gelb
Fundstelle: Lfg. 4 (1882), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2878, Z. 23
flavus.
1)
form, nebenformen, verwandtschaft.
a)
die reine stammform ist gilw, deren vocal noch jetzt klingt in vergilbt, in gilblich neben gelblich, mhd. gilweht, gilwen gelb färben, in ahd. giliwî neben gelawî, geliwî aurugo Graff 4, 181 (vgl. gelbe f.), auch im adj. spurweise, wie noch in den sog. cimbr. gemeinden ghil neben ghel Schmeller 124ᵃ, so mhd. gilweʒ Berth. I, 415, 13 (vgl. auch Frisch 1, 337ᵃ) und umgekehrt auch vergelwen pass. H. 4, 24. das adj. zeigt sonst von vorn herein gebrochnen vocal, ahd. gelo, kelo mit -o statt -w (auch gele, d. i. abgeschwächtes gelo, wie im 15. jh. u. b), ebenso alts. gelo, mit endung gelowo Hel. 1878, ags. geolu, geolo, mit endung geolwe. dieser ursprüngliche nachklang nach dem -l ist noch bewahrt in engl. yellow, altengl. ʒelow, ʒolow, yolw u. ä. Stratm. 259, auch noch in nl. geluw neben geel, mnl. ghelu, gheluw Oudem. 2, 465, während schon mnd. nur gel, geel bezeugt ist Sch. u. L. 2, 37ᵇ.
b)
auch mhd. herscht diesz gestutzte gel, doch mit endung noch gelwe, obwol auch ohne sie vorkommt gelev croceus sumerl. 50, 56, wie umgekehrt gele forme, gele cleit pass. H. 4, 21. 27 (s. u. 2, d), wie geli gelbheit für gelbe (s. d.) und schon ahd. gelan kruagon, coccinum rubrum (safran) Graff 4, 181. 593, also im grunde schwanken wegen des -w, wie eigentlich bis heute (wie in falb und fahl). denn neben gelb geht nhd. gel ununterbrochen, in den mundarten bis heute, in der schreibung schwankend, anfangs auch noch gell croceus, also kurz, neben gel Dief. 159ᵃ, gelle gilfus, gilvus 262ᵇ, glaucus 264ᶜ, wie noch bei Luther 2 Mos. 25, 4 zuerst gelle seiden (Dietz 2, 59ᵃ), in dem -ll kann aber auch angleichung des -lw stecken, während gele Dief. 262ᵇ. 264ᶜ u. ö. auf ahd. gelo zurückgeht; verlängert geel (schon im 15. jh. Dief. 159ᵃ), gehl, auch mit bezeichnung des tiefen gebrochnen e gäl z. b. Maaler 154ᶜ (wie gälb Dasyp. 335ᵃ), md. selbst gal (s. u. 2, a), aber auch geil Ortloff rechtsqu. 1, 681, geyle flaveus Dief. 238ᶜ. bei schriftstellern z. b. (s. mehr unter 2): er solt billich nicht allein ein heiliger bischof, sondern auch ein heiliger ritter heiszen, und mit eitel gülden hacken und schaufeln erhaben werden (der h. Benno), das es geel und eitel geel were. Luther 2, 447ᵇ, dasz alles nach gold aussähe (s. 2, c); auch mit endung: ein ganz geele decke. 4 Mos. 4, 6, öfter noch gel, z. b. gele seiden 2 Mos. 25, 4, gele schnur 28, 37, gele tücher Esth. 1, 6, auch gelh, d. i. gehl (wie kalh für kahl, s. d.), s. u. 2, d; weisz, rote und gele tücher. b. d. liebe 298ᵇ; die schleyen werden sehr geel, als ob sie mit saffran geferbet weren. Forer fischb. 168ᵃ; im 17. jh.: Sempron. καταγέλας μου. Cyrilla. ja die geele kuh? A. Gryphius 1, 770 (Horrib.), freilich als volksmäszige spottende auslegung des griech., aber auch ernst, selbst dichterisch: auswendig geel (sind einige kirschen). Hohberg 1, 435ᵇ. 439ᵇ;
und dasz die morgenröth hübsch roht mit weisz und geel
als schönen bluhmenwerk den himmel machte hell.
