gehege n
Fundstelle: Lfg. 1 (1879), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2336, Z. 22
hegender zaun, gehegtes gebiet, mhd. gehege, ahd. gihegi zu vermuten (vgl. u. 2, c), mnd. gehege Sch. u. L. 2, 32ᵇ. nebenformen gehag und gehegde, s. auch gehecke und gehei. die schreibung gehäge (noch Adelung) sollte den gedanken an hag auch fürs auge festhalten, wie hägen für hegen.
1)
hegende einfriedigung, in krieg und frieden.
a)
gehege im kriege, verhau zum schutze des gebietes, noch z. b. in Nürnberg im markgrafenkriege: auch so raumten die veinde zu zeiten daʒ gehew oder geheg auf und machten in den weg dardurch .. städtechron. 2, 271, s. u.gehau 3; zum sachlichen und geschichtlichen s.hag 2, a, auch gebücke 1, c und 2, von ständiger landhege und bei der befestigung von burgen. s. auchgehei 2.
b)
recht alterthümlich klingt auch gehege um einen heiligen berg, um ihn vor dem volke abzuhegen, bei Luther vom berge Sinai: der herr sprach zu Mose .. und mache dem volk ein gehege umher und sprich zu inen, hütet euch das ir nicht auf den berg steiget. 2 Mos. 19, 12, ursprünglich stecke zeichen umb das volk her, vulg. constitues terminos populo per circuitum; Mose aber sprach zum herrn, das volk kan nicht auf den berg steigen, denn du hast .. gesagt, mache ein gehege umb den berg und heilige in. 23, vulg. pone terminos circa montem et sanctifica eum.
c)
gehege um einen wald oder ein waldstück (vgl.hag 2, b), das eingehegte hiesz vor alters einfach auch garte, s. sp. 1391 bienengarten, thiergarten, wolfsgarten; s. den weid- und forstmännischen gebrauch u. 2, c. ähnlich in einem sonnett an den ort, da er sie erstlich ümfangen:
so sollen jährlich auch hier meine Kastalinnen
mit zweigen vom Parnass üm dein gehege gehn
und deine trefligkeit durch solch ein lied erhöhn ...
Fleming 628 (Lapp. 530),
es wird ein bosket o. ä. gedacht sein, wie in Lilis park:
ich flieh ins dunkelste gebüsche hin,
durchs gehege zu dringen,
über die planken zu springen.
Göthe 2, 93.
auch um einen einzelnen baum: nicht weit davon stand eine junge linde von einem gehege frischer balken beschirmt. Auerbach n. leben 1, 132.
d)
auch in der flur, z. b. für das vieh: mandra sol heiszen ein schlecht (einfaches) gezeune oder gehege, wie von püschen, streuchen, reisern gemacht wird fur das vieh. Luther von den conc. 1539 Z 3ᵇ, ursprünglich wieder auch garte, vgl. schafgarten, gestütgarten sp. 1391, viehgarten Hupel livl. id. 73; vgl.feldgehege. aber auch für wiesen u. ä. zum schutze gegen das vieh (vgl. hegewiese, gartenrecht), s. dazu u. 2, b. c. solche gehege, als schwere weghindernisse, werden im folg. gemeint sein, wenn es von der kraft heiszt, die der wein dem manne gibt (vgl. unter gehecke 1):
wenn er zum sturm und streit sol gan,
so scheucht er weder wurf noch schleg,
er steigt durch stauden und geheg.
Rosenblüt altd. bl. 1, 410.
e)
ursprünglich aber wol auch gehege um das haus (vergl.hag II, 1), im 16. jh. in einer redensart noch anklingend: es gehören volle kröpf .. darzu und ein gutes trünklein, als denn stehet auf einem vollen bauch ein fröliches haupt, drauf gehet man spatzenmausen und felt einer dem andern in sein vierung und gehege. Mathes. Sar. 9ᵇ, z. b. bei übermütigem heimkehren von der kirchweih, zum schabernack; vierung meint die vier wände (oder pfähle), das haus, gehege also eigentlich den hofzaun. s. auch 2, d, besonders Stieler dort, und Matthisson u. 3. Voss Od. 10, 435 spricht von des Kyklopen gehege (ursprünglich felsengrotte), und ähnlich in der Pandora von haus und hag in urverhältnissen, in brand geraten:
das gehäg stürzt u. s. w.
