (aequator) ein entsetzlich hohes gebürge u. s. w. tagebuch 1, 153, er ist aber nicht in gebrauch gekommen, während er doch aus alter zeit her lebt in der schwäbischen Alp, die aber noch im vorigen jh. vielmehr Alb geschrieben wird (z. b. Frisch 1, 20ᵇ, er hat sonst alpen), was auch noch Schmid schwäb. wb. 14 als die dortige aussprache angibt.
γ)
daneben war lange die zusammensetzung alpgebirge u. ä. in gebrauch, wie schon unter β bei Henisch, so auch im 16. und 18. 19. jahrh.: die uralt warhaftig alpisch Rhetia, sampt dem tract der anderen alpgebirgen u. s. w., das bekannte werk von Tschudi, Basel 1538 (leseb. 3, 1, 382); das Alpengebürg. Fischart bei Wack. 184, s. sp. 1775, wo mehr belege, auch aus Platen; alpengebirge, alpes, er ist vom alpengebirge, est alpicus. Steinbach 1, 88, auch die geographische wissenschaft macht von dem worte gebrauch. das alpische gebürge Wernike 108, s. sp. 1775.
e)
zu gebirge selbst ist noch zu bemerken
α)
der nun herausgebildete wissenschaftliche begriff ist der von bedeutenderen bergen die zusammen wie éin naturgebilde erscheinen, wie eine familie gleichsam von natur zusammengehören, wie es doch auch in alter zeit schon gedacht wurde, z. b. wenn ein berg und sîn gebirge unterschieden wird:
ein berc von sîm gebirge schît
in einre erdbibunge schûr
und zû andrin bergin vûr.
Jeroschin 1441.
es steht im gegensatz zum flachlande sowol wie zu bloszen hügeln (vgl.γ), aber auch zur hochebene und auch zu bergen die obwol benachbart doch vereinzelt liegen, keine familie bilden. man unterscheidet kettengebirge, massengebirge, Alpengebirge, felsgebirge, schneegebirge, eisgebirge, dann haupt- und nebengebirge, längengebirge, plateaugebirge oder scheitelgebirge u. a., geologisch z. b. flözgebirge, urgebirge, übergangsgebirge, frühgebirge, brandgebirge, vulcanisches, am einzelnen gebirge aber das hochgebirge, mittlere gebirge (etwas anders mittelgebirge), und die vorberge, wofür doch auch vorgebirge, s. 2, d aus dem ungar. Simpl., Opitz 2, 269, Göthe 25, 320, auch bergmännisch u. 5, a; für hochgebirge hiesz es früher adjectivisch: da Marius sahe .. dasz die Teutschen .. über das hohe gebirg kamen. Avent. 96ᵇ, s. auch bergmännisch u. 5, a; die gämpsen wohnen in den hohen gebirgen. Albertinus schaupl. 264, besser als in den hochgebirgen wie man jetzt sagt, zudem geht dieser erstarrten form die steigerung ab, wie im 17. 18. jh.: das höchste gebirg und spitz (der Karpathen) stehet bei Käsmarkt. ungar. Simpl. 71; (hier) hat es auch etliche gute sauerbrunnen, wegen des allerhöchsten gebirges, so bei dieser stadt .. zu sehen. 60; die Cordilleras sind die höchsten gebirge der welt .. an ihrem fusz ziehen sich die sierras hinab, die .. selbst noch hohe gebirge sind. Herder ideen 1, 7. hochgebirge ist ja nur entstanden aus das hoch gebirg, und auch im gut. Gerh. 2638, Alph. 325 sollte nicht daʒ hôchgebirge zusammengeschrieben sein.
β)
im leben heiszt es im gebirge selber z. b. von dem noch höheren gebirge kurz ins gebirge u. ä., sodasz der begriff sich gleichsam verschiebt nach dem standpunkte: der graf wird mit mir links ins gebirg nach dem Leukerbad zu gehen. Göthe 16, 263; auch der löwe ist los, auch hier nach dem gebirg ist er hin. 15, 321. jenes ins gebirge, wie im gebirge und auf dem gebirge, aufs gebirge wechseln, je nachdem mehr die thäler und gründe oder die höhen vorgestellt werden, in aber herscht vor wo man sich ins menschenleben dort hinein denkt, z. b.: meine mutter .. durch ihre wolthaten im ganzen gebirge bekannt und beliebt. Göthe 21, 19; der esel ist im gebirg kein so verächtlich thier als im flachen lande. 21, 20, wo die gedanken des städters auf vorziehen, auch fürs flache land. auf dagegen z. b. von schlössern: in einem schlosz ... uf dem gepirg. Absberg 487; ein schlosz, ligt auf dem birg. das.
γ)
bemerkenswert, wie doch auch hügel ein gebirge bilden können, schon weil es an einem entsprechenden sammelworte zu hügel fehlt (engl. hills bergkette, gebirge):
bald zeigt ein nah gebürg die sanft erhobnen hügel.
Haller 45,
die höhen des niederen gebirgskammes im gegensatz zum hochgebirge. hügel im flachen lande, als gegensatz zu gebirge, z. b. in Göthes novelle: hier, wo gebirg und flaches land aneinander gränzen. 15, 306; jenseits das aufgleitende flache und in mäszigen hügeln abwechselnde fruchtbare land. 312, vgl. s. 308 flachländer von hügeln, auen und wiesen her im gegensatz zu den bergbewohnern (zu berge gleich gebirge), s. 306 hochländer genannt.