Werder Ariost XII, 68, 3.
ja noch im 18. jh.: mit rother oder mit gehler seide. Möser verm. schr. 1, 161; die (zügel) wirrte sie nun so auseinander, dasz mir grün und gehl vor den augen ward. Thümmel 5, 161, allerdings in nachahmung der sprache eines kutschers (in der ausg. 1853 in gelb gebessert); Heinrich .. fuhr an Rosas sommerhasenbalg von gehler seide mit gehlsüchtigen blicken auf und ab. J. Paul 13, 145 (Siebenkäs). vergl. Wielands und Arndts geelschnabel unter gelbschnabel. noch jetzt ist es auch dem gebildeten geläufig aus dem kinderspruch von den sieben sachen, die zu einem guten kuchen gehören, am ende, durch den reim gesichert:
milch und mehl,
safran, macht die kuchen gehl.
c)
mit gelb trachtete das sprachgefühl, das ursprüngliche -w zugleich festzuhalten, das nhd. anfangs selbst noch nachklingt und vorkommt, z. b. gelwe farbe Dief. 159ᵃ, gilwe glaucedo 264ᶜ, gilw (: hilw) Beheim Wiener 206, 18, 'gälwen, gäl werden' Maaler 155ᵇ, auch zu -f gesteigert in bair. gelflicht gelblicht Schm. 2, 33, gelfros 15. jh. (s. 3, c a. e.), als -b aber, das ja selber vor vocalen wie w klingt, schon im ausgehenden mhd., z. b. gelb holz Megenb. 375, 33, gelbloht 369, 11 u. ö., gelben 39, 14 neben vorherschendem gel. so erscheint beides noch später nah bei einander: flaveus, gelb vel geel. Melber i 4ᵇ; es ist gewonlich, wan einer ein gele pril oder gelbe augenspiegel uf die nas setzt, alles das er ansieht, das dunket in gel sein. wan er schon ein weiszen schyer (?) sieht, so dunket er in gelb sein. Keisersb. evang. (1517) 6ᵇ, es klingt darin der mhd. wechsel von gel und gelwe nach, dessen regel doch vergessen war. auch die wbb. schwanken, trachten aber nach einheit; wenn z. b. Maaler gäl durchführt, selbst in gälächtig und gällecht gelblicht, macht es Dasyp. ebenso mit gälb, im 17. jh. Schönsleder mit gelb, gibt aber daneben an andrer stelle doch noch reuschgeel, roszgeel, sandaraca vera t 8ᵃ, gêl ist eben noch heute die bair. form. spätere wbb. stellen gewissenhafter beide formen zur wahl, wie Stieler 595 gäl (geel, gehl) und gelb, noch im 18. jh. Ludwig 'gelb, geel oder gäl', aber gelb allein bei Rädlein, Aler, Steinbach, Frisch, Adelung, der letztere nennt gel, gäl als 'in den gemeinen mundarten Ober- und Niederdeutschlandes', aber es gilt ebenso gut noch in dem mitteldeutschen, in Hessen z. b. ausschlieszlich Vilmar 121, gelb mag seinen hd. sieg dem anschlusz an gilblich, vergilbt u. ä. verdanken.
d)
für verwandtschaft ist zunächst zu bemerken eine nebenform, die im nord. den platz hat, altn. gulr gelb, schwed. gul, dän. guul, norw. gul, auch gaul Aasen 251ᵃ, schwed. dial. auch gaͦl, altschwed. goler Rietz 220ᵇ; und auch auf engl. boden erscheint das in altengl. golsoght gelbsucht Halliw. 409ᵃ (dän. guulsot, schwed. gulsot), Stratm. 243, auch schott. gool, gule Jamieson 1, 494ᵇ, ja selbst bei uns eine gebliebene spur in gaulammer (s. d.), auch golammer, goldammer, eigentlich gelbammer (s. gelbling), vgl.geule glaucus Dief. 264ᶜ; es ist da, als hätte das mangelnde -w in der stammsilbe selbst seinen platz gefunden. ganz merkwürdig aber eine oberd. nebenform elb (s. d.), kärnt. elw gelbbraun Lexer 83, mhd. el, elweʒ n., ahd. elo, elwaʒ Graff 1, 225, s. auch Schmeller² 1, 66; also völlig wie gelb, nur mit gestutztem anlaut, wie eifitz gleich geifitz kibitz, opold für kobold (s. d. III, 3, d), ampeln gleich gampeln (s. d. 4), alts. aru, ags. earu gleich garu, gearu fertig (sp. 1315), d. h. g- fehlt eigentlich nicht völlig, sondern ist durch stark gesprochenen spiritus lenis ersetzt, sodasz die erscheinung zu der merkwürdigen bewegung in den kehllauten auch auszer der lautverschiebung gehört (vgl. geisz 1, c, α), von allen betreffenden fällen der merkwürdigste. entlehnt scheint it. giallo gelb (Frisch 1, 337ᵇ), mit -ll aus -lw, wie gelle u. b.
