gelangen
Fundstelle: Lfg. 4 (1882), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2859, Z. 55
verstärktes langen, ahd. gilangôn, ags. gelangjan, mhd. gelangen, auch mnl. gelangen, nnl. erloschen, nur noch langen, mnd. nur langen belegt. auch hd. sind gelangen und langen keineswegs rein gesondert, gar nicht z. b. im part. gelangt, und neben gelangen 2 steht in gleicher bedeutung anlangen, einlangen, auch angelangen Frisch 1, 576ᵃ (vgl. u. 1, e), eingelangen. das perf. wird jetzt mit sein, früher lieber mit haben gebildet. eine mundartl. nebenform gelängen s. für sich.
1)
eigentlich 'lang genug sein', dann hinreichend sein, wie Stalder 2, 156 die bedeutung für schweiz. glangen (auch glängen) angibt, und diesz dann mit vielfältiger bildlicher verwendung.
a)
mhd. wie jetzt langen, ausreichen, z. b. von geld zu einem bestimmten zweck: swer daʒ niht tuot (bei feuersgefahr nicht löschen hilft), der sol geben ze pêne zehen pfunt Berner, und sol diu pêne gevallen der gemeinschaft der stat. und ist daʒ keinem (irgend einem) sîn hûs abgebrochen wirt durch rettunge des fiwers, dem sol man sîn hûs wider machen mit der selben pêne. möhte diu pêne niht gelangen, sô sol im diu gemeine dar zuo helfen. Meraner stadtr. 11 Haupt 6, 424; wo dann der man so vil guͦts hinder im nach tod laszet, das sin gelten (gläubiger) nit an im verlieren muͤsten (wenn der frau ihr eingebrachtes zurückgezahlt wird), dann so sol der frowen ir zuͦbracht guͦt, so verr ir mans guͦt über die gelten gelangen mag, ane abgang gelangen und widerleit werden. Lucerner stadtr. § 10, so weit es über die befriedigten gläubiger gleichsam hinausreicht. das ursprüngliche bild darin liegt noch uns zum greifen nahe in hinlänglich, noch mehr in hinreichend, eigentlich bis zu einer bestimmten stelle hin.
b)
zu theil werden, mit dat. der person, der etwas erstrebtes oder gebührendes o. ä. gleichsam in die hand kommt, eigentlich zum ergreifen nahe kommt, wie eben im Lucerner stadtrecht von dem eingebrachten, das der frowen ane abgang gelangen soll; wölte aber dehein husgenosz usz dem twing ze Altstetten ziechen, hette dann ein ander husgenosz .. zuo dem selben dehein ansprach (rechtsanspruch), der selb mag in wol verheften und verbieten (am abzug hindern), unz das im von im ein recht gelanget. weisth. 4, 299, schweiz. 15. jh.; wer ouch dz ... der kleger (der beschädigt ist) nicht klagen wolt, so mag in ein vogt wol zwingen ze klagen oder ... mag selb klagen .. als ob der kleger selb klagti, so verr (bis dahin) unz im dʒ recht gelangati dʒ dem kleger von recht gelangen sölt und ouch einem vogt gelangen sölt. 301. viel später hat das Göthe wieder aufgenommen:
an trauertagen
gelangte mir dein herrlich heft.
47, 173 (zu mir 3, 336 H.), an Al. v. Humb. 12. juni 1816,
hier allerdings zugleich für gelangte an mich, aber auch ganz im alten sinne: dir und den deinigen möge jetzt und künftig das wünschenswertheste zum antheil gelangen. an Knebel 27. febr. 1830.
c)
gereichen, dienen, mit dat. der person und zu, d. h. als (wie eben bei Göthe zum antheil gelangen, als antheil), doch auch so dasz mit dem zu ein erreichtes, wenn auch ungewolltes ziel bezeichnet wird: und ob dir gelünge, das du mit solchem unglauben gleich aller dinge reich würdest, gelanget (conj. prät.) dir doch solchs zu groszer verderbung der seelen ewiglich. Luther der 127. ps. 1524 B 3ᵇ, br. 2, 603;
alln weisen glangets zum gelechter,
halten in für ein spiegelfechter.