Göthe 40, 414.
f)
bildlich z. b.: des predigers und zuhörers vatter unser ist ein hoher zaun und dickes gehege umbs evangelion, darüber der teufel nicht steigen kan. Mathes. Sar. 129ᵃ; dasz einweihung zum ältesten, heiligsten, unschuldigsten götterleben um alles als gehäge umhergieng. Herder; ein gelehrtes gehege ziehen, worinn blos eine gelehrte sprache gilt. ders. fragm. 3, 54, zur absperrung von den laien. aber auch gehege zum einsperren: sich in das gehege der ehe sperren lassen. J. Paul Tit. 3, 176.
g)
auch kühner, ins kleine gezogen:
ein goldnes hauptnetz flechtend erst mit kluger hand ...
diesz göttliche gehäge nicht das haar bezwangs,
das übervolle strotzend braune krause haar.
Göthe 40, 403 (Pandora),
in griechelndem stil, nach ἕρκος für netz, eigentlich hag, gehege; so bei Voss für Homers ἕρκος ὀδόντων:
denn kein anderer mann ertrug die stärke des zaubers,
welcher ihn trank und kaum durch der lippen geheg ihn hereinliesz.
Odyss. 10, 328,
zuerst: sobald ihm der wein die zunge hinabglitt,
sodasz er zuerst die ganze wendung, zuletzt doch noch die zähne als bei uns undichterisch umgieng (wie in den andern betreffenden stellen überhaupt), während im altn. ein genau entsprechender ausdruck bestand, tanngarđr, 'garten (zaun) der zähne', s. unter garten II, 1, a, auch oben I, 1386 bei Logau die zähne als weiszes beingehäge (der zunge).
h)
schon mhd., wo nur zufällig die zeugnisse dürftig sind, auch abstract geworden, für schutz, sicherheit überhaupt, im kampfe:
wan si hetten dehein gehege,
sine kunden ire (der feinde) slege
lenger niht erlîden.
Herbort 14549 u. ö.,
ganz wie sonst vride, den eben ein gehege gab, als sichere zuflucht; so auch mnd. bezeugt: hirna geven se (die Römer) sik in gehege der koninghen van Neapolis. Lüb. chr. 1, 308 (Sch. u. L. 2, 32ᵇ). also eigentlich mehr hegung als gehege.
2)
ein gehegtes gebiet, stück; so ist eben bei garten der begriff vom zaun aus und in den des eingezäunten übergegangen, auch bei zaun selbst in engl. town stadt u. a. (vgl. sp. 1391 β), und bei hag selber (s. d. 3), aber nicht bei hecke. wie der übergang aus der ersten in diese bed. unvermeidlich eintreten muszte, zeigt besonders im gehege, ins gehege u. ä.
a)
alt ist vielleicht gehege bei den fischern, sicher sachlich, wenn auch nicht im ausdruck, gleich hegewasser (s. d.): gehäge, hägewasser, worinnen die fische und krebse geschonet, und dasz sie nicht iedermann heraus fangen möge, gehäget werden (gegensatz freiwasser). öcon. lex. 786. 899, vgl. Adelung; unten in sein mühlwerk, wo er seine eigene fischerei und gehege habe. Klingners dorf- u. baurenr. 4, 374, vgl. u. geflüder 2. auch dafür wieder aus alter zeit garte, s. sp. 1391 (c, α). s. auch gehei 1, c.
b)
eingehegte wiese: ein stück wiese zu gehege machen, auf welchem dann nicht geweidet werden darf. Campe; s. hegewiese, hegen 1, vgl. beunde 6, und wieder auch garten sp. 1393.