e)
auswärtig entspricht genau lat. helvus gelb, honiggelb, helvolus gelblich, helvinus blaszgelb, ein volkswort das bei Varro, Columella u. a. glücklich bezeugt ist, daneben gilvus (gilbus) hellgelb, diesz mit dem vocal noch genauer stimmend, im anlaut mit der eben erwähnten bewegung (vergl. u. geisz a. a. o., auch sp. 1315); vergl. schon Frisch a. a. o. aus dem skr. verglich schon Graff 4, 181 hari grüngelb, dazu zend. zairi gelb, goldfarbig, zar gelb sein, s. Justi 118 fg., dann altsl. žlŭtŭ gelb, litt. gèltas (žalas grün), gr. χλωρός u. s. w. Schleicher comp. 248 (303), vergl. auch das merkwürdige lydische zelvos gelb Lassen zeitschr. d. d. morg. ges. 10, 367. vergl. übrigens galle (als gelb, s. dort 1, d, γ), auch gelf und gold.
2)
bedeutung und gebrauch.
a)
von der farbe an sich: gelb glaucus, gilvus, gelbe farb glaucedo. voc. inc. t. h 5ᵃ, vergl. in Diefenbachs wb. v. 1470 sp. 141 glaucus est color inter nigrum et album tenens medium, gal (mit md. a für ë, ä, s. u. kellnermeister); gel, glaucus, gilfus, croceus. voc. th. 1482 k 6ᵇ, gel oder plaw, flavus, flaveus 7ᵃ. mit genauerer bestimmung saffergeel croceus Dief. 159ᵃ, goldgelb, honiggelb, schwefelgelb, quittengelb, citronengelb, wachsgelb (mhd. gel als ein wahs s. Germ. 9, 391), dottergelb, eiergelb, strohgelb, kleegelb, erbsengelb, hafergelb (s.habergelb), blättergelb, brandgelb, flammengelb, rostgelb u. s. w., auch berggelb, bleigelb, rauchgelb Frisch 1, 337ᵃ, speckgelb, erdgelb, mahlergelb Ludwig 724, hochgelb, dunkelgelb, hellgelb, lichtgelb, blaszgelb, früher bleichgelb Steinb. 1, 583 (gelbe ist seine form, wie schles. gêle Weinh. 26ᵇ), im 16. jh. bleichgäl flaveus Dief. 239ᵃ, im 15. jh. lividus bleich gel 334ᵇ; auch mit mischung der farbennamen, wie der farben selbst, z. b. rotgelb, wie gelbrot (s. d.), grüngelb wie gelbgrün, braungelb und gelbbraun, bei Steinbach a. a. o. auch blaugelb lividus, schwarzgelb luridus, ravus, wie im 16. jh. dunkelgälb, schwarzgälb ravus, schon mhd. swarzgel, gelb das tief dunkel ist, dagegen gelwîʒ hellblond c a. e. wie dabei um die rechte bezeichnung streit sein kann, zeigt z. b.:
spriche ich gel, si sprichet rôt,
spriche ich rôt, si sprichet gel.
das üble weib 66.
hohes, auffallendes gelb heiszt bair. gruselgel Schm. 2, 122, hess. ginselgel Vilmar 121, d. h. gelb wie ein gänschen, tirol. auch ganslgel hellgelb Schöpf 184 (vgl. gelbgans).
b)
von blumen, pflanzen, früchten u. ä.:
gel sam ein ringelbluome
fuort er ein wâpenkleit gebriten.