Waldis päpstl. reich G 4ᵇ;
aber es heiszet hinwider: non gaudent sorte, quia cadunt misera morte: es gelangt inen nicht zum glück, sondern zum strick. Garg. B 6ᵃ (1594 29ᵇ belangt, Sch. 41); gelangete mir solches nicht klein zu sonderlicher freude. Butschky kanz. 4; noch im 18. jh.: dieses gelanget mir zu ehren. Aler 877ᵃ.
d)
ebenso auch ohne den dat.: ein solcher wahn von gott gelanget mehr zu seiner schmach und unehre, denn zu seinem lobe. Luther 1, 487ᵇ; ein satzung die zu meinem verderben gelangt, rogatio de mea pernicie (Cic.). Aler 877ᵃ. die vorstellung ist eigentlich, wie bei gereichen gleichfalls: langt zuletzt bei schmach und unehre an, läuft darauf hinaus, hat kein anderes ziel und ende. überhaupt ist bemerkenswert, wie weit und wie breit gelangen und gereichen sich vertretend zusammengehen, wie die einfachen langen und reichen ebenfalls (ähnlich wie kehren und wenden).
e)
auch für treffen, betreffen, bildlich:
er sprach: ei lieben leut, ich bitt,
wolt euch dasselb lan kümmern nit,
sind weibertheiding, lose mehr,
gelangen mir nit an mein ehr.
Waldis Es. IV, 68, 36,
eigentlich: reichen nicht bis an meine ehre, wie ein feindlicher schlag oder wurf, der vor dem ziele niedergeht (vgl. 2, a). ähnlich in der ursprünglichen vorstellung: thät er (Eck) mir die ehre (sagte mir nach), ich hätte in margine signirt: hic fallitur sanctus vir, das doch gar nichts zur sachen gelangt. Luther br. 1, 317, nicht zur streitfrage 'trifft', sie nicht erreicht, nicht dazu gehört, non pertinet ad rem. so auch einen angelangen, antreffen, angehen (vgl. 3, b): umbe allen gesuch sollicher schultbrive, der graven, herren, rittere unde knechte antrifft, sal Abraham und ein iglicher, den das an gelangen mag .. gnuge habin. Leipz. urk. 1, 152, wie jetzt noch anlangen, anbelangen.
2)
von allerlei bewegung und dem ziel, an dem sie ihr ende findet, sinnlich und unsinnlich.
a)
z. b. von einer flut: darumb wenn grosze wasserflut komen, werden sie nicht an die selbigen (alle heiligen) gelangen. Luther ps. 32, 6, var. an ihn nit langen, im nit nahen, vergl. u. 1, e aus Waldis. daher für sich erstrecken, reichen, noch im 18. jh. bei Aler 876ᵇ fg. 'gelangen, langen, pertinere, pertingere', mit beispielen: gelehrte leut sagen, dasz ein ader von den augen bisz ins gehirn gelange; der canal gelangt (erstreckt sich) von deinem in sein haus, cloaca ... pertinet. ebenso langen (2).
b)
dabei auch mit dat. statt des acc.: das dieselb grenze sich lende von mittag hin auf gen Akrabbim .. und gelange am dorf Adar. 4 Mos. 34, 4, gemeint ist wol eigentlich: erreiche ihr ende, nicht mit der nordd. verwechselung von dat. und acc., wie u. 4, c a. e. ebenso: und in allen lendern, an welchem ort des königes wort und gebot gelanget, war ein grosz klagen unter den Jüden. Esther 4, 3, var. an wilchen; das meine predigt nicht alleine an euch gelange, sondern in alle welt zu allen heiden kome. Luther bei Dietz 2, 60ᵃ. s. auch unter 3, a.
c)
von dingen die in bewegung gedacht sind, z. b. auch von liegendem besitz, der seinen besitzer wechselt, 'aus einer hand in die andere geht' (vergl. u. gehen 19): aber im halljar sol er (der acker) wider gelangen an den selben, von dem er in gekauft hat, das er sein erbgut im lande sei. 3 Mos. 27, 24, d. h. die vorgestellte bewegung, kreisbewegung des ackers findet da ihr eigentliches ziel und ende. so von dem ziele einer entwickelung, als bewegung gedacht, z. b. zur reife gelangen, reif werden. Adelung: gelangte die traube im heiszen sommer zu ihrer reife .. Gellert 7, 24 (19). von sitten, künsten u. ä., die gleichsam wandern: am allermeisten under den Welschen, darnach hat es auch an die Teutschen gelanget. Parac. chir. schr. 156ᵃ; nach derselbigen werden auch hernach folgen die arcana, ein iegliche nach ihrem process, wie sie dann an uns gelangt haben. op. 1, 602ᵃ, uns zugekommen sind; zugleich von bewegung in der zeit: machen dasz etwas auf die nachkommen gelange, to propagate a thing. Ludwig 723.
