gegenständlich
Fundstelle: Lfg. 1 (1879), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2268, Z. 11
objectiv, bei Campe (1808) als neu, mit beleg, gegenständliche wahrheit Cramer, etwas gegenständlich betrachten; jene nachbilder (der dinge im dichtergeiste) ... müssen sich entfalten .. um aus flüchtigen schemen wahrhaft gegenständliche wesen zu werden. Göthe 50, 40 (34, 127 Hemp.), vom j. 1820, doch erst 1824 gedruckt, ob mit änderungen? das wort trat ihm nämlich nach folg. erst durch Heinroth nahe, der es auf ihn selbst anwandte: Heinroth in seiner anthropologie (Leipz. 1823 s. 389, 1831 s. 453) .. bezeichnet meine verfahrungsart als eine eigenthümliche, dasz nämlich mein denkvermögen gegenständlich thätig sei, womit er aussprechen will, dasz mein denken sich von den gegenständen nicht sondern, dasz die elemente der gegenstände, die anschauungen in dasselbe eingehen und von ihm auf das innigste durchdrungen werden u. s. w. (Heinroths eigene worte, am ende: ein verfahren, welches wir geradezu für das vollkommenste zu erklären genöthiget sind). Göthe 50, 93, unter der überschr.: bedeut. förd. durch ein einziges geistreiches wort; was nun von meinem gegenständlichen denken gesagt ist, mag ich wol auch ebenmäszig auf eine gegenständliche dichtung beziehen. 95; das .. soll mich fördern, wenn ich versuche zu denken wie ein solcher mann (Humboldt), welches jedoch nur möglich ist, wenn sein gegenständliches mir zum gegenständlichen wird 60, 173 (33, 413 H.), hier mit deutlichem bezug auf Heinroths begriff (vergl. unter gegenständlichkeit); weil ... eine gewisse sentimentale innerlichkeit sich einschmeichelte, so folgte .. dasz man .. ein wirklich gegenständliches geschichtliches interesse wieder auf das theater zu bringen trachtete. 46, 164 (28, 747 H.); wenn ihn (Byron) die gegenständliche wirklichkeit abkühlte. Gervinus gesch. des 19. jahrh. 8, 148; ebenso sehr steigerte sich die kenntnis der gegenständlichen natur. Freytag neue bilder 547. es fällt mit objectiv doch nicht ganz zusammen, d. h. es hat vor diesem die sinnlichkeit voraus, ist eben selbst gegenständlicher als das blasse begriffswort.
Zitationshilfe
„gegenständlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gegenst%C3%A4ndlich>, abgerufen am 14.10.2019.

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