troj. krieg 32441;
geel viol. Alberus dict., gelbveigelein; die allrun, welche auf ebreisch heiszen dudaim, halten etliche, es seien violen gewest, aber es mügen nicht die blaw oder gele violen sein. Luther 4, 167ᵃ (178ᵇ); gelbe veieln, viola lutea Henisch 1454; geel lilien, acorus, Dief. n. gl. 7ᵃ; viola lutea, gele nagelin, belg. gheele violetten, gall. giroffle jaune. Junius nom. 106ᵇ (viola nigra blaw veihel, merzenviolen), bei Trochus L ijᵇ sind viole luthee, alias calte rindelblumen; gelbe rosen, rosa lutea. Henisch 1454. von reifen früchten: nach gelben biren und braunen nussen fellt einer den hals ab. das.; gäl pflumen, cerea pruna Maaler 154ᶜ. gelbruben, daucus voc. 1482 k 7ᵃ, gelbe rüben Frisch, bair. gelruebm, mohrrübe Schm.² 1, 895, das Hanauische heiszt im volk das gelerübenland Vilmar 121. vom reifen korn: das gäl oder ryf korn, arva flava Maaler, die frucht wird gelb Aler, die schwere gelbe ernte. J. Paul Tit. 3, 46, vergl. ahd. 'gelo, adulta, matura' Graff 4, 181. das gelbe kraut auch vom tabak: durch einige züge sein gelbes kraut wieder lebhafter anglimmend. Gutzkow ritter v. g. 2, 63. in der küche: mal kümel und enîs mit pfeffer und mit eʒʒige und mit honige, und mach eʒ gel mit saffrân u. s. w. buch von guter speise § 48; gelbe brüe, jus croceum. Henisch 1454; dar nae rintfleisch mit mostert, dar nae brolink mit geler bruden, dar nae huener mit geler bruden. Luxemb. weisth. 617; anders wol gele suppen bei Keisersberg, s. unter gall n. 2, vgl. unten unter h und gelbsuppe.
c)
das gold heiszt gelb, wie früher rot: bäume, derer oel blauer als lasurstein und gelber als gold färbte. Lohenstein Arm. 2, 303 (zu dem comp. vergl. bei dem gelbesten kindstreck Garg. 198ᵃ); guck, gehl gold, groszmutter! Fr. Müller 2, 71; gott verdamm mich! da greif ich (Miller) ja das baare gelbe leibhafte gottesgold! Schiller cab. u. liebe V, 5. daher gelbe pfennige im scherz für geld (goldfüchse) Rädlein 345ᵃ, wie gel für golden: die hansen vom adel, so daher tretten mit iren gelen keten. Luther serm. auf Matth. 22 (1535) D ijᵇ, vergl. dens. u. 1, b, auch gelbringig. eine gelbe erde oder gilbe ist bei den bergleuten eine spur vom eisenstein Frisch 1, 337ᵃ, gelbe erd, ochra, sil, mit gelber erd malen, sile pingere Aler 87ᵇ.
d)
gelbes haar, blondes, als besonders schön, es wird mit dem gelben golde verglichen, z. b.: flavos crines, gel und goltfar. Melber i 4ᵇ;
dann wer ich also schön und klar
als Helena von Griechen war,
und het ein har als golt gespunnen (gesponnen gold),
des straim erglenzten für die sunnen ..
weim. jahrb. 2, 113;
ich pin ain frische diern zwar (fürwahr),
ich sich ain in ainem gelben har u. s. w.
fastn. sp. 402, 13;
in einem langen preisenden frauengrusz, den ein ritter spricht:
so wiszt, dasz ich euch gruͤsz
von der schaitl pis auf die fuͤsz ...
gott grüesz euch, edle ros im tau ...
gott gruͤsz euch eur spilende euglein klar ...
gott gruͤsz euren rubeinroten mund ...
gott gruͤsz eur gelbes har,
das ist geschickt nach wunsche gar u. s. w.
409, 20;
und gend (gebt) dem krenzlin einen schwank
und setzen mirs auf mein gelbes har,
das sicht gleich wie ein igel zwar (d. h. kraus).
Uhland volksl. 12;
darzu ein lang fliegendes haar,
liechtgelb geleich dem golde klar.