3)
besonders von meldungen, beschwerden, klagen, bitten u. ä., die an ihre rechte stelle gebracht werden oder kommen, im canzleistil; vergl. langen 3.
a)
es gelangt etwas an den rat u. ä.: als dann, so an einem erbern rate gelangt hat, von junkfrawen ain newigkait geübt worden ist in dem, das sie zu lawtmerunge auf der gassen hofiren gangen sein. Nürnb. poliz. 84, der auffallende dat. wol wie vorhin von der grenze die am dorf gelanget (2, b); als an einen erbern rat gelangt hat. 94, mit ist s. 247; es hat an die rethe gelanget, wie die fremden fuhrleute u. s. w. Leipz. urk. 1, 346, 15. jh.; so denn der ungehorsam an (d. i. an'n) rath gelangt, sal und wil der rath sunderlich strafung tun. 348; nachdem .. gleublich an uns gelanget, das er, wo seinem trotzigen fürnemen nicht begegnet (würde), uns vom himel und stuel unser majestet .. zu stoszen sich unterstehen würde. Luther 6, 330ᵃ; wirt von jemand, der jugent oder anderer gebrechlicheit halben wissentlich seiner sinn nit hett, ein übelthat begangen, das soll mit allen umstenden an die orten und enden, wie zu ende dieser unser ordnung angezeigt, gelangen und nach rath der selben .. gestraft werden. Carolina art. 179 u. o., bei Gobler deferatur, die gemeinten orte und enden sind oberhöfe, hohe schulen und andere höhere instanzen art. 219. bei Adelung aus der canzleisprache seiner zeit als beispiel: darum gelanget an ew. majestät unsere demüthigste bitte u. s. w.
b)
wieder auch verbunden angelangen für gelangen an (s. u. 1, e): langt uns doch an. Nürnb. pol. 147; nach dem uns angelanget, das allerlei unrichtigkeit in mülhen vorstehen sollen .. Leipz. stadtordn. 1544 D 4ᵃ. seltner mit vor, für: die sache gelanget für dem (so) richter. Olearius pers. ros. 7, 14 (zu dem dat. vergl. Herder u. 4, c a. e.), s. auch u. c 2 Macc., vgl.etwas vor bringen vor gericht.
c)
dazu gelangen lassen, deferre, referre Aler, noch jetzt in voller geltung: keine person solt ir im gericht ansehen ... wird aber euch eine sache zu hart sein, die lasset an mich gelangen, das ich sie höre. 5 Mos. 1, 17; und weil der könig gen Tyro komen war, lieszen ir drei, des rats gesandten, den handel fur in gelangen, das er darin solt urteil sprechen. 2 Macc. 4, 44; da es (das begehren) der ölbaum abschlug, lieszen sie es an feigenbaum gelangen. Schuppius 828; und hat solches an ihre nächste befreundte klagweis gelangen lassen. Abele gerichtsh. 1, 28; an den rath, an die gemeind gelangen lassen, referre ad senatum, ferre rogationem ad populum. Aler 877ᵃ. vergl. so langen lassen unter langen 3.
d)
bemerkenswert auch als pass., im 16. jh.: wo der fridbrecher sachen ... dermasz gestalt sein würd, dasz der järlichen versammlung .. nit zu erwarten were .. setzen, ordnen und wöllen wir, dasz solchs hinfür an unser stathalter und regiment bracht und gelangt werden soll. reichsordn. 1539 108ᵃ, landfrieden v. 1521 10, 1, vorher das. nur bracht werden, und gelangt ist wol nur von bracht nach sich gezogen, kann übrigens auch langen enthalten.
e)
auch vom bittsteller u. ä. selber: also haben sie an mich gelanget, dasz in der woche einmal oder öfter eine mess werde gehalten. Conr. Helt bei Melanchthon 1, 475 Bretschn., es ist wie sie sind an mich gekommen mit der bitte, man sieht aber daraus wie geläufig gelangen war von bitten und anliegen; s. ebenso langen 3 a. e.