c)
besonders im walde, für den forstbetrieb wie für die jagd, vgl. schon langob. 'de gahagio', auch gahago (als lat. ablativ), silva regis Graff 4, 761: gehäge ist ein gewisses revier, wo das wildpret geschonet wird, oder ein junger häu (schlag), der mit dem vieh nicht betrieben wird (schonung). Heppe jagdlust 3, 798; im forstwesen z. b.: ist himmelsünde, so schönes gehege und so wenig pflegung. Fr. Müller 3, 398 fg. besonders als jagdrevier schon im 14. 15. jh.: pfendestu einen .. do er vischete in deinem tyche odir in deinem gehege jage .. blume v. Magd. I, 100; hercʒe (hirsche) und hindin, die ich in meinem gehege habe. I, 166, also zugleich als tiergarte. hasengehege: ouch mag ein iglich burger hasen vahen, ane wo unsir herr geheige hat. stadtr. v. Orlamünde b. Walch beitr. 2, 76 (14. jh.); i. j. 1475 wird den bürgern Leipzigs von ihren landesherren eine beschränkte jagdlust in ihrem hasengehege vergönnt: das wir in sulchs beiszen mit sperbern und hebichten an hunern und wachteln in unserm hasegehege umbe Leipzk gleicher weise als uszerhalben des gehegs ungeverlich vergunst und gestat haben (mit anweisung an unsern forster). Leipz. urk. 1, 406; der hägereuter .. soll sein gehäge täglich fleiszig bereiten u. s. w. öcon. lex. 898; so werden ihm nach der grösze seines gehäges ein oder mehrere fuszknechte untergeben. das.; wildes fasangehäge unterschieden vom zahmen fasangarten 899. buchenwald, hagwald, so ins gehäge geschlagen (ist) Schottel 446ᵃ; forstmännisch einen schlag ins gehege legen, mit hegewischen abstecken, zum zeichen dasz er gehegt werden soll Adelung; vgl. in den hei legen IV², 791. das hegen für die jagd geschah im 18. jh. durch hägesäulen mit dem wappen des forstherrn: dergleichen hägesäulen werden viele um ein gehäge gesetzet und solches gleichsam damit vermahlet oder vermarket. öcon. lex. 899, vgl.hasengehäge, die jagdseulen der niedern jagd Frisch 1, 395ᵇ, s. auch hag 2, b, jagdgehege, wildgehege, saugehege u. a. bildlich: es ist wildbret, das ich eigentlich nicht selbst hege, das nur von ungefehr in meine gehege übergetreten ist. Lessing 8, 243, wie gebiet sp. 1752.
d)
als redensart einem ins gehege kommen, gehen, früher auch fallen, in sein gebiet (wo er zu gebieten hat) einbrechen oder geraten und ihn da in seinem rechte kränken u. ä.: die widerwärtigkeit (gegnerschaft) der geschöpfe .. indem ein ausländisches immer das andere anfeindet, wenn es ihm zu nahe kömmt und ins gehege fällt. Prätorius storchs u. schw. winterqu. 314, vergl. u. 1, e dem andern in sein vierung und gehege fallen bei Mathes., gehege als hofzaun, hofraum, wie es auch Stieler auffaszte: komm mir nicht in mein gehege, ne te immisceas rei meae, secede a tectis meis. 727; weil man ihm ins gehege gehen will. Pierot 1, 117; mein herr hat es am besten, bei seiner (liebsten) will keiner einnisten oder ihm in das gehäge kommen. kunst üb. alle k. 43, 19; meine Cathrine konnte ihn recht gut leiden. ich glaube gar, der ketzer gieng mir manchmal ins gehege! Rabener (1755) 3, 38; auch habe ich eine bitte, dasz, wenn du mehr so was schreibst, dasz du mir weder direct noch indirect ins theatralische gehege kommst, indem ich das ganze theaterwesen in einem roman .. vorzutragen bereit bin. Göthe an Merk in dess. br. 1, 138. auch anders, nicht als feind oder dieb oder nebenbuhler: ja ob einer gar dem Cartesio in das gehege geht und auszer der materie und des menschen seele keine andere substanz annimmt. Weise erzn. 329 (c. 34), sich auf des C. standpunkt stellt, ihm seine gedanken entlehnt, in einem streit um philosophische grundfragen. ähnlich: sobald eine dieser facultäten etwas als aus der vernunft entlehntes einzumischen wagt, kommt sie ins gehäge der philosophischen. Kant 1, 217, musz sich deren gesetzen fügen, sie zuziehen u. ä. man denkt jetzt dabei mehr an ein wildgehege, wie denn auch revier dafür gesagt wird, unter umständen aber auch domäne (vgl. gebiet sp. 1752).
3)
dichterisch seit dem 18. jh. von gewissen landschaften, mit wald und busch u. ä., oder als zierde von landschaften, wie hag gleichfalls, s. grüner hag, anger und hag IV², 139; es war ein willkommenes reimwort, mit alterthümlichem anklang (in Kleists frühl. noch nicht):
dann irrt mein blick durch fluren und gehäge.
Mastalier ged. (1774) 3;
und führen ihn auf einem seitenwege
am strome hin, durch blühende gehege.
Wieland Ob. 5, 30;
du stilles thal voll blühender gehäge.
Matthisson 79;
hoch lächelt vom hügel manch friedliches dach,
umkreist von grünen gehägen.
171 (zu 1, e);
doch fanden sie den riesen nicht
in felsen und gehegen.
Uhland ged. (1847) 392.
bei Nordhausen heiszt ein lustwäldchen das Gehege, dicht vor der stadt, aber aus alter zeit, wie bei Dresden früher das grosze und kleine Gehäge.
Zitationshilfe
„gehege“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gehege>, abgerufen am 23.10.2019.

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