H. Sachs 5, 330ᶜ;
wo aber ein herr oder fürst solch seines ampts und befelhs nicht warnimpt, und leszt sich dünken, er sei nicht umb seiner unterthanen willen, sondern umb seiner schönen gelen har willen fürst .. Luther 3, 325ᵃ (im ersten druck gelhen har Dietz 2, 59ᵇ); das deine sünde nimer sünde und vergessen sind, ist nicht deiner gelen har schuld, sondern der gnaden. 4, 460ᵃ, eine redensart aus dem volke, wie z. b. noch schwäbisch um deiner gelen haar willen geschieht es nicht, nicht dir zu lieb Schmid 226, ähnlich der franz. redensart, dasz man einem etwas zu gute thut pour ses beaux yeux; Frisch 1, 337ᵃ führt dazu an, in Schwaben und Franken wünschten die baurenmägde einander zum neuen-jahr einen jungen gesellen in gelben haaren. ironisch, satirisch:
(magst) lan sehn dein kolschwarz gelbes haar,
wie es fein feiszt und glitzicht sei.
Scheit grob. 1572 66ᵇ (I, 6, 12).
besonders schön ist gel und kraus zugleich, blondgelockt:
krûs hâr und gel ûf kindes swarten (kopfhaut).
Renner 17345;
und wil an heben an deim haar ...
ist esz doch weder geel noch kraus u. s. w.
Folz von einem puler, fastn. sp. 1276;
ûf sînem gelen krûsen hâr
sîn krône stûnt van golde rôt.
Berthold Crane 2236;
si was wunneclîch gestalt ..
schône gebunden, gel crûs hâr ..
Bartsch mitteld. ged. s. 85;
man nennit einen ritter here (herr)
nicht umme sin gelis krusis har,
man irbutit eme solche ere
umme sine toginde, daʒ ist war.
das. s. 152, Rothe rittersp. 1962,
worin schon die redensart bei Luther vorhin anklingt;
setzt mirs (das kränzlein) auf mein gelbes kraus haar,
welches sicht gleich eim igel zwar.
Uhland schr. 3, 316.
mhd. hiesz es auch gelreit (reit gekräuselt) Lexer nachtr. 188, zuerst gel unde reit:
wanne er hât gel und reideʒ hâr.
Renner 393;
gelreit lanc was im sîn hâr.
Apoll. 1452.
gelwîʒeʒ hâr Bartsch mitteld. ged. 69, hellblondes. daher der name Gelbhaar, vergl.gälhaar coma aurea Maaler 154ᶜ. auch eine goldgelbe oder blonde perücke Ludwig 724.
e)
dagegen gelbe hautfarbe als zeichen des todes oder siechthums, des kummers (vgl.des tôdes gilwe, leides gilwe mhd. wb. 1, 497ᵇ), auch des neides, der bosheit u. ä.: die gele varwe bezeichnit den tod. Ortloff rechtsqu. 1, 681, vergl. mnd. wb. 2, 37ᵇ aus der glosse zum Ssp.;
so bin ich gel recht wie ein tot,
das mir das liecht im hirn zergot.
Murner narrenbeschw. 93, 17,
im bericht eines kranken; schon mhd.:
dô wart geverwet über lût
sîn bilde alsam ein tôte gel.
Konrad troj. kr. 22393,
wozu Zingerle Germ. 9, 391 gelb wie ein todter als noch geläufig erwähnt;
der .. mit tugenden sich twanc,
daʒ im der lîb wart vil kranc (schwach) ..
und (sich) gel alsô machte.
pass. K. 45, 2, vergl. 691, 11,
das ist auch das gele cleit, die gele forme pass. H. 4, 21. 27, welche die tugend auf erden durch abstinentie sich erwirbt, die in virgelwet und mit kestegunge selwet, verdrucket wol des blûtes vluʒ;
wie sitzt du also auf dir selb,
bist so erschluchzet, bleich und gelb?
H. Sachs III, 1, 107ᵇ (10, 405 K.);
also hast dus gethon dir selb
und bist halb unsinnig und gelb.
1, 320ᵃ (3, 440);
ich sprach: wer bist du also gelber?
1, 330ᵃ (3, 481),
vorher entsprechend ganz blaicher farb, ernstlich und wild das.; man sech die (jungfrauen) an, die in der ee sind, ee si ain halbjar darinn sind, so würt dʒ ermest ellendest ding darausz ... und koment dort her und seind gelber und häszlicher dann nimmermer kaine im closter wirt. Keisersb. geistl. spinn. O 1ᵃ, als trost vor klosterjungfrauen gepredigt. in Nassau gelföst, gelfüstig, gelb aussehend, dann auch neidisch Kehrein 157 (aber auch geel sonnverbrannt Dähnert 146ᵃ, vgl. u. gelben 1). denn es heiszt auch gelb von bosheit, neid: vor neid gelb werden. Wieland 15, 373, nl. uitzien als de gele nijd, wie der neid selbst;
vor bosheit gelb ward als ein wax.