4)
so mit persönlichem subj. überhaupt.
a)
gleich langen (6), eig. sich oder die arme lang machen, um etwas zu erreichen, noch bair. z. b. auf eppes hin glangen, danach langen, auch transitiv (wie langen 7) glang mir s'buch her, der handlanger glangt dem dachdecker ziegel, s. Schm. 2, 482; ebenso östr. klangen, klängen, glengen, reichen, auch erreichen, erlangen Loritza 74ᵇ. 52ᵃ, das letztere bair. auch derglangen. so transitiv schon mhd., wie schon ahd. bei Otfried, bildlich: dô sante he nôch allen den erzeten, die her gelangen mochte in aller der werlde, und nîmant kunde ime gehelfen. myst. 1, 42, 5; nhd. noch im 17. jh.: ist derowegen euch selbst daran gelegen, nicht von einander zu scheiden, ehe ihr hülfmittel gelanget. Butschky kanz. 820.
b)
auch gleich ausreichen, wie langen, bair. i glang schon dermit, der glangt mit wenig, auch ausglangen, wie sonst auslangen. Schmeller 2, 482.
c)
von allerlei bewegung zu einem ziel, das man erreicht; mit an, z. b. von gegnern, die wider einander gehen: Jonathan sprach, wolan, wenn wir hinüber komen zu den leuten und inen ins gesicht komen, werden sie dann sagen, stehet stille, bis wir an euch gelangen, so wollen wir an unserm ort stehen bleiben. 1 Sam. 14, 9. auch freundlich: da mit uns gott abgemessen hat das ziel, zu gelangen (var. zu langen) auch bis an euch, denn wir faren nicht zu weit, als hetten wir nicht gelanget bis an euch, denn wir sind je bis auch zu euch komen mit dem evangelio Christi. 2 Cor. 10, 13. 14. aber auch sonst mit allen präpositionen, welche bewegung bezeichnen:
die denn von ihm bereits war weit hinweg gegangen,
bisz sie bey eine höhl' anfinge zugelangen.
Werder Ariost XI, 9, 6;
in den hafen gelangen, portum capere. Aler 877ᵃ; so gelangt man allmählich nach Pfalzburg. Göthe 25, 318; als mein gefährte mit mir in das für uns zubereitete gastzimmer gelangte ... 348, im Sesenheimer pfarrhaus; kaum nach hause gelangt (aus Italien), ward ich nach Schlesien gefordert. 31, 15; denn schon hatte sich Luciane gewöhnt, morgens nicht aus dem bette und abends nicht ins bette gelangen zu können, 17, 237. auch mit dat. statt des acc. nach nordd. art (vgl. 2, b): so gelangen wir ... in einem vorhof. Herder Kallig. 3, 148 (22, 280 Suph.). vergl.kommen 3, c.
d)
auch mit hin und bloszen präpositionen, z. b.: wo gelangen wir hier (auf diesem wege) hin? vergl. hingelangen; wir müssen nun zur mühle hinunter, aber wie gelangen wir dahin? ebenso hinunter, hinüber, hinein u. s. w., auch z. b. mit vor, wenn einer sich durch eine menge vordrängen musz, er konnte nicht vor gelangen.
e)
bildlich, geistig. so auch bloszes gelangen, réussir: nit mögen gelangen, repulsam ferre, seiner begär ungewärt müszen abston. Maaler 165ᵇ. mit präp.: aber dasz wir wider zu dem zweck gelangen! Schuppius 528, zum gegenstand der rede; zu einem amt gelangen, zu ehren, würden. Rädlein 344ᵃ, zum rechten gelangen, jure suo potiri Aler 877ᵃ, zum ziele u. a.;
gelang ich einst dahin, wornach mein eifer strebt.