4)
bildlich, z. b.
a)
von wolken, meeresfluten: silberne gebirge aus wolken. J. Paul Fibel 70;
hoch auf der fluten gebirg wiegt sich entmastet der kahn.
Schiller ged. 1800 1, 61 (spaz.),
vgl. Weckherlin unter gebirggleich. vom hohen meere, vom strande aus:
dasz sich diesz wäszrigte gebirge nicht augenblicklich abwerts senket.
Brockes 7, 280.
b)
in der phantasiewelt: und da die blitze der leidenschaft (der liebe) über sein ganzes leben fuhren und das gebirge der zukunft und die höhlen der vergangenheit beleuchteten. J. Paul Tit. 2, 212; gebirge von millionen jahrhunderten. Kant 8, 323, vergl. dazu Haller unter gebirgen.
c)
dagegen wird auch kleinem körperlichen gebirgsform beigelegt: und dann will ich noch seliger sein als heute! sagte sie, und erschrak, denn ein blitz fuhr über sein ernstes gesicht wie über ein zackiges gebürge und zeigte es wie das des kriegsgottes von kriegflammen erleuchtet. J. Paul Tit. 3, 25 (41); wenn der schöne nacken bei Bacchus herabfleuszt und Venus aus dem bade mit ihrem gebogenen rücken der taube herauftritt, und der schöne torso da sitzt und sinnet — doch .. was hilft beschreiben, wenn man nicht selbst sieht und das schöne gebürge hinabgleitet? Herder plastik 87.
5)
bergmännisch, sehr entwickelt, wie berg selber.
a)
gebirge mit bergbau:
in der gebirge schlucht taucht sich der bergmann hinab.
Schiller ged. 1800 1, 58 (spaz.);
gebürge wird die gegend genennet, wo gänge streichen und ertz gewonnen wird. bergwerkslex. 237ᵃ, wo auch wieder unterschieden wird (s. 3, e, α) das vorgebürge, mittelgebürge, hohe gebürge, die von verschiedener ergiebigkeit sind, auch hindergebürge, fördergebürge, sänftig-gebürge u. a.; gebürge verstollen, mit stölln in das gebürge gehen. 238ᵃ. schon mhd.: der bercmeister hât ouch gerichte .. ûf allem gebirge in des marcgrêven lande, daʒ in die münce zu Vrîberc gehôrt. Schott landr. 3, 265; alle richtêre ûf dem gebirge und alle geswornen von dem gebirge die sullen weder swert noch meʒʒer tragen in der stat zu Vrîberc. 266, nachher ersetzt durch bercrichter und bercgeswornen, im gegensatz zu dem statrichter und den geswornen von der stat. im 16. jh.: am sontag gehen sie (die faulen arbeiter) unter der predigt zum brantenwein oder aufs gebirge spacieren (zum kuxpartieren u. ä.). Mathesius Sar. 25ᵃ. auch von den einzelnen bergen mit bergbau in éinem gebirge: wer aber sein recht .. erhalten will .. der musz beim bergmeister muthen und begeren .. von einem gebirge zum andern. 64ᵃ. vgl. auch Veith 218, z. b. stabreimend aller gebürge und gebäude kundig, d. h. berggebäude, s.gebäude 1, b.
b)
auch das gestein, die steinart, im gegensatz zum erze das darin gefunden oder gesucht wird, heiszt gebirge (wie berg, vgl. am ende): gebürge wird auch genennet das gestein in der erde, wo es bergwerk hat, und ist unterschiedlich, gebrech- keilhauen- schiefrig- schön- geschmeidig- schmeer-gebürge. bergwerkslex. 237ᵇ; gebürges eigenschaft musz ein guter bergmann wol wahrnehmen .. das., s. mehr bei Veith 218 fg., z. b. bruchgebirge, zusammengebrochenes gestein, deck- oder hangend gebirge, die gesteinsmassen die das dach des liegenden bilden, tagegebirge die erdoberfläche, obergebirge der abraum. in gewissem gebrauch auch plur. die berge, s. Veith 62, also gleich dem coll. gebirge wie unter 2, e. von der reise über den Brenner schreibt Göthe: das gebirge, die steinarten erwähne ich nur kürzlich. 27, 54 (aus m. leben 1816 II, 1, 79), kurz vorher im gewöhnlichen sinne: über dem gebirg konnte ich eine sogenannte wassergalle bemerken, d. h. er braucht da als Rheinländer lieber die gekürzte form, aber nicht im bergmännischen sinne; alle gebirge links, die den flusz einschlieszen, sind kalk- und sandstein. 28, 184. vgl. besonders auch gebirgsfolge, gebirgsart, gebirgslehre.
c)
dazu erzgebirge, noch als allgemeiner ausdruck z. b.: der schieferbrüche giebt es .. insonderheit in den erzgebürgen, im Hennebergischen, in Meiszen, im Mannsfeldischen. öcon. lex. 2167. mhd. salzgebirge, gebirge mit salzbergwerk, Jeroschin 1437, nhd. steinsalzgebirge. s. auch ganggebirge, steinkohlengebirge, kohlengebirge.
Zitationshilfe
„gebirge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gebirge>, abgerufen am 20.11.2019.

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