Ringwald tr. Eck. G 5ᵇ.
gelbe farbe als krankheit, gelbe sucht, gallensucht (s. gelbsucht), vergl. unter galle sp. 1184fg. von der gelben galle, als krankheit oder temperament, auf die galle zurückgeführt. vom spleen heiszt es (vergl. gelbsüchtig 3):
spleen streut auf alles gelbe schatten,
ihm wandeln sich die lilien
von Huisums in nasturzien
und Coypels Amors in mulatten.
Gotter 1, 466.
auch grün und gelb (vgl. u. e): hat sie des morgens nicht ausgeschlafen und sieht von der galle grün und gelb aus .. Weisze kom. op. 2, 11; auch gel und grün aussehen, elend und siech, hess. Vilmar 121. angst und schreck, betäubung u. ä. läszt uns grün und gelb sehen: wie sie leider toll und töricht worden sind für groszem erschrecken der aufgehenden warheit, welche ire starke glenz also in ir gesichte stöszt, das inen grün und gelb für den augen schimmert. Luther 1, 348ᵃ;
schon kam der termin!
ihm wards vor den augen bald gelb und bald grün.
Bürger 66ᵇ (kaiser u. abt).
gelb um den schnabel, eigentlich von vögeln, s. u. 3, b. gelber star, suffuiso flava Henisch 1454.
f)
gelb auch geradezu für bös, als schimpfwort:
du diebin, du yltesbalk du gelber.
H. Sachs 1, 512ᵈ (5, 199 K.);
du unverschembter palk du gelber.
514ᵃ (204),
beide male in einem zank zwischen frauen;
du verreter, wie bist so gelb,
frisz den vergiften apfel selb.
III, 2, 201ᵇ (13, 205);
drum fetsch dich, du unflat du gelber.
III, 3, 27ᵇ.
von neid und habgier: neidische hunde und unbarmherzige leute, sehen wie die gelben juden (s. u. f). Mathes. Syrach 1, 88ᵃ. die quelle des bösen ist nach alter anschauung hasz und neid (s. z. b. Walther 59, 1. 61, 1. 64, 5. 26, 20), deren farbe aber ist gelb oder gelb und grün:
gel grüene weitîn
daʒ sol diu nîtvarwe sîn.
Freidank 60, 5,
man vergl. W. Grimms anm. s. 343, dabeigrün und gelb heiszt noch heut zu tage des teufels farbe.“ auch das wird auf die galle zurückgehn, die gelbe und grüne farbe zeigt (sp. 1184fg.) und auch zu gift versotten wurde; wird doch für galle auch kurz nît gesetzt, wie bosheit, ja der boshafte selber gift und galle heiszen:
si nâmen gallun unde eʒʒich,
si drankdun in (Christus am kreuz) bit nîde.
Müll. u. Scherer denkm. s. 78 (76), Haupt 8, 268.
g)
es ist unter allen farben die auffallendste, die lauteste gleichsam, die die blicke herbeiruft. daher in der kleidertracht solcher, die auffallen wollen oder sollen, z. b. als das abzeichen 'gemeiner frouwen' im Meraner stadtrecht: eʒ sol kein gemeine fröuwele keinen frouwenmantel noch kursen (pelz) niht tragen .. und sullent ouch ûf irn schuohen tragen ein gelweʒ vänle, dâ mit man si erkenne. Haupt 6, 425, eine ähnliche bestimmung galt in Krakau u. a. gelbes gebende, schleier u. ä. bei putzsüchtigen frauen, die nach lebenslust trachten: sô habent die frouwen mit dem gelwen gebende grœʒer arbeit, denne diu diemüeteclich ein wîʒeʒ treit u. s. w. Berth. II, 242, 25, vgl. von den gilwerinnen mit dem gelwen gebende I, 367, 22. 54, 4, besonders 414, 36 ff., dabei: eʒ (d. h. gilweʒ) solten ouch niwan die jüdinne unde die pfeffinne unde die bœsen hiute tragen die ûf dem graben dâ gênt, die süln gelweʒ gebende dâ tragen daʒ man sie erkenne. 415, 14 ff., also der wunsch nach einer bestimmung wie sie dann in Meran u. a. ähnlich ins leben trat; ir frouwen ir machet eʒ ouch gar ze nœtlîchen mit iuwerm gewande, mit gelwen sleigern, mit gebende u. s. w. 397, 1;
blôʒer nac und gelwe kitel
lockent manigen valschen bitel (freier).