Günther;
wie sie in dieser rauhen gegend, bei einem so mechanischen geschäft, zu solcher bildung habe gelangen können? Göthe 23, 173, immer noch mit der dunklen vorstellung eines langen und schwierigen weges zum ziele. vom geist und denken schon mhd., zugleich noch sinnlich räumlich gedacht: got der ist sô hôch ime selber, daʒ dar zuo nihtes niht gelangen mac mit der verstentnisse. Eckhart 257, 1.
5)
ursprünglich aber auch ganz anders, von verlangen und begehren; daher noch bair. der gelange (s. d.), verlangen, und verlangen selbst, eigentlich verstärktes langen, gelangen.
a)
ursprünglich unpersönlich mhd. mich gelanget, eigentlich mich dünkt lange, mir wird die zeit zu lang:
lâ dich niht bî mir gelangen.
Bodmers minnes. 2, 35ᵃ,
bei v. d. Hagen 2, 48ᵇ, Lichtenst. 440, 21 L. belangen, wie noch alem., z. b. beim einsamen wandern auf der landstrasze hat es einen recht belangt; vgl. J. Grimm unter belangen 1. dazu dann ein gen. der beziehung oder ursache:
des enlât iuch niht gelangen,   sprach aber Wolfhart.
Nib. 2206, 1 (belangen B),
dazu wird schon zeit werden, wirds bald kommen.
b)
daher dann sich sehnen, verlangen nach etwas, schon ahd. mhd., auch mit gen. noch im 15. jh.:
ich meint (mein?), des bads gelangt in klein,
dasz er so ward geweschen!
Liliencron 1, 535ᵃ.
gewöhnlich mit benanntem subj. und acc. der person:
wann sy hüt hat alls das sy (acc.) gelangt,
gar bald es vor dem köufler hangt.
Brant narr. 82, 56,
von einer putzsüchtigen frau, die immer neues verlangt; ob den kranken vil schedlichs lustet, das versagt er (der arzt) im alles, was aber den kranken nicht gelanget und im doch wider ist, ist es im dann nützlichen, so musz er es wider seinen dank aufnemen. d. buch der zehen gepot. Venedig 1483 23ᵃ; erfuͦr Etto ein bekomenlich ort, dahin in gelangt .. ain closter zebuwen. Oheim 38, 13; dich gelangt etwas zu beschauen, das du wol nit sehen dörftest, es glangt dich aber. Keisersb. seelenp. 43ᵃ. gern stabreimend mit gelusten:
in gelangete und geluste,
daʒ er si gerne kuste.
Trist. 17595 (441, 33);
was uns gelust und gelangt. Keisersb. bilg. 208ᵇ; was sie gelust oder gelangt, da lugen sie, das sie dem genug seien, es sei was es wöll. pred. 4ᵇ; dannenhar kompt es, das dieselben menschen mit verhengtem zoum tund was sie glust und glangt. seelenpar. 112ᵇ.
c)
doch auch mit dat., der begreiflich ist nach ähnlichkeit von mir beliebt, gefällt u. s. w.:
hat er den keraus in der stiern (vom wein),
so glangt im ouch wol zu hofiern,
zu tanzen, reien und zu springen.
altd. bl. 1, 410;
welcher (märker) ... nicht selber druf sitzet, der hat recht und freiheit, ob es ihme gelanget, uf seinen gütern einen geiselhofmann zu halten. weisth. 3, 413, in älterer fassung aus dem 14. jh. obe eʒ in gelanget 5, 731, aus der Wetterau. ein persönliches gelangen scheint nicht entwickelt, wie doch verlangen, auch langen (9).
gelängen
Fundstelle: Lfg. 4 (1882), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2863, Z. 38
verstärktes längen (s. d.), mhd. gelengen, ahd. gilengian Graff 2, 430, noch mundartlich, aber nicht für lang oder länger machen, sondern, wie längen (s. d. 3) selbst, gleich gelangen, eigentlich lang sein, so schweiz. glängen hinreichend sein Stalder 2, 156, östr. glengen, klängen reichen, erreichen (der klänger das auskommen) Loritza 52ᵃ. 74ᵇ, id. austr. 77.
Zitationshilfe
„gelangen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gelangen>, abgerufen am 07.12.2019.

Weitere Informationen …