geest f
Fundstelle: Lfg. 10 (1878), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 2057, Z. 43
ein nd. wort, im gegensatz zur marsch, das höher gelegene land.
1)
belege aus nhd. zeit: dieweil diesz land nicht lauter marsch, sondern wol zweimal so viel geest als marschland hat. A. H. Walther dithmars. chron. Schlesw. 1683 s. 2; also vast dat halve landt Dithmerschen geest, dat is sandig, holtig und heide is. Neocorus ditm. chr. 1, 82; nicht nur in den fetten marschländern, sondern auch in den magern geestländern. Schuppius 607; das land, das man hier (in Jütland) die geest nennt, ist sehr fruchtbar, ein trefflicher kornboden. Ritter Europa (1811) 1, 292;
und von den donnernden schleusen geschreckt, drängt bange die Medem,
strudelndes laufs, in der geest mütterlich moor sich zurück.
Voss ged. 1802 1, 121 (1825 3, 24),
vgl. die anm. s. 302: geest wird alles genannt was nicht marsch oder sumpfiger anwachs ist, auch das fruchtbare Eutin und der berg Sinai, sagte man mir, lägen auf der geest. auch göst, selbst göse(?) kommt vor, s. Frisch 1, 329ᵃ aus Winkelmann oldenb. chr. 37, Haltaus 605, wo aus Dreyhaupt auch aus der gegend von Halle a. S. eine goestmarke und ein gösthügel (als gerichtsstätte).
2)
mnd. gêst, gheest, geist, z. b.: hebbe vorkoft unde vorkope ... myn ghoed dat belegen is in deme dorpe unde in der veltmarke tho Bordorpe by Stade ... mit aller vryheid u. s. w. dat sy an gheestegoede ofte an merschgoede. urkunde von 1382 bei Krause, arch. des vereins f. gesch. u. alt. zu Stade 1864 s. 208; ock scolen wy (der erzbisch. von Bremen u. Verden) nicht staden .. up unsen stromen, watern unde ryvern, sunderigen in der geist of up der Lune, dat se (die Wurster) darvon beschediget werden (feindlich heimgesucht). das. 103, vom j. 1512; agros in prato quod dicitur mersch, item in campo qui dicitur gest. westf. urk. von 1139, s. Schiller u. Lübben 2, 83ᵇ, vgl. das. aus dem Bremischen altum et bassum (niederung) als geest und mersch, aus Neocorus 1, 83 geest edder högde. In oldenb. urk. aber heiszt es gast unde marsk, vgl.gastland 83ᵃ, marsch- und gastlande Frisch 1, 329ᵃ ostfriesisch vom j. 1608; es ist die friesische form, noch jest ostfries. gast, altes, hohes, trockenes sandland, welches hauptsächlich zum getreidebau dient (auch esch) Stürenburg 66ᵃ, nordfries. Outzen 94, saterl. gastland Hettema 238, westfries. gaest Halbertsma 37. altfries. gastland Richthofen 775ᵇ; dem priester soll an wetterlande (wetter wasser) ein schiff, an gastlande ein hengst zur verfügung stehen; doch auch Aurikera geste lond das., wie mnl. geestland, geest (s. unter 3).
3)
die geest ist damit als das trockne land bezeichnet im unterschied von der fetten marsch (s. schon bei Richey 72. 82), wie es denn auch im jahre 1512 in einer schlesw. urkunde noch bewuszt erscheint: over alle geest und marsch, lat. cum arido et palude, s. Haltaus 605. im fries. stimmt auch die form noch: gast adj. von kühen, 'trocken, nicht milch gebend' Johansen die nordfr. spr. 24, vgl. 148ᵃ. 169ᵃ (saterl. gist); auch in engl. dial. gast-cow eine kuh die nicht kalbt Halliw. 393ᵇ (wie hd. galtkuh). Im nd. stimmt freilich der vocal nicht, ditm. 'gost, göst dürre, de koh is gost' Richey 411, hamb. güst, eene güste koh, de koh steit güst, aber auch goest. das. 82, vergl.güste, ↗gust Schambach 70ᵇ, siegerl. göste, mnd. guste sterilis Dief. 551ᶜ, n. gl. 348ᵃ, auch schweiz. gust gleich galt Stalder 1, 502, Fromm. 3, 85ᵃ; aber übertragung auf den ackerboden findet sich auch nd. in güst plögen, brach ackern, Brem. wb. 3, 559, vgl.güster kohl, der in den güste- oder brachfeldern gebaut wird Krünitz 42, 644, und ebenso wird oberdeutsch galt, sonst von vieh, auch von nicht tragendem boden gebraucht, wie schwed. dial. gall, d. i. gald (sp. 1206). Aber das wort ist überhaupt von haus aus im vocal reicher entwickelt, auch geest, eigentlich wol geist (s. u. 2) findet hd. anhalt in ahd. keisenî sterilitas Nyerup symb. 224, Graff 4, 267, ags. gæsen sterilis Ettm. 434. So wird geest ursprünglich adj. sein, das man auch unter 2 noch mehrmals heraushören könnte, besonders in dem fries. 'geste lond', nachher geestland; das fem. könnte von dem gegensatz marsch herübergekommen sein. von der bedeutung trocken erklärt sich auch mnl. geest für festland überhaupt, 'trocknes' im gegensatz zu water:
ende aldat tote dien Foreeste,
behoert, in water ende in gheeste.
Melis Stoke 1, 424 (Oudemans 2, 407).
Zitationshilfe
„geest“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geest>, abgerufen am 21.09.2019.

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