Hugo v. Trimberg 12536, vergl. 415;
nu sloier gel und houpttuoch wîʒ.
12559;
ein meit in einem gelwen swanze (schleppkleid)
und mit eim schœnen rôsenkranze.
12367;
o we rosenkrenze,
o we miner swenze,
o we gele gebende,
o we miner wiszen hende u. s. w.
Alsf. pass. 1998, Haupt 3, 501,
wehklage der Maria Magdalena, da sie in sich geht;
oder bringst mir ein gälen schleier?
Gengenbach 148,
eine bäurin zu ihrem manne der vom markte kommt; in einer schilderung der prunksucht der weiber:
ouch machend sy die stuchen (schleier) gelb,
hand rhot backen wie ein felb,
und sehend usz den stuchen wie
ein stuck fleisch usz einer gälwen brye.
Utz Eckstein concil, kloster 8, 808;
im Böotierland ist der brauch ... wann man die braut mit dem gälen heuratschleier, welchs ain zaichen irer vermälung ist, verhüllet ... Fischart ehz. 5 (414 Sch.); gele schleyerlin. Garg. 138ᵇ (gelbe Sch. 253);
ich wolt dir ein gelben kitl anlegen,
mein zauberei dir machen war.
H. Sachs III, 3, 13.
auch in männertracht, als auffallend: farende schüler seind vor zeiten im land umgangen, die hetten gele gestrickte netz an dem hals, grosze leutbescheiszer. Pauli sch. u. ernst (1546) 31;
Michelein ist ein feiner bue,
knüpfts wammes mit roth nesteln zu,
hat hübsch gelbe hosen an u. s. w. (vgl. u. kuppelig).
E. v. Widmanns neue music. kurzweil Nürnb. 1618 37, 6.
die juden muszten ein gelbes abzeichen tragen: welchen löblichen brauch die Schwaben mit den roten seckeln noch löblich erhalten. solten sie in (den seckel) gelb tragen, man möcht sie von Judas geschlecht sagen, weil sie on das gelb fuͤsz haben. Garg. 118ᵃ (Sch. 213), vgl. gelbfüszler; dasz die jüden einen gelben ring an dem rock oder kapfen (kappe) allenthalben unverborgen, zu ihrer erkandnus, öffentlich tragen. Augsb. ref. 1530 22, 1, in einer bestimmung von 1451 für die Cölner diöcese ist es ein circulus de filis croceis, anderwärts im 16. jh. ein groszer gelber ring, von messing oder tuch, s. Haltaus 1054 fg., vgl.gelbberingelt; wie man die bettler und jüden an den gelen rinken kennet. Luther 3, 379ᵇ; daher mögen die gelben hüte der bankerottirer, die gelben ringe auf den mänteln der juden entstanden sein, ja die sogenannte hahnreifarbe ist eigentlich nur ein schmutziges gelb. Göthe 52, 314 (farbenl. § 771). ketzern ward bei der hinrichtung dat gele cruce an den hals gehängt, s. mnd. wb. 2, 37ᵇ. im 16. jh. wird von mordgesellen berichtet, dieselben hiesz man wegelislewt, nam etlicher ain gelbe kappen und schwur aim den hals und leben ab, den er nie kant noch gesechen hett. Baumann qu. zur gesch. des bauernkr. in Oberschwaben 182.
h)
in der farbensprache des alten minnelebens wurde dem gelb die bedeutung des minniglichen glückes beigelegt, z. b. in dem fastnachtspiel von den sieben farben:
gel pringt lieb aus lait ..
gel ist der minne solt
und reich als das minniglich golt,
gel kündet das ich pin gewert
des ich an die minne han begert u. s. w.
fastn. sp. 779, 13 ff.,
s. dazu Bartsch Germ. 8, 38 ff., Zingerle das. 498, auch Hätzl. s. 170, wo doch entgegengehalten wird:
ich sprach, die varb ist ze hel
und sich si selten tragen.
bemerkenswerth ist daneben Göthes ausführung a. a. o. in dem cap. von der sinnlich-sittlichen wirkung der farbe § 765 ff., wie das gelb die nächste farbe am licht ist, eine heitere, muntere, sanft reizende eigenschaft besitzt, das auge wird erfreut, das herz ausgedehnt, das gemüth erheitert, eine unmittelbare wärme scheint uns anzuwehen u. dgl.
i)
noch manches wird aus dem gebrauch des lebens beizubringen sein, auch fragliches, wie folgendes:
wie wird das lose paar
beim gälen männchen lachen.
Weise comöd. 351,
in Schlesien heiszt ein gelber pilz gâlmannel Weinh. 26ᵇ;
richter. so legt auf ewre köpf die hend
und richt den eid zu diesem end.
zeuge. mit allem willn und gleichsam gehl.
Calagii Susanna IV, 6.
geler kragen (hals), ein schlemmer beichtet dem arzte:
in heiligen und in andern tagen
füll ich allzit min gelen kragen.
Murner narrenbeschw. 93, 12 Göd.,
vom herausgeber mit 'gelb, üppig' erklärt; allerdings erscheint damit nachher die gele sucht und gel für krank in beziehung gesetzt (s. u. d), aber jenes gel erinnert auch an die gele suppen, d. i. wol leckere, bei Keisersberg und scheint leckerhaft zu bedeuten, s. dazugall n. sp. 1181fg., obwol jene suppe auch wirklich gelb gewesen sein wird, wie die gälwe brye bei Eckstein unter f (vergl.gelbsuppe). ein verflieszen von geil und gel gelb liegt vor im göttingischen niederdeutsch bei Schambach 61ᵇ, wo gël ohne unterschied sowol gelb als 'geil, fett' von ackerland ist (s. sp. 1182), während in Hessen gêl geil und gæl gelb geschieden sind Vilmar 121.
3)
als substantiv.
a)
das gelb von der farbe an sich, z. b.: das ins roth gesteigerte gelb. Göthe 52, 315; wie das reine gelb sehr leicht in das rothgelbe hinübergeht. das., zugleich als beleg, wie leicht auch in diesem gebrauch die form ohne endung doch in die mit endung übertritt, vgl. s. 314 das gelbe, vom gelben, aber ein starkes gelb 312.
b)
von bestimmten gelben gegenständen das gelbe und das gelb, gel, z. b.: das gäle sive gelbe im ey, luteum, vitellus ovi Stieler 595, das gelb im ey Aler 877ᵇ (nd. gelei n. Schambach 61ᵇ). am schnabel der jungen vögel, auf den menschen übertragen (vergl.gelbschnabel): sind auch gelehrt genug und doch das geel am schnabel nicht abgestoszen. Luther br. 4, 651; er sollt nu das geel abgelaufen haben. 2, 381; mag er sich in der welt versuchen, das ime das gelbe vom schnabel gewischet werde. schausp. des h. J. v. Braunschw. 338. auch hinter die ohren versetzt: wann mancher nur kaum das gelb hinter den ohren verlohren und buchstabiren gelernt, so musz er schon französisch lernen. Simpl. 1058 K.; das gelbe guckt ihm noch hinter den ohren hervor. Rädlein 345ᵃ. auch adjectivisch vom menschen selber, wie gelbschnabel gleichfalls: sie sind zu geel umb den schnabel, die jungen papirklicker, und gar zu unversucht. Luther b. Dietz 2, 59ᵇ; er ist noch gelbe um das maul. Steinb. 1, 583.
c)
der oder die gelbe von pferden gelber farbe, wie die falbe, ein falber:
dieweil ein tüchtig rosz auch gern was gutes frist,
wann es bei dir zu gast mit mir gekommen ist.
die gelben merken diesz, und fangen an zu prauschen.
Canitz 267;
fort gelben! bis der trab euch das gebisz beschäumt.
270.
im 15. jh. gelfros, gilvicus, equus gilvi coloris. voc. inc. t. h 5ᵃ, in anderen ausg. gelbros Dief. 262ᵇ.
Zitationshilfe
„gelb“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gelb>, abgerufen am 16.11.2018.

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